Baum an Wasserbächen und Quelle des Lebens

Trauerfeier für eine Frau, die robust war wie eine deutsche Eiche. Ich erinnere an Worte aus Psalm 1 und aus dem letzten Kapitel der Offenbarung des Johannes.

Baum und Quelle: In blauem Wasser schwimmt eine Kugel, in der sich ein knorriger, evtl. abgestorbener Baum spiegelt

Auch der stärkste Baum stirbt einmal ab – wo ist Wasser des ewigen Lebens? (Bild: Didgeman – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um von Frau E. Abschied zu nehmen, die im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir erinnern uns an die Verstorbene, zeichnen ihren Lebenslauf nach, versuchen, ihr gerecht zu werden.

Wir besinnen uns auf uns selbst, was wir empfinden bei diesem Abschied, was wir neu spüren an altem Schmerz, was der Gedanke an den Tod bei uns auslöst.

Wir denken auch an Gott, von dem unser Leben herkommt und zu dem es im Tode zurückkehrt.

Zu ihm beten wir mit Worten aus dem Psalm 27:

7 Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!

9 Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

10 Denn mein Vater und Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf.

13 Ich glaube…, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.

14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Wir singen aus dem Lied 361 die Strophen 1 und 12:

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.

Liebe Trauergemeinde!

Über achtzig Jahre ist sie alt geworden, und in all den Jahren ist sie nie ernsthaft krank gewesen. Bis zuletzt konnte sie allein für sich sorgen. Wir blicken dankbar zurück auf das Leben von Frau E.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Ihr selbst schien es immer gut zu gehen. Wenn man sie am Telefon nach dem Befinden fragte, meinte sie immer: „Kennst‘ doch die Oma!“ Sie klagte nie, höchstens dass es ihr mal ein bisschen schwindlig war. Wie eine robuste deutsche Eiche, so kam sie Ihnen vor, und es ist für Sie kaum zu fassen, dass sie so schnell von Ihnen gegangen ist. Auf der anderen Seite war es eine Gnade für sie, dass sie nicht lange leiden musste. Hätte sie überlebt, wäre sie ein Pflegefall geworden, und das hätte sie nicht gewollt.

Psalm 1, 3 in der Bibel redet zwar nicht von einer deutschen Eiche, aber er benutzt doch das Bild des Baumes, um ein erfülltes Leben zu beschreiben:

Der [oder die] ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er [oder sie] macht, das gerät wohl.

Von wem sagt die Bibel das? Von Menschen, die nicht zu den Spöttern gehören, sondern Gottes Gebote beachten (Psalm 1, 1-2). Von Männern und Frauen, auf die man sich verlassen kann und die denen eine Stütze sind, die Halt brauchen oder vom Schicksal hart getroffen wurden.

Frau E. war für Sie wie ein starker Baum, voller Lebenskraft; gesund und lebensfroh, wie sie war, schien ihr nichts zu fehlen, wie einem Baum, dessen Laub nicht verwelkt und der zur Erntezeit reiche Früchte bringt.

Sie wird Ihnen fehlen – und es wird um so schwerer fallen, mit der Trauer um sie fertigzuwerden, weil ja nun innerhalb so kurzer Zeit mehrere Menschen aus Ihrer Familie von Ihnen gegangen sind, und der tiefe Schmerz um [das jüngere Familienmitglied] ist noch lange nicht verheilt oder vernarbt. Ein Satz, den Sie mir im Trauergespräch gesagt haben, fasst klar und nüchtern zusammen, was Sie gerade durchmachen: „Wir haben in kurzer Zeit zwei verdammt wichtige Menschen verloren.“ Das lässt sich nicht wegreden, das wird noch lange weh tun. Sie brauchen Zeit, um füreinander dazusein und das miteinander durchzustehen.

Was die Bibel von den Bäumen sagt, scheint am Ende nicht mehr zu stimmen. Das Laub verwelkt dann doch, die Blätter fallen, der Baum bringt, jedenfalls hier auf Erden, keine Frucht mehr.

Aber der Satz vom Baum an den Wasserbächen weist über diese Welt hinaus in die Ewigkeit. Die Offenbarung des Johannes erzählt von Bäumen in der himmlischen Stadt Jerusalem, die ewig Früchte bringen, und von der Quelle des Lebens, die niemals versiegt (Offenbarung 22, 17):

Wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

In Bildern von der Ewigkeit will uns die Bibel die Zuversicht geben, dass unsere Toten, mit denen wir in Liebe verbunden waren, nicht verlorengehen, sondern in der Liebe Gottes aufbewahrt bleiben. In diesem Sinne dürfen wir getrost Frau E. loslassen und sie den gnädigen Händen Gottes anvertrauen. Amen.

Wir singen das Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

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