Jesus überwindet die Weltordnung der Gewalt

Mit den Sünden der ganzen Welt sind nicht einfach die zusammengezählten Sünden aller einzelnen Menschen gemeint. Der Kosmos ist für Johannes eine Weltordnung, die durch und durch verdorben ist, die auf Ausbeutung und Gewaltherrschaft beruht und mit Frieden und Gerechtigkeit nichts zu tun hat. Als Nachfolger Jesu dürfen und sollen wir den Finger auf wunde Punkte legen.

Das Kolosseum in Rom - ein Symbol der Macht der damaligen Weltordnung

Das Kolosseum in Rom – ein Symbol der Macht der damaligen Weltordnung (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juli 2006, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie im Abendmahlsgottesdienst mit dem Wort zur Woche aus dem Evangelium nach Lukas 19, 10:

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Um das „Verlorene“ geht es in diesem Gottesdienst. Ein schwieriges Thema. Wer will schon zu den Verlorenen oder zu der Verlierern gehören? Wir wollen lieber Gewinner sein! Auf der anderen Seite denken heute viele: Diese Welt ist sowieso nicht mehr zu retten; da ist Hopfen und Malz verloren!

Aber wir Christen sagen: Jesus ist das Licht der ganzen Welt. Jesus will retten, was verloren ist – Menschen, die sich verloren vorkommen, eine ganze verlorene Welt. Wie er das macht, darum dreht sich unser Gottesdienst.

Lied 441, 1-6:

1. Du höchstes Licht, du ewger Schein, du Gott und treuer Herre mein, von dir der Gnaden Glanz ausgeht und leuchtet schön so früh wie spät.

2. Das ist der Herre Jesus Christ, der ja die göttlich Wahrheit ist, mit seiner Lehr hell scheint und leucht‘, bis er die Herzen zu sich zeucht.

3. Er ist das Licht der ganzen Welt, das jedem klar vor Augen stellt den hellen, schönen, lichten Tag, an dem er selig werden mag.

4. Den Tag, Herr, deines lieben Sohns lass stetig leuchten über uns, damit, die wir geboren blind, doch werden noch des Tages Kind‘

5. und wandeln, wie’s dem wohl ansteht, in dessen Herzen hell aufgeht der Tag des Heils, die Gnadenzeit, da fern ist alle Dunkelheit.

6. Die Werk der Finsternis sind grob und dienen nicht zu deinem Lob; die Werk des Lichtes scheinen klar, dein Ehr sie machen offenbar.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Verloren – was verlieren bedeutet, mussten deutsche Fußballfans vorgestern sehr schmerzhaft erfahren; andere Mannschaften hatte es schon früher getroffen.

Ernster und schlimmer sind andere Formen des Verlorenseins:

Verloren kommen sich immer mehr Menschen vor, die in einer Weltordnung, die nicht genug bezahlte Arbeit für alle hat, an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden oder sogar aus dem sozialen Netz herausfallen. Verloren scheint für viele Menschen ihre Menschenwürde, wenn sie keinen Respekt erfahren und wie ein Stück Dreck behandelt werden.

Jesus sucht, was verloren ist, um es selig zu machen. Er macht aus Verlierern Gewinner. Er richtet Menschen auf, die in den Staub getreten wurden und stellt ihre Würde wieder her. Darum:

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Die Angst, verlorenzugehen, kann noch tiefer sitzen: Angst vor dem Tod, wenn er das absolute Aus ist und alles sinnlos macht, was vorher war. Oder die Angst, im Endspiel des eigenen Lebens zu versagen, wenn nach dem Tod der Schiedsrichter die Wertung bekanntgibt. Wenn ich alles richtig gemacht haben müsste, um am Ende ein Gewinner im Spiels des Lebens zu sein, dann wäre ich verloren. Gut, dass Jesus die Verlorenen sucht!

Wir rufen zu dir, Gott: Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus spricht (Matthäus 18, 12-14):

12 Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte?

13 Und wenn es geschieht, dass er’s findet, wahrlich, ich sage euch: er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.

14 So ist’s auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Guter Gott, wir bitten dich: lass uns hören, was du uns sagen willst. Gib uns Konzentration und den Willen zu verstehen, damit wir deine Frohe Botschaft nicht überhören. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören den Text zur Predigt aus dem Brief 1. Johannes 1, 5-10 und 2, 1-6:

5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.

6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.

7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.

8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.

9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.

1 Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.

2 Und er ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.

3 Und daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten.

4 Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht.

5 Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.

6 Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat.

Herr, dein Wort ist unseres Fusses Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 295:

1. Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit, nach seinem Worte handeln und leben allezeit; die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss‘ halten, sind stets bei ihm in Gnad.

2. Von Herzensgrund ich spreche: dir sei Dank allezeit, weil du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit. Die Gnad auch ferner mir gewähr; ich will dein Rechte halten, verlass mich nimmermehr.

3. Mein Herz hängt treu und feste an dem, was dein Wort lehrt. Herr, tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden werd. Wenn du mich leitest, treuer Gott, so kann ich richtig laufen den Weg deiner Gebot.

4. Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich, so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich; dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erden, durch deine Hand bereit‘.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, während ich über den Einstieg in diese Predigt nachdachte, fiel gerade das 0:1 von Argentinien gegen Deutschland. Am Morgen desselben Tages im Bus meinte ein älterer Herr: „Ich kuck mir das Spiel nicht an, das ist mir zu aufregend. Wenn Deutschland verliert, dann ist alles verloren.“ So weit ist es ja nun doch nicht gekommen.

Aber mal ehrlich: Hängt wirklich so viel an einem Fußballspiel, an einer WM? Hängt die ganze Stimmung in unserem Land, sei es politisch oder wirtschaftlich, an so einem seidenen Faden, am Geschick oder Glück einer Fußballmannschaft? Wenn viele so denken, muss es einen nicht wundern, wenn immer wieder vom Fußballgott die Rede ist, der die Geschicke auf dem Spielfeld möglichst so lenken soll, dass die eigene Mannschaft gewinnt.

Natürlich glaubt niemand im Ernst an die Existenz eines Fußballgottes. Auch wer vom Wettergott redet, meint ja nicht wirklich, dass die alten germanischen Götter das Wetter machen, sondern will sinnbildlich ausdrücken, dass wir dem Wetter als einer höheren Gewalt ausgeliefert sind, ähnlich wie dem Glück, das man auch beim Fußballspiel braucht. Allerdings – wer mit dem Wort „Gott“ so unernst umgeht – wie ernst kann er noch den wahren Gott nehmen, von dem wir in der Bibel lesen?

Der Text, den Frau Burk vorhin vorgelesen hat, aus dem ersten der drei Johannesbriefe, gibt Auskunft über Gott. Gott ist kein Fußballgott, kein Wettergott, kein alter Mann mit langem Bart. Sondern (1. Johannes 1):

5 Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.

Ist also Gott wie eine riesige Sonne, die über uns leuchtet? Wir können ihn uns so vorstellen, aber eigentlich ist Johannes in seinem Brief nicht daran interessiert, wie Gott aussehen könnte. In Wirklichkeit kann sowieso kein Mensch Gott sehen. Johannes ist auch nicht interessiert an Götterkämpfen zwischen einem Gott des Lichts und den Dämonen der Finsternis. Für ihn gibt es nur den Einen guten Gott, und er ist nur Licht. Die Finsternis steht Gott nicht machtvoll wie ein zweiter böser Gott gegenüber; sie ist nur der Schatten des Lichtes, das von Gott ausstrahlt.

Dieser Schatten entsteht, weil wir Menschen Freiheit haben. Wir können uns von dem Licht anstrahlen und es in unserem Leben leuchten lassen. Wir können uns dem Licht aber auch so in den Weg stellen, dass wir auf unsere Umgebung nur einen bösen Schatten werfen. Im Himmel findet kein Kampf der Götter zwischen Licht und Finsternis statt. Aber hier auf der Erde, im Leben von uns allen, geschieht dieser Kampf. Wir entscheiden jeden Tag, durch das, was wir tun oder sein lassen, ob wir „im Licht“ oder „in der Finsternis wandeln“ (1. Johannes 1, 6-7). Unser Lebenswandel ist der Kampfplatz zwischen Licht und Finsternis. Und genau hier entscheidet sich, ob Menschen auf der Strecke bleiben, ja, ob wir selbst verlorengehen, weil wir finstere Wege gehen.

Licht, Finsternis, was ist damit gemeint? Wenn wir ehrlich sind, wissen wir das. Johannes sagt in seinem Text: wir sollen „die Wahrheit tun“ (1. Johannes 1, 6) und „Gemeinschaft untereinander haben“ (1. Johannes 1, 7). Wir sollen „seine Gebote halten“ (1. Johannes 2, 3-4), und am Ende soll sogar „die Liebe Gottes in uns vollkommen sein“ (1. Johannes 2, 5). Das ist mit Licht und Finsternis gemeint; darum ist es so wichtig, die Zehn Gebote nicht nur zu lernen, sondern erst recht zu befolgen.

Finster sieht es bei uns zum Beispiel aus, wenn wir das Gebot mit Füßen treten (2. Buch Mose – Exodus 20, 16):

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!

Damit ist nicht jedes Flunkern und jede Notlüge gemeint, aber das verletzende Ablästern gegen jemanden, der sich dagegen nicht wehren kann, falsche Behauptungen, mit denen man andere lächerlich macht.

Zusammengefasst werden die Zehn Gebote durch das eine Gebot der Liebe: Liebe soll vollkommen in uns sein. Genauer gesagt, geht es um Nächstenliebe oder Feindesliebe. Damit sind nicht liebevolle Gefühle gemeint, nicht Freundschaft oder Erotik. Wir können nicht jeden Menschen mögen, aber wir sollen jeden respektieren. Wir sollen niemandem Hilfe schuldig bleiben, der gerade unsere Hilfe braucht, wir sollen sogar die Würde des Feindes achten, statt Böses mit Bösem heimzuzahlen.

Interessant finde ich nun einen scheinbaren Gegensatz in unserem Text. Auf der einen Seite schreibt Johannes (1. Johannes 2):

1 Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt.

Auf der anderen Seite weiß er genau (1. Johannes 1):

8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.

Was denn nun? Will er, dass wir Unmögliches möglich machen? So nach dem Motto: „Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger?“

Irgendetwas in der Art meint Johannes tatsächlich. Es scheint unmöglich, Gerechtigkeit herzustellen, jedem Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen, alle Schüler so fair zu behandeln, dass sie die gleichen Chancen erhalten, immer geduldig zu bleiben, wenn man provoziert wird, niemals aus der Haut zu fahren und sich mit Gewalt zu wehren, wenn man angegriffen wurde. Was Gott von uns fordert, im Licht zu wandeln, dieses Ziel verfehlen wir ständig, wie ein Bogenschütze, der auf dem Rücken eines Pferdes sitzt und dessen Ziel sich ebenfalls bewegt. Das ist Sünde: die Verfehlung des Ziels der Gerechtigkeit, des Friedens, der Liebe. So gesehen scheint Sünde unvermeidlich zu sein.

Wir Christen haben uns daran gewöhnt, dass die Vergebung der Sünden alles wieder ins Lot bringt. Aber damit ist kein einfaches „Alles-nicht-so-schlimm – Schwamm-drüber“ gemeint. Vergebung macht das, was geschehen ist, ja nicht ungeschehen. Selbst wenn ein Täter seine Tat bereut, das durch einen Seitensprung zerstörte Vertrauen heilt nur schwer, ein böse ausgestreutes Gerücht lässt sich nicht mehr zurückholen, ein Totschlag kann nicht ungeschehen gemacht werden. Darum spricht Johannes von Vergebung mit dieser schwierigen Formulierung (1. Johannes 1, 7):

Das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.

Damit erinnert er an die Art, wie das Volk Israel mit Sünde umging. Einmal im Jahr, am Versöhnungstag, schlachtete man einen Bock und spritzte sein Blut auf den Deckel der Bundeslade, in der die Gebote aufbewahrt waren. Ein zweiter Bock bekam symbolisch alle Verfehlungen des Volkes aufgeladen und wurde in die Wüste geschickt. Mit diesen drastischen Symbolhandlungen stellte man sich vor Augen, wie tödlich die Folgen der Sünde sind; nur wer davor die Augen nicht verschließt, kann ins Reine kommen mit Verfehlungen und Sünde hinter sich lassen. Für Johannes ist Jesus der Sündenbock, den man tötet und in die Wüste schickt. Als Gottes Sohn, der unschuldig hingerichtet wird, steht er für unsere Sünden gerade. Er gewinnt das Leben, für sich und für uns, indem er sein Leben verliert.

Die Reinigung von Sünden durch das Blut Jesu geschieht nicht durch Zauberei oder Magie, sondern auf nachvollziehbare Weise:

9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

Und wenn wir doch wieder sündigen, obwohl wir uns Mühe geben? Dann (so 1. Johannes 2, 1)

haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.

Fürsprecher übersetzt Luther, im Griechischen steht da Parakletos, auf Lateinisch heißt das Advocatus; Jesus ist unser Anwalt, der für uns eintritt, damit wir nicht im Gericht Gottes verlorengehen. Er ist unser Bewährungshelfer, der uns zur Seite steht, damit wir uns an die Gebote halten.

Aber was ändert es an den Zuständen in der Welt, wenn einzelne Menschen sich an die Gebote halten und mit ihren Verfehlungen ins Reine kommen? Was ist mit den Vielen, die in einer unbarmherzigen Welt unter die Räder kommen? Johannes behauptet (1. Johannes 2, 2):

[Jesus] ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.

Mit den Sünden der ganzen Welt sind nicht einfach die zusammengezählten Sünden aller einzelnen Menschen gemeint. Der Kosmos ist für Johannes eine Weltordnung, die durch und durch verdorben ist, die auf Ausbeutung und Gewaltherrschaft beruht und mit Frieden und Gerechtigkeit nichts zu tun hat. So betrachtete Johannes das damalige römische Weltreich und beharrte darauf, dass man die Verfehlungen dieses Kosmos nicht schönreden darf, obwohl das Wort Kosmos an sich „Schmuck“ und „schöne Ordnung“ bedeutet. Der einzelne mag machtlos sein gegenüber der Übermacht herrschender Verhältnisse; aber Johannes hielt daran fest: der Weg Jesu, der ihn zu den Verachteten und zuletzt ans römische Verbrecherkreuz führte, ist die einzige Chance, um die Weltordnung der Gewalt zu überwinden und die Verlierer der Weltgeschichte zu Gewinnern zu machen.

Und wie ist das heute? In der Zeitung lese ich, dass osteuropäische Mädchen, die ein Zimmer suchen, häufig an Vermieter geraten, die ihnen als erstes das eigene Schlafzimmer zeigen und sagen: „Miete brauchst du nicht zu zahlen, bist ja ein schönes Mädchen.“ In was für einer Welt leben wir? Bei einem 80. Geburtstagsbesuch sagte mir ein Mann: „Ich möchte nicht noch 50 Jahre älter werden.“ Er sagte das, weil im ungebremsten Kapitalismus die einen immer reicher werden, während andere, die ihr Leben lang gearbeitet haben und dann arbeitslos werden, innerhalb von zwei Jahren zu den Armen am Rande der Gesellschaft gehören.

Wenn Jesus die Versöhnung für die Verfehlungen der ganzen Welt ist, dann können uns diese Entwicklungen nicht kalt lassen. Auch wenn niemand ein Rezept kennt, um Gerechtigkeit und Menschenwürde für alle herzustellen, als Nachfolger Jesu dürfen und sollen wir durchaus den Finger auf wunde Punkte legen. Denn wer ein Christ sein will, muss sich messen lassen an den Worten, die Johannes über Jesus Christus sagt (1. Johannes 2):

3 Daran merken wir, dass wir Ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten.

6 Wer sagt, dass er in Ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat.

Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 584: Meine engen Grenzen

Im Abendmahl sind wir eingeladen, zu spüren, dass Gott durch Jesus Christus alles zur Gemeinschaft mit ihm zurückbringen möchte, was verloren ist. Er gibt niemanden auf, nicht einmal seine erklärten Feinde, erst recht nicht die Verzagten in seiner Gemeinde.

Im Brot schenkt er uns den Leib seiner Liebe. Im Kelch besiegelt er seine Treue zu uns mit seinem Blut.

Gott, suche uns auf in unserer Verlorenheit, wo wir zu wenig vertrauen, wo wir zu wenig lieben, wo wir schuldig geworden sind, wo wir uns etwas vormachen. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille – Beichte – Abendmahl
Lied 331, 6+10+11:

6. Du, des Vaters ewger Sohn, hast die Menschheit angenommen, bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen, hast uns Gottes Gnad gebracht, von der Sünd uns frei gemacht.

10. Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen. Rett aus Sünden, rett aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott!

11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

Gott, wir danken dir für die Gaben, die wir empfangen: Brot und Kelch, dein Wort und die Gemeinschaft der so verschiedenen Menschen in deiner Gemeinde. Wir danken, dass du uns suchst, wo auch immer wir sind, und uns niemals aufgibst.

Gott, wir bitten dich für Menschen, die krank sind, die mit ihren Kräften haushalten müssen: Schenke ihnen jeden Tag neuen Mut.

Gott, wenn wir uns wie ein Verlierer fühlen, dann bewahre uns vor Verzweiflung. Und bewahre uns davor, andere wie Verlierer zu behandeln, nur damit wir uns stärker fühlen können.

Gott, wenn wir uns stark fühlen, dann hilf uns, diese Stärke einzusetzen, um anderen zu helfen.

Für die letzten Spiele der Weltmeisterschaft bitten wir dich: dass die Freude am Spiel nicht in fanatische Aktionen der Zerstörung umschlägt, dass die Fairness am Ende auch die zu Gewinnern macht, die ein Spiel verloren haben. Amen.

Abkündigungen

Und noch ein Hinweis, den ich telefonisch erst gestern vom Gemeindepädagogen der Luthergemeinde bekommen habe: Auf dem roten Platz an der Ost-Schule bzw. Korczak-Schule findet am nächsten Sonntag nach dem Gottesdienst um 11.30 Uhr ein Benefiz-Spiel der Konfi-Cup-Mannschaft der Luther- und Paulusgemeinde gegen eine Auswahl von Mitarbeitern der Luthergemeinde statt. Der Erlös ist für Fußbälle bestimmt, die der Partnergemeinde in Ghana beim nächsten Besuch mitgebracht werden sollen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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