Lob für einen Betrüger?

Warum erzählt Jesus den Kindern des Lichts eine Geschichte von den Kindern der Welt? Der entscheidende Grund liegt darin, dass Kinder des Lichts zugleich Kinder der Welt sind. Wenn wir ungerecht behandelt werden, sind auch wir in Versuchung, Unrecht mit Unrecht zu vergelten. Macht das nicht jeder? Jesus lebt uns eine Haltung vor, die nicht den Gesetzen des Geldes folgt.

Zwei Figuren, die Steuerhinterziehung und ihre Verfolgung symbolisieren

Heute geht es in der Welt des großen Geldes häufig um Steuerhinterziehung (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, den 13. November 2005, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Tauffamilien

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Heute ist Volkstrauertag und zugleich auch unser Taufsonntag. Wir beten für den Frieden und wir werden im Predigttext hören, wie Jesus allem Anschein nach einen Betrüger lobt. Dieser Gottesdienst, so voll von Spannungen – hoffentlich wird er auch ein spannender Gottesdienst.

Besonders herzlich begrüßen wir unsere Tauffamilien! Drei Mädchen und eine erwachsene Frau taufen wir heute; es sind auf der einen Seite die kleine … und auf der anderen Seite … mit den beiden Töchtern … und … – herzlich willkommen in der Pauluskirche!

Lied 334: Danke für diesen guten Morgen
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir haben Grund zum Danken. Wir danken für die Liebe, die wir erfahren, in der Familie, von Freunden und von Gott. Wir danken für den Frieden, der von uns ausgeht, wo wir nicht nachtragend sind. Wir danken für Traurigkeit, die wir fühlen können und in der wir getröstet werden. Wir danken für Kinder, die uns geschenkt und anvertraut sind, damit wir gut für sie sorgen.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem  Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Nicht jeder kann für seine Arbeitsstelle danken. Nicht jeder hat einen treuen Partner und zuverlässige Freunde. Viele zahlen Gleiches mit Gleichem heim oder vergreifen sich an Schwächeren. Viele leben in ungesicherten Verhältnissen und wissen keinen anderen Ausweg als die Flucht in Drogen oder Gewalt. Auch unsere Sorgen, den Unfrieden in der Welt und unser schlechtes Gewissen bringen wir vor Gott, alles, was uns belastet. Wir rufen zu Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Trotz allem Bösen können wir singen: „Ich will dir danken, dass ich danken kann!“ Und mit Psalm 103, 2 können wir beten:

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, wir vertrauen uns dir an mit unserer Freude und mit unseren Sorgen. Schenke uns einen Gottesdienst, in dem wir deine Nähe spüren, in dem wir Kraft, Mut und Trost und vielleicht auch neue Einsichten gewinnen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir taufen heute eine Frau und drei Mädchen. Wir taufen sie, weil Jesus uns dazu den Auftrag gegeben hat. Wir hören dazu aus dem Evangelium nach Matthäus 28, 16-20:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Liebe Familie …, liebe Familie …, liebe Gemeinde!

Wer hat die Macht in dieser Welt? Bestimmt nicht die kleinen Leute, denken wir. Und da steht nun Jesus vor seinen Freunden und behauptet: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“ Das sagt Jesus, der am Kreuz gestorben ist und der seinen Jüngern erscheint, als Auferstandener. Er ist noch einmal hier unten auf Besuch, eigentlich ist sein Platz jetzt schon im Himmel, er ist sozusagen die rechte Hand Gottes.

Einige seiner Jünger zweifeln, heißt es in der Bibel. Bilden sie sich nur ein, dass sie ihn sehen? Sollen sie ihm glauben, dass Gott ihm alle Macht gegeben hat? Jesus hat doch in seinem irdischen Leben auf alle Macht verzichtet, wie wir sie kennen. Er hat kein Schwert zur Verteidigung gewollt, hat weder Gewalt noch Magie eingesetzt, um sich vor dem Tod zu retten. Und doch sagt er seinen zwischen Zweifel und Glauben hin- und hergerissenen Jüngern: „Mir ist gegeben alle Macht.“

Alle Macht, das klingt wie Allmacht. Ist das nicht unfassbar und unglaublich? Dieser Mensch Jesus, der machtlos am Kreuz hing, soll nicht nur auferstanden sein, nicht nur im Himmel lebendig sein, wie wir das von jedem Verstorbenen hoffen, den wir geliebt haben, sondern er soll von Gott seine ganze Allmacht übertragen bekommen haben?

Genau das behauptet das Taufevangelium. Niemand und nichts ist mächtiger als Jesus Christus. Denn seine Macht besteht in der Liebe, die er in seinem Leben und Sterben gelebt hat. Diese Liebe ist allmächtige Liebe, die überwindet alles, sie ist stärker als Tod und Teufel. Nur diese Liebe, die von Gott selbst kommt, überwindet das Böse in uns und das Böse in der Welt.

Auf diese allmächtige Liebe lassen wir uns in der Taufe ein. Sich selber taufen zu lassen, ist eine Entscheidung für Jesus und seine Liebe. Unsere Kinder, die wir taufen lassen, sollen behütet und geborgen sein in dieser Liebe, sie sollen selber von ihr angesteckt werden und als liebevolle Menschen heranwachsen.

Liebe Frau …, für sich selbst haben Sie einen Taufspruch aus dem Buch Jesaja 41, 10 ausgewählt (das war übrigens vor anderthalb Jahren auch der Taufspruch für … gewesen, den großen Bruder von …, die heute getauft wird). Gott spricht (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, … ich mache dich stark.

Sie haben das erlebt, dass Gott wie eine unsichtbare Macht um Sie herum war, dass Sie Kraft bekommen haben mitten in Ihrer Sorge und Angst um ein krankes Kind. Sie dürfen darauf vertrauen, dass Gott Sie niemals verlässt und Ihnen die nötige Kraft schenkt, um ihr Leben zu meistern und für Ihre Kinder da zu sein.

Ihre ältere Tochter …, die drei Jahre alt ist, bekommt auch einen Taufspruch aus dem Buch Jesaja, allerdings aus einem anderen Kapitel (43, 1). Gott spricht:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Auch dieses Bibelwort setzt voraus, dass wir in der Welt oft Angst haben. Gott sagt: „Fürchte dich nicht!“ Ein Kind, das wir taufen, gehört zu Jesus, es hat bei Gott einen Namen, es ist ein einmaliger, unendlich wertvoller Mensch. „Ich habe dich erlöst“, sagt Gott, damit ist gemeint, dass nichts und niemand diesem Kind seine Würde nehmen kann. Sicher, jeder Mensch kann Böses tun, kann ein Sünder werden, aber wer an Jesus glaubt und um Vergebung bittet, der bleibt nicht drin stecken in seiner Schuld und Sünde.

Die anderen Kinder, die wir heute taufen, haben beide den gleichen Taufspruch bekommen, und zwar den beliebtesten aller Taufsprüche aus Psalm 91, 11:

[Gott] hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Sie, liebes Ehepaar …, haben diesen Bibelvers für Ihre gemeinsame Tochter … ausgesucht, und Sie, liebes Ehepaar …, ebenfalls für Ihr jüngeres Kind, die Tochter …:

[God] hath given his angels charge over thee; to keep thee in all thy ways.

Ob auf Englisch oder auf Deutsch, die Gewissheit, dass Gottes Engel um uns sind und unsere Kinder behüten, ist tröstlich und gibt Mut. Wir bekommen Mut, alles für unsere Kinder zu tun, was uns möglich ist, damit sie in Geborgenheit und mit viel Liebe aufwachsen. Wir bekommen Mut dazu, ihnen deutlich Nein zu sagen, wenn sie unvernünftige Wünsche haben oder sich in Gefahr bringen. Kinder brauchen Schutz auch durch gute Grenzen, die wir ihnen setzen. Wir müssen uns aber auch nicht überfordern, denn wir allein werden unsere Kinder in ihrem Leben nicht vor allem bewahren können. Für das Gefühl, rundherum bewahrt zu sein, ist Gottvertrauen notwendig, oder, wie der Psalm 91 sagt, das Vertrauen darauf, dass Gottes Engel unsere Kinder behüten auf all ihren Wegen.

Ein Lied des Gottvertrauens singen wir jetzt gemeinsam, und zwar das Lied 619:

1. Er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

2. Er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, Gott hält das Baby in seiner Hand.

3. Er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, Gott hält sie beide in seiner Hand.

4. Er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, Gott hält auch dich und mich in seiner Hand.

Unser Vertrauen auf Gott, der uns segnet und behütet und uns durch seine guten Mächte begleitet, sprechen wir nun gemeinsam aus, stellvertretend auch für die Taufkinder, mit den Worten unseres christlichen Glaubensbekenntnisses:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 552: Einer ist unser Leben
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, von dem Jesus, dem Gott alle Macht gegeben hat im Himmel und auf Erden, hören wir nun ein Gleichnis, also eine Art Beispielgeschichte, aus dem Evangelium nach Lukas 16, 1-9:

1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz.

2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.

3 Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.

4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.

5 Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?

6 Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig.

7 Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.

8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.

9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Ja, liebe Gemeinde, da wundere ich mich doch über Jesus. Er lobt einen Betrüger, der seinen Arbeitgeber hintergeht! Von Jesus würde ich das nicht erwarten.

Ich schaue genauer hin, und stelle fest: Er erzählt seine Geschichte nicht in einem Seminar für Verwaltungskunde oder Personalführung. Er wendet sich nicht an Menschen, die Reichtümer besitzen oder verwalten, also nicht an Kinder der Welt, wie Jesus sie nennt, sondern an Kinder des Lichts. Damit meint er seine Zuhörer, Menschen wie wir, die auf ihn hören, die ihm folgen, die sich von der Liebe Gottes berühren und verändern lassen.

Warum erzählt er uns, wenn er uns als Kinder des Lichts ansprechen will, eine so abgefahrene Geschichte über die Kinder der Welt?

Vielleicht denkt Jesus: Besser abgefahren als abgehoben! Sicher sollen Menschen, die ihm nachfolgen, nicht lügen und betrügen. Aber sie sollen auch nicht so tun, als lebten sie jetzt schon im Himmel und könnten auf jede erdgebundene Klugheit verzichten.

Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben

– so überliefert Matthäus 10, 16b ein anderes Wort Jesu. Wer zu Jesus gehört, darf nicht alle Schandtaten dieser Welt mitmachen, aber man muss als Christ nicht notgedrungen einfältig oder gar dumm sein.

Worin besteht die Klugheit des ungerechten Verwalters in der Geschichte? Erstens erkennt er genau, was die Stunde geschlagen hat. Als der reiche Mann ihn zu sich zitiert, weiß er, dass er seinen Posten bereits verloren hat, es hat keinen Zweck, sich etwas vorzumachen. Zweitens ist der Mann klug, indem er schnell handelt. Er hat nicht viel Zeit bis zur Übergabe der Bücher an seinen Herrn, und diese Zeit nutzt er zielstrebig. Drittens macht er sich Freunde, wie Jesus sagt, und zwar mit dem „ungerechten Mammon“. Der Verwalter ist bisher kein armer Schlucker und will es auch nicht werden; er ist zu Hause in der Welt des großen Geldes; dass sein Herr ein Großhändler ist, sieht man an den Maßangaben in der Geschichte: 4000 Liter Öl, 30 Tonnen Weizen. Er selbst ist an ein Leben auf großem Fuß gewöhnt, er will nicht graben, nicht körperlich arbeiten müssen, und zu betteln schämt er sich. Als Ausweg fällt ihm ein: Eine Hand wäscht die andere! Wenn er den Schuldnern seines Chefs einen großen Gefallen tut, dann werden sie auch an ihn denken, wenn er arbeitslos auf der Straße steht.

Jesus erweckt nicht den Eindruck, als ob der reiche Mann ihm sonderlich leid tue. So ist das in der Welt des großen Geldes, da werden unverhältnismäßig große Gewinne gemacht, aber große Verluste und soziale Abstürze sind ebenso normal, und es wird auch betrogen. Für Jesus gilt: Man kann nicht Gott dienen und zugleich den Mammon, also den Gott des Geldes, anbeten. Wer lebt, nur um im Geld zu schwimmen und jeden Luxus genießen zu können, der lebt auf Kosten anderer und darf sich nicht wundern, wenn seine Angestellten sich ebenfalls ein großes Stück vom Kuchen des Geldes sichern wollen.

Als der ungerechte Verwalter das Geld nicht mehr als Ziel seines Lebens, sondern als Mittel zum Zweck einsetzt, nämlich um tragfähige Beziehungen zu anderen Menschen zu knüpfen, da fängt er an, Jesus sympathisch zu werden, und er lobt sein rasches situationsangemessenes Handeln.

Das ist es, was Jesus auch den Kindern des Lichts nahelegt, seinen Jüngern damals, uns Christen heute: Seid klar in der Analyse der Situation. Reagiert rasch, wenn es notwendig ist. Und nutzt eure finanziellen Mittel – ja, wozu? Hier kann man nicht einfach die Kinder der Welt mit den Kindern des Lichts gleichsetzen, sondern man muss an die Menschen denken, die damals Jesus nachfolgten und später die ersten Christengemeinden gründeten: Sie versorgten Mitchristen, die in Not gerieten, wählten Diakone, um alleinstehenden Mütter und elternlose Kinder sicherzustellen. Sie nutzten das Geld nicht für Luxusgüter, sondern dafür, dass in der Gemeinde niemand Hunger leiden musste. So wird aus dem Schmiergeldmotto „Eine Hand wäscht die andere“ oder „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ das Gesetz Jesu Christi (Galater 6, 2):

Einer trage des anderen Last.

Gibt es vielleicht noch einen Grund, weshalb Jesus den Kindern des Lichts eine Geschichte von den Kindern der Welt erzählt? Ich denke, der entscheidende Grund liegt darin, dass Jesus genau weiß: Kinder des Lichts sind, so lange sie hier auf Erden leben, immer zugleich auch Kinder der Welt. Wir brauchen Vergebung, um uns aus der Denkweise und der Haltung der Kinder dieser Welt zu befreien. Wenn wir Gewalt erleben, neigen auch wir dazu, zurückschlagen zu wollen. Wenn wir ungerecht behandelt werden, sind auch wir in Versuchung, Unrecht mit Unrecht zu vergelten. Macht das nicht jeder? Jeder vielleicht, aber Jesus macht es nicht. Er lebt uns eine Haltung vor, die zwar Klugheit von den Kindern der Welt lernt, aber trotzdem den Gesetzen des Zurückschlagens oder des großen Geldes nicht folgt.

Den Betrüger, dieses Weltkind, das sich Freunde macht mit ungerechtem Geld, lobt Jesus für seine Klugheit. Wie würde er die jungen Menschen beurteilen, die zur Zeit in Frankreichs großen Städten Aufruhr machen? Sie trampeln in blinder, unkontrollierter, unvernünftiger Wut über Eigentum und Leben anderer Menschen hinweg. Wie tief müssen sie gesunken sein? Wie verzweifelt müssen sie sein, wenn sie sogar Kirchen, Schulen und soziale Einrichtungen in Brand stecken, von denen sie Hilfe erwarten könnten?

Loben kann er diese Aufrührer nicht. Aber er würde sie auch nicht als Abschaum und Gesindel bezeichnen. Sie sind irregeleitete oder vernachlässigte Kinder von Kindern der Welt, Kinder von Eltern, die an ihrer Erziehungsaufgabe gescheitert sind. Sie brauchen Grenzen und Perspektiven, um Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen – und auch Rücksicht zu nehmen auf die Gemeinschaft, in der sie leben.

Wenn Kinder und Jugendliche in einem Stadtteil wie dem unseren Orte haben, wo sie willkommen sind, im Holzwurm, in der Kirchengemeinde, bei der Mittagsbetreuung in der Schule, wenn wir als Eltern ihnen eine gute Erziehung und Selbstvertrauen mit auf den Weg geben, wenn wir es schaffen, unsere Nachbarschaftskonflikte mit Menschen unterschiedlicher Herkunft zur Zufriedenheit aller zu lösen, dann muss es nicht zum Aufruhr kommen. Dann leben wir zwar nicht im Himmel auf Erden, aber doch in einer Gemeinschaft von Menschen, die versucht, miteinander auszukommen, so gut es geht. Wenn wir uns dafür einsetzen, folgen wir nicht nur dem Gesetz Jesu „Einer trage des anderen Last“, sondern auch seinem Rat, klug zu sein. Denn es ist klüger, Anstrengungen für den Frieden zu unternehmen, als in einer Art Bürgerkrieg nur noch ums Überleben zu kämpfen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 430: Gib Frieden, Herr, gib Frieden

Gott des Friedens, wir danken wir für 60 Jahre ohne Krieg in unserem Land, für unsere stabile Demokratie und für den immer noch tragfähigen sozialen Frieden in unserer Gesellschaft.

Wir denken an die, die im Krieg gestorben sind, die ihre Heimat verloren haben, die ihre schlimmen Erinnerungen noch immer nicht loswerden.

Wir bitten dich, dass wir fähig bleiben, den Frieden in unserem Land zu wahren und Beiträge zum Frieden in der Welt zu leisten. Mach uns fähig, knappere Geldmittel sinnvoll einzusetzen, damit niemand an den Rändern der Gesellschaft unter die Räder kommt oder auf die schiefe Bahn gerät.

Besonders bitten wir dich für Frau …, die im Alter von … Jahren gestorben ist. Lass sie in deiner Liebe in Ewigkeit geborgen sein. Begleite die Angehörigen und Freunde mit deinem Trost und lass sie füreinander einstehen auf dem Weg, den sie vor sich haben.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 321:

1. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

2. Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

3. Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Abkündigungen

Und nun geht mit Gottes Segen. Vielleicht bleiben Sie auch noch ein wenig zusammen im Gemeindesaal bei Kaffee oder Tee.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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