Das Erziehungskonzept Jesu: Lassen und Liebe

„Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen!“

So hatte ich im Zusammenhang mit der Taufe das Erziehungskonzept von Jesus beschrieben, ein Konzept des Lassens und der Liebe: Lasst die Kinder sie selbst sein, indem ihr ihnen ein gutes Gegenüber seid. Lasst die Kinder Liebe erfahren, auch in Form von guten Grenzen. Freiheit ohne Verantwortlichkeit geht nicht.

Jesus mit der Taube des Heiligen Geistes steht einer Gruppe von Kindern mit Schafen und Hund gegenüber und lehrt und segnet sie

Jesus als Guter Hirte und Lehrer der Kinder (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am Sonntag Reminiscere, 8. März 2009, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Orgelvorspiel und Einzug der Tauffamilie

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zum Taufgottesdienst in der Pauluskirche mit dem Thema: „Lasst die Kinder zu mir kommen!“

Besonders heiße ich unser Taufkind gemeinsam mit seiner Familie und seiner Patin willkommen.

Außerdem begrüßen wir die Familie … Ihre Tochter ist bereits bei der Hochzeit ihrer Eltern getauft worden und bekommt heute einen zusätzlichen Paten.

Wir taufen Menschen im Namen von Jesus. Auch … soll zu diesem Jesus gehören. Mit dem Lied 586, das wir jetzt singen, beten wir zu Jesus:

1. Herr, der du einst gekommen bist, in Knechtsgestalt zu gehn, des Weise nie gewesen ist, sich selber zu erhöhn:

2. Komm, führe unsre stolze Art in deine Demut ein! Nur wo sich Demut offenbart, kann Gottes Gnade sein.

3. Der du noch in der letzten Nacht, eh dich der Feind gefasst, den Deinen von der Liebe Macht so treu gezeuget hast:

4. Erinnre deine kleine Schar, die sich so leicht entzweit, dass deine letzte Sorge war der Glieder Einigkeit.

5. Drum leit auf deiner Leidensbahn uns selber an der Hand, weil dort nur mit regieren kann, wer hier mit überwand.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Eine Taufe ist ein fröhliches Fest, aber in dem Lied, das wir gesungen haben, kamen auch traurige Sachen vor. Jesus wird vom Feind gefasst, seine Laufbahn ist am Ende keine erfolgreiche Karriere, wie wir sie uns und ihm wünschen, sondern eine Leidensbahn. Wir denken jedes Jahr in den Wochen vor Ostern an solche Dinge, aber nicht, weil wir Christen das Leiden schön finden. Schön finden wir es, dass Jesus aus Liebe zu den Menschen großes Leid ertragen hat. Er nimmt seine Passion, sein Leiden, auf sich, weil alle Menschen seine große Passion, seine Leidenschaft, sind.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Warum nimmt Jesus Leiden auf sich? Er will, dass alle Menschen ein sinnvolles Leben als Gottes Kinder führen können, und damit macht er sich Feinde, die ihm am Ende sein Leben nehmen. Jesus setzt sich für Außenseiter ein und wird selbst zum Außenseiter. Jesus respektiert Frauen und Kinder und verliert den Respekt von Männern, die herrschen wollen. Jesus erwartet, dass wir lieber dienen statt herrschen sollen, lieber Leid ertragen statt Leid zufügen. Ist das nicht wirklich eine Zumutung? Wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Trotzdem: die Geschichte von Jesus ist Evangelium, Frohe Botschaft. Denn auf den Wegen Jesu finden wir Frieden, Liebe, Hoffnung. Sogar wenn wir sterben, hört das nicht auf. Als Jesus starb, rief Gott selbst ihn aus dem Tod zurück, denn Jesus sollte ewig im Himmel leben und Richter sein über alle Menschen, nicht ein Richter, der vernichtet, sondern ein Richter, der aufrichtet.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Herr Jesus Christus, hilf uns, auf dich zu vertrauen. Stecke uns an mit deiner Liebe, die stärker ist als der Tod. Lass uns Hoffnung gewinnen, die uns und unsere Kinder durchs Leben trägt. Darum bitten wir dich, Jesus Christus, unser Herr. Amen.

Wir hören das Taufevangelium nach Matthäus 28, 16-20:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Amen. „Amen.“

Lied 575: Ein Kind ist angekommen. Wir alle freun uns sehr

Liebe Familie … und liebe Gemeinde!

Wer zur Kirche Jesu Christi gehören will, der lässt sich taufen. Wenn Eltern wollen, dass auch ihre Kinder zu Jesus gehören und in die Kirche hineinwachsen, dann können sie auch ihre Kinder taufen lassen.

Wie wichtig Jesus die Kinder waren, geht aus dem Bibelvers hervor, den … von seinen Eltern als Taufspruch mitbekommt. Er steht im Matthäus 19, 14, und lautet:

Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich.

Dasselbe auf Englisch, denn der Vater des Kindes kommt aus Australien:

Jesus said to them: Suffer the little children, and forbid them not to come to me: for the kingdom of heaven is for such.

Ich werde nachher in der Predigt noch genauer auf diesen Vers eingehen, vor allem auf diejenigen, die die Kinder von Jesus fernhalten wollen. Im Blick auf die Taufe von … finde ich zwei Dinge wichtig:

Erstens ist die Haltung Jesu den Kindern gegenüber eine grundsätzlich offene. Für ihn ist das „Lassen“ wichtiger als das „Wehren“. Das „Lassen“ erinnert an die sogenannte „Laissez-faire“-Erziehung, die eigentlich jede Erziehung von Kindern mit dem Argument ablehnt, dass Kinder sich besser entwickeln, wenn man ihnen möglichst wenig Grenzen setzt. So weit würde Jesus nicht gehen, denn er weiß, wie wichtig gute Grenzen für Kinder und Erwachsene sind, er weiß, dass wir Menschen Anleitung brauchen, um in Freiheit leben zu können, um vor allem auch unserem Nächsten seine Freiheit zu lassen. Trotzdem: das Lassen ist bei Jesus das erste; erst einmal dürfen die Kinder so sein, wie sie sind, und so zu Jesus kommen, wie sie sind. Sie müssen nicht erst erwachsen werden, bis sie zu Jesus vorgelassen werden, sie müssen sich auch nicht wie kleine Erwachsene benehmen. Eine Haltung der Abwehr von allem Kindlichen ist Jesus fremd.

Zweitens gibt Jesus den Kindern sogar eine besondere religiöse Bedeutung. Solchen wie diesen Kindern gehört das Himmelreich, sagt er. Aber wie soll das gehen? Muss man sich den Himmel durch gute Taten nicht verdienen? Nein, sagt Jesus, das geht ja gerade nicht. Der Himmel ist ein Geschenk. Den kann sich niemand verdienen. Jeder ist bei Gott willkommen, niemand ist von Gottes Liebe ausgeschlossen. Liebe kann man sich nun mal nicht verdienen, das weiß jedes Kind, das gute Eltern hat, Liebe ist etwas, was die Eltern für mich übrig haben, einfach so.

Jesus hat es also mit den beiden großen „L“s: mit der Liebe und mit dem Lassen. Sie bilden den Grund und das Ziel einer christlichen Kindererziehung: Ein Kind soll als freier Mensch aufwachsen, und das geht nur dann wirklich, wenn dieses Kind Liebe erfahren hat und selber lieben kann.

Gerade weil die Liebe und das Lassen im Blick auf Kinder so wichtig sind, haben Eltern und Paten eine so wichtige Aufgabe. Ein Kind weiß zunächst noch nicht selber, wer es ist und was es wirklich braucht; es braucht ein Du, so dass es sich selber als Ich erfahren kann, es braucht Erwachsene, die seinen Hunger stillen, auch seelisch, so dass es spürt, was ihm gut tut.

Ein Kind entscheidet auch noch nicht selbst, ob es getauft werden will; zur Verantwortung von Eltern und Paten gehört es auch, dem Kind beim Hineinwachsen in die Kirche Hilfestellung zu leisten. Diese christliche Erziehung läuft als Teil der allgemeinen Kindererziehung mit, so dass Kinder spüren: da sind nicht nur Eltern, die mich liebhaben und mir was zu sagen haben, und Paten, die sich um mich kümmern, da ist auch Gott, der sich um die ganze Welt kümmert und für alle Menschen da ist. Wer getauft ist, darf wissen: Diese Welt ist ein Ort, wo ich mein Glück und meinen Sinn im Leben finden kann, gemeinsam mit vielen anderen Menschen.

Im Vertrauen auf Gott sprechen wir nun, auch stellvertretend für unser Taufkind, das Bekenntnis unseres christlichen Glaubens:

Glaubensbekenntnis
Taufe
Verpflichtung eines zusätzlichen Paten für ein bereits getauftes Kind
Lied 574: Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, diese Predigt ist eine Fortsetzung der Taufansprache in doppelter Hinsicht. Im ersten Teil gehe ich genauer ein auf die Bibeltexte, aus denen …s Taufspruch stammt. Im zweiten Teil denke ich intensiver nach über das Erziehungskonzept von Jesus, über Liebe und Lassen.

Drei Mal erzählt die Bibel die Geschichte von Jesus und den Kindern. Und vier verschiedene Menschen und Gruppen von Menschen spielen in ihr eine Rolle. Da sind die Kinder. Da sind diejenigen, die diese Kinder zu Jesus bringen. Da ist Jesus selbst, der damit kein Problem hat. Aller guten Dinge sind drei, sagt man, als vierte Gruppe kommen aber noch die Jünger Jesu hinzu, und die bilden einen Störfaktor. So erzählt der Evangelist Markus das Ganze in Markus 10:

13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an.

14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.

15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Es sind kleine Kinder, die zu Jesus gebracht werden, so steht es wörtlich im griechischen Text. Der Evangelist Lukas sagt sogar: es waren Neugeborene. Kein Zweifel besteht also daran: Hier sind Kinder gemeint, die vollkommen angewiesen sind auf Versorgung und Betreuung. Genau das ist der Punkt, durch den gerade die kleinen Kinder für Jesus zum Vorbild für uns Erwachsene werden: Ins Reich Gottes kommen nur Menschen, die das als Geschenk empfangen. Etwas so Paradoxes ist der Herrschaftsbereich Gottes, dass in ihm die Kleinsten an erster Stelle stehen. Die Schwächsten haben die größte Macht, die Bedürftigsten den größten Reichtum. Vielleicht sollte ich noch hinzufügen: Dieses Reich Gottes ist kein Ort auf der Landkarte oder irgendwo im Weltraum; dieser Himmel ist unsichtbar in uns, unter uns, bei uns, wo immer es in unserer Mitte Liebe und Vertrauen, Frieden und Hoffnung gibt.

Wer die Kinder zu Jesus bringt, wird nicht ausdrücklich gesagt. Vermutlich sind es die Mütter der Kinder. Interessant ist, zu welchem Zweck sie die Kinder zu Jesus bringen. Markus und Lukas sagen: „Damit er sie anrühren sollte.“ Jesus soll sie seine Liebe hautnah spüren lassen, er soll sie anfassen, streicheln, zärtlich Weise berühren, so wie es eine gute Mutter oder ein liebevoller Vater tun würde. Der Evangelist Matthäus meint, an dieser Stelle mehr und etwas anderes sagen zu müssen; bei ihm soll Jesus „die Hände auf sie legen und beten“. Das ist eine ganz spezielle Berührung der Kinder, eine bewusst religiöse Segenshandlung. Ehrlich gesagt, finde ich die Formulierung von Markus und Lukas schöner, weil in ihr zum Ausdruck kommt: Jede Berührung eines Kindes, die aus wirklicher Liebe zum Kind geschieht, bringt dieses Kind auch in Kontakt mit der Liebe Jesu, mit dem Segen Gottes.

Am Ende betont der Evangelist Markus als einziger, dass Jesus die Kinder auf den Arm oder in den Arm genommen hat. „Er herzte sie“, so übersetzt Martin Luther. Ich denke, es gibt keine Art und Weise, durch die man Menschen egal welchen Alters besser zeigen kann, dass sie geliebt sind, auch von Gott geliebt, dass man sie in den Arm nimmt. Für einen Erwachsenen gehört natürlich sehr viel Vertrauen dazu und eine besonders geschützte Situation, dass man sich in den Arm nehmen lässt, um Trost zu erfahren oder Geborgenheit zu spüren. Aber für Kinder ist es das Normalste von der Welt, in den Armen von Mama oder Papa ein Stück Urvertrauen zu tanken. Mit dieser Kraftreserve im seelischen Gepäck werden Kinder groß und stark, ohne dass sie andere klein und schwach machen müssen.

Kommen wir nun zum Störfaktor in der Geschichte. Die Jünger Jesu machen Zicken, obwohl sie doch Jesu Schüler sind. Sie fahren die Eltern regelrecht an: Wie können sie es wagen, ihre Kinder zu Jesus zu bringen? Der hat in ihren Augen Wichtigeres zu tun, als sich mit Kindern zu beschäftigen!

Der Evangelist Markus beschreibt die Reaktion Jesu nun am genauesten: Jesus sieht, was die Jünger tun, und er reagiert ausgesprochen sauer, ärgerlich, unwillig, wie Luther übersetzt. Die Jünger sind es, die nicht begriffen haben, was und wer Jesus wirklich wichtig ist. Gerade die Kinder sind ihm wichtig, gerade sie, die keine großen Leistungen vorzuweisen haben. Interessant finde ich: der Evangelist Lukas 18 erzählt die gleiche Geschichte anders; bei ihm „sieht“ nicht Jesus, sondern die Jünger „sehen“:

15 Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühren sollte. Als das aber die Jünger sahen, fuhren sie sie an.

Interessant ist auch, wie es bei Lukas dann weitergeht:

16 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.

Jesus ruft die Jünger zu sich, genau wie er die Kinder zu sich kommen lässt. Mag sein, dass ihnen das überhaupt nicht passt, dass sie so direkt mit Kindern verglichen werden, dass Jesus sie sogar so behandelt wie kleine Kinder. Um von Jesus als Erwachsene behandelt zu werden, müssen sie sich erst von ihm sagen lassen, was es bedeutet, erwachsen zu sein: Wirklich erwachsen sind wir dann, wenn wir auch Gefühle und Bedürfnisse von Kindern wahrnehmen, ernstnehmen und auf sie eingehen. Dazu gehören übrigens auch kindliche Gefühle und Bedürfnisse in unserer eigenen Seele. In uns lebt ein Stück von dem Kind, das wir einmal waren, auch wenn wir schon lange erwachsen sind, und das ist gut so.

Noch ein Punkt ist mir aufgefallen, als ich die Geschichten der drei Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas verglichen habe. Markus 10, 14 und Lukas 18, 16 schreiben:

Lass[e]t die Kinder zu mir kommen und wehr[e]t ihnen nicht!

Matthäus 19, 14 sagt es etwas anders, vorhin im Taufspruch haben wir das schon gehört:

Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen.

Bei Markus und Lukas bezieht sich das „Lassen“ auf das „Zu-Jesus-Kommen“; das „Wehren“ steht für sich. So betont Jesus in einem ersten Satz, dass die Kinder in seine Nähe kommen dürfen, und in einem zweiten Satz lehnt er die Abwehrhaltung seiner Jünger gegen Kinder ab.

Matthäus bezieht das Wort „Wehren“ auf das „Zu-Jesus-Kommen“ und lässt das „Lassen“ für sich stehen. Dadurch kommt ein etwas anderer Sinn heraus. So ist der zweite Satz keine Aussage mehr über die Jünger und ihre allgemeine Abwehrhaltung gegen Kinder. Beide Sätze beziehen sich auf die Kinder.

Der zweite Satz ist ein Satz über die Nähe, die Kinder brauchen: „Wehrt den Kinder nicht, wenn sie zu mir kommen wollen. Wehrt sie auch nicht ab, wenn sie eure Nähe suchen, eure Zeit brauchen.“

Und der erste Satz kann verstanden werden als ein Satz über die Eigenständigkeit der Kinder und ihre kleine Welt. Jesus fordert dazu auf, die Kinder zu „lassen“. „Lasset die Kinder“, das können wir so verstehen: Lasst die Kinder so sein, wie sie sind. Macht aus ihnen keine kleinen Erwachsenen. Nehmt sie ernst als Kinder. Geht auf ihre Gefühle ein, auf das, was sie brauchen. Erfüllt nicht unbedingt alle ihre Wünsche, aber gebt ihnen Liebe und gute Grenzen. Dann können sie heranwachsen und werden irgendwann erwachsen.

So hatte ich schon vorhin das Erziehungskonzept von Jesus beschrieben, ein Konzept des Lassens und der Liebe: Lasst die Kinder sie selbst sein, indem ihr ihnen ein gutes Gegenüber seid, zum Beispiel als Eltern und Paten. Lasst die Kinder eure Liebe erfahren, auch in Form von guten Grenzen. Denn Kinder sind nicht kleine Erwachsene, sie sind überfordert, wenn wir sie als völlig gleichberechtigte Partner ansehen; sie brauchen viel von uns, unsere Fürsorge, unsere Zuwendung, oft auch klare Ansagen, was geht und was nicht geht. Ja, sogar, wo es um die Freiheit unserer Kinder geht, brauchen sie sozusagen dafür eine Gebrauchsanweisung. Auch frei zu sein, will gelernt sein, denn Freiheit ohne Verantwortlichkeit geht nicht.

Aber wie können Eltern und auch Paten Kindern ein gutes erwachsenes Gegenüber sein? Wie können sie ihre Kinder sie selbst sein lassen und ihnen Liebe geben? Dazu ist nötig, dass wir Erwachsenen auch für uns selbst gut sorgen, dass wir sozusagen das innere Kind in uns nicht vernachlässigen. Kein Kind hat etwas davon, wenn wir uns aufopfern, wenn wir uns nie selber etwas gönnen, wenn wir die Kinder auf unserer Nase herumtanzen lassen wie kleine Tyrannen. Eltern haben auch ihr eigenes Leben unabhängig von ihren Kindern, und um das zu ermöglichen, können Paten oder Großeltern oder andere Verwandte und Freunde eine wichtige Rolle spielen. Als Babysitter können sie Eltern freie Abende oder Zeit zum Auftanken schenken. Bei älteren Kindern kann ein Pate auch wichtig sein als einer, der mal etwas anderes mit seinem Patenkind unternimmt oder einfach mal mit ihm redet.

„Lasst die Kinder“: Lasst sie zu euch kommen, lasst sie sie selbst sein, und nicht zuletzt lasst sie auch in Kontakt mit Jesus kommen, mit seiner Liebe, mit dem, was wir uns von Gott nur schenken lassen können. Dann bekommt das Leben von Kindern und auch von uns Erwachsenen – Sinn. Denn nicht nur Kinder brauchen Liebe, Geborgenheit und ein Ziel im Leben, auch wir Erwachsenen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 619 zweisprachig, englisch und deutsch:

1. Er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

1. He’s got the whole world in his hands…

2. Er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

2. He’s got the tiny little baby in his hands…‘

3. Er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

3. He’s got the sun and the moon in his hands…

4. Er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

4. He’s got you and me brother (sister) in his hands… He’s got you and me in his hands.

Lasst uns beten, indem wir nach jeder Fürbitte Jesus Christus anrufen: „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Wir beten für unsere Kinder, dass sie in Liebe aufwachsen und es selber lernen zu lieben, dass sie Freiheit gewinnen und sich an gute Grenzen gewöhnen, dass sie sich gut entfalten und für den Glauben offen sind. Wir rufen zu dir, Jesus Christus: „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Wir beten für Eltern und Paten, dass sie für ihre Kinder in Liebe und Offenheit da sind und ihnen auch den Glauben an dich nahebringen. Wir rufen zu dir, Jesus Christus: „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Wir bitten um Zivilcourage, dass wir uns für Menschen einsetzen, die in ihrer Würde verletzt werden. Wir beten darum, dass wir vor Neid und Eifersucht auf andere bewahrt bleiben, dass wir Streit überwinden und um Vergebung bitten, wenn wir Unrecht getan haben. Wir rufen zu dir, Jesus Christus: „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Was uns heute ganz persönlich bewegt, dürfen wir in der Stille vor Gott und Jesus Christus bringen:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 511:

1. Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Weißt du, wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt? Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.

2. Weißt du, wieviel Mücklein spielen in der heißen Sonnenglut, wieviel Fischlein auch sich kühlen in der hellen Wasserflut? Gott der Herr rief sie mit Namen, dass sie all ins Leben kamen, dass sie nun so fröhlich sind, dass sie nun so fröhlich sind.

3. Weißt du, wieviel Kinder frühe stehn aus ihrem Bettlein auf, dass sie ohne Sorg und Mühe fröhlich sind im Tageslauf? Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen; kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.

Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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