Das Ende eines tatkräftigen Lebens

Trauerfeier für einen tatkräftigen Mann, dessen Leben ganz unerwartet zu Ende gegangen ist. Ich denke nach über ein Wort aus dem Buch Jesus Sirach.

Das Ende eines tatkräftigen Lebens: Eine Tafel mit der Aufschrift "Make Things Happen!" = "Lass Dinge geschehen!"

Ein tatkräftiger Mann sorgt dafür, dass etwas geschieht (Bild: geralt – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um von Herrn R. Abschied zu nehmen, der im Alter von [über 60] Jahren gestorben ist.

Wir erinnern uns gemeinsam an sein Leben und erweisen ihm die letzte Ehre. Wir lassen einander in der Stunde des Abschieds nicht allein. Wir besinnen uns auf Worte Gottes, von dem unser Leben herkommt und zu dem es im Tode zurückkehrt.

So hören wir Worte aus dem Psalm 37, der von redlichen, bewährten Menschen handelt, die ein Leben der Tat im Gottvertrauen führen (letzter Vers, zweiter Teil nach der katholischen Einheitsübersetzung):

5 Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird‘s wohl machen

6 und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag.

23 Von dem HERRN kommt es, wenn eines Mannes Schritte fest werden, und er hat Gefallen an seinem Wege.

24 Fällt er, so stürzt er doch nicht; denn der HERR hält ihn fest an der Hand.

26 Er ist allezeit barmherzig und leiht gerne, und [seine Kinder werden] zum Segen sein.

27 Lass ab vom Bösen und tu Gutes, so bleibst du wohnen immerdar.

28 Denn der HERR hat das Recht lieb und verlässt seine Heiligen nicht. Ewiglich werden sie bewahrt.

37 Bleibe [standhaft] und halte dich recht. Denn Zukunft hat der Mann des Friedens.

EG 65: Von guten Mächten wunderbar geborgen

Liebe Trauerfamilie R., liebe Gemeinde!

Im Vertrauen auf Gottes gute Mächte, die uns auch dann umgeben, wenn es in uns dunkel aussieht und wenn wir Gottes Wege mit uns nicht begreifen, sind wir hier versammelt zu dieser Trauerfeier.

Dass Herr R. gestorben ist, ist hart und traurig für Sie, und es ist wichtig, dass Sie der Trauer in Ihrem Leben Raum und Zeit geben. Wir reden von Trauerarbeit oder von einem Weg der Trauer; da müssen Sie durch, und das tut weh.

Zugleich gibt es auch Trost. Der wischt die Trauer nicht weg, aber er hilft, die Trauer auszuhalten und durchzustehen. Trost finden wir zum Beispiel darin, dass wir eine schwere Zeit nicht allein bewältigen müssen. Tröstlich kann es auch sein, sich vorzustellen, dass dem Verstorbenen eine längere Zeit des qualvollen Leidens erspart geblieben ist.

Auf einer anderen Ebene können wir auch Trost im Glauben finden, wenn wir uns in Gottes Liebe geborgen fühlen und darauf vertrauen, dass unser Leben im Tod zu Gott zurückkehrt. Wir gehen im Tod nicht verloren; davon sprechen wir in Bildern, wenn wir uns den für unsere Augen unsichtbaren Himmel Gottes vorstellen, der größer ist als der Himmel über uns und der uns zugleich näher sein kann als unser eigener Herzschlag.

Eine Trauerfeier wie diese ist aber auch eine Zeit, in der wir uns noch einmal bewusst machen, was das für ein Mensch war, von dem wir Abschied nehmen und auf dessen Leben wir mit Dankbarkeit zurückblicken. Dieser Rückblick ist nicht einfach ein Selbstzweck, er soll nicht dazu dienen, uns noch trauriger zu machen und in der Trauer stecken zu bleiben.

Sie haben gesagt, es soll heute um Dinge gehen, die uns nach vorne schauen lassen. Ich denke, um loslassen und in getrost in die Zukunft gehen zu können, ist es wichtig, über das viele nachzudenken, das uns mit dem Verstorbenen verbindet. Es verschwindet ja nicht alles, es bleibt die Liebe, die wir empfangen und verschenkt haben, es bleiben die Prägungen durch unzählige Begegnungen und ein vertrauensvolles Zusammenleben in vielen Jahren. Dabei ist auch vieles, das nach vorn weist, im Sinne eines Vorbilds oder von Ermutigung.

Im Buch der Weisheit des Jesus Sirach 4, 34 steht diese Ermahnung:

Sei nicht wie die, die große Worte machen, aber träge und lässig sind in ihren Taten.

Ob Herr R. diesen Bibelvers gekannt hat, weiß ich nicht; aber er hat offenbar nach ihm gelebt. Sie kannten ihn als einen Mann der Taten, der nicht viele Worte machte. Statt zu sagen: „Man müsste mal“, hat er eine Aufgabe sofort selber angepackt. Sie haben ihn den „stillen Organisator im Hintergrund“ genannt; er half jedem, herzensgut, wie er war.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Es war Ihnen geschenkt, eine gute Ehe mit Höhen und Tiefen zu führen; sehr schön haben Sie gesagt: Wenn man sich liebt, dann akzeptiert man einander auch in seinem Anderssein und man achtet und respektiert die Persönlichkeit des Partners.

Von seiner Arbeit sollte ich nicht zu viel erzählen, haben Sie gesagt. Etwas muss aber schon sein. Die Arbeit wurde ihm zur Lebensaufgabe, sie war für ihn keine Last, mehr wie ein Hobby. Er bewährte sich immer wieder als Mann der Tat und Erfindungskraft. Wenn Probleme auftraten, löste er sie lieber selbst, als lange zu fragen, auch wenn er die Verantwortung an einen eigentlich Zuständigen hätte abgeben können.

Als er in Rente ging, konnte er sich auf seinen „besten Job“ konzentrieren: die Aufgabe des Babysitters bei den Enkelkindern. Aber er konnte auch Dinge für sich selber machen, war gerne im Garten und liebte es zu grillen.

Krank war Herr R. schon seit einigen Jahren. Es fiel ihm nicht leicht, das zu akzeptieren, aber er stellte sich dann doch darauf ein. Dass er nun so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde, hat niemand erwartet. Was noch alles auf ihn zugekommen wäre, wenn er jetzt überlebt hätte, wissen wir nicht; ich kann verstehen, wenn Sie sagen, dass Sie ihm, trotz ihrer Traurigkeit, seine Ruhe gönnen.

Ein tatkräftiges Leben ist zu Ende gegangen, die festen Schritte eines Mannes, der standhaft war und sich recht gehalten hat, sind am Ende ihres irdischen Weges angelangt. Aber im Vertrauen auf Gott dürfen wir sagen: Gott lässt ihn auch jetzt nicht fallen, hält ihn weiterhin fest an der Hand und geleitet ihn hinüber auf die andere Seite des Lebens, die unseren Augen hier auf der Erde verborgen ist.

Herr R. geht in seinem Tod nicht verloren, sondern wird im Frieden leben, für immer, im Himmel bei Gott, den wir uns gar nicht schön genug vorstellen können. Aus dem, was wir auf dieser Erde nur in Ansätzen und Bruchstücken eines erfüllten Lebens erfahren haben, macht Gott ein vollkommenes Ganzes, das die Bibel ewiges Leben nennt. Im Vertrauen auf Gott lassen wir den Verstorbenen los, und er kehrt in die Hände Gottes zurück, aus denen er am Anfang seines Lebens zur Welt gekommen war. Amen.

Von den Händen Gottes singen wir das Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

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