Das Baby Johannes freut sich über das Baby Jesus

Warum erzählt Lukas diese Geschichte, dass Johannes und Jesus schon als Kinder zusammengehören und dass Johannes sich über das jüngere Kind freut? Beide werden sich als Erwachsene darüber einig sein, dass sich viel ändern muss, damit endlich Gottes Wille auf der Erde geschieht. Nur die Frage, wie das geschehen soll, die haben sie verschieden beantwortet. Und doch gehören beide zusammen.

Das Bild ist ein Gemälde von Leonardo da Vinci von der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer

Nicht erst seit seiner Taufe ist Jesus mit Johannes dem Täufer verbunden (Bild: janeb13 – pixabay.com)

#gedankeAbendandacht am Donnerstag, 9. Dezember 1999, um 18.00 Uhr im Stadtkirchenturm Gießen

Herzlich willkommen im Gießener Stadtkirchenturm! Ich bin Pfarrer Schütz aus der Paulusgemeinde und freue mich, gemeinsam mit Ihnen in der Woche zwischen dem 2. und 3. Advent diese Andacht zu feiern.

Wir feiern sie im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Advent, das heißt: er kommt an, Gott kommt in unser Leben. Gott kommt zur Welt, als Kind, klein und verletzbar.

Wir singen gemeinsam das Adventslied EG 4:

1) Nun komm, der Heiden Heiland, der Jungfrauen Kind erkannt, dass sich wunder alle Welt, Gott solch Geburt ihm bestellt.

2) Er ging aus der Kammer sein, dem königlichen Saal so rein, Gott von Art und Mensch, ein Held; sein‘ Weg er zu laufen eilt.

3) Sein Lauf kam vom Vater her und kehrt wieder zum Vater, fuhr hinunter zu der Höll und wieder zu Gottes Stuhl.

4) Dein Krippen glänzt hell und klar, die Nacht gibt ein neu Licht dar. Dunkel muss nicht kommen drein, der Glaub bleib immer im Schein.

5) Lob sei Gott dem Vater g‘tan; Lob sei Gott seim ein‘gen Sohn, Lob sei Gott dem Heilgen Geist immer und in Ewigkeit.

Lasst uns im Wechsel die Worte eines urchristlichen Hymnus aus dem Brief an die Philipper 2 beten, den wir im Gesangbuch unter der Nummer 760 finden:

5 Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:

6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Liebe zur Andacht versammelte Gemeinde!

Ich möchte mit Ihnen in der Adventszeit über eine kleine Episode aus der Zeit nachdenken, in der Maria guter Hoffnung war. Der Evangelist Lukas berichtet am Anfang seines Evangeliums (Lukas 1):

39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda

40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom heiligen Geist erfüllt

42 und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes!

43 Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe.

Eine eigenartige Geschichte! Zwei werdende Mütter begegnen sich, die schon recht alte Elisabeth und ihre Verwandte Maria, die noch ein ganz junges Mädchen ist mit wohl gerade 14 Jahren, und das eine Baby im Mutterleib hüpft vor Freude über das andere Baby.

Die beiden Babies werden Johannes und Jesus heißen; Johannes wird außerdem der Täufer genannt werden und Jesus wird man den Christus nennen. Und die Botschaft der Geschichte lautet: Schon im Mutterleib hat sich der kleine Johannes darüber gefreut, dass Jesus geboren werden sollte.

Geschichten über Babies werden in vielen Familien erzählt. „Weißt du noch, als unsere Tochter noch ein Baby war, da hat sie schon genauso geguckt, wie sie jetzt immer guckt, wenn sie was von einem will!“ Man erzählt sich auch manches, was vor der Geburt passiert ist. „Du hast schon immer gern Musik gehört, schon damals, als du noch im Bauch der Mama warst. Bei schöner Musik hast du dich ganz lebhaft im Takt bewegt.“ Wer so etwas erzählt, will sagen: So war dieser Mensch schon immer. Und gerade so hatten wir ihn schon damals lieb.

Auch in der Bibel wird das Wesen eines Menschen oft in der Weise beschrieben, dass man Geschichten über seinen Anfang, über seine Geburt erzählt. Sie drücken die innere, die seelische Wahrheit eines Menschen aus.

Als erstes drückt die Erzählung etwas nur scheinbar Selbstverständliches aus: Beide Kinder haben eine Mutter, die sich auf ihr Kind freut! Elisabeth, eigentlich schon in den Wechseljahren, wird endlich doch noch stolze Mutter. Maria ist zwar aus für sie unerklärlichen Gründen schwanger, denn von ihrem Verlobten Josef ist das Kind nicht, aber Maria nimmt das neue Leben in sich an als ein kostbares Geschenk Gottes. Vielleicht sollen wir aus dieser Geschichte lernen: nicht wir Menschen machen Kinder, sondern jedes Kind ist von Gott gewollt und geschaffen, damit es seinen eigenen Weg gehen kann.

Ganz klein fängt hier eine Hoffnung an zu wachsen, noch sehr zerbrechlich, sehr verletzbar; noch lange Zeit wird es dauern, bis Johannes und Jesus als erwachsene Männer reif dafür sind, öffentlich aufzutreten und zu tun, was ihre Aufgabe ist. Johannes wird einer der größten Propheten des Volkes Israel, und Jesus hat eine noch größere Bestimmung: In ihm kommt Gott selbst zur Welt.

Warum erzählt Lukas diese Geschichte, dass Johannes und Jesus schon als Kinder zusammengehören und dass Johannes sich über das jüngere Kind freut?

Diese beiden später so berühmten Männer, Johannes und Jesus, sie verkörpern ganz unterschiedliche Arten und Weisen, sich auf Gott einzulassen, auf ihn zu warten, sich darauf vorzubereiten, dass er in unser Leben eintritt. Und doch gehören beide zusammen. Beide sind sich darüber einig, dass sich viel ändern muss, damit endlich Gottes Wille auf der Erde geschieht. Nur die Frage, wie das geschehen soll, die haben sie verschieden beantwortet.

Johannes hat gemeint, man müsse jedem Menschen ins Gewissen reden, man müsse ihn nehmen und taufen, ihn eintauchen in den Jordanfluss, ihm gründlich den Kopf waschen, dann würde er schließlich einsehen müssen, dass es nicht so weitergeht wie bisher. Aber jeder Mensch spürt dann doch auch wieder: Ich bin zu schwach, um mich zu ändern. Ich habe Angst davor, mich auf Gott einzulassen. Muss er mich nicht strafen? Kann ich ihm denn recht sein, so wie ich bin? Nein, da will ich lieber meine Ohren zuhalten und die Wahrheit über mein Leben gar nicht wissen. Johannes wusste das selbst: so richtig seine Bußpredigt war, die Erlösung von allen Übeln der Welt konnte er damit nicht erreichen. Erst nach ihm würde einer kommen, der würde den Menschen den Weg zeigen zum Licht mitten in der Finsternis, zur Wärme der Liebe mitten in einer kalten Welt. Johannes wartete auf den, der die Antwort bringen würde auf viele brennende Fragen:

Wie macht man die Hand eines Menschen so reich, dass er fähig wird, ohne Angst zu teilen? Wie streichelt man die Hand eines Menschen so sanft, daß sie zärtlich wird und Leben weckt? Wie berührt man die Hand eines Menschen auf eine Weise, dass sie rein wird und alles, was sie anfasst, an Schönheit gewinnt? Wie spricht man zu einem Menschen so, dass sich seine Ohren öffnen und seine Seele angerührt wird von Worten der Wahrheit? Wie redet man so freundlich ins Herz eines Menschen, dass die Angst daraus weicht und er sich aufschließt zu seinem eigentlichen Leben? Wie bringt man den Mund eines Menschen dazu, dass er freundlich spricht und Vertrauen erweckt, Worte, die wiederum zum Herzen eines anderen reden? Und wie erweckt man die Augen von Menschen, dass sie widerspiegeln den Schimmer des Lichtes und aufleuchten von der Entdeckung eigenen Glücks? Wie legt man in die Augen von Menschen den Glanz der Unendlichkeit, das Vertrauen in die Güte von allem, was ist? Wie macht man sie empfänglich für die Schönheit von allem, was Gott geschaffen hat, und dankbar für die Schönheit des eigenen Wesens, so wie Gott uns gemeint hat?

Jesus kam in die Welt – und als wahres Ebenbild der Liebe Gottes war er die lebendige Antwort auf alle diese Fragen. Advent bedeutet: Sich einlassen auf Jesus, auf die Berührung mit Gott durch den wahren Menschen Jesus. Amen.

EG 557, 1-3: Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit

Gott, unser guter Vater, wir können Weihnachten in kindlicher Freude feiern nach den alten Bräuchen, in fröhlicher oder besinnlicher Weise. Aber wenn wir das heute nicht mehr so können, ist das auch nicht schlimm. Hauptsache, wir nehmen ernst, dass du zur Welt kommst als ein Kind, dann ist es bei uns Weihnachten, mehr ist nicht nötig. Darum hilf uns, dass wir an Weihnachten nicht eine Schau veranstalten und unsere wahren Gefühle verstecken. Gib uns Kraft, auszuhalten, was wir fühlen an Angst und Sehnsucht! Schenke uns deine Hoffnung, die uns leben lässt! Lass in uns das Kind wachsen, das kindliche Fühlen und Sich-Sehnen, das kindliche Traurigsein und Sich-Freuen, lass in uns die Lebendigkeit wachsen, die zugleich eine Verletzbarkeit ist, hilf uns, dass wir gut für uns sorgen und Menschen finden, die uns zur Seite stehen. Amen.

Vater unser

Wir bitten Gott um seinen Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

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