Warum gibt es die Welt?

Bilder von Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Unterrichtsthemas Schöpfung.

Ein Mädchen stellt in sechs Bildern die Erschaffung der Welt dar. Gottes unsichtbare Stimme sagt etwas, und es geschieht: 1. Ich brauche etwas, was ich beschützen kann... Ich erschaffe die Erde. 2. Da fehlt noch etwas... Wasser und Gras. 3. Langweilig! Hm, Pflanzen! 4. Zu leblos... Tiere!!! 5. So! Jetzt noch ein paar Menschen. 6. Jetzt ist alles PERFEKT!!!

Ein Mädchen stellt auf ihre Art die Schöpfung der Welt in sechs Tagen dar

Wie stellen sich Schülerinnen und Schülern die Entstehung der Welt vor? Ich habe diese Frage immer wieder im Religionsunterricht in der 5. oder 6. Klasse eines Gymnasiums gestellt, denn die Frage nach dem Warum und Wozu der Welt kann auf sehr verschiedene Arten und Weisen beantwortet werden.

Naturwissenschaftliche Welterklärung: Was ist der Urknall?

Eine Art ist die naturwissenschaftliche Methode der Aufstellung immer neuer Hypothesen und Erklärungsmodelle, die durch neue Erkenntnisse wieder verändert werden müssen. Hier wird nach dem Warum der Welt gefragt: Wie ist die Welt faktisch entstanden?

Wissenschaftler bezeichnen mit dem Wort Urknall den Beginn von Zeit und Raum, wie wir sie in unserem Universum kennen. The Big Bang war also der Zeitpunkt, an dem sämtliche Masse dieses Universums, die in einem einzigen winzigen schwarzen Loch vereinigt war, auseinanderflog, so dass sich unser Weltall seitdem ständig ausdehnt und vergrößert.

Dem Konzept der Evolution auch unseres menschlichen Verstandes entspricht es, dass wir Menschen eigentlich nicht dafür eingerichtet sind, so etwas zu verstehen. Für uns muss es immer ein Vorher und Nachher geben. Einen Zeitpunkt, vor dem es nichts gab, ist für uns schlicht unvorstellbar, unbegreiflich.

Darum ist es kein Wunder, dass auch so gut wie kein Schüler verstanden hat (das gilt sicher auch für Erwachsene), was es eigentlich mit dem Urknall auf sich hat. Die meisten verstehen darunter fälschlicherweise den Zusammenstoß von Kometen mit anderen Himmelskörpern, vor allem die Jungs lieben es einfach, wenn es irgendwie knallt und kracht.

Religiöse Weltdeutung: Was ist Sinn und Ziel der Welt?

Eine andere Art und Weise der Welterklärung fragt nach dem Wozu, dem Sinn und Zweck der Welt. Hier lassen sich Antworten des Glaubens finden, die in Geschichten erzählt und in Symbolen verdeutlicht werden. Die Mythen der Völker und auch die Bibel enthalten Antworten in diesem Sinne – wobei es schon einen großen Unterschied macht, ob Babylonier und Germanen die Entstehung der Erde als Abfallprodukt aus dem Kampf verschiedener Götter erklären, oder ob die Bibel gegen die Sicht der Babylonier die Schöpfung als planvolle und zielgerichtete Handlung des einen und einzigen Gottes sehen, der eine sehr gute Welt geschaffen hat – nämlich eine solche, in der es einen Ort für Menschen gibt, die im Frieden mit der Erde und miteinander leben können und wollen.

Was in der Bibel steht, ist also ebenfalls wahr – jedoch auf andere Weise als wissenschaftliche Modelle, die immer wieder auf ihre Richtigkeit überprüft werden müssen.

Die Bibel erzählt symbolisch von der Schöpfung in sieben Tagen. Das ist wahr, obwohl der Zeitraum der Weltentstehung in Milliarden von Jahren zu messen ist und nicht faktisch in sieben Einheiten von 24 Stunden. Die Wahrheit dieses Schöpfungsberichts ist vielschichtig. Es hat zum Beispiel seine Bedeutung, dass der Mensch am selben sechsten Tag wie die Tiere erschaffen wird, nach den Tieren, als Bild der Liebe Gottes, gleichberechtigt als Mann und Frau. Wichtig ist auch, dass der siebte Tag mit seinem Schöpfungswerk von Ruhe und Frieden bis heute nicht vollendet ist. Unsere Verantwortung vor Gott besteht darin, im Vertrauen auf Gott an der Vollendung dieses Schöpfungswerkes mitzuwirken.

Im zweiten Kapitel der Bibel erzählt sie von der Menschheit, die – noch ungeteilt in Frau und Mann – vor den Tieren in einen lebenswerten Garten Eden versetzt wird, um ihn zu bebauen und bewahren. Hier ist es das Symbol des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse, das die Menschen daran erinnert, wie sehr sie ihre Bestimmung verfehlt haben, die gute Schöpfung Gottes tatsächlich zu bewahren. Das Essen der verbotenen Frucht steht als Symbol dafür, dass die Menschen der Güte Gottes und seiner Schöpfung misstrauen und lieber den Einflüsterungen einer bösen Schlange glauben, dass man sich notfalls mit Gewalt nehmen muss, was man eben kriegen kann, um sich selbst zu behaupten.

Eine dritte Art, die Schöpfung zu loben und zu besingen, finden wir zum Beispiel im Psalm 104. Da haben sogar die Raubtiere ihren von Gott vorgesehenen Platz, da hat Gott seine Freude daran, mit Ungeheuern wie dem Leviathan zu spielen (hat er nicht Millionen Jahre Zeit gehabt, um sich an immer wieder neuen Gestalten der Dinosaurier zu erfreuen?), und auch da wird zum Schluss der Mensch auf seine Verantwortung angesprochen, kein Unheil auf der Erde zu stiften. Er soll nicht Raubtier, sondern Friedensstifter sein.

Welterklärung in Bildern aus der Sicht von Mädchen und Jungen

OK – schauen Sie nun, wie Schülerinnen und Schüler sich die Entstehung der Welt vorstellen. Am Anfang stehen verschiedene Weisen der Darstellung dessen, was sie sich unter dem Urknall vorstellen. Auch sehr ungewöhnliche eigene Welterklärungsmodelle gibt es: das Staubsauger-Modell und eine Geschichte der Weltentstehung durch einen Drachen. Schließlich folgen Bilder zur biblischen Schöpfungsvorstellung – die von einigen (mit gutem Recht!) mit der naturwissenschaftlichen Sicht im Einklang gesehen wird. Ganz am Ende rufen Schülerinnen zum Schutz der Umwelt und der Mitmenschen auf und haben damit den Sinn auch der biblischen Schöpfungserzählungen genau getroffen.

 

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