Furcht vor Hilfe

Als Jesus auf dem See zu den Jüngern kommt, fürchten sie ihn wie ein Gespenst. Nur Petrus wagt ein Experiment. Wenn uns jemand Hilfe anbietet, sind auch wir manchmal misstrauisch. Wird der Helfer uns enttäuschen? Sucht er nur seinen eigenen Vorteil? Oder wollen wir ihn nicht an unsere wunden Punkte heranlassen?

Schemenhafter Jesus, der über ein in roten und gelben Farben schillerndes nächtliches Meer schreitet

Kommt Jesus über das Meer unserer Angst? (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am am 4. Sonntag nach Epiphanias, den 1. Februar 1987, in Beienheim und Heuchelheim (und am Letzten nach Epiphanias in Weckesheim und Reichelsheim)

Ich möchte am Anfang dieses Gottesdienstes erst einmal alle herzlich begrüßen! Wir haben heute den 4. Sonntag nach Epiphanias, d. h. die nachweihnachtliche Zeit unter dem Leitgedanken der Erscheinung Christi in der Welt geht am nächsten Sonntag zu Ende.

Lied EKG 336, 1-4 (EG 440):

1. All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.

2. O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.

3. Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

4. zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Kommt her und seht an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. (Psalm 66, 5)

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, lass uns deine Wunder erleben! Nicht nur staunen und ungläubig die Wunder betrachten, wie sie in der Bibel berichtet sind. Sondern lass uns heute erfahren, wie wunderbar es ist, wenn du zu uns sprichst und wir dir zuhören; wenn wir nicht mehr weiter wissen und du uns einen Schritt vorwärts führst; wenn in uns alles traurig und trübe aussieht und du in uns einen Funken Hoffnung anzündest. Es gibt nur ein wirkliches Wunder: dass du, Gott, uns Menschen lieb hast und zu uns gekommen bist in Jesus Christus, unserem Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus 2. Korinther 1, 8-11:

8 Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, so dass wir auch am Leben verzagten

9 und es bei uns selbst für beschlossen hielten, wir müssten sterben. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt,

10 der uns aus solcher Todesnot errettet hat und erretten wird. Auf ihn hoffen wir, er werde uns auch hinfort erretten.

11 Dazu helft auch ihr durch eure Fürbitte für uns, damit unsertwegen für die Gabe, die uns gegeben ist, durch viele Personen viel Dank dargebracht werde.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Predigttext: Matthäus 14, 22-33

22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe.

23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein.

24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.

25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See.

26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht.

27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!

28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.

29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.

30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir!

31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

32 Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich.

33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Liebe Gemeinde!

Wir haben eine Geschichte gehört, die mich immer tief beeindruckt hat und die voll von tröstender und Mut machender Wahrheit ist. Erzählt ist sie mit Hilfe eines übernatürlichen Elements: Jesus und dann auch Petrus gehen auf dem Meer wie auf trockenem Boden. Das erinnert an Träume, in denen wir plötzlich Bilder vor Augen sehen, die es in der Wirklichkeit so nicht gibt, die aber einer seelischen Wahrheit Ausdruck verleihen. Und es erinnert an Zustände unserer Seele auch im Wachzustand, wenn wir meinen, den Boden unter den Füßen zu verlieren, und wenn wir die Menschen in der Welt bewundern, die sich so sicher in der Welt bewegen, als könne sie nichts erschüttern. Wir brauchen festen Grund unter den Füßen oder wir versinken oder haben Angst davor. Wir können in Angst versinken oder in Schmerz und Verzweiflung oder haben Angst eben vor dem Versinken in der Angst.

Ich denke, dass es um diese Themen in der Geschichte geht – und nicht um die Frage, wie Jesus das denn nun gemacht hat, auf dem See zu gehen; warum er hier nicht eingesunken ist, warum er aber bei seiner Taufe doch untertauchen konnte. Wenn wir uns nur auf diese Frage konzentrieren, verpassen wir das, was uns die Geschichte wirklich sagen kann. Als Tatsachenbericht möchte ich sie nicht nehmen, aber sie ist wahr, weil sie etwas über Menschen aussagt, die in der Gefahr stehen, den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Interessant ist, in welchem Zusammenhang Matthäus die Geschichte erzählt: Zuvor hat Jesus in Nazareth gepredigt, aber dort in seiner Heimatstadt keinen Glauben gefunden. Und wegen des Unglaubens der Leute tat er dort auch nicht viele Zeichen. Wir sehen: Jesus tat keine Wunder, um ungläubige Menschen zu überzeugen. Sondern umgekehrt: es sind immer Menschen, die zum Glauben gekommen sind, die dann unter anderem auch von Wundern erzählen, denn ihre Erfahrungen mit Jesus sind für sie das größte Wunder, das ihnen geschehen konnte.

Hier aber in Nazareth hat Jesus keinen Erfolg gehabt, hat man ihn zurückgewiesen. Dann bekommt er eine Nachricht über den Landesfürsten Herodes. Der hat erstens Johannes den Täufer hinrichten lassen und zweitens von Jesus gesagt, er sei der wiederauferstandene Täufer Johannes. Diese Nachricht muss Jesus sehr zu schaffen gemacht haben, denn es heißt: „Als das Jesus hörte, fuhr er von dort weg in einem Boot in eine einsame Gegend allein.“ Er brauchte das Alleinsein, um zu verarbeiten, was er gehört hatte. Nichts wird ausdrücklich von dem gesagt, was Jesus gefühlt haben mag. Aber wir wissen aus anderen Stellen, wie intensiv Jesus mitgefühlt hat und dass er nicht der Mann war, der es nötig gehabt hätte, Gefühle zu verdrängen. So können wir uns vorstellen, wie er um Johannes, den Sohn der Elisabeth, getrauert haben mag, um den, der ihn getauft hatte, um den, der sich als sein Vorläufer verstand. Und wir können uns vorstellen, dass Jesus auch nicht ohne Angst war. Denn wenn Herodes in Jesus den wiederauferstandenen Johannes sah, dann war er vor der Verfolgung durch Herodes nicht sicher.

Aber Jesus kommt zunächst nicht dazu, in der Einsamkeit über alles nachzudenken. Eine Volksmenge holt ihn ein, zu Fuß folgen sie ihm in die einsame Gegend, wohin er sich zurückziehen wollte. Und dann folgt für Jesus ein anstrengender Tag mit Heilen und Predigen, und zum Schluss geschieht das Wunder, dass über 5000 Leute satt werden und nicht hungrig nach Hause geschickt werden müssen. Und hier nun setzt unsere heutige Geschichte ein.

„Und Jesus trieb seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe.“ Jesus treibt die Jünger in die Boote. Warum? Vielleicht aus zwei Gründen. Einmal, um doch noch Zeit zu finden, allein zu sein. Und außerdem, um dafür zu sorgen, dass seine Jünger in Sicherheit sind. Denn auch im Schutz der Dunkelheit war es gefährlich, sich als Gruppe dem Zugriff der Soldaten des Herodes auszusetzen. Und die Bootsfahrt über den See nach Bethsaida war für die Jünger immer das beste Mittel, sich für die Nacht in einen Ort des Nachbarlandes abzusetzen, wo der Arm des Herodes nicht hinreichte.

Und dann hat Jesus endlich Zeit für sich selbst. Das Volk lässt er gehen, und er steigt auf einen Berg, um zu beten. Er ist nicht Gott in dem Sinne, dass er niemanden und nichts brauchen würde. Er ist ein wirklicher Mensch, und das Göttliche an ihm ist eben darin zu sehen, dass er zugleich ein ganz und gar auf den Heiligen Geist ausgerichteter Mensch ist. Er braucht die Zwiesprache mit dem Vater im Himmel, er bleibt den ganzen Abend und die halbe Nacht hindurch allein auf dem Berg, um zu beten. Gibt uns das nicht zu denken? Wie oft meinen wir entweder: wir kommen auch so zurecht, ohne das Gebet! oder: das Gebet nützt ja doch nichts! Wenn sogar Jesus das Gebet gebraucht hat, wie sollten wir es dann nicht brauchen? Und ob ein Gebet uns nützt, in welcher Weise es uns weiterhilft, das merken wir erst, wenn wir uns einlassen auf dieses Gespräch mit Gott.

Was ist in der Zwischenzeit den Jüngern geschehen? Sie haben ja auch einen harten Tag hinter sich, haben mit Jesus bei der Volksmenge ausgeharrt, haben bei der Brotverteilung geholfen, haben die gleichen Ängste ausgestanden wegen der Nachricht von Herodes, und sind dann über den See geschickt worden, um sich in Sicherheit zu bringen für die Nacht. Aber da scheinen sie vom Regen in die Traufe zu kommen; sie geraten in Seenot. Und jetzt sind sie allein im. Boot, Jesus ist nicht bei ihnen wie in der bekannten Geschichte von der Stillung des Sturms, die Matthäus an anderer Stelle erzählt hat.

In diese Jünger können wir uns vielleicht hineinversetzen, können nachfühlen, wie das ist, wenn wir abgekämpft und müde sind, wenn Schicksalsschläge uns getroffen haben, wenn wir unsere Ruhe suchen, und wenn dann immer noch mehr Sorgen hinzukommen, und wir nicht mehr ein noch aus wissen. Die Jünger sind in einer Situation, in der sie kaum noch belastbar sind, noch einmal hart getroffen worden. Wenn uns so etwas geschieht, was würden wir tun? Hätten wir noch genug Kräfte, um uns durchzukämpfen? Würden wir aufgeben, uns treiben lassen? In der Lage der Jünger gibt es keine Flucht, da heißt es: entweder gegen die Wellen ankämpfen und durchhalten, oder: untergehen. Wir bilden uns manchmal ein, dass wir fliehen könnten vor unlösbar scheinenden Problemen oder vor großem Schmerz. Manche decken sich mit Arbeit zu, um gar nicht mehr zum Nachdenken zu kommen. Manche machen es sich zur Gewohnheit, mit Tabletten oder Alkohol das abzuwehren, was sie nicht aushalten können. Erst allmählich zeigt sich dann, dass auch das eine Form des Untergangs ist und dass eine Flucht vor den Problemen nicht möglich ist.

Die Jünger können nicht fliehen; aber während sie in Not sind und den Untergang vor Augen haben, kommt ihnen Hilfe entgegen. Jesus kommt zu ihnen über das Meer ihrer Angst und über den See ihrer Bedrängnis. Er ist stark geworden im Gebet auf dem Berg und hat Boden unter den Füßen gewonnen. Gehalten von seinem Vater im Himmel, gibt es für ihn keine Macht der Verzweiflung mehr, in der seine Seele untergehen und versinken könnte.

Aber als die Jünger ihn sehen, erschrecken sie und schreien vor Furcht. Hilfe scheint ihnen so unmöglich, dass sie das, was auf sie zukommt, nicht wie einen Rettungsring ergreifen, sondern abwehren. Sie erwarten nur noch Schlimmeres, sie halten Jesus für ein schreckenerregendes Gespenst. Ich glaube, wir kennen das auch. Wir sind manchmal misstrauisch, wenn uns jemand Hilfe anbietet. Wir können oft auch nicht glauben, dass Gott uns wirklich helfen will. Uns auf einen Helfer einlassen, das könnte ja bedeuten, dass wir vielleicht enttäuscht werden. Dass der andere uns gar nicht helfen will oder nur seinen eigenen Vorteil sucht, oder dass er beim besten Willen gar nicht die Macht dazu hat, uns zu helfen. Und selbst wenn er uns helfen kann: vielleicht wollen wir selber gar nicht so recht. Es könnte ja sein, dass der Helfer an unsere wunden Punkte drankommt, die wir nicht so gern ansehen. Es könnte sein, dass wir uns ändern müssten, wenn uns wirklich geholfen sein soll. Das fällt mir alles ein, wenn ich höre, dass die Jünger zunächst in dem, der ihnen helfen will, ein Gespenst sehen.

Aber sogleich redet Jesus sie an: „Seid getrost, ich bin‛s; fürchtet euch nicht!“ Er gibt sich zu erkennen, er tadelt nicht, er tröstet, er zeigt sich als ein Helfer, vor dem man sich nicht fürchten muss.

Und nun die Sache mit dem Petrus, die nur Matthäus und sonst kein Evangelist erzählt. Vielleicht bildet Matthäus hier das Verhalten des Petrus ab, so wie wir es z. B. kennen aus der Passionsgeschichte. Petrus ergreift das Wort und prescht vor; so wie er in der Nacht vor der Kreuzigung verspricht, Jesus bis zum letzten zu verteidigen, so will er hier seinen Glauben unter Beweis stellen. Petrus ist der Schüler, Jesus ist der Lehrer.

Es ist wirklich wie in einem Traum, das Bild vom Schiff und vom Meer und vom Sturm bekommen plötzlich eine andere Bedeutung; es geht gar nicht mehr um die Rettung aus der Seenot, sondern darum, ob Petrus es schafft, über das Meer zu Jesus zu kommen. Petrus spricht zu Jesus wie zu einem guten Lehrer oder einem guten Vater: „Trau mir was zu! Befiehl mir, dass ich zu dir kommen soll auf dem Wasser!“ Und Jesus antwortet als guter Lehrer: „Komm her! Ich trau dir das zu!“

Dann aber wird aus dem starken Petrus, aus dem selbstbewussten, auf sich vertrauenden Petrus der schwache Petrus, der kleingläubige, so wie später, als er Jesus dreimal verleugnet, und er versinkt, er hat keinen Boden mehr unter den Füßen. Aber eins weiß er noch zu tun, er ruft: „Herr, hilf mir!“

Darin zeigt sich die wahre Stärke des Petrus, so wie er ja später auch den Mut fand, den auferstandenen Jesus um Vergebung zu bitten, dafür, dass er ihn verleugnet hatte. Wäre Petrus heroisch untergegangen, dann wäre er nur äußerlich stark gewesen. Judas ist diesen Weg gegangen, später, er ließ sich nicht herausziehen aus dem Meer seiner Verzweiflung und Schuld. Petrus fand den Mut, was uns Männern nicht leicht fällt, zu seiner Schwäche zu stehen und um Hilfe zu bitten.

Und Jesus tut nun ein Doppeltes: er hilft und konfrontiert. Er streckt die Hand aus und zieht Petrus heraus, aber nicht wie einen, von dem er ja gleich gedacht hatte, dass er es nicht schafft, sondern wie einen, dem er immer noch mehr zutraut. „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt!“

Diese Haltung Jesu wünsche ich mir von vielen Lehrern und Vätern, dass sie nicht aufhören, die ihnen Anvertrauten zu fordern und ihnen etwas zuzutrauen, auch wenn sie immer wieder einmal beispringen müssen, eingreifen müssen, um Nothilfe zu leisten. Manchmal brauchen wir auch als Erwachsene solche Menschen, denen wir uns wie einem Vater oder einer Mutter oder einem Lehrer anvertrauen können, und der uns seelisch einen Schritt voranbringt.

Als Jesus und Petrus dann gemeinsam ins Boot treten, ist auch der Sturm vorbei. Natürlich ist die Trauer um Johannes den Täufer nicht einfach wie weggeblasen, natürlich ist die Gefahr der Verfolgung durch Herodes immer noch da, natürlich sind die Jünger und Jesus immer noch müde und brauchen Ruhe. Aber so wie Jesus im Gebet einen festen Halt wiedergefunden hat, festen Grund unter den Füßen bekommen hat, so finden auch seine Jünger zu einem Vertrauen, auf das sie sich in all den Stürmen, die noch kommen werden, stützen können. Jesus hilft ihnen dabei, dieses Vertrauen zu finden, indem er ihnen ein Beispiel gibt, indem er Zutrauen zu ihnen hat, und indem er bereit ist, im Notfall selbst helfend zuzupacken.

Richtig zum Tragen kommt dieses Vertrauen bei den Jüngern wohl erst in der Zeit nach Jesu Kreuzigung und Auferstehung; vorher verlässt sie ja noch oft der Mut; hier in der Geschichte hat Matthäus vielleicht schon etwas dargestellt, was den Jüngern erst später so richtig bewusst wurde. Er schreibt, dass die Jünger vor Jesus niederfallen und sprechen: „Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!“ Markus, der die gleiche Geschichte in etwas anderer Form erzählt, weiß davon nichts – er schildert die Jünger in ihrem Entsetzen und ihrem Unverständnis angesichts des Wunders, das Jesus tut, und spricht von ihrem harten Herzen.

Uns bleibt die Frage, auf wen wir vertrauen in den Stürmen unseres Lebens. Ob wir Hilfe für möglich halten, ob wir bereit sind, uns auf den Helfer Jesus Christus einzulassen, ob wir es wagen, auf Menschen zuzugehen und sie ins Vertrauen zu ziehen, wenn wir allein nicht weiterwissen. Oder ob wir lieber zu fliehen versuchen, unseren Problemen ausweichen wollen, abstumpfen, verbittern, hartherzig werden wollen. Wer stark bleiben will und nie um Hilfe bitten möchte, nie schwach erscheinen möchte, der hat im Grunde nur die Alternative, entweder zu versinken in Verzweiflung oder sich aufzubäumen und sich zusammenzureißen mit einem dicken Fell und einem verhärteten Herzen.

Jesus hat gebetet. Petrus hat um Hilfe geschrien. Sie waren Männer, die es nicht nötig hatten, immer nur stark zu sein. Petrus musste dazu erst durch die Schule Jesu gehen.

Wie dann Matthäus die Geschichte weiter erzählt, sieht es übrigens so aus, als ob sich Jesus erst einmal noch etwas Ruhe gönnt. Die Kranken kommen wieder zu ihm und werden ihm gebracht, aber er hilft ihnen auf eine eher passive Weise. „Sie baten ihn, dass sie nur den Saum seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die ihn berührten, wurden gesund.“ Und danach ist Jesus dann wieder ausgeruht genug, um sich mit Pharisäern und Schriftgelehrten auseinanderzusetzen, die zu ihm kommen. So tragfähig ist der Boden, den Jesus unter den Füßen hat, so viel Halt gibt ihm das Gebet zu seinem Vater im Himmel, dass er keine äußere Absicherung, keine Gewalt und keinen anderen Ausweg als Fluchtmöglichkeit nötig hat. Er kann sich allem stellen, was auf ihn zukommt, und das Gleiche traut er auch seinen Jüngern zu, auch uns. Und genau wie den Petrus wird er dabei auch uns nicht überfordern. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Lied EKG 250, 1-3 (EG 351):

1. Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?

2. Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm’s auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

3. Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut; das machet, dass ich finde das ewge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.

Lasst uns beten.

Herr, die Welt ruht in deiner Hand und mit ihr auch wir. Wir sind nicht allein, auch wenn wir uns allein fühlen. Wir brauchen vor Problemen nicht zu fliehen, denn du traust uns zu, mit allem fertigwerden, alles zu bewältigen, durch alles hindurchzugehen, und das Schöne ist, dass dort, wo wir doch versagen, wo wir doch stolpern und zu versinken drohen, du uns herausziehst, du uns weiter trägst. In allem, was wir fürchten, als sei es ein Gespenst, das uns entgegenkommt, kannst doch du uns begegnen, in der Krankheit, die uns Sorgen macht, in dem Menschen, der uns Enttäuschung bereitet, in dem Sterben, das in uns eine Leere hinterlässt, in dem Menschen, der uns die Wahrheit sagt, die wir nicht gern hören wollen. Ohne Grund unter den Füßen zu haben, können wir gehen, denn du bist der Weg. Und notfalls trägst du uns. Hilf uns täglich zu solchem Glauben.

Gebetsstille und Vater unser
Lied EKG 241, 8-9 (EG 344):

8. Von allem Übel uns erlös; es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der letzten Not. Bescher uns auch ein seligs End, nimm unsre Seel in deine Händ.

9. Amen, das ist: Es werde wahr. Stärk unsern Glauben immerdar, auf dass wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiermit gebeten han auf dein Wort, in dem Namen dein. So sprechen wir das Amen fein.

Abkündigungen und Segen

 

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