„Gott legt eine Last auf, aber er hilft auch“

Trauerfeier in einer deutschen Kirche für eine Frau, die in Turkmenistan bestattet wurde, und deren in Deutschland lebende Angehörige nicht an der dortigen Beerdigung teilnehmen konnten.

"Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch": Lasten tragende Gestalten im unteren Teil des Residenzbrunnens in Salzburg

Wie schwer können Lasten sein, die Gott auferlegt? (Bild: Hans – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauerfamilie, wir sind hier in einer Kirche in Deutschland versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau B., die im Alter von [über 60] Jahren in Turkmenistan gestorben ist und auch dort beerdigt wurde.

Wir erinnern uns gemeinsam an ihr Leben und erweisen ihr eine letzte Ehre. Wir lassen einander beim Abschiednehmen nicht allein. Wir besinnen uns auf Gott, von dem unser Leben herkommt und zu dem es im Tode zurückkehrt.

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 139:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

13 Denn du hast [mein Inneres] bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!

18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Amen.

Wir singen aus dem Lied 361 die Strophen 1, 2, 6 und 12:

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

2. Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.

Liebe Trauerfamilie!

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Wenn man von so vielen Menschen Abschied nehmen muss, die man geliebt hat, wird einem das Herz schwer. Ich musste an ein Bibelwort denken, in dem es heißt (Psalm 68, 20-21):

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HERRN, der vom Tode errettet.

Wer auf Gott vertraut, wer sich auf ihn verlassen kann, der kann Gott jeden Tag loben. Wir können Gott loben, indem wir Lieder singen oder zu ihm beten, aber auch indem wir einfach im Stillen an ihn denken und uns dessen bewusst sind, dass wir von ihm geschaffen sind und dass er uns lieb hat. Gott ist die Macht der Liebe, die uns von allen Seiten umgibt. Er will, dass wir seine Liebe in uns aufnehmen und anderen Menschen weitergeben, so gut wir es können.

Diesen Gott, der uns liebt, begreifen wir trotzdem oft nicht. Wir begreifen nicht, warum er uns manchmal so viel Leid schickt. In Ihrer Familie scheint es zur Zeit mehr zu sein, als Sie tragen können. In der Tat ist es so, dass Gott Ihnen schwere Lasten auferlegt, die sie zu tragen und durchzustehen haben.

Gott legt aber nicht nur Lasten auf, er hilft sie auch zu tragen. Denn „wir haben einen Gott, der da hilft“. Aber wie hilft Gott? Er scheint ja oft nicht einzugreifen. Er hat nicht verhindert, dass so viele Ihrer Angehörigen gestorben sind. Aber er schenkt uns Kraft und Mut, damit wir in unserem Leben durchhalten und auch unsere Traurigkeit aushalten. Er schenkt uns Menschen, die für uns da sind, und lässt uns in schweren Zeiten nicht allein. Und er ermahnt uns durch seine heiligen Engel, dass wir nicht müde werden, denen beizustehen, die uns brauchen in schwerer Zeit.

Zuletzt sagt unser Bibelvers, dass wir einen Herrn haben, „der vom Tode errettet“. Wie oft bewahrt uns Gott vor dem Tod in unserem Leben hier auf Erden! Er behütet uns mit seinen Engeln, er leitet uns auf guten, geraden Wegen. Aber es kommt für uns alle früher oder später die Zeit, in der Gott uns dennoch aus diesem Leben abruft.

Doch damit gibt er uns dem Tod nicht vollkommen preis. Wir gehen nicht verloren, indem wir uns seiner Liebe anvertrauen, indem Gott uns in seinen unsichtbaren Himmel aufnimmt und uns dort ein ewiges Leben im Frieden schenkt. In diesem Himmel werden alle Tränen abgewischt werden, die wir hier noch weinen müssen; denn im Himmel gibt es keinen Tod mehr. Wir müssen nicht an einen allmächtigen Tod glauben, der alles Leben verschlingt; nein, wir dürfen an den lebendigen Gott glauben, der lebendig macht! Ihn dürfen wir von Herzen loben. Amen.

Wir singen das Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

Barmherziger Gott, ob wir leben oder sterben, wir stehen in Deiner Hand. Nimm Frau B. gnädig auf in dein himmlisches Reich und schenke ihr ewigen Frieden. Unsere Belastungen, Trauer und Sorgen vertrauen wir dir an. Blicke auf unsere Sehnsucht und antworte mit deiner Gnade. Hilf uns zu bewältigen, was uns niederdrückt. Schenke uns Zuversicht für jeden neuen Tag, und lass uns in Verantwortung vor dir unser Leben führen. Mach uns bewusst, dass du uns deine Liebe schenkst, damit wir mit unseren kleinen Kräften diese Welt ein bisschen schöner und friedlicher machen. Amen.

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