Was glaubst denn du?

Die Frage „Was glaubst denn du?“ haben wir vorhin einem Liederdichter von vor 271 Jahren gestellt. Nachher werden wir einen Songschreiber von 1973 so befragen. Die gleiche Frage könnte auch ein Motto für das neue Konfi-Jahr sein. Denn ich finde, der Konfi-Unterricht und die Gottesdienste im Konfi-Jahr können euch helfen, dass ihr euch darüber klarer werdet, was ihr selber glaubt.

Ich danke dem Matthias Grünewald Verlag für die Erlaubnis, den Text des folgenden im Rahmen dieses Gottesdienstes ausgelegten Liedes auf dieser Homepage zu veröffentlichen:

„Einer ist unser Leben“. Aus: Lothar Zenetti, In Seiner Nähe. Texte des Vertrauens (Topos Taschenbücher, Band 1018) © Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2015. www.verlagsgruppe-patmos.de

Bild von der Einführung der Konfirmandinnen und Konfirmanden im Jahr 2010 in der Pauluskirche Gießen - verpixelt

Die neuen Konfis stellen sich in der Paulusgemeinde mit dem Glaubensbekenntnis vor

direkt-predigtGottesdienst mit Einführung des neuen Konfi-Jahrgangs am Sonntag, 27. Juni 2010, um 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Gottesdienst zur Einführung unseres neuen Konfi- Jahrgangs 2010 / 2011 heiße ich alle in der Pauluskirche herzlich willkommen! 6 Konfirmandinnen und 8 Konfirmanden stellen sich der Gemeinde vor.

Die Konfi-Gruppe hat gleich in den ersten Stunden eine Gottsucher-Expedition gestartet und sich mit dem Glaubensbekenntnis auseinandergesetzt. Der Gottesdienst heute beschäftigt sich mit dem Thema „Was glaubst denn du?“

Wir singen aus dem Lied 129 die Strophen 1 und 3:

1. Freut euch, ihr Christen alle, Gott schenkt uns seinen Sohn; lobt ihn mit großem Schalle, er sendet auch vom Thron des Himmels seinen Geist, der uns durchs Wort recht lehret, des Glaubens Licht vermehret und uns auf Christus weist.

3. Verleih, dass wir dich lieben, o Gott von großer Huld, durch Sünd dich nicht betrüben, vergib uns unsre Schuld, führ uns auf ebner Bahn, hilf, dass wir dein Wort hören und tun nach deinen Lehren: das ist recht wohlgetan.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Ein altes Lied haben wir gesungen, Georg Werner hat im Jahr 1639 den Text geschrieben. Nicht alle Kirchenlieder sind ganz so alt, nachher singen wir ein paar moderne. Aber auch alte Lieder können uns etwas über den Glauben erzählen. Auf die Frage: „Was glaubst denn du?“ antwortet uns der Liederdichter Georg Werner zum Beispiel, dass Glauben etwas zum Freuen ist: „Freut euch, ihr Christen alle“, so fängt er an. Warum sollen wir uns freuen? „Gott schenkt uns seinen Sohn.“ Jesus ist ein Geschenk von Gott für alle Menschen.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wenn wir alte Lieder singen, sind die nicht immer leicht zu verstehen. Das liegt nicht nur an den alten Worten, das kann auch daran liegen, dass die Sache mit dem Glauben nicht immer so einfach zu verstehen ist. Warum sollen wir an Jesus glauben, wie ist das mit Gott und dem Heiligen Geist? Der Liederdichter Georg Werner sagt: Kein Problem, Gott selber will uns beibringen, wie das mit dem Glauben ist. Sein Geist lehrt uns, sein Geist vermehrt das Licht des Glaubens. Das ist alte dichterische Sprache, auf neudeutsch heißt das: Uns soll ein Licht aufgehen, wie wir an Gott glauben können. Darum bitten wir Gott mit dem Gebetsruf:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

„Was glaubst denn du?“ fragen wir den Liederdichter, und er antwortet in der dritten Strophe mit einer Bitte an Gott: „Verleih, dass wir dich lieben!“ Wir kennen das Wort „Verleih“ etwas anders. Man kann Autos oder Videofilme verleihen. Hier verleiht uns Gott etwas, was er wieder zurückhaben will, nämlich Liebe. Gott schenkt uns Liebe, damit wir sie nicht behalten, sondern weiterverschenken.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.“

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott im Himmel, wir stehen uns manchmal selber im Weg, wenn wir an dich glauben wollen. Eigentlich ist es so einfach: Du hast uns lieb, wir sind unendlich viel wert in deinen Augen, du traust uns sehr viel zu. Im Vertrauen auf dich dürfen wir unseren eigenen Weg durchs Leben gehen, und du willst dabei unser Wegweiser sein, damit wir nicht auf die schiefe Bahn geraten, sondern damit unser Leben gelingt. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unsern Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Lukas 8, 42-48 (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

42 Auf dem Weg … drängten sich die Menschen um [Jesus] und erdrückten ihn beinahe.

43 Darunter war eine Frau, die schon seit zwölf Jahren an Blutungen litt und bisher von niemand geheilt werden konnte.

44 Sie drängte sich von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes. Im gleichen Augenblick kam die Blutung zum Stillstand.

45 Da fragte Jesus: Wer hat mich berührt? Als alle es abstritten, sagten Petrus und seine Gefährten: Meister, die Leute drängen sich doch von allen Seiten um dich und erdrücken dich fast.

46 Jesus erwiderte: Es hat mich jemand berührt; denn ich fühlte, wie eine Kraft von mir ausströmte.

47 Als die Frau merkte, dass sie es nicht verheimlichen konnte, kam sie zitternd zu ihm, fiel vor ihm nieder und erzählte vor allen Leuten, warum sie ihn berührt hatte und wie sie durch die Berührung sofort gesund geworden war.

48 Da sagte er zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir haben eine Geschichte von Jesus gehört, und jetzt singen wir ein Lied von Jesus, das mit einem merkwürdigen Satz beginnt:

Man sagt, er war ein Gammler

Liebe Gemeinde, so rede ich die Menschen an, die in die Kirche kommen, und als Teil dieser Gemeinde spreche ich heute besonders euch an, liebe Konfis.

„Was glaubst denn du?“, diese Frage haben wir vorhin einem Liederdichter von vor 271 Jahren gestellt. Die gleiche Frage könnte auch ein Motto für das neue Konfi-Jahr sein. Denn ich finde, der Konfi-Unterricht und die Gottesdienste im Konfi-Jahr können euch helfen, dass ihr euch darüber klarer werdet, was ihr selber glaubt.

Gleich am Anfang des Konfi-Jahres, Ende April – Anfang Mai, haben wir uns gefragt, wie man überhaupt Gott finden kann.

Wir haben gelernt, dass die Frage „Gibt es Gott?“ ganz ähnlich ist wie die Frage: „Gibt es Liebe?“ Beides kann man nicht beweisen. Aber beides kann man erfahren.

Dann haben wir eine Gottsucher-Expedition unternommen.

Von dem, was wir herausgefunden haben, haben wir zwei Bilder gemalt, die hier in der Kirche hängen. Eins ist von den Mädchen und eins von den Jungen.

Die erste Aufgabe im Expeditionsheft lautete: Wenn ich Gott mit meinen Augen suchen wollte, würde ich am ehesten dahin gucken.

Fast alle haben geantwortet: „zum Himmel“ oder „zu den Wolken“. Einer hat gesagt: „zur Kirche“.

Die zweite Aufgabe war: Wenn ich mit Gott in Kontakt treten wollte, würde ich am ehesten Folgendes tun.

Einer würde den Papst anrufen, ein anderer in Schüler-VZ chatten. Einige würden ihn anbeten und in die Kirche gehen. Einer würde meditieren.

Die dritte Aufgabe war: Wenn ich Gott besuchen wollte, würde ich am ehesten dorthin gehen.

Die meisten von uns würden dazu in die Kirche gehen. Einige aber auch auf ein ruhiges Feld oder auf den höchstgelegenen Punkt der Erde. Jemand würde versuchen, den Himmel zu erreichen oder wenigstens eine Galaxie von Sternen.

Die vierte Aufgabe lautete: Wenn ich Gott in der Zeit finden wollte, würde ich am ehesten dorthin reisen.

Einige würden mit einer Zeitmaschine ins Jahrhundert reisen, in dem Jesus in Israel geboren wurde und gelebt hat. Andere würden sogar bis zum Anfang der Welt reisen wollen, bevor alles da war, dorthin, wo Gott alles erschaffen hat.

Und das war die letzte Aufgabe: Wenn ich Gott spüren wollte, würde ich am ehesten Folgendes tun.

Die meisten würden beten, einer würde dabei die Hände falten. Einer würde an Gott denken, ein anderer in sich selber hineinhören. Jemand stellt sich vor, Gott anzufassen, und einer würde an sich selber und den eigenen Papa denken.

Vielen Dank, liebe Konfirmanden, für diesen Eindruck von eurer Gottsucher-Expedition. Die Gottsuche wird weitergehen im Konfi-Jahr, im Unterricht und hier in der Kirche. Und sogar das mit der Zeitreise kriegen wir hin; die Bibel ist nämlich unter anderem auch eine Zeitmaschine. Mit ihr können wir uns zurückversetzen in die Zeit Jesu und vieler anderer Menschen, von denen wir für unseren Glauben viel lernen können.

Natürlich gibt es auch einen Text, in dem die Christen ihren Glauben so ungefähr zusammengefasst haben, nämlich das Glaubensbekenntnis. Es ist noch viel älter als das Lied vom Anfang, deshalb kommen da auch schwere Wörter drin vor. Aber wenn man genauer drüber nachdenkt, kann man doch auch heute noch dieses Bekenntnis mitsprechen und sogar verstehen.

Als wir über das Glaubensbekenntnis sprachen, habt ihr einige Fragen gehabt, zum Beispiel: Wer war eigentlich Pontius Pilatus? … hat eine Antwort darauf:

Ich glaube an Jesus, weil er viel durchgemacht hat. Er nannte sich Sohn Gottes und half Armen und Blinden und Menschen, die Hilfe brauchten. Seine Belohnung war dann die Folter, die Kreuzigung und der Tod, und das verdankt er dem schrecklichen Pontius Pilatus, dem Statthalter, der die Kreuzigung eingeleitet hat.

Kreuzigungsbild eines Konfirmanden: Hauptmann kniet vor Jesus am Kreuz nieder

Ein römischer Soldat kniet vor Jesus am Kreuz nieder

Dazu hat einer unserer Konfirmanden auch noch ein Bild von der Kreuzigung gemalt.

Eins der schwierigen Wörter im Glaubensbekenntnis ist das Wort „empfangen“. Das ist nämlich doppeldeutig. Empfangen kann heißen: herzlich willkommen heißen. Empfangen durch den Heiligen Geist hat … so verstanden:

Ich glaube, er hat ihn bei sich in Frieden aufgenommen.

Ich finde, das ist eine schöne Art, diesen Satz zu verstehen. Empfangen ist aber auch ein altes Wort für „schwanger werden“. Vielleicht können wir sagen: Der Heilige Geist hat Jesus bereits im Leib der Mutter Maria herzlich willkommen geheißen auf dieser Welt.

Genug über das Glaubensbekenntnis geredet – jetzt werden wir es gemeinsam sprechen. Zugleich stellen wir Ihnen die Namen der neuen Konfis vor. Wir machen das so: Ihr kommt bitte nacheinander nach vorne, jeder hält ein Blatt vor sich, auf dem der eigene Name steht und außerdem ein Teil vom Glaubensbekenntnis, ich nenne den Namen, und alle sprechen nur den Teil vom Glaubensbekenntnis, der auf dem Blatt steht:

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde;
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Und zum Schluss sagen wir alle: Amen.

So, wie ihr da steht, heißen wir euch als neue Konfis in der Paulusgemeinde herzlich willkommen! Wir freuen uns, dass ihr ein Jahr lang als Gruppe bei uns auftaucht und mitmacht und hoffentlich viel lernt und viel Spaß habt. Vor allem freuen wir uns auf das, was ihr mitbringt – eure Fragen und Anregungen. Unser Konfi-Teamer Matthias Meurer und ich sind schon jetzt beeindruckt von eurem Interesse und eurer Disziplin im Unterricht und im Gottesdienst und vor allem von eurer Bereitschaft, einander gegenseitig zu helfen.

Jetzt wird euch die Gemeinde segnen. Die Segensworte sind auf dem Liedblatt abgedruckt; wer sie mitsprechen will, soll das laut und deutlich tun.

Gemeinsam segnen wir euch:
Gott segne eure Zeit in unserer Paulusgemeinde.
Gott schenke euch, dass ihr viel Gutes erfahrt und Neues entdeckt für euren Glauben.
Gott begleite und behüte euch auf eurem Weg. Amen.

Und jetzt singen wir ein Lied, das wir im Unterricht schon geübt haben:

Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, Erwachsene, Kinder und Konfis, in der Predigt möchte ich noch einmal fragen: „Was glaubst denn du?“ Diesmal stelle ich die Frage einem Liederdichter unserer modernen Zeit. Er heißt Lothar Zenetti und hat im Jahr 1973 den Text für das Lied 552 verfasst. Dieses Lied soll heute unser Predigttext sein, und nach der Predigt werden wir es auch singen:

„Einer ist unser Leben“. Aus: Lothar Zenetti, In Seiner Nähe. Texte des Vertrauens (Topos Taschenbücher, Band 1018) © Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2015. www.verlagsgruppe-patmos.de

Fangen wir mit dem Refrain an:

Einer ist unser Leben,
Licht auf unseren Wegen,
Hoffnung, die aus dem Tod erstand,
die uns befreit.

Der Refrain gibt an, wo es hingehen soll. Es geht um einen, der ein sehr wichtiger Mensch ist. Er ist unser Leben, unser Licht, unsere Hoffnung und Befreiung.

Wer ist dieser „eine“? Genau wie in dem Lied vom Gammler vorhin lässt uns der Dichter raten, wer gemeint ist, denn sein Name kommt in dem ganzen Lied nicht vor. Lothar Zenetti will uns offenbar nicht einfach vorschreiben, dass wir als Christen nun mal an Jesus zu glauben haben, sondern er will uns diesen „einen“ so beschreiben, dass wir merken: Der geht uns etwas an.

Im Refrain erklärt er uns noch nicht, was er damit meint, dass Jesus unser Leben ist. Könnten wir ohne ihn wirklich nicht leben? Wäre es ohne ihn auf unserem Lebensweg so dunkel, dass wir uns verlaufen oder auf die schiefe Bahn kommen würden? Hätte wir ohne ihn keine Hoffnung? Brauchen wir ihn, um wirklich frei zu sein?

Interessant finde ich, wie Lothar Zenetti die Auferstehung umschreibt. Er redet von „Hoffnung, die aus dem Tod erstand“. Vielleicht will er ein Missverständnis vermeiden. Jesus ist nicht wie ein Zombie aus dem Grab herausgekommen. Er hat nicht als Untoter weiter auf der Erde gelebt. Auferstehung meint etwas anderes: Es gibt über den Tod hinaus Hoffnung, auch wenn man das Leben nach dem Tod nicht wirklich beschreiben kann. Verzweifelte, entmutigte, traurige Menschen stehen auf mit neuem Mut, getröstet und befreit von Angst und beginnen ein neues Leben.

Jetzt kommen wir zu den einzelnen Strophen, die beschreiben, was dieser eine Mensch, dieser Jesus, alles getan hat. die erste handelt vom Teilen:

1. Viele hungern, die andern sind satt in dieser Welt,
einer teilte schon einmal das Brot, und es reichte für alle.

Jesus ist unser Leben, weil er möchte, dass alle Menschen leben können. In unserer Welt ist das leider nicht selbstverständlich. Es gibt Menschen, die buchstäblich verhungern, obwohl es genug Lebensmittel auf der Erde gibt. Sogar in unserer Stadt sind viele Familien auf das Angebot der „Tafel“ angewiesen, um sich satt essen zu können. Es gibt auch Kinder, die seelisch verhungern, weil sie von ihren Eltern nicht genug Liebe bekommen; eine Folge kann sein, dass sie sich nehmen, was sie nur kriegen können als Ersatz für Liebe, notfalls auch mit Gewalt. Jesus will von uns etwas, das ganz einfach ist und doch so schwer durchzuführen, dass wir teilen, was wir haben.

In der zweiten Strophe geht es um die sogenannten „Loser“ im Leben, die sich nicht durchsetzen können:

2. Viele werden verkannt und verlacht und unterdrückt,
einer nahm sich der Wehrlosen an und erbarmt sich der Armen.

Jesus steht auf der Seite der Verlierer und macht sie zu Gewinnern. Ich finde das sehr wichtig und schön, weil ich weiß, wie man sich als Außenseiter fühlt. Früher in der Schule war ich das einige Jahre lang, war schüchtern und zurückhaltend und wurde gehänselt. Das fühlt sich nicht gut an. Aber man kann an sich arbeiten, man kann lernen, aus sich herauszugehen, man kann spüren: Auch ich muss kein Verlierer sein, denn ich bin ein wertvoller Mensch. Ich fand es als Jugendlicher stark, dass ich an Jesus glauben konnte, der mich nicht allein ließ.

Jesus war ja selber scheinbar ein Verlierer, als man ihn ans Kreuz nagelte, und blieb trotzdem ein Gewinner, weil er an der Liebe zu Gott und den Menschen festhielt. Gott erweckte ihn aus dem Tod und zeigte, dass die Macht der Liebe stärker ist als das Böse.

Die dritte Strophe handelt von der Gewalt:

3. Viele kennen nur Waffen und Krieg, Hass und Gewalt,
einer lehrt’ uns dem Feind zu verzeihn und die Menschen zu lieben.

Eigentlich wünschen wir Menschen uns Frieden, die meisten jedenfalls. Aber dann denken wir auch wieder: Manchmal geht es nicht ohne Gewalt. Jesus zeigt uns, dass wir vielleicht doch zu oft auf Gewalt und Vergeltung vertrauen – „wie du mir, so ich dir“. Darüber können wir im Konfi-Unterricht auch mal sprechen, ob man Feinde lieben kann.

Die vierte Strophe handelt von Kranken, die zum Teil gar nicht merken, dass sie krank sind:

4. Viele Menschen sind blind oder stumm und wissen’s nicht.
Einer machte die Kranken gesund, einer heilte sie alle.

Wenn wir davon hören, dass Jesus blinde oder gehörlose Menschen heilt, dann denken wir oft: Solche Wunder gibt es doch gar nicht. Aber aufgepasst! Was ist hier gemeint mit „blind“ oder „stumm“? Man kann blind sein für die Wahrheit, und Jesus öffnet ihm die Augen. Man kann vor Angst oder Verlegenheit kein Wort herausbringen; mir ging es früher in der Schule oft so (würde man heute kaum noch glauben). Diese Stummheit kann geheilt werden, indem man Vertrauen wagt und Selbstvertrauen gewinnt, und dazu hat Jesus die Menschen immer wieder angeleitet. „Dein Vertrauen hat dir geholfen“, das sagt er oft zu Kranken, die er gesund gemacht hat, auch vorhin in der Geschichte.

Aber macht Jesus wirklich alle Kranken gesund? Nicht im wörtlichen Sinn. Aber es ist auch eine Art Heilung, wenn zum Beispiel ein Blinder sein Leben meistert und glücklich wird, auch ohne dass seine Augen wieder sehen können.

Nun zur letzten Strophe. In ihr geht es um Zweifel am Glauben:

5. Viele zweifeln und glauben nicht mehr, viele von uns,
einer ging wie ein Licht vor uns her in den Tod und das Leben.

Ganz realistisch spricht Lothar Zenetti von Glaubenszweifeln, die heute ganz normal sind. Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass Glauben kein Vermuten ist, kein nicht genau Wissen, sondern vor allem ein Vertrauen und ein Hinterhergehen hinter dem Jesus, der in den Tod ging und durch den Tod hindurch ins Leben. Das werden wir alle einmal tun – sterben. Und wer auf Jesus vertraut, darf die Gewissheit haben, dass wir auch das andere tun werden – leben. Schon hier auf der Erde haben wir im Vertrauen auf Liebe ein erfülltes Leben. Und wenn wir sterben, gehen wir hinter Jesus her in ein ewiges unvorstellbar geiles Leben. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Jetzt singen wir das Lied 552, über das ich gepredigt habe:

Einer ist unser Leben

Du, Gott, wir beten für die Konfis, die auf ihre Art nach Orientierung und nach Gott fragen. Hilf uns im Konfi-Team, hilf uns Eltern und mir als Pfarrer, dass wir Antworten geben, die ihnen helfen, ihren eigenen Glauben zu finden.

Du, Gott, sei bei uns im Konfi-Jahr. Hilf uns, dass wir verstehen, was du uns sagen willst.

Du, Gott, sei bei uns im Konfi-Jahr. Hilf uns, dass wir Respekt haben vor den anderen Konfis, vor den Teamern und vor den Menschen im Gottesdienst.

Du, Gott, sei bei uns im Konfi-Jahr. Lass uns viel Spaß haben und auch ernsthaft nachdenken und diskutieren.

Du, Gott, hilf auch den Konfi-Teamern, dass sie uns fair behandeln und die Geduld mit uns nicht verlieren.

Du, Gott, lass uns spüren, dass du bei uns bist, an jedem Tag unseres Lebens.

Du, Gott, gib uns Kraft, gib uns Mut, damit wir uns nicht als Verlierer fühlen. Gib uns Lebensfreude und lass uns für andere eintreten.

Du, Gott, lass uns von Jesus lernen, wie du für die Menschen da bist.

Du, Gott, lass uns eine Gemeinde aus alten und jungen Menschen sein, die zueinandersteht. Denn wir vertrauen auf deine barmherzige Liebe. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir das Lied:

Wir wollen aufstehn
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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