Der verkleidete Gott

Wie in eine Verkleidung schlüpft Gottes Weisheit in unsere Haut, sie fühlt Blut in den Adern fließen, lernt Muskeln zu gebrauchen, spürt Erregungen der Nerven, schmerzhafte und lustvolle. Warum wir Menschen in der Regel an unserem Leben hängen, das kann Gott erst nachempfinden, wenn er sich buchstäblich in uns hineinversetzt, wenn er sich verkleidet „in unser armes Fleisch und Blut“.

Französische Krippendarstellung mit springendem Hirten und lebensfrohen Figuren

Französische Weihnachtsdarstellung mit lebensfrohen Figuren (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 2. Sonntag nach Weihnachten, den 3. Januar 2010, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zum ersten Abendmahlsgottesdienst im Neuen Jahr mit dem Wort zur kommenden Woche aus dem Evangelium nach Johannes 1, 14b:

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Das Thema dieses Gottesdienstes lautet: „Der verkleidete Gott“. Was es damit auf sich hat, werden wir in der Predigt erfahren.

Noch steht unser Weihnachtsbaum, und wir singen am Anfang das Weihnachtslied 25:

1. Vom Himmel kam der Engel Schar, erschien den Hirten offenbar; sie sagten ihn‘: »Ein Kindlein zart, das liegt dort in der Krippen hart

2. zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha das verkündet hat, es ist der Herre Jesus Christ, der euer aller Heiland ist.«

3. Des sollt ihr alle fröhlich sein, dass Gott mit euch ist worden ein. Er ist geborn eu’r Fleisch und Blut, eu’r Bruder ist das ewig Gut.

4. Was kann euch tun die Sünd und Tod? Ihr habt mit euch den wahren Gott; lasst zürnen Teufel und die Höll, Gotts Sohn ist worden eu’r Gesell.

5. Er will und kann euch lassen nicht, setzt ihr auf ihn eu’r Zuversicht; es mögen euch viel fechten an: dem sei Trotz, der’s nicht lassen kann.

6. Zuletzt müsst ihr doch haben recht, ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir hören Worte von Gott nach dem Propheten Micha 5:

1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

3 Er … wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist.

4 Und er wird der Friede sein.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Vom Weihnachtsfest kommen wir her, ein neues Jahr hat angefangen. Wie rasch wird uns der Alltagstrott gepackt haben? Wie schnell werden gute Vorsätze vergessen sein?

Guter Gott, wenn wir nicht zufrieden mit uns sind, wenn wir auf einen falschen Weg geraten, dann lass uns nicht vergessen, dass jeder Tag die Chance bietet, um zu dir umzukehren, um neu anzufangen. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir haben Weihnachten gefeiert, das Geburtsfest des Christus. Er kam als der Messias Israels und wurde verkündigt in der ganzen Welt. Er kam von Gott, von Ewigkeit her, um unser Friede zu sein.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Vater im Himmel, Heiliger Geist, wir bitten dich um offene Ohren für dein Wort und ein Herz, das sich den Herausforderungen deiner Botschaft stellt. Lass uns im Neuen Jahr deinen Spuren folgen und auf deinen Wegen gehen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, deines Sohnes, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören aus dem Brief 1. Johannes 5, 11-13:

11 Gott [hat uns] das ewige Leben gegeben …, und dieses Leben ist in seinem Sohn.

12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.

13 Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen ein weiteres Weihnachtslied, das Lied 27:

1. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn, und schenkt uns seinen Sohn.

2. Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein, er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein, in einem Krippelein.

3. Er äußert sich all seiner G’walt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding, der Schöpfer aller Ding.

4. Er wechselt mit uns wunderlich: Fleisch und Blut nimmt er an und gibt uns in seins Vaters Reich die klare Gottheit dran, die klare Gottheit dran.

5. Er wird ein Knecht und ich ein Herr; das mag ein Wechsel sein! Wie könnt es doch sein freundlicher, das herze Jesulein, das herze Jesulein!

6. Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis, Gott sei Lob, Ehr und Preis!

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wenn Weihnachten schon seit über einer Woche vorbei ist, warum steht dann noch der Weihnachtsbaum und warum singen wir heute noch Weihnachtslieder? Ganz einfach: Weil zwar die Weihnachtsfeiertage, aber nicht die ganze Weihnachtszeit vorbei ist. Heute steht im evangelischen Kirchenjahreskalender der 2. Sonntag nach Weihnachten auf dem Programm. Der Tag der Erscheinung des Sterns von Bethlehem wird erst am 6. Januar gefeiert, wir Evangelischen nennen dieses Fest „Epiphanias“, das heißt Fest der Erscheinung, und da das kein gesetzlicher Feiertag ist, besinnen wir uns an den darauffolgenden Sonntagen nach Epiphanias auf das Licht der Welt, das mit Jesus in der Welt erschienen ist. Denn Weihnachten soll nicht bloß ein stimmungsvolles Fest am Ende jedes Jahres sein. Es soll mit seiner Botschaft weit hineinwirken in unser Leben im Neuen Jahr.

Darum steht unser heutiger Gottesdienst noch einmal ganz im Zeichen der Weihnachtsbotschaft. Und zwar unter einer merkwürdigen Überschrift: „Der verkleidete Gott“. Ich kam darauf aus zwei Gründen. Erstens steht das so in einem Weihnachtslied, dass Gott sich verkleidet. Und zweitens erinnere ich mich noch gern an unser Krippenspiel jetzt an Heiligabend, wo nicht nur die Kinder, sondern auch einige von uns Erwachsenen uns verkleidet haben. Herr Dritsch war zum Beispiel ein Hirte, und ich trat auf einmal als Wirt auf, und dieser Wirt sollte dann wiederum den Pfarrer spielen. Sich so zu verkleiden, macht Spaß, und es kann auch zu interessanten neuen Einsichten führen, wenn man sich in einen ganz anderen Berufsstand einfühlen muss.

Aber kommen wir zu dem Weihnachtslied, in dem der verkleidete Gott vorkommt. Es ist in unserem Evangelischen Gesangbuch das erste Weihnachtslied, und es steht unter der Nummer 23. Dieses Lied soll heute unser Predigttext sein, und während der Predigt werden wir es auch singen.

Schauen wir uns nun die erste Strophe an:

1. Gelobet seist du, Jesu Christ, dass du Mensch geboren bist
von einer Jungfrau, das ist wahr; des freuet sich der Engel Schar. Kyrieleis.

Diese schlichte Weihnachtsstrophe, deren Verfasser und Komponist unbekannt sind, ist 630 Jahre alt. Sie stellt die Grundwahrheit des Weihnachtsfestes heraus: Jesus Christus ist zu loben und zu preisen, denn er ist als Mensch zur Welt gekommen. Eine wunderbare, mit nichts zu vergleichende Geburt war das, denn seine Mutter war eine Jungfrau. Dieses Geheimnis soll kein Anlass sein, um zu viel darüber zu grübeln, stattdessen sind wir eingeladen, uns mit den Engeln über das Wunder der Christgeburt zu freuen. Die Strophe wurde im Rahmen des Gottesdienstes als Bitte um Gottes Erbarmen gesungen, darum endet sie und auch jede weitere Strophe mit dem griechischen Wort „Kyrieleis“, auf Deutsch: „Herr, erbarme dich!“

Die weiteren Strophen 2 bis 7 unseres Lied stammen von unserem evangelischen Reformator Martin Luther. Er wählt in der zweiten Strophe zur Verdeutlichung der Weihnachtsbotschaft das Bild von der Verkleidung Gottes:

2. Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippen find’t;
in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis.

Jesus, von Maria geboren, ist zugleich der Sohn des ewigen Gottes, sein „einig“ Kind. „Einig“ meint hier den eingeborenen Sohn, einen wie diesen gibt es nur einmal.

Zuvor nannte Gott das Volk Israel seinen „erstgeborenen Sohn“ (2. Buch Mose – Exodus 4, 22). Diese Kindschaft ist nicht etwa aufgehoben; in ähnlichem Sinn dürfen auch wir Christen uns „Kinder Gottes“ nennen (1. Johannes 3, 1), worauf wir in der vierten Strophe ausdrücklich zurückkommen.

Aber in Jesus konzentriert und verkörpert sich ein für alle Mal das ewige Wort Gottes selbst, seine Weisheit, der Heilige Geist. Gott „verkleidet sich“, so dichtet Martin Luther wörtlich, „in unser armes Fleisch und Blut“.

Warum wählt er diese Formulierung, die uns stutzen lässt? Verkleidung, das sind Sachen, die wir normalerweise nicht tragen. Gott ist normalerweise nicht ein Wesen von Fleisch und Blut, sondern er ist unser aller Schöpfer. Ja, es ist gerade das Markenzeichen des jüdisch-christlichen Gottes, dass er kein Teil dieser Welt ist. Der Gott Israels und der christlichen Kirche hat nichts gemeinsam mit den allzu menschlichen Liebesaffären und Rivalitäten und kriegerischen Auseinandersetzungen der griechisch-römischen Götterwelt der Antike.

Gott ist der Ewige, unsichtbar für unsere Augen und doch allgegenwärtig als die Kraft, die alles ins Leben gerufen hat und fortwährend am Leben erhält.

Dieses „ewige Gut“, wie Gott manchmal genannt worden ist, erweist sich als viel weniger unnahbar und unbeweglich, als diese abstrakte Formulierung erwarten lässt: Gott selbst wählt sich ein Menschenkind aus und legt sein ganzes Wesen in dieses Kind hinein. Wie in eine Verkleidung schlüpft Gottes Weisheit in unsere Haut, sie fühlt Blut in den Adern fließen, lernt Muskeln zu gebrauchen, spürt Erregungen der Nerven, schmerzhafte und lustvolle. Nicht immer ist es schön, ein Mensch zu sein, gewiss, aber warum wir Menschen in der Regel an unserem Leben hängen, das kann auch Gott erst nachempfinden, wenn er sich buchstäblich in uns hineinversetzt, wenn er sich verkleidet „in unser armes Fleisch und Blut“.

Im Unterschied zu einer Fastnachtsverkleidung oder einem Theaterspiel, das bald vorbei ist, hält Gott seine Verkleidung in unser Menschsein ein ganzes Leben lang durch. Er wird wirklich Mensch und sagt nicht „Tschüss“, wenn es brenzlig wird. Bis zum bitteren Ende, als Menschen nicht einmal davor zurückschrecken, den Sohn Gottes zu quälen und ihm das Fleisch blutig zu schlagen, bricht Gott das Experiment nicht ab. Insofern ist es mehr als eine Verkleidung, mehr als ein Experiment: Gott will wirklich an unserer Stelle stehen und solidarisch mit uns leben und notfalls auch leiden, denn wir können aus unserer Haut ja auch nicht einfach so heraus.

Wir lesen die nächste Strophe mit weiteren paradoxen Aussagen über den Gott, der in die Rolle eines Menschen schlüpft:

3. Den aller Welt Kreis nie beschloss, der liegt in Marien Schoß;
er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.

Im Schoß der Maria liegt der große Gott, den das ganze Weltall nicht umschließen kann. Gott ist so groß, dass er es sich leisten kann, ganz klein zu werden, bedürftig wie ein Kind. So spürt er am eigenen Leib, was Menschen brauchen, wie sehr wir Menschen darauf angewiesen sind, dass Gott uns erhält – mit all den Dingen in unserer Welt, die wir zur Erhaltung unseres Lebens brauchen.

Wozu nimmt Gott das ganze Theater auf sich mit dem Menschwerden? Wozu diese Verkleidung?

4. Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein‘ neuen Schein;
es leucht‘ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.

Gott ist nicht nur das ewige Gut, er ist auch ewiges Licht. Unsere Welt rief er als gute Schöpfung ins Leben, indem er als erstes die Finsternis vertrieb und das zu unserer Welt gehörige Licht erschuf. Da jedoch die Menschen lieber selber Gott spielen wollen, als im Vertrauen auf Gott verantwortungsvoll mit sich und der Erde umzugehen, sieht es auf dieser Erde trotzdem dunkel aus. Aber wenn wir Menschen versuchen, uns als Gott zu verkleiden, bringen wir die Erde durch Macht- und Überheblichkeitsspiele an den Rand des Abgrunds der Zerstörung. Als Gott in seiner Verkleidung als Mensch einer von uns wird, leuchtet sein ewiges Licht wieder in die dunklen Abgründe unserer Welt hinein; hier und da scheint etwas auf vom Licht seiner Liebe und beginnt uns zu verändern. Und indem wir dieses Licht in uns aufnehmen und auf ihn vertrauen, macht Gott uns zu Kindern des Lichts, als Ebenbild seiner Liebe.

Die folgende fast 500 Jahre alte Strophe Martin Luthers bringt nun einiges, was unserem Lebensgefühl so gar nicht entspricht:

5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hier ward
und führt uns aus dem Jammertal, macht uns zu Erben in seim Saal. Kyrieleis.

Soll das heißen: Die Erde ist letzten Endes doch keine gute Schöpfung, sondern nur ein Jammertal? Sollen wir möglichst schnell sterben, um im Thronsaal Gottes unser himmlisches Erbe anzutreten und ein großartiges Fest zu feiern?

Dann hätte Jesus in seiner Verkleidung als Mensch auf der Erde letztlich doch nur einen Gastauftritt. Er wäre nicht wirklich wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich, da er an sich, von seiner Art her, doch etwas mehr Gott ist.

Allerdings war Martin Luther erdverbunden genug, dass ich ihm eine Predigt reiner Weltflucht nicht zutraue. Er betont die Hoffnung auf das Jenseits wohl stärker, als wir das heute tun würden, weil man in Zeiten ohne die für uns – trotz Krise des Gesundheitssystems – selbstverständliche medizinische Rundumversorgung die Uhr der Ewigkeit schneller ticken hörte.

Aber wir können bei dem Saal, in den Jesus uns einlädt, ja auch vorläufig an den diesseitigen Saal der Kirche denken.

Auch die nächste Strophe richtet sich mit ihrem Trost auf den Himmel:

6. Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm
und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis.

Dass wir im Himmel sein werden wie die Engel, mag ein Trost für uns sein, wenn wir denn sterben müssen. Aber unserem Lebens- und auch Glaubensgefühl entspricht es heute nicht mehr, uns ein Leben lang in den Himmel zu wünschen, um mit den Engeln Gottes in den himmlischen Chören fromme Lieder zu singen.

Ist diese Strophe nicht eine Vertröstung, wie man sie oft der Kirche vorgeworfen hat? Gott kommt in Armut auf die Erde, um uns im Himmel reich zu machen. Wenn man das Menschen sagt, die hier ihr ganzes Leben im Elend verbringen, ist das ein schwacher Trost, wenn nicht sogar eine Verhöhnung ihrer Armut.

Aber ganz im Sinne des Reformators Martin Luther greife ich auf die Bibel selbst zurück, die uns klarmacht: Das Himmelreich beginnt schon hier auf Erden. Der Gott, der sich in Verkleidung unter uns aufhält, durchaus in Armut, hat auch den Satz gesagt (Lukas 17, 21):

Das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Reich erfüllt wird unser Leben schon hier auf der Erde, indem wir in Verantwortung vor Gott leben und mithelfen, auch materielle Unterschiede zwischen Arm und Reich in unserer Welt abzubauen. Auch um den Engeln gleich zu werden, müssen wir nicht bis nach dem Tod warten. Engel sind Mitarbeiter Gottes; vielleicht setzt Gott ja auch uns als Engel für andere Menschen ein, z. B. wenn wir im Gottesdienst Lieder singen.

Kommen wir zur abschließenden siebten Strophe des Liedes 23:

7. Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an.
Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis.

Warum verkleidet sich Gott als Mensch? Aus einem einzigen Grund: aus Liebe! Es hätte ihm Leid getan haben können, aber er hat es nicht bereut, hat seinen Entschluss nicht rückgängig gemacht. Gott will in unserer Haut stecken, um uns seine große Liebe zu zeigen. Wem das Wort Liebe zu gefühlsselig klingt, mag das Wort Solidarität verwenden: Gott steht zu uns, er steht uns bei, bleibt an unserer Seite, was auch immer geschieht.

Das ist Grund zur Freude und Dankbarkeit, die wir zum Ausdruck bringen, indem wir auch noch diese letzte Strophe im Lied von Martin Luther mitsingen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Da wir während der Predigt so viel gesungen haben, singen wir jetzt vor dem Abendmahl nur das einstrophige Lied 220:

Herr, du wollest uns bereiten zu deines Mahles Seligkeiten; sei mitten unter uns, o Gott! Lass uns, Leben zu empfahen, mit glaubensvollem Herzen nahen und sprich uns los von Sünd und Tod. Wir sind, o Jesu, dein; dein lass uns ewig sein! Amen, Amen. Anbetung dir! Einst feiern wir das große Abendmahl mit dir.

Im Abendmahl sind wir eingeladen, dem Gott zu begegnen, der sich in unser Fleisch und Blut verkleidet hat. Im Brot schenkt Jesus uns seine Liebe – leibhaftig. Im Kelch besiegelt er seine Treue zu uns – mit seinem Blut. Im Abendmahlskreis vergegenwärtigen wir uns, dass sein Reich mitten unter uns ist, indem wir als Gemeinde den Leib Christi bilden.

Gott des Lichts, mach uns bewusst, wo es in uns und in unserer Gemeinde finster aussieht, wo wir nicht als Kinder des Lichts und nicht im Sinne deines Reiches der Liebe leben. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernstzunehmen als den Schöpfer unserer guten Welt und unseres Lebens als Ebenbild seiner Liebe.

Würdig und recht ist es, Gott ernstzunehmen, der sich in unser Fleisch und Blut verkleidet hat.

Würdig und recht ist es, Gott ernstzunehmen, der uns zu Kindern des Lichts und zu Mitarbeitern in seinem Reich macht. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Lasst uns beten!

Danke, Gott, dass du in Verkleidung auf die Erde gekommen bist und dich uns geschenkt hast in deinem Sohn Jesus Christus.

Danke, dass du unser Gast geworden bist beim Essen des Brotes, beim Trinken des Kelches, in der Gemeinschaft deiner Kirche.

Gott, der du in Jesus unsere Rolle übernommen hast, als Ebenbild deiner Liebe auf dieser Erde zu leben, mach uns fähig, deinem Sohn auf diesem Weg nachzufolgen und Verantwortung für deine gute Schöpfung zu übernehmen.

Gott, der du unerkannt unter uns lebst, in Verkleidung als geringster Bruder oder bedürftige Schwester, lass uns merken, welche Hilfe du brauchst, und gib uns Kraft, um diese Hilfe auch zu leisten.

Gott, der du unser Fleisch und Blut angezogen hast, wir danken dir für dieses kostbare Leben und für die Gesundheit und alle Kräfte, die du uns schenkst.

Gott, der du in unserer Haut gesteckt hast, steh uns auch bei, wenn wir krank sind und uns nicht wohl ist in unserer Haut. Richte uns auf mit deinem Trost und schenke uns jeden Tag neuen Mut zum Leben. Amen.

Am Ende unseres zweiten Gottesdienstes im Neuen Jahr singen wir aus dem Neujahrslied 62 die Strophen 1, 3 und 5:

1. Jesus soll die Losung sein, da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein denen heut zum Zeichen dienen, die in seinem Bunde stehn und auf seinen Wegen gehn.

3. Unsre Wege wollen wir nur in Jesu Namen gehen. Geht uns dieser Leitstern für, so wird alles wohl bestehen und durch seinen Gnadenschein alles voller Segen sein.

5. Jesus, aller Bürger Heil und der Stadt ein Gnadenzeichen, auch des Landes bestes Teil, dem kein Kleinod zu vergleichen, Jesus, unser Trost und Hort, sei die Losung fort und fort.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.