Mariengespräch

Maria, das ist ein wunderbares Bild: die Füße Jesu umfassen und spüren: Ja, er lebt, er wird unsere eigenen Füße stärken.

Vielleicht werden ja auch die Männer die Nähe Jesu spüren, genau wie wir. Auch sie müssten fühlen, wie der Stein der Traurigkeit weggeschoben wird, wenn erst einmal der Damm der Tränen bricht.

Ein Osterei mit der Ostergeschichte nach Matthäus 28 hängt an einem Forsythienzweig

Die Ostergeschichte nach Matthäus auf einem Osterei (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am Ostersonntag, den 11. April 1993, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen heute am Ostersonntag im Gottesdienst in unserer Kapelle! Wir feiern das Fest der Auferstehung Jesu, wir feiern Gott als die Macht, die totes Gestein ins Rollen bringt, die Hartes weich macht, die aus Verzweiflung neue Hoffnung erstehen lässt.

Zu Beginn singen wir aus dem Gesangbuch das Osterlied 82, 1-5:

1) Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit‘. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. Gelobt sei Christus, Marien Sohn!

2) Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. Gelobt sei Christus, Marien Sohn!

3) Er hat zerstört der Höllen Pfort und all die Sein‘ herausgeführt und uns erlöst von ewgen Tod. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. Gelobt sei Christus, Marien Sohn!

4) Wir singen alle Lob und Preis dem eingen Gottessohne weis‘, der uns erkauft das Paradeis. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. Gelobt sei Christus, Marien Sohn!

5) Es freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. Gelobt sei Christus, Marien Sohn!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Großes wird geschehen. Unerwartetes am Himmel und auf Erden. Alles, worauf Menschen bauen, wird schwanken. Alles, was richtig und wahr ist, wird offenbar. Alles, was schwer ist, wird weggerollt. Unerwartetes wird geschehen – Großes. Leben wird geschehen!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Manchmal liegen Steine wie Hindernisse auf meinem Weg. Ich kann nicht sehen, wo es weitergeht. Ich habe Angst. Manchmal bauen andere Steine vor mir auf. Ich werde festgelegt auf ihre Erwartungen und ihr Vor-Urteile. Ich spüre, ich kann diese Steine nicht überwinden. Manchmal bin ich selbst für andere wie ein Stein. Ich halte sie fest und verhindere Neuanfang. Ich nehme ihnen den Mut. Manchmal sind Steine in mir und machen mich hart. Ich misstraue anderen und habe das Gefühl, dass niemand mir helfen kann. Ich bin allein. Manchmal sehe ich die Steine in meinem Leben nicht. Ich denke, alles ist in Ordnung und will nicht nachdenken, will nichts fühlen. Ich lebe und bin wie tot. Manchmal überrollen mich Schwachheit, Verzweiflung, Trauer, Zorn wie ein übergroßer Stein. Ich weiß weder aus noch ein, ich habe kaum noch Luft zum Atmen. Ich frage: Wer rollt die Steine weg? Gott, du bringst all unsere Steine ins Rollen. Unser Leben kommt in Bewegung. Unsere Hoffnungen kommen ans Licht. Darauf vertrauen wir durch Jesus Christus, den Freund aller Menschen. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus 1. Samuel 2:

1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN.

2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.

4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.

6 Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.

7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht.

8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Liederheft das Lied 228:

Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Evangelium nach Matthäus 28, 1-10:

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.

4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.

10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.

Liebe Gemeinde,

ein Stein spielt am Ostermorgen eine große Rolle. Der Stein, der das Grab Jesu verschließt, der Stein, den die römischen Soldaten bewachen sollten, damit niemand den Leichnam Jesu stiehlt. Bereits vorhin haben wir gehört, dass wir auch manchmal sind wie ein Stein: hart und gefühllos. Wir wollen nicht so gern sensibel sein, nicht empfindlich, nicht verletzbar, nicht schwach. Ein Stein ist hart und stark, aber auch kalt und schwer; er kann wie ein Zentnergewicht auf unserer Seele lasten. Und wer möchte schon gern ein Herz aus Stein in seiner Brust haben?

Zwei Frauen, zwei Jüngerinnen Jesu, die Jesus bis zum Kreuz nachgefolgt waren, kommen am frühen Morgen zum Grab Jesu. Man kann sich vorstellen, mit welchen Gefühlen sie dort hingehen, voller Trauer um Jesus, den sie geliebt haben, voller Sorge, ob sie überhaupt in das Grab hineingelangen können, denn dieser schwere Stein liegt ja vor dem Eingang des Grabes, und römische Soldaten stehen auch noch da und lassen niemanden durch. Und was sie am meisten belasten mag, ist der Gedanke: Warum konnte Gott im Himmel das nicht verhindern, warum musste Jesus gekreuzigt werden? Ist nun alles aus, alles worauf wir vertraut haben? War das alles Lüge, was Jesus von Gott erzählt hatte, von seiner Liebe, von seiner Barmherzigkeit, von neuem, ewigen Leben?

Bevor die Predigt weitergeht, singen wir aus dem Lied 88 von dem Sorgenstein, den nur ein Engel Gottes oder Jesus selbst wegrollen kann. In diesem Lied ist übrigens anders als in der Erzählung des Matthäus nicht von zwei Frauen die Rede, die beide Maria heißen, sondern von Maria und Salome. Die Namen der Frauen sind in den verschiedenen Evangelien unterschiedlich überliefert. Wir singen die Strophen 1 und 4 bis 5:

1) Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen. Ermuntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu empfangen, der heute durch des Todes Tür gebrochen aus dem Grab herfür der ganzen Welt zur Wonne.

4) Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben; es kann ein Christ bei Kreuzespein in Freud und Wonne leben. Wird dein Anliegen auf den Herrn und sorge nicht: Er ist nicht fern, weil er ist auferstanden.

5) Geh mit Maria Magdalen und Salome zum Grabe, die früh dahin aus Liebe gehn mit ihrer Salbungsgabe, so wirst du sehn, dass Jesus Christ vom Tod heut auferstanden ist und nicht im Grab zu finden.

Ich stelle mir nun vor, wie die beiden Frauen miteinander reden, auf ihrem Weg zum Grab und wieder fort vom Grab. Hören Sie einmal zu, wie sie miteinander gesprochen haben mögen – Frau … und ich schlüpfen nun in die Rolle der Maria Magdalena und der anderen Maria:

Wie gut, dass wir wieder zusammen unterwegs sind! Ich weiß nicht, wie ich diese Tage allein hätte durchstehen sollen!

Mir geht’s genauso. Vor drei Tagen diese grausame Kreuzigung! Ohne dich und die anderen Frauen, ich glaube, ich wäre verrückt geworden.

Ja, dieses Zusehen-Müssen und nichts, aber auch gar nicht tun können, macht fix und fertig.

Ich bin immer noch wie gelähmt und innerlich wie tot. Und ich weiß nicht mehr, ob ich überhaupt noch glauben kann. Ist ein Gott im Himmel, wie konnte er all dem tatenlos zusehen?

Als ob es nicht schon genug wäre, dass wir Menschen nichts tun konnten, wir schwachen Frauen gegen die Übermacht so vieler brutaler Männer! Wir konnten nur zusehen, mit dem Gefühl, gleich zerspringt das eigene Herz, immer nur zusehen, zuletzt sogar nur von Ferne zusehen, als sie ihn in das Grab gelegt haben.

Das Zusehen war schon gefährlich genug. Leicht hätte es uns auch erwischen können. Unsere Brüder wussten, warum sie sich aus dem Staub machten. Aber ich muss einfach Jesus noch einmal sehen.

Ich auch. Ich will wenigstens sein Grab noch einmal sehen, auch wenn der große, schwere Stein noch davor liegt. Ich brauche einfach einen Ort, wo ich hingehen kann. Sonst gehe ich noch kaputt in meiner Trauer.

So geht es mir auch. Und außerdem muss doch irgendjemand Jesus die letzte Ehre erweisen. Wer soll ihn denn einbalsamieren mit dem heiligen Öl, damit er als Toter seine letzte Ruhe findet? – Aber was ist das? Oh! Hilfe, ein Erdbeben!

Ein Erdbeben! – Ein Erdbeben, genau wie in dem Moment, als Jesus starb! Auch vorgestern bebte die Erde!

Ob das mit dem Tod von Jesus zu tun hat? Es könnte einen Zusammenhang geben. Es ist gerade so, als ob sich die Erde aufbäumte.

Sieh nur, dort am Grab! Der Stein ist ja weggerollt. Bleib stehen, Maria! Was ist da nur los? Geht die Welt unter, ist nun alles aus?

Ja, ich sehe es auch, der Stein ist weg, und dabei liegen die Wachsoldaten, als wären sie tot. Das gibt es doch gar nicht. Ich bin plötzlich so aufgewühlt, so durcheinandergebracht. Was ist nur los mit mir? Mir ist, als wäre in mir etwas aufgebrochen, weit aufgerissen, wie Torflügel.

Und mir ist so heiß im ganzen Körper. Mein Herz schlägt wie wild. Ich habe das Gefühl, das Blut in meinen Adern ist wie ein reißender Strom. Ich weiß gar nicht, was ich denken soll. Gibt es Jesu Grab denn eigentlich noch? Ist es bei dem Erdbeben nicht zerstört worden? Wo sollen wir jetzt hin? Jede Hoffnung war umsonst. Es ist fast noch trostloser als vorher, bevor wir Jesus kennenlernten.

Maria, warte mal, soll das denn wirklich wahr sein? Vielleicht ist es ja gerade andersherum wahr: Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Erinnerst du dich denn nicht, wie wir mit Jesus gelernt haben, unser Leben zu leben?

Aber das ist doch jetzt alles vorbei. Jesus ist doch tot!

Aber was er uns gesagt hat, wie er bei uns war, wie wir bei ihm gespürt haben, was Leben ist, was es heißt, geliebt zu sein, wichtig zu sein, wertvoll zu sein – das kann doch gar nicht einfach vorbei sein.

Du hast recht, Maria. Natürlich kann ich die gemeinsame Zeit nicht vergessen. Ständig fallen mir andere Begebenheiten ein. Und obwohl das jetzt vorbei ist, und ich bin traurig deswegen: Dies alles kann uns niemand wegnehmen.

Weißt du, vielleicht sind das ja alles Zeichen Gottes für uns: dieses Erdbeben, der weggerollte Stein, dass wir so aufgewühlt sind. Vielleicht will uns Gott wie durch einen Engel etwas Wichtiges sagen.

Denkst du an einen Engel so wie in den Geschichten von den Propheten, die einen Auftrag bekamen, wo der Engel sagte: Fürchte dich nicht! Gott hat etwas Großes mit dir vor – ? Aber wir sind doch nur schwache Frauen, wir könnten wir Prophetinnen Gottes sein?

Immerhin sind wir die einzigen, die von den Jüngern und Jüngerinnen hiergeblieben sind, oder siehst du irgendeinen von den ach so starken Männern? Die sind alle weggelaufen, als es plötzlich ernst wurde. Petrus hat sogar lauthals verkündet, er habe Jesus nie gekannt. Dabei hat er nie zugegeben, dass auch er Angst hat.

Vielleicht hat Gott ja wirklich eine Botschaft für uns. Und vielleicht muss ein Engel ja nicht immer draußen sichtbar sein. Vielleicht ist das die Botschaft de Engels, was wir jetzt gerade in uns spüren, was jetzt gerade zwischen uns geschieht – wir waren doch so verstört, so durcheinander, es war, als läge ein Stein auf unserer Seele, so schwer wie der Stein, der dort vor dem Grab lag, und jetzt reden wir miteinander, und es ist, als ob der Engel Gottes auch den Stein von unserer Seele wegrollt.

Weißt du, mir ist, als würde Jesus neben uns gehen, als würde er jetzt mit uns sprechen, als könnte ich seine Stimme hören. Ich habe da einen fast unaussprechlichen Gedanken: Vielleicht ist er ja wirklich hier!

Meinst du, Jesus ist gar nicht tot? Meinst du, er ist jetzt beim Vater im Himmel, auf den er vertraut hat, und weil er unsichtbar ist, kann er auch hier bei uns sein?

Ja, Maria, und jetzt fällt es mir wieder ein: Hat Jesus nicht selber gesagt, dass er wieder auferstehen wird? Damals haben wir es noch nicht verstehen können. Das bedeutet doch: Er lebt! Auch mit seinem Tod am Kreuz ist nicht alles aus. Keine Kreuzigung, kein Tod kann ungeschehen machen, was wir mit ihm erlebt haben!

An dieser Stelle unterbrechen wir das Gespräch der beiden Frauen und singen aus dem Lied 86 die Strophen 1 bis 3:

1) Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschicht! Wie kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht! Mein Heiland war gelegt da, wo man uns hinträgt, wenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereist.

2) Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei; eh ers vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft Viktoria, schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.

3) Das ist mir anzuschauen ein rechtes Freudenspiel. Nun soll mir nicht mehr grauen vor allem, was mir will entnehmen meinen Mut zusamt dem edlen Gut, so mir durch Jesus Christ aus Lieb erworben ist.

Und weiter, liebe Gemeinde, verfolgen wir das Gespräch der beiden Marien, so wie ich es mir vorstelle:

Wenn Jesus lebt, dann fängt das Leben ja heute erst richtig an!

Aber was wollen wir dann hier beim Grab? Hier ist alles tot.

Genau! Und Jesus hat uns doch selbst gesagt, dass Gott nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen ist!

Richtig! Aber dann ist es gar nicht unsere Aufgabe, einen toten Jesus einzubalsamieren. Nein, wenn wir Jesus nahe sein wollen, dann nicht hier am Grab, sondern in Galiläa. Dort, wo wir mit ihm gelebt haben, dort wird er auch weiter mit uns leben – wenn auch jetzt unsichtbar.

Dass wir aber auch nicht gleich daran gedacht haben! Ich glaube, das ist es, was der Engel Gottes uns sagen will: Geht nach Galiläa! Und erzählt den anderen, was ihr erlebt habt! Die sitzen jetzt versteckt in Jerusalem oder in Galiläa und blasen Trübsal, dabei müssen wir es doch alle offen weitersagen, weitertragen in die Welt, was mit Jesus begonnen hat.

Ja, auch mich treibt es zu den anderen! Ich will ihnen erzählen, was in mir geschieht, was wir erlebt haben. Erzählen, was sage ich da: Heraussprudeln möchte ich’s, ausleeren, abgeben, weitergeben, herausrufen.

Und weißt du, wie mir jetzt zumute ist? Mir ist, als ob Jesus selber zu mir spricht, so wie damals, als ich zu seinen Füßen niedergefallen bin und sie mit meinen Tränen nassgeweint und mit meinen Haaren getrocknet habe. Damals hat er zu mir gesagt: Deine Sünden sind dir vergeben, du bist rein, dein Vertrauen lässt dich leben!

Ja, Maria, das ist ein wunderbares Bild: die Füße Jesu umfassen und ganz deutlich spüren: Ja, er lebt, er ist bei uns, er wird uns begleiten, er wird unsere eigenen Füße stärken. Und dort, wo alles angefangen hat, in den Dörfern Galiläas, da wird auch jetzt alles wieder ganz neu beginnen.

Aber meinst du denn, die Männer werden uns überhaupt zuhören? „Das ist nur Einbildung“, werden sie sagen. „Jesu Tod hat euch so zugesetzt, deshalb kommt ihr auf solche Gedanken.“

Wir werden uns nicht irre machen lassen. Sie müssen sich eben daran gewöhnen, dass auch wir Frauen etwas zu sagen haben, dass Gott auch uns Frauen großartige Botschaften anvertraut. Was können wir dafür, dass die Männer zu viel Angst hatten und Jesus zuletzt alleingelassen haben?

Vielleicht werden ja auch die Männer selber die Nähe Jesu noch spüren, genau wie wir. Auch sie müssten fühlen, wie der Stein der Traurigkeit weggeschoben wird, wenn erst einmal der Damm der Tränen bricht. Auch sie müssten spüren, wie dann wieder neue Kraft in ihnen wächst, wie neue Lebensenergie warm durch ihren Körper fließt.

Komm, Maria, beeil dich, lass uns zu den anderen gehen, so schnell wir können. Meine Beine, vorhin noch so müde und schwer, sie laufen wie von selbst!

Ja, alle sollen es wissen, was geschehen ist. Jesus ist auferstanden, der Tod behält nicht das letzte Wort. Da wo wir im Alltag leben, da beginnt das neue Leben. Und jeder Tag ist ein neuer Tag mit Jesus!

Damit ist das Gespräch der beiden Marien am Ende angelangt, liebe Gemeinde. Ich brauche nur noch eins hinzuzufügen: Das ist gewisslich wahr – Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden – Amen!

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Nach der Predigt und vor dem Abendmahl singen wir das Lied 210 aus dem Liederheft:

Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn

Nun feiern wir am Ostersonntag das heilige Abendmahl miteinander. Wir feiern es wie immer mit Brot und Traubensaft. Wer kommen will, mag gleich nach vorn kommen, wer nicht mitmachen will, mag auf seinem Platz bleiben.

Christus ist auferstanden! In Brot und Kelch ist er für uns da. Wie das Brot des Abendmahls ist Christus uns gegeben, damit wir einander annehmen, so wie wir sind. Wie der Saft im Becher ist Christus uns gegeben, damit wir füreinander leben.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Gott, wir bitten dich, hilf uns begreifen, dass die Auferstehung für jede und jeden von uns ganz persönlich geschehen ist. Lass das Gefühl neu in uns wachsen, dass wir deine geliebten Kinder sind, dass wir leben dürfen. Und schenke uns so viel Kraft, dass wir immer wieder aufstehen und tragen und bewältigen, was uns das Leben aufgibt. Dass wir finden, was uns Sinn gibt und uns froh macht. Dass wir gut füreinander sorgen, dass wir satt werden und einander Lasten abnehmen. Dass wir Frieden stiften, Gewalt verhindern und die Schöpfung bewahren, in der wir atmen können. Dass wir unseren Kindern nicht vorenthalten, was sie brauchen, und dass wir gut für uns selber sorgen. Schenke uns, Gott, die Zuversicht, dass wir mitten in Todesnöten dennoch leben dürfen – durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser

Zum Schluss singen wir das Osterlied 75 aus dem Gesangbuch:

1) Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

2) Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

3) Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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