Die Weihnachtsgeschichte nach Paulus

Weihnachten – Fest der mündigen Kinder Gottes.

So kurz fasst Paulus die ganze Weihnachtsgeschichte: „Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan“. Nicht einmal die Jungfrauengeburt hat in seiner Darstellung Platz; und dass Jesu Mutter Maria heißt und dass ein Vater namens Josef eine Rolle gespielt hat, das erwähnt Paulus in all seinen Briefen niemals.

Der Apostel Paulus

Der Apostel Paulus (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am 1. Weihnachtstag, Montag, 25. Dezember 1995, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey und am 2. Weihnachtstag, Dienstag, 26. Dezember 1995, um 10.00 Uhr im Raum der Besinnung im DRK-Krankenhaus Alzey-Worms

Herzlich willkommen im Abendmahlsgottesdienst an Weihnachten 1995!

Wir singen das Lied 36, 1-3:

Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren!

Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, Gottes Kind, das verbindt sich mit unserm Blute.

Sollt uns Gott nun können hassen, der uns gibt, was er liebt über alle Maßen? Gott gibt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir hören Worte aus dem Brief des Paulus an Titus 3:

4 Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes,

5 machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist,

6 den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland,

7 damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, es ist Weihnachten. Und wir sehen staunend: Du wohnst nicht nur in einem fernen Himmel, sondern Du willst bei uns auf der Erde wohnen! Und die Heerscharen des Himmels verkünden wohl Deine Ehre in der Höhe und zugleich für uns Frieden auf der Erde! Du, Gott, bist geboren, für uns Mensch geworden. Ängstlichen und verzweifelten Menschen bist Du nahe gekommen, einer von uns wolltest Du sein. Nimm von uns jeden Druck, den wir uns mit dem Weihnachtsfest machen, und lass ganz zart und wie ein Aufatmen echte Freude in unseren Herzen wachsen! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören das Evangelium nach Lukas 2, 15-20:

15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja,Halleluja,Halleluja.“

Wir singen das Lied 539:
Was soll das bedeuten
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Wir hören den Predigttext aus dem Brief des Paulus an die Galater 4, 4-7:

4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,

5 damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.

6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohn gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!

7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Liebe Gemeinde!

Wozu ist das Weihnachtsfest da? Damit wir uns wenigstens einmal im Jahr wirklich gut verstehen und Harmonie und Frieden erleben in der Familie oder auch in irgendwelchen Kriegsgebieten? Damit wir uns Geschenke machen? Damit wir uns anstrengen, allen Wünschen der Menschen gerecht zu werden, mit denen uns irgend etwas verbindet? Damit alte Kinderträume doch noch wahr werden oder wieder aufleben können? Oder – ganz bescheiden – damit es wenigstens in diesem Jahr einmal nicht so hektisch wird vor den Feiertagen wie in den vorhergehenden Jahren?

Wir kennen alle diese Vorstellungen und Sehnsüchte. Wir kennen aber auch die Klagen: Wieder war es hektisch. Wieder ist die Zeit vor dem Fest so schnell vergangen. Wieder gab es irgendwo in der Welt Kämpfe auch um die Feiertage herum. Wieder gab es in manchen Familien gerade an Weihnachten Krach.

Wozu ist Weihnachten da? Ist es nur das Fest der übersteigerten Erwartungen, der unausbleiblichen Enttäuschungen, des nervenzermürbenden Drucks, den man sich macht? Selbst wenn es heutzutage noch gelingt, eine weihnachtliche Stimmung zu schaffen, vor allem für die Kinder, selbst wenn das weihnachtliche Brauchtum uns vielleicht einige romantische Stunden beschert – ist das genug, um zu sagen: Ja, das ist der Sinn von Weihnachten – es geht halt einfach um ein bisschen Plätzchenduft und Lichterglanz, um vertraute Lieder und wehmütige Erinnerungen an verlorene Kindertage?

Hinzu kommt: für viele hier im Krankenhaus ist es traurig, Weihnachten nicht zu Hause verbringen zu können, im Kreise ihrer Lieben. Andere wiederum haben ein Zuhause nicht mehr oder haben es nie gehabt, fragen sich in dieser Zeit mehr noch als sonst: „Wo gehöre ich überhaupt hin?“ Ja, Weihnachten ist für manche auch das Fest der Einsamkeit, der traurigen Gedanken an eine zerbrochene Ehe, an die unwiederbringliche Kindheit, an unerfüllte Wünsche nach Gemeinsamkeit.

Ja, Weihnachten kann furchtbar sein, wenn wir zwar die mit diesem Fest verbundene Sehnsucht spüren, wenn wir aber gar keine Hoffnung mehr haben, dass diese Sehnsucht irgendwie und irgendwann auch gestillt werden könnte.

Fast vergessen ist, welchen Ursprung Weihnachten einmal hatte. Es begann damit, dass man die Geburt eines Kindes feierte, die Geburt eines ganz besonderen Kindes. Und das Weihnachtsbrauchtum und die Weihnachtsromantik, die sich um das Weihnachtsfest herum gebildet hat, sollte eigentlich nur hinweisen auf dieses Kind – hinweisen darauf, was dieses Kind für uns Menschen, für Menschen aller Zeiten bedeutet: dass es das wärmende Licht der Welt ist, dass es das große Geschenk Gottes an die Welt ist, dass es Liebe und Frieden in die Welt bringt.

An dieser Stelle singen wir das Weihnachtslied 42, 1-4:

Dies ist der Tag den Gott gemacht, sein werd in aller Welt gedacht; ihn preise, was durch Jesus Christ im Himmel und auf Erden ist.

Die Völker haben dein geharrt, bis dass die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn.

Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermisst, dass Gottes Lieb unendlich ist.

Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil.

Heute, liebe Gemeinde, haben wir zur Predigt einmal eine ganz andere Weihnachtsgeschichte gehört als die vertraute Erzählung von Lukas. Ja, auch Paulus hat von Weihnachten erzählt. Aber ganz ohne Romantik, ohne Engel und Hirten, ohne Stall und Krippe. Paulus berichtet in seinem Brief an die Galater ganz knapp von der Geburt Jesu:

4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.

So kurz fasst Paulus die ganze Weihnachtsgeschichte: „Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan“. Nicht einmal die Jungfrauengeburt hat in seiner Darstellung Platz; ihm genügt einfach der Satz „geboren von einer Frau“; und dass sie Maria heißt und dass ein Vater namens Josef eine Rolle gespielt hat, das erwähnt Paulus in all seinen Briefen niemals.

Ein Gedanke ist Paulus aber trotz der Kürze seiner Darstellung so wichtig, dass er ihn nicht weglässt: Jesus wurde „unter das Gesetz getan“. Nach einer Woche wurde er beschnitten, nach zwölf Jahren durfte er als ein Mann am Gebet und an den Versammlungen der Männer teilnehmen, wie es auch Lukas berichtet. Seine Eltern erzogen ihn im jüdischen Glauben und nach den Geboten Gottes, die wir auch kennen.

„Unter das Gesetz getan“, das heißt etwas Doppeltes: erstens galten auch für Jesus die Weisungen Gottes. Er stand nicht einfach über dem Gesetz. Und zweitens war Jesus wie wir alle menschlichen Gesetzen unterworfen, geschriebenen und ungeschriebenen. Es wurde auch von ihm erwartet, dass er sich anpasste, dass er sich unterordnete, wo Autoritäten etwas anordneten, dass er nicht aus der Reihe tanzte, wenn mächtige Interessen im Spiel waren.

Und wozu das alles? Wozu sandte Gott seinen Sohn? Wozu ließ er ihn von einer Frau geboren sein? Wozu tat er ihn unter das Gesetz?

5 Damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste.

Was meint Paulus denn mit diesem kurzen Satz? Wer unter dem Gesetz ist, soll erlöst werden? Auch wir? Wer stöhnt unter Unrecht und Ausbeutung, darf auf Befreiung hoffen? Wer schikaniert wird, soll nicht weiter gequält werden?

Ja, er meint wirklich etwas in dieser Richtung. Jedenfalls meint er, dass Religion, dass der Glaube an Gott nichts mit Druck und Zwang zu tun haben darf. „Unter das Gesetz getan“, das hatte auch geheißen: eine zwanghafte Religion – man meinte, etwas für Gott tun zu müssen, dann würde er auch etwas für uns tun. Paulus sagt: Das war eine Religion der Knechte, der Sklaven, der Untertanen. Davon sind wir durch Jesus befreit worden. Nein, seit Weihnachten sind wir nicht mehr Gottes Knechte oder Sklaven oder willenlose Untertanen. Nach Paulus hat nämlich Gott seinen Sohn gesandt:

Damit wir die Kindschaft empfingen.

Paulus sagt also: Der Sinn von Weihnachten besteht nicht nur darin, dass damals ein Kind geboren wurde. Nicht nur der Sohn Gottes wurde damals geboren. Weihnachten bedeutet mehr: Auch wir sollen Kinder Gottes werden.

Aber wann wird das sein? Müssen wir lange warten, bis wir Gottes Kinder sein dürfen? Müssen wir besonders brav sein, besonders fromm sein, besondere Leistungen erbringen, einen besonderen Glauben haben, um ein Kind Gottes werden zu dürfen? Nein, nach Paulus sind wir schon längst Gottes Kinder:

6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!

Weihnachten ist also ein Fest, bei dem es um uns selber geht. Wir sind Kinder Gottes, einfach so. Und so wie Jesus es lernte, Gott in kindlichem Vertrauen anzureden: „Abba“, „Papa“, „lieber Vater“, so dürfen wir das gleiche wiederum von ihm lernen. Selbstverständlich ist es nicht, dass wir das können. Die meisten Menschen denken entweder, dass es Gott gar nicht gibt oder dass er ganz weit weg ist oder dass man sich ihm jedenfalls nicht so vertraulich nähern darf. Es scheint wirklich nötig zu sein, dass Gott uns „den Geist seines Sohnes in unsere Herzen sendet“ – sonst würden wir vielleicht in solcher Vertraulichkeit wirklich meinen, wir könnten Gott wie einen guten Kumpel behandeln, ihn einen guten Mann sein lassen und bräuchten ihn ansonsten nicht zu beachten. Kindliches Vertrauen hat mit so einer falschen Vertraulichkeit nichts zu tun. Wer wie ein Kind Gott vertraut, der weiß ja, dass wir auf Gott angewiesen sind, dass wir ohne die Geborgenheit in Gottes Liebe verzweifeln müssten. Das ist kein verstandesmäßiges, erwachsenes Wissen, es ist ein gefühlsmäßiges Wissen, so wie ein Kind eben noch nicht allein leben kann und ganz selbstverständlich die Liebe seiner Eltern braucht.

Jetzt unterbrechen wir noch einmal die Predigt und singen das Lied 39, 1-7:

Kommt und lasst uns Christus ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren; singet fröhlich, lasst euch hören, wertes Volk der Christenheit.

Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.

Sehet, was hat Gott gegeben: seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud.

Seine Seel ist uns gewogen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, uns, die Satan hat betrogen, zu besuchen aus der Höh.

Jakobs Stern ist aufgegangen, stillt das sehnliche Verlangen, bricht den Kopf der alten Schlangen und zerstört der Höllen Reich.

O du hochgesegnete Stunde, da wir das von Herzensgrunde glauben und mit unserm Munde danken dir, o Jesulein.

Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle dich der Engel Heer erhöht.

Liebe Gemeinde, Paulus will nun aber nicht etwa darauf hinaus, dass Christen immer unmündig kleine Kinder bleiben müssten. Dieser Eindruck entsteht vielleicht deswegen, weil unser Predigttext aus dem Zusammenhang gerissen wurde, in den er von Paulus eingebettet worden war. Nein, im Gegenteil. Dem Paulus ging es gerade um den Unterschied zwischen erwachsenen Kindern und erwachsenen Sklaven. Die Sklaven blieben dann unmündig wie Kinder, die noch nicht volljährig waren; aber die Kinder wurden dann freie Menschen, die selbständig über ihr Leben entscheiden und über ihr Erbe frei bestimmen konnten. Dieses Beispiel führt Paulus unmittelbar vor unserem Predigttext an:

1 Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht keine Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter;

2 sondern er untersteht Vormündern und Pflegern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat.

Jetzt wird auch klar, warum es am Anfang unseres Predigttextes geheißen hat: „Als aber die Zeit erfüllt war…“. Weihnachten kam, als Gott die Menschheit für reif genug hielt, erwachsen zu werden. Er sandte seinen Sohn und machte uns zu seinen Kindern, weil er uns zutraute, in freier Verantwortung gut für uns und unsere Welt zu sorgen.

Obwohl Weihnachten also das Fest des Kindes ist, obwohl Weihnachten auch unser inneres Kind berührt, ist Weihnachten dennoch ebenso sehr ein erwachsenes Fest, ein Fest der erwachsenen, der mündig gewordenen Kinder Gottes, ein Fest von erwachsenen Menschen, die selber für ihr Leben verantwortlich sind und gerade deswegen auch gut mit ihren kindlichen Gefühlen und Sehnsüchten umgehen. Paulus drückt das so aus:

7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Deutlicher kann man es nicht sagen, wie viel Gott uns zutraut, wie viel Freiheit, wie viel Verantwortung. Wir sind seine Erben, nicht seine unterwürfigen Knechte. Ein Knecht muss gehorsam sein, aber häufig ist es ein rein äußerliche Gehorsam. Letzten Endes kann es ihm egal sein, was mit dem Besitz seines Herrn ist, er gehört ihm ja nicht. Wir sind aber nicht Knechte, sondern Kinder Gottes. Wir tragen sozusagen Verantwortung für eigenes Eigentum – nämlich für unser Leben, das Gott uns geschenkt hat und das niemandem sonst gehört außer uns, und für unser Glück, das dort wächst, wo wir lieben und geliebt werden.

Natürlich kann auch ein Erbe an seinem Erbteil scheitern, er kann es herunterkommen lassen und zugrundegehen wie der Verlorene Sohn im Gleichnis Jesu. Aber dann zeigt es sich, dass wir nicht dadurch Erben Gottes geworden sind, dass Gott gestorben wäre, nein, er lebt und liebt uns auch dann noch, wenn wir schlecht mit dem uns geschenkten Erbteil umgegangen sind. Gott liebt uns auch dann noch, wenn wir zur Liebe nicht fähig waren. Er traut uns immer noch zu, dass wir es doch noch schaffen.

Weihnachten gibt also wirklich eine Antwort darauf, wo wir letzten Endes hingehören, zu wem wir gehören. Wir gehören zu Gott als seine Kinder. Und wir gehören zu den Menschen, die Gott uns anvertraut oder denen wir anvertraut sind – als unsere Nächsten, sei es für kurze oder für lange Zeit. „Achte das Kind in dir, das sich nach Liebe sehnt“, ruft Gott uns zu. „Achte auch auf den Menschen neben dir, der ebenso ernst genommen werden möchte“, macht Gott uns Mut. „Du bist mein Kind“, sagt uns Gott, „und ich schenke dir dein Leben. Und du wirst nicht einmal dann verloren gehen, wenn du einmal sterben musst“. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen das Lied 47:

Freu dich, Erd und Sternenzelt, Halleluja! Gottes Sohn kam in die Welt

Und nun feiern wir an Weihnachten das heilige Abendmahl miteinander. Wer daran teilnehmen will, kommt nach vorn, wenn es so weit ist, die anderen mögen auf ihrem Platz bleiben und gehören auch zu uns dazu. Nach den Einsetzungsworten singen wir das Lied 190.2.

Freundlicher, treuer, geduldiger, barmherziger Gott, wir gehören uns selbst, und wir gehören zu dir. Dein Eigentum waren wir, aber du hast uns unser Leben geschenkt, wir gehören uns selbst. Aber allein können wir nicht leben, und so dürfen wir spüren, dass wir zu dir gehören, auch wenn wir freie Menschen sind. Geborgen und frei, kindlich vertrauend und erwachsen zugleich, manchmal stark und manchmal schwach, so sind wir deine Kinder. Nimm uns an, so wie wir sind, und mach uns frei von Angst, Verzweiflung, von Scham und Schuld. Lass uns getrost dein Heiliges Mahl empfangen, damit wir zehren von deiner Liebe. Amen.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Guter Gott, du bist ein Kind geworden, und wir dürfen deine Kinder sein. Du setzt uns als deine Erben ein, verantwortlich für unser Leben, verantwortlich für unsere Welt, verantwortlich füreinander in der Welt. Lass uns nicht allein mit dieser Verantwortung und begleite uns auf unseren Wegen, auch in der Zeit nach Weihnachten. Hilf, dass wir uns auch selber liebhaben können. Amen.

Wir beten gemeinsam mit den Worten Jesu:

Vater unser

Wir singen das Lied 44:

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: reue, freue dich, o Christenheit!

Abkündigungen

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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