Schuldner ohne Scham

Was ist der Unterschied zwischen Schuld und Scham? In einem holländischen Buch steht: „Scham sagt: Was habe   i c h   dem andern angetan! Schuldgefühl sagt: Was habe ich dem   a n d e r n   angetan!“ Die Scham kreist im Selbstmitleid um sich selbst. Wer sich nicht für grundsätzlich liebenswert, sondern nur für böse hält, empfindet jede Kritik als totalen Angriff auf die eigene Person.

Ein Mann mit rotem Gesicht stützt voller Scham das Gesicht in seine Hand, auf seinen Haaren und seiner Kleidung stehen englische Worte für "dumm, hoffnungslos, schlecht, hässlich, faul, wertlos, nicht liebenswert"

Scham ist oft verbunden mit einem Gefühl der Wertlosigkeit (Grafik: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 3. Sonntag nach Epiphanias, den 25. Januar 1998, um 10.00 Uhr in der Nikolaikirche Alzey und am Vortag, den 24. Januar 1998, 16.00 Uhr im Haus Michael, 17.00 Uhr Nikolaikirche sowie am 1. Februar 1998 um 9.00 Uhr in der Kapelle der Rheinhessen-Fachklinik Alzey
Lied 7, 1-5:

O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Herd, dass ihre Seel auch selig werd.

Erfülle mit dem Gnadenschein, die in Irrtum verführet sein, auch die, so heimlich ficht noch an in ihrem Sinn ein falscher Wahn;

und was sich sonst verlaufen hat von dir, das suche du mit Gnad und ihr verwundt Gewissen heil, lass sie am Himmel haben teil.

Den Tauben öffne das Gehör, die Stummen richtig reden lehr, die nicht bekennen wollen frei, was ihres Herzens Glaube sei.

Erleuchte, die da sind verblendt, bring her, die sich von uns getrennt, versammle, die zerstreuet gehn, mach feste, die im Zweifel stehn.

So werden sie mit uns zugleich auf Erden und im Himmelreich hier zeitlich und dort ewiglich für solche Gnade preisen dich.

Nach unserem ersten Lied möchte ich Sie erst einmal herzlich begrüßen! Nach langer Zeit stehe ich wieder einmal vertretungsweise hier vorne – ich bin Pfarrer Schütz und arbeite normalerweise als Seelsorger in der Rheinhessen-Fachklinik und im DRK-Krankenhaus. Gemeinsam feiern wir heute Gottesdienst in der Zeit nach dem Fest des Lichtes, das in die Welt gekommen ist, nach Weihnachten und Epiphanias. Wir feiern Gottesdienst nicht im eigenen Namen, sondern:

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus Psalm 86:

11 Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.

12 Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen und ehre deinen Namen ewiglich.

13 Denn deine Güte ist groß gegen mich, du hast mich errettet aus der Tiefe des Todes.

17 Tu ein Zeichen an mir, dass du’s gut mit mir meinst, dass es sehen, die mich hassen, und sich schämen, weil du mir beistehst, HERR, und mich tröstest.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, wir feiern Gottesdienst, das heißt, wir sind auf dem Weg zu dir, wir wenden uns dir zu. Was in uns ist, liegt offen vor dir, du liest in uns wie in einem Buch. Müssen wir uns dessen schämen, was du da liest, was kein anderer so mitbekommt? Wir tun es oft, doch wir bitten dich: Nimm uns an, so wie wir sind – und:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

15 Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue.

Lobsingt dem Herren, erhebet seinen Namen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.“

Der Herr sei mir Euch. „Und mit deinem Geist.“

Gott im Himmel, lass uns heute ehrlich nachdenken über die Scham. Was ist, wenn wir uns schämen für das, was wir tun, oder für das, was wir sind? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen „sich schämen“ und „sich schuldig fühlen“? Hilf uns, mit diesen Gefühlen umgehen! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören als Schriftlesung heute einige Verse aus der Schöpfungsgeschichte im 1. Buch Mose – Genesis 2 und 3. Der von Gott gut geschaffene Mensch, darf eigentlich ohne Scham zu sich selbst stehen:

25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht.

Doch dann folgt das Misstrauen gegen Gott, weil die Menschen meinen, Gott wolle ihnen etwas vorenthalten, sie nehmen sich eine verbotene Frucht, obwohl sie genug andere Früchte essen dürfen. Und dann fangen sie an, sich zu schämen:

7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.

8 Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten.

9 Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?

10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.

Herr, dein Wort sei unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Wir singen aus dem Lied 67 die ersten drei Strophen – es handelt davon, dass Jesus uns, bildlich gesprochen, den Himmel oder das Paradies wieder aufgeschlossen hat:

Herr Christ, der einig Gotts Sohn, Vaters in Ewigkeit, aus seim Herzen entsprossen, gleichwie geschrieben steht, er ist der Morgensterne, sein Glänzen streckt er ferne vor andern Sternen klar;

für uns ein Mensch geboren im letzten Teil der Zeit, dass wir nicht wärn verloren vor Gott in Ewigkeit, den Tod für uns zerbrochen, den Himmel aufgeschlossen, das Leben wiederbracht:

lass uns in deiner Liebe und Kenntnis nehmen zu, dass wir am Glauben bleiben, dir dienen im Geist so, dass wir hier mögen schmecken dein Süßigkeit im Herzen und dürsten stets nach dir.

Die zweite Lesung hören wir heute einmal nicht aus einem Evangelium, sondern aus einem Text, der vom Evangelium handelt. Es ist zugleich der heutige Predigttext im Brief an die Römer 1, 14-17. Paulus schreibt dort:

14 Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen;

15 darum, soviel an mir liegt, bin ich willens, auch euch in Rom das Evangelium zu predigen.

16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.

17 Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2, 4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

Ehre sei dir, Herr. „Lob sei dir, o Christe.“

Glaubensbekenntnis
Lied 293, 1-2:

Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott von Herzensgrunde, preist ihn, ihr Völker allzumal, dankt ihm zu aller Stunde, dass er euch auch erwählet hat und mitgeteilet seine Gnad in Christus, seinem Sohne.

Denn seine groß Barmherzigkeit tut über uns stets walten, sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit erscheinet Jung und Alten und währet bis in Ewigkeit, schenkt uns aus Gnad die Seligkeit; drum singet Halleluja.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Ich schäme mich des Evangeliums nicht“, sagt Paulus. Das steht in der Mitte unseres Predigttextes, und ich habe das Thema der Scham in den Mittelpunkt dieses ganzen Gottesdienstes gestellt.

Sich schämen, das ist ein schwieriges Thema, eben weil man nicht gerne darüber spricht, weil es hier um etwas geht, wofür man sich geniert, was einem peinlich ist.

Manche glauben ja, es gäbe heute keine Scham mehr. Manche Menschen stellen sich schamlos zur Schau, die Zeitschriften sind voll von Fotos nackter Körper, und man trägt heute auch in aller Öffentlichkeit Kleidung, für die man sich früher geschämt hätte. Zum Teil mag es also stimmen: Bestimmte Grenzen der Scham sind nicht ein für allemal festgelegt, die ändern sich im Laufe von vielen Jahren, die sind auch unterschiedlich, je nachdem, ob man heute zur westlichen Kultur gehört oder ob man aus Osteuropa gekommen ist oder ob jemand traditionell moslemisch geprägt ist.

Aber um diese äußere Scham soll es heute in der Predigt nicht gehen. Ich denke, das muss jedem selbst überlassen bleiben, wann und wo er sich wem nackt zeigt. In der Predigt geht es um das, wofür wir uns ganz tief innen drin schämen. Es geht da um eine Scham, die tiefer liegt als unser Schuldbewusstsein, denn man kann gar nicht genau sagen, was man denn falsch gemacht hat, wenn man sich schämt. Man weiß nur, ich muss mich verstecken, man darf mich jetzt nicht ansehen, am besten ist, wenn niemand mich findet, nicht einmal Gott. Wer sich so schämt, der streitet häufig so wie Adam und Eva jede Schuld ab. Wer sich schuldig fühlt, der weiß meistens: ich habe das und das getan, das durfte ich nicht. Aber wer sich schämt, der fühlt sich oft rund herum schlecht, nicht nur sein Verhalten, sondern er selbst ist böse.

Interessant ist, dass Paulus von beidem spricht, von Schuld und von Scham:

14 Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen;

15 darum, soviel an mir liegt, bin ich willens, auch euch in Rom das Evangelium zu predigen.

16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.

Paulus empfindet sich als Schuldner anderer Menschen, ganz verschiedener Menschen. Er nennt Griechen und Barbaren, wie es in der griechischen Sprache wörtlich heißt, teilt also die Welt ein in die damaligen Weltbürger und alle anderen, die unbedeutenderen Völkern angehörten, darunter auch sein eigenes Volk, die Juden. Er nennt außerdem Weise und Ungebildete. Und zwischen all diesen unterschiedlichen Menschen will er keinen Unterschied machen, nicht zwischen den Juden und den Heiden, nicht zwischen gebildeten und einfachen Menschen. Er glaubt allen Menschen etwas schuldig zu sein, nämlich dass er ihnen die Botschaft weitersagt, die ihm selber auch wichtig und lebensrettend geworden ist, die Botschaft von Jesus Christus.

Und im gleichen Atemzug, in dem Paulus sich als Schuldner fühlt gegenüber Menschen, die etwas von ihm brauchen, spricht er davon, dass er sich nicht schämt: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht“. Nun könnte Paulus ja allgemein schon die Scham kennen, nur nicht die Scham für das Evangelium. Aber vielleicht ist es auch so: wer auf Gott vertraut, der mag hin und wieder jemandem etwas schuldig bleiben und daran arbeiten, Schuld zu überwinden – aber der muss nicht unbedingt immer wieder das Gefühl haben, vor Scham in den Erdboden versinken zu wollen. Im Vaterunser beten wir ja: „Vergib uns unsere Schuld“ – doch die Scham ist kein Dauerthema in diesem Gebet.

Was ist der Unterschied zwischen Schuld und Scham? In einem holländischen Buch fand ich einmal die Unterscheidung: „Scham sagt: Was habe ich dem andern angetan! Schuldgefühl sagt: Was habe ich dem andern angetan!“ Die Scham kreist um sich selbst, ist eigentlich ein egoistisches Gefühl, sehr eng mit Selbstmitleid verknüpft. Sie hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass man als Kind nicht genug liebgehabt wurde, dass man kein Gefühl dafür vermittelt bekam, ein wertvoller Mensch zu sein. Wenn ich nicht weiß, dass ich liebenswert bin und trotzdem manchmal Böses tun kann, dann halte ich mich immer für böse und empfinde jede Kritik als einen totalen Angriff auf die eigene Person. Wenn ich dagegen spüre, da sagt mir jemand zwar die Meinung, aber er will mich nicht fertig machen, dann kann ich es auch einsehen, wenn ich wirklich an etwas schuld bin, wenn ich wirklich jemandem etwas schuldig geblieben bin.

Da ist zum Beispiel ein junger Mann, der sich bei einem Mädchen „vergisst“; er will mehr als sie, und er setzt sich durch. Am nächsten Tag fühlt er sich abscheulich. „Wie konnte ich das nur tun?“ fragt er sich. „Warum habe ich sie unter Druck gesetzt?“ Er ist deprimiert und würde am liebsten gar nicht aufstehen. Das ist typisch für ein Schamgefühl, dass man nur immer daran denkt, wie man selbst jetzt dasteht, dass man sich am liebsten verstecken möchte. Kleine Kinder wenden dann oft ihren Kopf ab und halten sich die Augen zu, weil sie denken: Wenn ich die anderen nicht mehr sehe, dann sieht mich auch keiner. Aber wenn ich gesehen werde, dann findet man bestimmt etwas an mir auszusetzen, dann verurteilt man mich oder man lacht mich aus.

Ein anderer junger Mann ist bei seiner Freundin und bekommt Streit mit ihr, weil sie die Musik im Kassettenrecorder nicht leiser stellen will. Zum Schluss fällt ihm das Teil runter und ist kaputt. Er ist außer sich und sie fängt an zu weinen. Da sagt er ihr, dass es ihm leid tut; er lässt den Recorder reparieren und leiht ihr so lange seinen eigenen, bis sie ihren wieder hat. Das ist ein Beispiel für ein Schuldgefühl – da ist sich einer des Schadens bewusst, den er angerichtet hat, er spricht offen darüber, er gibt es zu, und er tut auch etwas, um es möglichst wieder gut zu machen.

Wer sich einfach nur schämt, verhält sich kindlicher, wer zu seiner Schuld steht, verhält sich reifer, erwachsener. Paulus scheint etwas davon zu ahnen, wenn er sagt: „Ich bin ein Schuldner“, ich trage eine Verantwortung für Menschen, die etwas von mir erwarten dürfen. Und er begründet das mit einem „denn“: „denn ich schäme mich nicht“. Wer sich nicht in seiner Scham verkriechen muss, wer zu seiner eigenen Person stehen kann, der kann auch zu seiner Schuld und zu seinen Fehlern stehen.

Aber wie kann man das erreichen: sich nicht dafür zu schämen, dass man so ist, wie man ist? Das ist ja ein Gefühl, das ganz tief in uns verwurzelt sein kann, von frühester Kindheit an.

Paulus weiß, dass das nicht so einfach ist, aber er hat auch etwas erfahren, wodurch sein ganzes Leben umgekrempelt wurde. Und das, was da in sein Leben hineingekommen ist, das nennt er mit einem griechischen Wort „Eu-Angelion“, auf deutsch: „Frohe Botschaft“ oder auf neudeutsch: „heißer Tipp“, „tolle message“. Für ihn ist jedenfalls etwas ganz Neues angesagt, wofür er sich nicht schämt, auch wenn alle anderen ihn für verrückt halten deswegen.

Und warum schämt er sich nicht? Das begründet Paulus mit einem zweiten „denn“:

17 Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

Ich will mal versuchen, dieses Paulus-Deutsch in heutiges Deutsch zu übersetzen. Die neue Sache, die das Leben des Paulus verändert hat, besteht eben darin, dass er sich nicht mehr für sich selber schämen muss, sondern: er ist ein wertvoller Mensch. Früher hatte er gedacht: er muss alles mögliche tun, um es Gott recht zu machen. Er muss fasten und beten und sich klein machen, damit er vor Gott gut und gerecht dasteht. Als er anfing, an Jesus zu glauben, merkte er plötzlich: Bei Gott gilt eine andere Gerechtigkeit, die kommt aus Glauben und führt wieder in den Glauben hinein. Das ist wie bei einem Kind, das einfach weiß: meine Eltern haben mich lieb. Ich bin meinen Eltern recht, so wie ich bin. Ich mag Fehler haben und manches falsch machen, aber sie werden mich niemals kaputtmachen, niemals im Stich lassen. Genau dasselbe hat Paulus von Gott gelernt. Wir dürfen Gott vertrauen, so wie Kinder guten Eltern vertrauen. Aus diesem Vertrauen wächst immer wieder neues Vertrauen, und dann versucht man auch ganz selbstverständlich, sich an die Regeln zu halten, die von den Eltern kommen. Wird man dann erwachsen, bewahrt man dieses Vertrauen in sich, dass es irgendwo jemand gibt, auf den man sich verlassen kann, man kann auch das Gefühl in sich tragen, dass man selber ein liebenswerter, ein auf jeden Fall von Gott geliebter Mensch ist. Man muss sich nicht dafür schämen, auf der Welt zu sein, auch nicht dafür, dass man vielleicht zu klein oder zu groß ist, dass man nicht so aussieht wie ein Model oder ein Bodybuilder. Und wenn man sich für solche Sachen nicht schämt, fällt es viel leichter, Verantwortung zu tragen. Verantwortung, das ist gemeint mit dem Wort „Schuldner sein“: Zu schauen, wo jemand mich braucht, wo ich jemandem meine Hilfe schulde, auch wenn ich gar nicht so viel mit ihm zu tun habe. Verantwortung, das bedeutet auch: den Mut zu haben, einmal zuzugeben: Da habe ich etwas falsch gemacht. Das hätte ich nicht tun dürfen. Dafür bitte ich um Verzeihung.

Paulus schämt sich nicht für das Evangelium. Und gerade wegen des Evangeliums hat er Grund, sich nicht schämen zu müssen. Er muss sich weder vor Gott noch vor den Menschen verstecken. Und das gilt auch für uns, denn Gott hat uns lieb. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 357, 1+4+5:

1) Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.

4) Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort.

5) So weiß ich, was ich glaube, ich weiß, was fest besteht und in dem Erdenstaube nicht mit als Staub verweht; ich weiß, was in dem Grauen des Todes ewig bleibt und selbst auf Erdenauen schon Himmelsblumen treibt.

Abkündigungen

Barmherziger Gott, wenn wir uns selber unmöglich finden, wenn wir uns für böse halten, wenn wir uns dafür schämen, dass wir so sind, wie wir sind – dann nimm uns einfach an. Nimm uns an mit unserer Scham, nimm uns in den Arm wie ein kleines Kind, das sich vor den Eltern verstecken will, sprich uns an und bleib auf der Suche nach uns: Adam! Eva! Wo seid ihr? Lass uns das glauben, dass du uns lieb hast, dass wir wertvolle Menschen sind, dass dein Urteil uns nicht vernichtet, sondern freispricht – zum Leben! Und mach uns stark, zu unseren Taten zu stehen, auch zu unserer Schuld. Hilf uns, verantwortlich zu handeln, wo wir gefordert sind. Amen.

Ich frage euch nun, im Namen Jesu Christi: Bekennt ihr euch im Herzen zur Schuld, die ihr getan habt, und ist sie euch leid? Seid ihr bereit, Gottes Liebe an euch heranzulassen und anzunehmen, dass ihr von Gott angenommen seid? Bittet ihr von Herzen um Gottes Vergebung? So antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe!

Auf dieses Bekenntnis spreche ich Euch im Auftrag und im Namen Jesu Christi die Vergebung Gottes zu. Er streicht die Sünde durch, die Trennung von Gott ist aufgehoben.

Gemeinsam sind wir nun eingeladen, das Mahl der Versöhnung zu feiern. Vor dem Abendmahl singen wir das Lied 221:

Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen: wir sind, die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.

Ach dazu müsse deine Lieb uns dringen! Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen, dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geiste“.

Die Herzen in die Höhe. „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, dir Lob zu singen. Würdig und recht sind wir vor dir, nicht aus eigenem Verdienst, sondern weil du uns liebst. Würdig sind wir, weil du uns unsere Würde gibst. Recht sind wir dir, weil du uns annimmst, wie wir sind. Wir rufen zu dir, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Wir beten, wie uns unser Herr Jesus Christus gelehrt hat:

Vater unser und Abendmahl

Gott, hab Dank, dass du dich in Christi Leib und Blut uns geschenkt hast! Danke für deine Liebe, danke für dein Wort, danke wenn du uns die Meinung sagst und wir auf neue Gedanken kommen. Ganz hast du dich uns gegeben, und ganz hast du uns angenommen. Verwandeln willst du uns so, dass wir so werden, wie du uns gemeint hast – nicht dass du uns kaputt machst oder unseren Willen brichst oder uns zu unserem Glück zwingst, sondern dass du uns mit unendlicher Geduld begleitest und uns Mut machst zur Liebe. Danke, dass wir uns vor dir nicht schämen müssen. Amen.

Lied 171: Bewahre uns, Gott, behüte uns Gott

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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