Was haben Engel an?

Zu guter Letzt

Engel mit sechs Flügeln auf dem Altarfensterbild der Evangelischen Pauluskirche Gießen

Die Engel auf dem Altarfensterbild der Pauluskirche haben sechs Flügel (wie im Buch Jesaja beschrieben)

… kam ich im Bus mit der Mutter eines Kindergarten-Kindes ins Gespräch. Es ging um religiöse Kinderfragen. Seitdem geht mir eine dieser Fragen nach: „Was haben Engel an?“ Am nächsten Tag im Kindergarten stelle ich sie den Kindern. Ein Junge sagt: „Flügel!“ Ein anderer: „Weiß nicht. An den Füßen haben sie nichts an.“ Ein Kind denkt an den Apotheken-Engel vom Marktplatz in Gießen: „Der hat was Goldenes an.“

Ist die Kleidung der Engel denn so wichtig? Wichtiger als die Frage, ob es sie überhaupt gibt oder wie sie aussehen? Engel stellt man sich ja ganz unterschiedlich vor – in weiblicher, männlicher oder auch in kindlicher Gestalt.

Doch da fällt mir auf, dass auch in der Bibel oft Wert darauf gelegt wird, was Engel anhaben. Wenn Menschen gute Gedanken und Kräfte Gottes in der Gestalt von Engeln erfahren, dann kann auch das Aussehen der Engel Wesentliches von dem verraten, was Gott uns durch sie mitteilen will.

Als der Prophet Jesaja 6, 2 die Engel im Himmel sieht, haben sie sechs Flügel, mit denen sie nicht nur fliegen, sondern vor Gottes Thron auch ihren Leib bedecken.

Johannes sieht in seiner Offenbarung 10, 1 den Engel, der ihm Gottes Wort sagt, mit einer Wolke als Kleid, einem Regenbogen als Hut und Feuersäulen an den Füßen.

Am liebsten mag ich den Engel im Grab Jesu, von dem Markus in seinem Evangelium erzählt – der sieht aus wie ein junger Mann und trägt ein langes weißes Gewand (Markus 16, 5). Ich erkenne in diesem Engel den jugendlichen Jünger wieder, der bei Jesu Verhaftung erst nicht weglief und dann doch in Panik floh – völlig nackt (Markus 14, 51-52). Jetzt flieht er nicht mehr, jetzt steht er zu seinem getöteten Herrn, jetzt weiß er: man konnte Jesus nicht wirklich töten, nicht endgültig, nicht seine Liebe. Für die Frauen, die zum Grab kommen, wird er zum Boten der Auferstehung. Bote heißt Engel – auf griechisch Angelos. Als Engel tritt der Junge den Frauen nicht nackt und bloßgestellt vor Augen. Er trägt das Weiß der Unschuld. Sünden, Schwächen und Fehler sind ihm durch die Liebe Jesu vergeben.

Jesus sagt einmal: Wenn wir sterben und dorthin kommen, wo Gott ist, dann werden wir sein wie die Engel. Wir müssen dann nicht unbedingt alle weiße Sachen anhaben, das wäre ja langweilig. Aber eine „weiße Weste“ werden wir haben, denn Jesus vergibt unsere Schuld. „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag…“

Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ September – November 2001 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.