Kindeskinder bis ins dritte und vierte Glied

Trauerfeier für eine sehr alte Frau, die mit Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied gesegnet war.

Kindeskinder bis ins dritte und vierte Glied: Eine alte Hand hält zwei Kinderhände.

Alte und junge Hände halten einander (Bild: 41330 – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um von Frau G. Abschied zu nehmen, die im Alter von [über 90] Jahren gestorben ist.

Wir sind hier um der Verstorbenen willen – wir erinnern uns an sie, zeichnen ihren Lebenslauf nach, versuchen, ihr gerecht zu werden.

Wir sind hier um unserer selbst willen – weil Verbindungen, die durch den Tod abreißen, wehtun, weil es nicht gut ist, beim Abschied allein zu sein.

Wir sind hier auch um Gottes willen. Denn von Gott her sind wir zur Welt gekommen, zu Gott hin gehen wir im Tod – er lässt uns nicht verloren gehen.

Wenn wir nicht wissen, wie wir beten sollen, können wir auf Gebete aus der Bibel zurückgreifen. So beten wir mit Worten aus dem Psalm 71:

1 HERR, ich traue auf dich, lass mich nimmermehr zuschanden werden.

3 Sei mir ein starker Hort, zu dem ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg.

5 Denn du bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an.

9 Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.

12 Gott, sei nicht ferne von mir; mein Gott, eile, mir zu helfen!

17 Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt.

18 Auch im Alter, Gott, verlass mich nicht, und wenn ich grau werde, bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.

19 Gott, deine Gerechtigkeit reicht bis zum Himmel; der du große Dinge tust, Gott, wer ist dir gleich?

20 Du lässest mich erfahren viele und große Angst und machst mich wieder lebendig und holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde.

21 Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder.

22 So will auch ich dir danken … für deine Treue, mein Gott; ich will dir lobsingen, du Heiliger Israels.

Wir singen aus dem Lied 369 die Strophen 1 und 7:

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Liebe Trauergemeinde!

Ein langes Leben ist zu Ende gegangen. Noch im deutschen Kaiserreich wurde die nun Verstorbene hier geboren und hat mit ihren Schulkameraden bis ins hohe Alter Kontakt gehalten. Sogar als sie zum Schluss ins Altenheim ziehen musste, erlebte sie die Freude, dass eine gute Schulfreundin mit ihr im gleichen Zimmer gewohnt hat.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Heute sind vor allem Kinder und Kindeskinder mit ihren Familien versammelt, um Abschied von der Mutter, der Oma, der Uroma und Ururoma zu nehmen, die ein sehr lustiger Mensch war und mit der Zeit ging und bei den Kindern in der Familie beliebt war. Sie haben gern bei ihr übernachtet; als großzügig war sie bekannt, die selber nicht viel gehabt und trotzdem gern davon abgegeben hat; und Streit gab es mit ihr nicht. Sicher sind auch andere hier, mit denen sie verwandt, bekannt und befreundet war, aber von den Gleichaltrigen aus ihrer Generation ist wohl kaum noch jemand da, der ihr heute die letzte Ehre erweisen könnte.

Als ich über diesen Lebenslauf von Frau G. nachdachte, fand ich einen Bibelvers aus dem Buch Tobias, wo ein Mann ein Ehepaar mit folgenden Worten segnet (Tobias 9, 11):

Gott gebe, dass ihr eure Kinder und eure Kindeskinder seht bis ins dritte und vierte Glied; und eure Nachkommen seien gesegnet vom Gott Israels, der in Ewigkeit herrscht und regiert!

Frau G. hat buchstäblich Kinder und Kindeskinder erlebt bis in die vierte Generation hinein; und Gottes Segen hat sie auch empfangen, indem sie selbst ein Segen war für die Menschen, die um sie waren.

Ein gesegnetes Leben ist ein erfülltes Leben, erfüllt von Freude, die einen dankbar sein lässt, erfüllt auch mit Leid, das man ertragen und durchstehen kann, erfüllt auch mit Krieg und Krankheit und anderen Gefahren, in denen man bewahrt bleibt. Vor allem ist ein gesegnetes Leben angefüllt mit Liebe – Liebe, die wir empfangen, und Liebe, die wir geben. Sie werden es nie vergessen, wie die Mutter Sie geprägt hat, wie die Oma für Sie da gewesen ist, wie die Frau, mit der Sie nachbarschaftlich und in Freunschaft verbunden waren, ihnen begegnet ist.

Wenn das Leben eines Menschen gesegnet war, dann wirkt dieser Segen in die folgenden Generationen hinein: „Eure Nachkommen seien gesegnet…“ Wir können unsere Dankbarkeit ihr gegenüber, die gestorben ist, nicht besser beweisen, als dadurch, dass wir ihr nacheifern – in der Großzügigkeit, in ihrer heiteren Art, in der Offenheit für Kinder, in allem, wodurch sie Ihnen unvergesslich bleiben wird.

Heute bleibt uns nur noch eines zu tun: Wir lassen sie los. Wir vertrauen Frau G. dem Gott an, an den schon das Volk Israel geglaubt hat, der sich in Jesus Christus allen Menschen offenbart hat und der in Ewigkeit regiert. Der allmächtige und barmherzige Gott nimmt sie am Ende mit Ehren an. Amen.

Wir singen das Lied 533:
Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand

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