Zufriedenheit im Gottvertrauen

„Was langsam schleicht, fasst man gewisser, und was verzieht, ist desto süßer.“ Eins der Bilder, die uns Paul Gerhardt vor Augen malt, ist lustig: Gottes Hilfe schleicht wie eine Schnecke, so dass wir fast die Geduld verlieren. So haben wir Zeit, uns auf sie einzustellen, uns auf sie einzustellen und mit Gewissheit anzunehmen. Vorfreude versüßt ja auch schon die Wartezeit.

Eine Schnecke mit Schneckenhaus

Manchmal scheint Gottes Hilfe langsam wie eine Schnecke zu schleichen (Bild: pixabay.com)

Gottesdienst am Freitag, 27. Juli 2012, um 10.30 Uhr im Ensemble-Pflegeheim Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Mitten im Sommer feiern wir gemeinsam einen Gottesdienst. Ich bin Pfarrer Helmut Schütz und komme von der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen.

Auf die Idee zur Predigt in diesem Gottesdienst kam ich, als ich letztes Mal hier bei Ihnen war. Da haben wir gemeinsam das Lied „Gib dich zufrieden und sei stille“ gesungen, und die Melodie setzte sich wie ein Ohrwurm in mir fest. Auch der Text sprach mich so sehr an, dass ich dachte: Über dieses Lied muss ich einfach einmal predigen! Und das will ich heute tun.

Aber zuerst singen wir das Lied 323, in dem es auch um die Stille geht:

1. Man lobt dich in der Stille, du hocherhabner Zionsgott; des Rühmens ist die Fülle vor dir, o Herre Zebaoth. Du bist doch, Herr, auf Erden der Frommen Zuversicht, in Trübsal und Beschwerden lässt du die Deinen nicht. Drum soll dich stündlich ehren mein Mund vor jedermann und deinen Ruhm vermehren, solang er lallen kann.

2. Es müssen, Herr, sich freuen von ganzer Seel und jauchzen hell, die unaufhörlich schreien: »Gelobt sei der Gott Israel‘!« Sein Name sei gepriesen, der große Wunder tut und der auch mir erwiesen das, was mir nütz und gut. Nun, dies ist meine Freude, zu hangen fest an dir, dass nichts von dir mich scheide, solang ich lebe hier.

3. Herr, du hast deinen Namen sehr herrlich in der Welt gemacht; denn als die Schwachen kamen, hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad erzeiget; nun, wie vergelt ich’s dir? Ach bleibe mir geneiget, so will ich für und für den Kelch des Heils erheben und preisen weit und breit dich hier, mein Gott, im Leben und dort in Ewigkeit.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir konnten bei unserem Lied eben durchaus unsere Stimmen laut erschallen lassen. Und trotzdem hieß es im Text: „Man lobt dich in der Stille.“ Stille ist nicht immer die Abwesenheit von Geräuschen. Stille ist sogar vereinbar mit dem Schreien zu Gott. Still und ruhig darf unsere Seele werden. Konzentrieren dürfen wir uns auf das, was wichtig ist in unserem Leben. Still wird unsere Seele vor Gott.

Wir beten mit Psalm 46:

2 Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

3 Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,

4 wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

5 Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

6 Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen.

11 Gott spricht: Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.

12 Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Gott, unser Vater im Himmel, lehre uns erkennen, was es mit deiner Stille, deiner Ruhe, deinem Frieden auf sich hat. Lass unser Herz ruhig werden. Amen.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Ich habe es schon gesagt, die Predigt geht heute über ein Lied, das Lied 371, ein langes Lied von Paul Gerhardt, der hat immer so lange Lieder gedichtet.

Wir singen gleich die Strophe 1:

1. Gib dich zufrieden und sei stille in dem Gotte deines Lebens!
In ihm ruht aller Freuden Fülle, ohn ihn mühst du dich vergebens.
Er ist dein Quell und deine Sonne, scheint täglich hell zu deiner Wonne.
Gib dich zufrieden!

Viele sagen: „Man muss zufrieden sein.“ Hier heißt es: „Gib dich zufrieden.“ Zufriedenheit ist etwas, was man sich selber geben, schenken, gönnen kann. Warum? Weil man dankbar ist. Weil Gott der Gott meines Leben ist.

In ihm „ruht aller Freuden Fülle“. Wenn wir auf Gott vertrauen können, ist unser Leben erfüllt. Dann kann Freude den Grundton unseres Lebens bestimmen, sogar in schweren Zeiten.

Gott ist Quelle und Sonne, er löscht unseren Lebensdurst und gibt uns Wärme, jeden Tag neu.

Was uns Gott alles schenkt, erläutert die zweite Strophe:

2. Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden, ungefärbten, treuen Herzens.
Wo er steht, tut dir keinen Schaden auch die Pein des größten Schmerzens.
Kreuz, Angst und Not kann er bald wenden, ja auch den Tod hat er in Händen.
Gib dich zufrieden!

Gott ist voll von Licht – wir haben Hoffnung.

Gott ist voll von Trost – wir sind in Traurigkeiten nicht allein.

Gott ist von von Gnade – er geht barmherzig um mit unseren Fehlern.

Ungefärbt ist sein Herz, also unbestechlich und rein; Gott ist treu zu uns, auch wenn wir meinen, gar nicht so fromm zu sein.

Unsichtbar steht Gott uns bei; selbst die stärksten Schmerzen dürfen uns nicht kaputtmachen, denn Gott trägt unser Kreuz mit uns mit, er wurde ja Mensch wie wir in Jesus.

Zugleich kann Gott alles zum Guten wenden; denn der Tod ist nicht mächtiger als Gott. Er hält ihn in seinen Händen. Wir dürfen auch angesichts von Leid und Tod uns getrost und im Frieden mit uns selbst Gott anvertrauen.

In der dritten Strophe wird näher ausgeführt, wie gut Gott uns alle kennt:

3. Wie dir’s und andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen;
er sieht und kennet aus der Höhe der betrübten Herzen Sorgen.
Er zählt den Lauf der heißen Tränen und fasst zuhauf all unser Sehnen.
Gib dich zufrieden!

Gott ist hoch über uns und uns doch so nahe, dass er unsere Sorgen genau kennt. Gott sitzt nicht auf einer Wolke, er schwebt nicht im Weltall. Er ist größer als alles andere und doch bei uns. Zu ihm können wir wirklich aufschauen und Hilfe erwarten.

Wir sind ihm so wichtig, dass er unsere Tränen zählt und ihren Lauf verfolgt. Ja, er kennt das Auf und Ab unserer Stimmungen, unser Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt. Auch wenn wir manchmal gar nicht wissen, was wir noch wollen, weiß Gott, wonach wir uns sehnen und kann unsere Sehnsucht erfüllen.

Die vierte Strophe geht auf die Treue Gottes ein:

4. Wenn gar kein einz’ger mehr auf Erden, dessen Treue du darfst trauen,
alsdann will er dein Treuster werden und zu deinem Besten schauen.
Er weiß dein Leid und heimlich Grämen, auch weiß er Zeit, dir’s abzunehmen.
Gib dich zufrieden!

Wenn wir denken, uns auf niemanden mehr verlassen zu können, können wir doch auf Gottes „Treue trauen“. Der Liederdichter weiß, wie viele Betrüger es unter den Menschen gibt. „Sie haben einen Preis gewonnen“, sagen sie am Telefon, „aber erst müssen Sie für teures Geld eine Telefonnummer anrufen“, und von dem Preis wird nie etwas ausgezahlt. Oder man soll einem Enkel helfen, der in Not geraten ist, aber in Wirklichkeit ist es ein böser Mensch, der das gute Herz eines alten Menschen ausnutzt.

Gott betrügt uns nicht. Er ist tatsächlich auf unser Bestes bedacht. Er weiß, was uns bedrückt, sogar das, was wir niemandem anzuvertrauen wagen. Manchmal brauchen wir viel Geduld, um die Zeit abzuwarten, bis uns eine Last von der Seele genommen wird. Gott weiß diese Zeit.

Die fünfte Strophe geht noch mehr auf das heimliche Leid unserer Seele ein:

5. Er hört die Seufzer deiner Seelen und des Herzens stilles Klagen,
und was du keinem darfst erzählen, magst du Gott gar kühnlich sagen.
Er ist nicht fern, steht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten.
Gib dich zufrieden!

Es gibt Menschen, die nie klagen. Vielleicht weil sie gelernt haben, still zu leiden, sich nicht zu wichtig zu nehmen. Gott gegenüber dürfen wir jammern und klagen. Mutig und kühn dürfen wir sein, indem wir Gott unsere geheimsten Gedanken und Sorgen anvertrauen.

Der hohe Gott ist ja nicht weit weg, er steht in unserer Mitte und hört uns zu. „Bald und gern“ tut er das; wir sind ihm nicht lästig. Er hilft uns gern.

Jetzt singen wir Strophe 6:

6. Lass dich dein Elend nicht bezwingen, halt an Gott, so wirst du siegen;
ob alle Fluten einhergingen, dennoch musst du oben liegen.
Denn wenn du wirst zu hoch beschweret, hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret.
Gib dich zufrieden!

Wenn wir uns elend fühlen, kann Gott uns helfen, unser Elend zu besiegen. Ich kenne Menschen, denen es wirklich nicht gut geht, und doch freuen sie sich täglich an den kleinen Wundern des Lebens, dem Vögelchen am Fenster, den Blumen auf der Wiese und den Sonnenstrahlen vom Himmel.

Wenn wir fast untergehen in einem Meer von Angst und Traurigkeit, kann Gott uns auf dem Wasserspiegel dieser Fluten gehen, ja sogar liegen und ausruhen lassen.

Zu groß und schwer erscheinen manche Lasten, aber Gott ist und bleibt unser Fürst, ein persönlicher Ansprechpartner, der alles im Griff hat. Er hat unsere Anliegen bereits gehört und sogar erhört, auch wenn wir noch nicht wissen, wie seine Hilfe aussehen wird.

In der Bergpredigt sagt Jesus: „Macht euch nicht zu viele Sorgen!“ (Matthäus 6, 25.34)

Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. … Denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.

Daran erinnert die siebte Strophe:

7. Was sorgst du für dein armes Leben, wie du’s halten wollst und nähren?
Der dir das Leben hat gegeben, wird auch Unterhalt bescheren.
Er hat ein Hand, voll aller Gaben, da See und Land sich muss von laben.
Gib dich zufrieden!

Arm ist unser Leben, das ist nicht schlimm; wir alle sind von Natur aus bedürftige Menschen. Wir brauchen immer wieder Hilfe, und dafür müssen wir uns nicht schämen. Zeitweise können wir unseren Lebensunterhalt selber verdienen, aber es gibt Zeiten, in denen wir auf andere angewiesen sind. Und auch die Kräfte, mit denen wir arbeiten können oder konnten, sind uns geschenkt.

Ob durch eigene Kraft oder durch fremde Hilfe, Gott hat eine Hand, mit der er unser Leben erhält. Diese Hand ist voll mit Nahrung für alle Lebewesen im Meer und auf dem Land. Gott gibt genug, wenn wir es schaffen, das von ihm Gegebene gerecht zu verteilen.

Nun kommt in der Mitte die achte Strophe mit schönen Bildern aus der Natur:

8. Der allen Vöglein in den Wäldern ihr bescheidnes Körnlein weiset,
der Schaf und Rinder in den Feldern alle Tage tränkt und speiset,
der wird viel mehr dich einz’gen füllen und dein Begehr und Notdurft stillen.
Gib dich zufrieden!

Schon Jesus hat die Menschen an die Vögel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Felde erinnert (Matthäus 6, 26.28). So werden uns hier Bilder von Waldvögeln und Vieh auf den Feldern vor Augen gemalt. Wie Tiere ihr bescheidenes Mahl erhalten, so dürfen auch wir Menschen erwarten, dass unsere Bedürftigkeit gestillt wird. „Begehr und Notdurft“, also was unser Herz begehrt und was wir bedürfen, damit eine Not gewendet wird.

Aber was ist, wenn wir trotzdem nicht zufrieden sind, weil wir nicht alles kriegen, was wir möchten?

9. Sprich nicht: »Ich sehe keine Mittel, wo ich such, ist nichts zum besten.«
Denn das ist Gottes Ehrentitel: helfen, wenn die Not am größten.
Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, tritt er herzu, uns wohl zu führen.
Gib dich zufrieden!

Dieses Strophe tröstet uns, wenn wir meinen, es wird einfach nicht besser in unserem Leben, egal was wir versuchen. Wenn wir sagen: „Wo ich such, ist nichts zum Besten“, suchen wir vielleicht an der falschen Stelle.

Manche Menschen haben ihr Leben lang nach dem gleichen Rezept gelebt. Sie waren immer stark, haben immer weiter gemacht, aber irgendwann sind die Kräfte am Ende. Wir dürfen lernen: Gott weiß auch dann noch Mittel, damit es weitergeht. Er macht uns Mut dazu, schwach sein zu dürfen und Hilfe zu brauchen und anzunehmen. Denn das ist eine Ehrensache für Gott: er ist Kraft für schwache Menschen. Sogar wenn wir ihn gar nicht spüren, tritt er uns zur Seite.

Zur Geduld fordert die zehnte Strophe auf:

10. Bleibt gleich die Hilf in etwas lange, wird sie dennoch endlich kommen;
macht dir das Harren angst und bange, glaube mir, es ist dein Frommen.
Was langsam schleicht, fasst man gewisser, und was verzieht, ist desto süßer.
Gib dich zufrieden!

Hier malt uns Paul Gerhardt die Hilfe in einem lustigen Bild vor Augen: manchmal schleicht sie langsam wie eine Schnecke, so dass wir fast die Geduld verlieren. Aber so haben wir auch Zeit, uns auf sie einzustellen, sie mit Gewissheit zu fassen und anzunehmen.

Die Vorfreude auf etwas Süßes versüßt ja auch schon die Wartezeit; ja, es kann sein, dass man sich über etwas, auf das man sehr lange warten musste, um so mehr freuen kann.

In der elften Strophe geht es um ein neues Thema, um feindselige Menschen:

11. Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten deiner Feinde von dir dichten;
lass sie nur immer weidlich spotten, Gott wird’s hören und recht richten.
Ist Gott dein Freund und deiner Sachen, was kann dein Feind, der Mensch, groß machen?
Gib dich zufrieden!

Was ist, wenn wir zu Unrecht angegriffen oder beleidigt werden? Wir müssen dann nicht ebenfalls ungerecht und verbittert und beleidigend werden, sondern dürfen wissen: Gott hört alles und beurteilt uns gerecht.

Richtige Feinde hat ja von uns wohl kaum jemand. Aber manchmal ärgern wir uns über Menschen, die so tun, als hätten sie selber keine Fehler und keine Probleme, aber sie zeigen mit dem Finger auf andere. Davon handelt die zwölfte Strophe:

12. Hat er doch selbst auch wohl das Seine, wenn er’s sehen könnt und wollte.
Wo ist ein Glück so klar und reine, dem nicht etwas fehlen sollte?
Wo ist ein Haus, das könnte sagen: »Ich weiß durchaus von keinen Plagen«?
Gib dich zufrieden!

Jeder hat „das Seine“. Jeder soll zuerst vor seiner eigenen Tür kehren. Das fällt vielen schwer. Dabei ist es doch ganz normal, dass es kein vollkommenes Glück gibt. Kein Haus bleibt von Belastungen verschont. Jeder hat sein Päcklein zu tragen. Unser Lied macht uns Mut, darüber nicht zu jammern, sondern Trost zu finden in dem Gedanken: Uns geht es nicht allein so, dass wir Probleme und Sorgen haben. Wir können trotzdem zufrieden sein, vor allem, wenn wir ein Ohr auch für die Sorgen der anderen haben.

Dass alle Menschen ihr Kreuz tragen müssen, davon handelt auch die dreizehnte Strophe:

13. Es kann und mag nicht anders werden: alle Menschen müssen leiden;
was webt und lebet auf der Erden, kann das Unglück nicht vermeiden.
Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden bis in das Grab, da wird sich’s enden.
Gib dich zufrieden!

Paul Gerhardt lebte in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, er kannte die Pest, viele Kinder starben damals früh und manche Frau überlebte das Kindbett nicht. Heute gibt es Verkehrsunfälle und Krankheiten wie Krebs und Herzinfarkt, die Verschmutzung der Umwelt und der Arbeitsstress machen viele Seelen krank.

Ist darum alles schrecklich in de Welt? In dem Lied ist vom „Stab des Kreuzes“ die Rede, der uns schlägt. Vielleicht ist damit gemeint, dass wir Schicksalsschläge besser verkraften, wenn wir sie auch als Mahnung sehen, besser auf uns zu achten und auf dem guten Weg zu bleiben.

Wir kommen zur vorletzten, vierzehnten Strophe:

14. Es ist ein Ruhetag vorhanden, da uns unser Gott wird lösen;
er wird uns reißen aus den Banden dieses Leibs und allem Bösen.
Es wird einmal der Tod herspringen und aus der Qual uns sämtlich bringen.
Gib dich zufrieden!

Diese Vorstellung ist vielen von uns Jüngeren fremd geworden, dass man sich nach dem Tod sehnt wie nach einem Freund, der herspringt und uns aus der Qual des irdischen Lebens erlöst.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen bei dieser Strophe geht. Einige werden vielleicht schon einmal gedacht haben: Hat mich der liebe Gott eigentlich vergessen?

Beides ist normal: Sich über jeden geschenkten Tag auf dieser Erde zu freuen – und auch, dass man sich nach der letzten Ruhe sehnt, die uns Gott bei sich im Himmel schenkt.

Wenn wir wissen, dass der Tod ein Diener Gottes ist, können wir auf ihn warten, ohne zu wissen, wann er kommt, und dann unser Leben getrost loslassen. Und bis dahin kann unsere Seele still werden und zur Zufriedenheit bereit sein.

Wohin wir kommen, wenn wir sterben, davon handelt die letzte, fünfzehnte Strophe unseres Liedes:

15. Er wird uns bringen zu den Scharen der Erwählten und Getreuen,
die hier mit Frieden abgefahren, sich auch nun im Frieden freuen,
da sie den Grund, der nicht kann brechen, den ewgen Mund selbst hören sprechen
»Gib dich zufrieden!«

Der Tod trägt uns dorthin, wo Menschen auf uns warten, die im Frieden mit Gott gestorben sind. Im Himmel sagt Gott selbst zu uns: „Gib dich zufrieden!“ Dort ruhen wir in Gott, in dem Grund, der nie zerbricht. Dort werden wir uns „im Frieden freuen“, für immer und ewig. Im Vertrauen darauf dürfen wir hier auf Erden getrost unser Leben führen und irgendwann selig sterben. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Gott, lass Frieden einkehren, wo auf Erden Krieg ist. Gott, lass Frieden regieren in den Kirchen und Religionen, dass wir zu unserem Glauben stehen und auch die Menschen respektieren, die einen anderen Glauben haben. Gott, gib Frieden in unsere eigenen Herzen, dass wir wissen, was uns gut tut und wozu wir auf der Welt sind. Lass uns die Hilfe suchen und annehmen, die wir brauchen, lass uns bereit sein, dort zu helfen, wo wir gebraucht werden. Amen.

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen das Lied 562:

Segne und behüte uns durch deine Güte

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen!

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