Kapitel 4: Sexueller Missbrauch und Psychoanalyse

Sexueller Missbrauch als Herausforderung an Seelsorge, Kirche und Bibelauslegung.

Im vierten Kapitel seines Buches setzt sich Helmut Schütz mit der Psychoanalyse auseinander. Welche Haltung vertraten Sigmund Freud, Sandor Ferenczi und Alice Miller zum Thema des sexuellen Missbrauchs?

Zum Gesamt-Inhaltsverzeichnis des Buches „Missbrauchtes Vertrauen“

Pfarrer Helmut Schütz beschäftigt sich mit der Haltung von Sigmund Freud und seiner Psychoanalyse zum Thema des sexuellen Missbrauchs

Pfarrer Helmut Schütz (Foto: Franz Möller)

Inhalt dieses Kapitels

Zweideutigkeiten und Sprachverwirrung

Sigmund Freud zwischen Verführungstheorie und Ödipuskomplex

Ödipale Phantasien oder realer Inzest?

Das Kind als sexuelles Wesen – und dennoch unschuldig

Triangulation: das Dreieck Mutter – Vater – Kind

Anmerkungen zu diesem Kapitel

Zweideutigkeiten und Sprachverwirrung

Von besonderer Bedeutung sind in der Diskussion um Missbrauchserfahrungen Argumente, die sich auf Sigmund Freuds Entdeckung der kindlichen Sexualität und seine Theorie des Ödipuskomplexes stützen. Meine Überzeugung ist, dass ein Erwachsener, der seine Sexualität mit einem Kind auslebt und sich zur Begründung auf Freud beruft, ihm damit bitter Unrecht tut.

„Gegenwärtig will eine neue Richtung geltend machen, dass die sexuellen Neigungen des Kindes befriedigt werden müssen – und zwar auch durch aktive Triebstimulierung von Erwachsenen und durch eine mehr oder weniger starke Einbeziehung der Kinder in das Sexualleben der Eltern und anderer Erwachsener… Auf alle Fälle kann es nicht mit dem Hinweis auf Freud legitimiert werden, der von der ‚Exklusivität der Sexualität‘ spricht und die sexuelle Liebe als ein Verhältnis zwischen zwei Menschen auffasst, bei dem ein Dritter nur überflüssig oder störend wäre“ (1).

Ist Freud sich schon nicht sicher, inwieweit man die sich selbstbefriedigende Beschäftigung des kleinen Kindes mit dem eigenen Körper als schädlich für „die Erziehbarkeit des Kindes“ ansehen muss, so versteht es sich für ihn jedenfalls von selbst, dass „die äußeren Einflüsse der Verführung“ durch Erwachsene in keinem Falle zu rechtfertigen sind. So schreibt er in den „Umgestaltungen der Pubertät“: „Welches Maß von sexueller Betätigung im Kindesalter noch als normal, der weiteren Entwicklung nicht abträglich, bezeichnet werden darf, konnten wir nicht sagen. Der Charakter der Sexualäußerungen erwies sich als vorwiegend masturbatorisch. Wir stellten ferner durch Erfahrungen fest, dass die äußeren Einflüsse der Verführung vorzeitige Durchbrüche der Latenzzeit bis zur Aufhebung derselben hervorrufen können, und dass sich dabei der Geschlechtstrieb des Kindes in der Tat als polymorph pervers bewährt; ferner, dass jede solche frühzeitige Sexualtätigkeit die Erziehbarkeit des Kindes beeinträchtigt“ (2). Und weiter: „Wenn die Zärtlichkeit der Eltern zum Kinde es glücklich vermieden hat, den Sexualtrieb desselben vorzeitig, dass heißt ehe die körperlichen Bedingungen der Pubertät gegeben sind, in solcher Stärke zu wecken, dass die seelische Erregung in unverkennbarer Weise zum Genitalsystem durchbricht, so kann sie ihre Aufgabe erfüllen, dieses Kind im Alter der Reife bei der Wahl des Sexualobjekts zu leiten“ (3).

Aber die psychoanalytischen Begriffe sind nicht frei von Zweideutigkeiten und haben im Laufe der vergangenen hundert Jahre reichlich Anlass zu Missverständnissen gegeben. Schon Freud selbst unterscheidet in seiner Terminologie häufig nur unzureichend zwischen der phasengerechten, in kindlichen Ausdrucksformen geäußerten Sexualität und den kindlichen Wünschen nach liebevoller Zuwendung und der auf erwachsene Weise ausgelebten Sexualität. Außerdem scheint er das Kind für sexuelle Übergriffe wenigstens in der Weise verantwortlich zu machen, dass er die Triebe des Kindes, den sog. „Inzestwunsch“ in den Mittelpunkt seiner Theorie des „Ödipuskomplexes“ gestellt hat.

Im Rahmen seiner Theorie der „zweizeitigen Objektwahl“ unterscheidet Freud zwar zu Beginn der Pubertät eine „zärtliche Strömung des Sexuallebens“, hinter der sich „die alten, jetzt unbrauchbar gewordenen Sexualstrebungen der infantilen Partialtriebe“ verbergen, und eine „sinnliche Strömung“ der Objektwahl, die unter Verzicht „auf die infantilen Objekte“ jetzt von neuem beginnen muss (4). Daraus lässt sich zwar erahnen, dass die kindliche Liebe zu den Eltern ihrem Wesen nach einen anderen Charakter gehabt haben muss als die erwachsene sexuelle Liebe; dennoch identifiziert Freud an anderer Stelle wieder „die zärtlichen Gefühle und die Wertschätzung für seine Pflegepersonen mit der geschlechtlichen Liebe“ (5). Es blieb erst Sándor Ferenczi vorbehalten, in seinem denkwürdigen letzten Vortrag in Wiesbaden 1932 über die „Sprachverwirrung zwischen den Erwachsenen und dem Kind“ die klare Unterscheidung zwischen der „Sprache der Zärtlichkeit und der Leidenschaft“ zu treffen (6).

Zur „Sprachverwirrung“ führt „die vorzeitige Aufpfropfung leidenschaftlicher und mit Schuldgefühlen gespickter Arten des Liebens auf ein noch unreifes, schuldloses Wesen“ (7). „Ein Erwachsener und ein Kind lieben einander; das Kind hat die spielerische Phantasie, mit dem Erwachsenen die Mutterrolle zu spielen. Dieses Spiel mag auch erotische Formen annehmen, bleibt aber nach wie vor auf dem Zärtlichkeitsniveau. Nicht so bei pathologisch veranlagten Erwachsenen, besonders wenn sie durch sonstiges Unglück oder durch den Genuss betäubender Mittel in ihrem Gleichgewicht und ihrer Selbstkontrolle gestört sind. Sie verwechseln die Spielereien der Kinder mit den Wünschen einer sexuell reifen Person oder lassen sich, ohne Rücksicht auf die Folgen, zu Sexualakten hinreißen“ (8). In seiner Arbeit von 1929 „Das unwillkommene Kind und sein Todestrieb“ hatte Ferenczi allerdings noch unter Berufung auf Freuds „libido-theoretische Neurosenlehre“ geschrieben, „dass die Lebensäußerungen der kleinsten Kinder fast ausschließlich libidinös (erotisch) sind, diese Erotik aber, eben wegen ihrer Ubiquität, unauffällig ist. Erst nach Ausbildung eines besonderen Organs für Erotik macht sich die Sexualität unverkennbar und unableugbar“ (9).

Freud zwischen Verführungstheorie und Ödipuskomplex

In seinem ersten großen Anlauf, die universale Ursache für neurotische Erkrankungen zu ergründen, war Freud am Anfang seiner psychoanalytischen Praxis auf den Faktor der sexuellen Verführung von Kindern durch vertraute erwachsene Bezugspersonen gestoßen. Er meinte zunächst, dadurch alle Neurosen erklärt zu haben. „Die Theorie behauptete, dass sexueller Missbrauch in der Kindheit die ausschließliche Ursache für die Psychoneurose bei Erwachsenen sei.“ Zugleich war er zunächst der bisher allgemein vertretenen Ansicht gefolgt, dass Kinder völlig asexuelle Wesen seien, die nur durch eine Verführung durch Erwachsene sexuelle Phantasien und Verhaltensweisen annehmen würden. „In seinen Augen und in denen seiner Zeitgenossen war die kindliche Sexualität etwas so Fremdes“, dass er es zunächst „als höchst unwahrscheinlich“ ansah, „die Allgemeinheit der Sexualität bei Kindern zu behaupten“ (10).

Über die Frage, aus welchen Gründen er diese sogenannte „Verführungstheorie“ rasch wieder fallen ließ, gibt es eine umfangreiche Literatur, die ich hier nicht einmal in Ansätzen wiedergeben kann. Der Psychoanalytiker Winfried Knörzer betont, dass Freud einfach „nicht länger die Verführung als die spezifische ätiologische Ursache der Neurose betrachtet“ (11). Wie dem auch sei: In seiner berühmten Abhandlung „Die infantile Sexualität“ hält Sigmund Freud es für „selbstverständlich, dass es der Verführung nicht bedarf, um das Sexualleben des Kindes zu wecken, dass solche Erweckung auch spontan aus inneren Ursachen vor sich gehen kann“ (12).

Wenn er allerdings z. B. die kindliche Angst auf einen „übergroßen oder vorzeitig entwickelten oder durch Verzärtelung anspruchsvoll gewordenen Sexualtrieb“ zurückführt, frage ich mich, ob der Begriff „Sexualtrieb“ nicht entweder einfach falsch (insofern wir damit die erwachsene Sexualität assoziieren) oder in einem allzu weiten und damit unscharfen Sinne verwendet wird: Das Kind „fürchtete sich also nicht vor der Dunkelheit, sondern weil er eine geliebte Person vermisste“ – dieses Lieben ist doch mit Sicherheit als kindlich-zärtliches Liebhaben und nicht als erwachsen-begehrendes Lieben zu verstehen (13).

Der „Einfluss der Verführung, die das Kind vorzeitig als Sexualobjekt behandelt und es unter eindrucksvollen Umständen die Befriedigung von den Genitalzonen kennen lehrt“ (14), darf jedoch auch nach dem späteren Freud nicht unterschätzt werden. Vor allem das folgende Zitat aus einer anderen der „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ lässt darauf schließen, dass der kindlichen Sexualität in jedem Falle eine auslösende Verführung zugrundeliegt: „Der Verkehr des Kindes mit seiner Pflegeperson ist für dasselbe eine unaufhörlich fließende Quelle sexueller Erregung und Befriedigung von erogenen Zonen aus, zumal letztere – in der Regel doch die Mutter – das Kind selbst mit Gefühlen bedenkt, die aus ihrem Sexualleben stammen, es streichelt, küsst und wiegt und ganz deutlich zum Ersatz für ein vollgültiges Sexualobjekt nimmt“ (15). Im gleichen Sinne schreibt Martin Ehlert: „Die Mutter – die Frau… – bringt, indem sie die Nahrungsbedürfnisse ihres Kindes befriedigt, eine ganz andere, dem Kind unbekannte, fremde Dimension ins Spiel: die ihrer eigenen Sexualität, die das Kind zunächst traumatisch erschüttert und auf die es nicht anders als mit Miterregung reagieren kann, welche dann zeitlebens im wahrsten Sinne des Wortes unhemmbar ist“ (16).

Doch was tut da die Bezugsperson des Kindes? Kann sie gar nicht anders, als das Kind zu sexualisieren, da es gar keinen Unterschied gibt zwischen sexuellem Streicheln und Küssen und nicht-sexuellen Streicheleinheiten? Ehlert scheint es in seiner ausgeklügelten Konstruktion, durch die er die Verführungstheorie mit der Triebtheorie versöhnen will, genau in diesem Sinne zu verstehen. Eltern, insbesondere die früh-versorgende Mutter, können seiner Überzeugung nach gar nicht anders, als mit ihrer sexuellen Phantasie die sexuellen Triebe des Kindes hervorzurufen. Auf diese Weise verharrt er in einer Jahrhunderte alten Tradition der Abwertung der Sexualität als etwas grundsätzlich Bösem und Schmutzigem, wenn er in Anlehnung an den französischen Psychoanalytiker Laplanche vermutet: „Wahrscheinlich ist Sexualität deshalb tatsächlich ‚etwas in obskurer und vielleicht unheilbarer Weise Verwerfliches‘“ (17).

Demgegenüber betont Alice Miller: „Das Kind… liebt seine Eltern, braucht ihre Nähe, Zuneigung und Zärtlichkeit und wird seine Bemühungen um diese unerlässlichen Güter nur in dem Bezugsrahmen entwickeln können, der ihm von den Erwachsenen vom Beginn seines Lebens an vermittelt wurde. Ein Kind, das von Anfang an sexuell stimuliert wurde (z. B. das Massieren, Kitzeln oder Saugen am Genitale des Säuglings, das Benutzen seiner Öffnungen wie Mund und Anus für koitusähnliche Berührungen), wird unter Umständen diese Art von Zuwendung als Liebe kennenlernen, weil ihm keine andere zur Verfügung stand“ (18). Sie hält Eltern also auch für fähig, ihrem Kind Zuwendung zu geben, die nicht durch eigene sexuelle Wünsche und Erregung sozusagen vergiftet ist.

Interessanterweise weiß auch Ehlert, dass im Falle des realen sexuellen Missbrauchs „sich das Kind mit seinen existentiellen Bedürfnissen nach Zuwendung, Geborgenheit, Unterstützung etc. an einen Erwachsenen wendet, bei dem es aber gerade dadurch – ohne es zu wissen, geschweige denn zu wollen – sexuelle Erregung mit den entsprechenden sexuellen Phantasien auslöst“ (19). Warum tauchen die wirklichen Bedürfnisse des Kindes nur an dieser Stelle auf? Und warum wird wieder so getan, als ob sich der Missbraucher gegen die ungewollte Auslösung seiner sexuellen Erregung durch das Kind im Grunde gar nicht wehren kann?

dass Freud nicht jeder Mutter unterstellt, ihr Kind zu sexualisieren, ob sie es nun will oder nicht, dass er also nicht einen wirklichen sexuellen Übergriff durch die erste Pflegeperson rechtfertigen will, zeigt sich im Folgenden: Die Mutter „hält ihr Tun für asexuelle ‚reine‘ Liebe, da sie es doch sorgsam vermeidet, den Genitalien des Kindes mehr Erregungen zuzuführen, als bei der Körperpflege unumgänglich ist. Aber der Geschlechtstrieb wird nicht nur durch Erregung der Genitalzone geweckt, wie wir ja wissen; was wir Zärtlichkeit heißen, wird unfehlbar eines Tages seine Wirksamkeit auch auf die Genitalzonen äußern“ (20). Letzten Endes bleibt offen, ob Freud damit nicht im Grunde doch auf das Gleiche abzielt, wie eine der schärfsten Kritikerinnen seiner Triebtheorie, Alice Miller, wenn sie schreibt: „Warum sollte ein Kind, das die zärtliche Liebe seiner Eltern in der Kindheit erfahren hat, nicht in der Pubertät selber diese Zärtlichkeit und seine erwachte Sexualität leben und seine Formen des Genusses entdecken können?“ (21)

Freud möchte jedenfalls der Mutter ein gutes Gewissen geben; sie „erfüllt nur ihre Aufgabe, wenn sie das Kind lieben lehrt; es soll ja ein tüchtiger Mensch mit energischem Sexualbedürfnis werden und in seinem Leben all das vollbringen, wozu der Trieb den Menschen drängt.“ Aber wie sieht dieses Lieben-Lehren aus? Missbraucher haben sich auch missbräuchlich solcher psychoanalytischer Zweideutigkeiten bedient, um die „praktische Einführung des Kindes ins Sexualleben“ zu rechtfertigen. Deegener führt u. a. folgende Beispiele an, wie Erwachsene den Missbrauch ihres Kindes rechtfertigen: „Eine sexuelle Beziehung mit einem Kind ist ein guter Weg für dessen sexuelle Aufklärung. – Es ist ein erhebendes Gefühl, jemandem was beibringen zu können. – Ich selbst hab‘ sie aufgeklärt, wie man sich waschen muss, so Geschlechtsteile und so. – Meine Tochter hat mir ein Kondom angezogen, sie wollte sehen, wie das geht“ (22).

Die Grenzen der elterlichen Zuwendung zum Kind beschreibt Freud leider rein quantitativ: „Ein Zuviel von elterlicher Zärtlichkeit wird freilich schädlich werden“, aber warum? Erstens: „Indem es die sexuelle Reifung beschleunigt“, und zweitens: „auch dadurch, dass es das Kind ‚verwöhnt‘, es unfähig macht, im späteren Leben auf Liebe zeitweilig zu verzichten oder sich mit einem geringeren Maß davon zu begnügen. Es ist eines der besten Vorzeichen späterer Nervosität, wenn das Kind sich unersättlich in seinem Verlangen nach Zärtlichkeit der Eltern erweist“ (23).

Ich zitiere darum so ausführlich, weil hier eine entscheidende Akzentverschiebung erkennbar wird. Der rein quantitativ verstandene Vorbehalt gegenüber „zu viel“ Zärtlichkeit kann kein zureichendes Mittel sein, um die Beschleunigung der sexuellen Reifung zu verhindern, außer wenn man annimmt, dass Kinder sich um so weniger sexualisiert verhalten, je weniger zärtliche Zuwendung sie bekommen. Das Gegenteil dürfte jedoch der Fall sein. Was hier wirklich fehlt, ist also eine qualitative Unterscheidung zwischen erwachsenem sexuellen Begehren und kindlichem Zärtlichkeitsbedürfnis.

Ödipale Phantasien oder realer Inzest?

Die Absage Freuds an die Verführungstheorie und der Siegeszug der Theorie des Ödipuskomplexes hatten für Opfer realen sexuellen Missbrauchs zum Teil verheerende Folgen. Mit dem Begriff der sogenannten „ödipalen Phantasien“ konnten Psychoanalytiker Missbrauchsopfern unterstellen, ihre schrecklichen Erinnerungen an sexuellen Missbrauch in der Kindheit seien nur Ausdruck verdrängter Triebwünsche, die sie sich nur eingestehen müssten, um von ihrer Neurose geheilt zu werden und ein befriedigendes Sexualleben führen zu können. Freud selbst hob „unter den sexuellen Phantasien der Pubertätszeit…, welche durch allgemeinstes Vorkommen und weitgehende Unabhängigkeit vom Erleben des Einzelnen ausgezeichnet sind“, unter anderem auch „die Phantasien… von der frühen Verführung durch geliebte Personen“ hervor (24).

Ein krasses Beispiel fehlgeleiteter psychoanalytischer Deutungen teilte mir eine ehemalige Patientin eines Therapeuten in einer psychosomatischen Klinik schriftlich mit: „Einmal erzählte ich ihm, wie ich es mit sechs Jahren einmal wagte, meinen Eltern Angst zu zeigen. Meine Eltern wollten mich mal wieder alleinlassen, als ich im Bett war, da knackte es in der Dunkelheit im Ofenrohr so gespenstisch, und ich hörte sie weggehen, und ich schrie: Mama, Mama! Sie kam nochmal zurück, und als sie hörte, wovor ich Angst hatte, verprügelte sie mich. Ich schrie später nie mehr und fürchtete mich allein weiter, ohne was zu sagen. Der Psychotherapeut fragte mich dann erst wieder lauter Dinge, wie: ‚War in dem Ofen ein Loch?‘ und wollte eine genaue Beschreibung, dann sagte er, dass das Loch die weibliche Vagina, also meine Vagina wäre und ich sexuelle Lust gespürt hätte, meinen Vater zu verführen. Ich wäre ein Lustobjekt und sollte es zugeben, dass ich mit meinen Reizen den Vater immer verführen wollte mit purer Absicht, und ich sollte auch bei ihm nicht so unschuldig tun, denn ich wäre nicht so, ich hätte das mit voller Absicht auch schon immer eingesetzt! Das Ofenrohr sei das männliche Glied, auf das ich es abgesehen hätte und sei ein Lustobjekt. Darüber konnte ich nur schallend lachen“. Im Nachhinein kamen ihr seine Deutungen nicht mehr so lustig vor, weil es ja umgekehrt gewesen war: nicht sie hatte auf den Vater ödipale Lust verspürt, sondern der Vater hatte sie jahrelang sexuell in widerwärtigster Weise missbraucht. Und das sexualisierte Verhalten, das der Therapeut an ihr festgestellt hatte, war ihr erstens zur Zeit der Therapie überhaupt nicht bewusst und zweitens war es die Folge des Missbrauchs durch den Vater gewesen, dessen väterliche Nähe ohne Sex für sie nicht erreichbar gewesen war.

Ein anderes Mal bekam der gleiche Therapeut mit, wie sie einer Spinne mit behaarten langen ekligen Beinen nicht beim Krabbeln zusehen konnte, und sie bekam von ihm die Deutung, wieder in primitivster pseudo-psychoanalytischer Manier: „Die Spinne steht für die Sexualität, und die langen Beine für das Glied meines Vaters. Ich fürchte mich davor, weil ich weiß, dass das, was ich tun will und fühle, verboten ist und ich ihn doch mit meinen schönen langen (?) Beinen verführen will und mit meinem Po vor ihm wedele und kokettierre, um ihn zu verführen!!! Ich sei verliebt in meinen eigenen Vater und begehrte ihn schon als kleines Mädchen, um mit ihm zu schlafen mit Sex“. In einer späteren Therapie wurde ihr übrigens dann doch noch klar, womit ihre Angst vor Spinnen wirklich zu tun hatte. Der andere Therapeut wurde darauf aufmerksam, dass sie – im Rahmen einer regressiven Arbeit, in der sie Empfindungen und Bilder aus der frühesten Kindheit wiedererlebte – manchmal nicht von achtbeinigen Spinnen, sondern meistens von sechsbeinigen und später auch einmal von einer fünfbeinigen Spinne erzählte. Es zeigte sich, dass die sechsbeinige Spinne die Bedrohung durch ihren Vater symbolisierte, der sich mit insgesamt sechs Gliedmaßen über sie legte, sie festhielt und vergewaltigte, mit Armen, Beinen, Zunge und Penis. Die fünfbeinige Spinne hatte damit zu tun, dass einmal nachts aufgewacht und aus dem Bett gesprungen war, als ihr Vater sich wieder einmal zu ihr geschlichen hatte. Dabei trat sie auf etwas Weiches mit fünf Beinen, von dem sie plötzlich gepackt und an die Wand geschleudert wurde – es war die Hand ihres Misshandlers.

Ulrich Sachsse sagt von sich selbst, er sei „innerlich hin- und hergerissen“ gewesen, als er zum ersten Mal „Selbstschilderungen inzestuös missbrauchter Mädchen und Frauen, die alle ähnlich klingen“, gehört habe (25). Einerseits wäre es ja beruhigend, wenn in diesen Berichten „die verzerrte Wahrnehmung von Borderline-Patientinnen deren Kindheitserinnerungen so verändert“ habe, „dass sie nicht als Realwahrnehmungen missverstanden werden dürfen“ (26). Aber „andererseits unterschieden sich viele dieser Berichte atmosphärisch von den emotional krass überzogenen Reaktionen auf eine aktuell dämonisierte Bezugsperson… Viele Berichte an traumatische Kindheitserfahrungen waren… gedrückt, zögernd, emotionsarm; Berichte des Elends, der Not, unwirkliche Wirklichkeiten, Leere. Sie lösten in mir körperlichen Ekel aus, Übelkeit, Scham, Abscheu, oft verbunden mit reaktiver Wut oder Empörung, mehr noch aber mit Ohnmacht und Resignation. Das klang nicht so, als sei es die dramatische Ausgestaltung alltäglichen Verprügelns oder die phantasierte Realisierung von Inzestwünschen, wie sie jedes Kind unbewusst hat“ (27).

Somit muss man anerkennen, dass mittlerweile auch Psychoanalytiker, die der Triebtheorie nach wie vor anhängen, die Realität des sexuellen Missbrauchs nicht mehr leugnen bzw. den vollzogenen Missbrauch nicht mehr den Verführungskünsten des kleinen Kindes anlasten. Am eindeutigsten hat Mathias Hirsch Stellung bezogen: Er urteilte, dass Freud noch nicht – wie zum Beispiel der seiner Zeit vorauseilende Ferenczi – dazu in der Lage war, „eine Synthese von intrapsychischer und äußerer Realität“ herzustellen „und ihre gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit“ aufzuzeigen. Bis 1897 machte Freud „ausschließlich die äußere traumatische Realität für die Neurosenätiologie (= Verursachung der Neurosen) verantwortlich, danach ausschließlich die triebbedingten Phantasien“ (28). Nach Hirsch kann man zwar in der Analyse innerpsychischer Konflikte mit der Einstellung auskommen, „es käme letztlich nicht darauf an, ob die Vorstellung des Patienten von einem Trauma in der Realität begründet oder der Phantasie entsprungen sei“. Aber im Sinne der Stärkung von Ich-Funktionen, wie der Realitätsprüfung, und der Vermittlung von Wertvorstellungen ist es wichtig, „dass der Therapeut die Möglichkeit der Realität des Traumas erwägt und es als Unrecht anerkennt“ (29). Natürlich kann man sich irren, natürlich kann man nicht immer Phantasie und Realität genau unterscheiden. Wirklich schlimm ist es nach Hirsch nur, wenn ein realer Inzest vorliegt und man hält ihn in der „Rolle der verleugnenden Mutter“ von vornherein für eine Phantasie. „Der umgekehrte Fall – es stellt sich während der weiteren Arbeit heraus, dass die zuerst angenommene Realität des Inzests doch der ödipalen Phantasie entstammt – kann nicht traumatisch wirken, da der Analytiker dem Patienten jeweils folgte und ihm nichts Fremdes überstülpte“ (30).

In ähnlichem Sinne hat auch Winfried Knörzer versucht, das grundlegende Vertrauen auf die eigene Wahrnehmung der Klientin mit der psychoanalytischen Auffassung in Einklang zu bringen, dass Frauen mit einer hysterischen Neurose dazu neigen, sich an sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit zu erinnern, der nicht real stattgefunden hat. Seiner Auffassung nach hat eine Hysterikerin intuitiv gespürt, dass der Vater sie sexuell begehrte, auch wenn er sich nicht zu eindeutigen Missbrauchshandlungen hinreißen ließ: „Die Hysterikerin identifiziert sich mit dem väterlichen Begehren, nicht aber mit seinem wirklichen Tun. Ein Bericht über Verführung mag ‚falsch‘ sein, aber man darf ihn nicht auf den Ausdruck eines eigenen Wunsches im Sinne einer lebhaften Vergewaltigungsphantasie reduzieren… Vielmehr ist er als symbolischer Ausdruck des väterlichen Wunsches zu interpretieren, der sich stellvertretend in der hysterischen Phantasie umsetzt. Wenn man bedenkt, dass in der Eltern-Kind-Beziehung die Grenze zwischen normal-zärtlichem und sinnlich-inzestuösem Verhalten fließend ist und möglicherweise spätere Vorkommnisse sexueller Belästigung auf die infantile Situation zurückprojiziert werden, so ist sehr wohl anzunehmen, dass das kleine Mädchen – und sei es auch nur nachträglich – merkt, worauf Vaters (aber auch Mutters) Küsse und Streicheln hinauslaufen“ (31).

Gerade bei schwersten traumatischen Erfahrungen wird die orthodox-psychoanalytische Auffassung von der ödipalen, hysterischen oder dramatischen Phantasie allerdings geradezu auf den Kopf gestellt: Nach Sachsse kann „das Trauma seines Realitätsgehaltes entkleidet werden und dadurch zur Phantasie umgestaltet werden: ‚Das habe ich mir nur eingebildet; das war nur ein Traum‘“, weil es anders nicht ertragen werden könnte. Er weist auch darauf hin, dass eine Verarbeitung solcher seelischer Verletzungen nur innerhalb einer gewachsenen therapeutischen Beziehung gelingen kann. „Es bedarf eines stabilen, guten äußeren Objektes, um nach wiederholtem Durchleiden von Erinnerungen allmählich kathartische Erfahrungen zu ermöglichen. Darum ist es auch schädlich, … auf den Bericht traumatischer Erfahrungen zu drängen, bevor die therapeutische Beziehung gewachsen ist“ (32).

Das Kind als sexuelles Wesen – und dennoch unschuldig

Ist es trotzdem sinnvoll, die Theorie der kindlichen Sexualität aufrechtzuerhalten? Sándor Ferenczi war sich bereits 1932 bewusst, dass „gewisse Kapitel der Sexual- und Genitaltheorie zu revidieren“ sein würden. „Die Perversionen zum Beispiel sind vielleicht nur auf dem Zärtlichkeitsniveau infantil, wo sie leidenschaftlich und schuldbewusst werden, zeugen sie vielleicht schon von exogener Gereiztheit, sekundärer, neurotischer Übertreibung. Auch meine Genitaltheorie hat diesen Unterschied der Zärtlichkeits- und Leidenschaftsphase nicht berücksichtigt“ (33). Und er umreißt knapp die Richtung einer veränderten Genitaltheorie: Unter Rückgriff auf einen frühen Hinweis von Freud, „dass der Fähigkeit zur Objektliebe ein Stadium der Identifizierung vorausgeht“, d. h., dass zunächst das Kind in seinem eigenen Selbstbild gefestigt sein muss, bevor es zur erwachsenen sexuellen Liebe fähig wird, bezeichnet Ferenczi „dieses Stadium als das der passiven Objektliebe oder der Zärtlichkeit… Spuren der Objektliebe zeigen sich auch hier schon, aber nur als Phantasien, in spielerischer Art. So spielen denn die Kinder auch, fast ausnahmslos, mit der Idee, die Stelle des gleichgeschlechtlichen Elternteils einzunehmen, um das Ehegemahl des gegengeschlechtlichen zu werden. Doch wohlgemerkt, bloß in der Phantasie; in der Realität möchten sie, ja können sie die Zärtlichkeit, insbesondere der Mutter, nicht missen. Wird Kindern in der Zärtlichkeitsphase mehr Liebe aufgezwungen oder Liebe anderer Art, als sie sich wünschen, so mag das ebenso pathogene Folgen nach sich ziehen, wie die bisher fast immer herangezogene Liebesversagung“ (34).

Wegen seines Todes im folgenden Jahr konnte Ferenczi diese Aufgabe nicht mehr selbst in Angriff nehmen; und wegen der Diffamierung dieses großen Psychoanalytikers (35) dauerte es noch Jahrzehnte, bis andere in seine Fußstapfen traten. Die Psychoanalytikerin Alice Miller unterscheidet vielleicht am deutlichsten die „angebliche Sexualität des Kindes“ von der erwachsenen Sexualität als „Paarungsdrang des Menschen, der erst in der Pubertät seinen hormonellen Auftrag bekommt“ (36). Deshalb versteht sie „die Vorstellung von der ‚infantilen Sexualität‘ als Ausdruck einer pädagogischen Gedankenwelt, die die realen Machtverhältnisse zudeckt“ (37). Dennoch fasst gerade sie in wünschenswerter Klarheit und Knappheit einen ganzen Katalog von kindlichen Ausdrucksformen dessen zusammen, „was Sigmund Freud als ‚infantile Sexualität‘ vom ersten bis zum fünften Lebensjahr beschreibt – ich zitiere wegen seiner grundlegenden Bedeutung auch für eine angemessene Sexualerziehung diesen Abschnitt wörtlich (38):

  1. die Autoerotik – das Interesse am eigenen Körper und am eigenen Selbst;
  2. die gesunde, intensive, noch nicht durch falsche und ausweichende Auskünfte verdrängte Neugier eines kleinen Kindes, das an allem, was es umgibt, interessiert ist und das auch auf Geschlechtsunterschiede und die ‚Urszene‘ (den elterlichen Geschlechtsverkehr) lebhaft reagiert;
  3. die intensive Eifersucht auf die Gemeinsamkeiten der beiden erwachsenen Eltern, an denen man nicht teilnehmen kann (ödipales Dreieck);
  4. die Freude an der Manipulierbarkeit des eigenen Gliedes und die Angst, die Erwachsenen würden dieser Freude ein Ende machen (Kastrationsangst);
  5. der Neid des kleinen Mädchens auf diese Möglichkeit, besonders wenn die Erwachsenen bei der Aufklärung über die Geschlechtsmerkmale vom ‚Haben‘ und ‚Nichthaben‘ sprechen und die Bedeutung der Männlichkeit überbewerten (Penisneid);
  6. die Intensität und Heftigkeit der sinnlichen Erlebnisse im Kindesalter im allgemeinen, zu denen auch Sensationen im oralen und analen Bereich gehören; (doch die Verknüpfung dieser Bereiche mit sexuellen Sensationen wird an das Kind von außen herangetragen);
  7. der in der Reinlichkeitserziehung übliche (Macht-)Kampf um die Ausscheidungen des Kindes, die zu sog. analen Fixierungen führen und mehr von der Entmachtung des Kindes als von triebhaft-sinnlichen Wünschen erzählen;
  8. die ständige Ausrichtung auf die Wünsche der Erwachsenen, die in ihrer negativen Form auch im Trotz zu finden ist, und die volle Bereitschaft, sie zu beantworten.

Ergänzend erwähne ich die brillante Kritik, die die Psychoanalytikerin Christiane Olivier am Freudschen Konzept des „Penisneides“ geübt hat: „Das Drama des kleinen Mädchens ist, dass sein Körper wie niemandes Körper ist. Es hat weder das Geschlecht des Vaters noch die Formen der Mutter (keine Brüste, keine schlanke Taille, keine Hüften und Schamhaare)… Etwas, das ‚wie‘ ist, existiert gleichwohl beim kleinen Mädchen, aber es ist ganz tief in seinem Schlitz vor seinem Blick verborgen. Und nie spricht jemand mit ihm darüber, über das einzige sexuelle Organ, das mit dem der Mutter vergleichbar ist“ (39). Aber gerade wenn von der Klitoris zu kleinen Mädchen nicht gesprochen wird, wird das Mädchen „seine Sexualität nicht, wie Freud es glaubt, verdrängen, sondern es wird diese nicht mögliche Sexualität verlagern… Das Mädchen sexualisiert alles: seinen Körper, den es weiblich will, seine Handlungen, die denen seines Geschlechts entsprechen sollen, seine Sprache, die verführerisch wird. „]Die Frau wird alles sexualisieren, was an ihr von anderen gesehen werden kann… So weit, dass sie gelegentlich ihren ganzen Körper als Sexualsignal verstehen und sich schämen wird, ihn überhaupt zur Schau zu stellen“ (40). Im übrigen bestreitet Olivier die Bedeutung des Penisneides mit dem Argument, dass „weit eher als das männliche Geschlechtsteil… doch die sexuellen Trümpfe der Frau/Mutter – zumal sie am meisten mit dem Kind zusammen ist – vom Jungen wie vom Mädchen als fehlend empfunden (werden), wenn sie ihren eigenen Körper betrachten. Beim Jungen erzeugen sie das Bewusstsein unabänderlichen Mangels und das ewige Phantasma von der Süße der weiblichen Brust. Beim Mädchen bewirken sie, dass es sich ständig mit der Mutter vergleicht und eifersüchtig ist auf jeden anderen Busen (und jeden anderen Körper), der besser geformt ist als der eigene“ (41).

Zurück zu Alice Miller: Wenn sie die „Unschuld des Kindes“ in den Mittelpunkt ihres Denkens rückt, streitet sie nicht ab, dass Kinder zu altersentsprechenden, kindlichen Formen der Sexualität fähig wären, sie weiß sogar genau, dass schon Kinder im erwachsenen Sinne sexuell erregbar sind. Was sie bestreitet, ist die Verantwortlichkeit des Kindes für diese Erregung. Martin Ehlert hält Miller zwar vor, dass sie „an die Stelle der Freudschen Entdeckung der infantilen Sexualität das Phantasma des unschuldigen Kindes“ setze (42), aber im Grunde begründet sein Aufsatz doch gerade die Unschuld des Kindes, da auch er als auslösenden Reiz für das kindliche Triebleben die „Phantasie der Eltern“ ansieht (43). Mit Recht wendet sich Miller gegen die Auffassung, „Freud hätte die Menschheit dadurch gekränkt, dass er ihr die ‚Illusion‘ des unschuldigen Kindes genommen hätte… Erstens ist die Unschuld des Kindes keine Illusion, sondern eine Realität, und zweitens ist diese Realität von der Menschheit (unter dem Einfluss der Religion und der Pädagogik) bisher kaum akzeptiert worden“ (44).

Von einem ähnlichen Begriff der Unschuld geht wohl auch der Begründer der Bioenergetik, Alexander Lowen, aus, wenn er schreibt: „Zu Missbrauch kommt es dann, wenn Erwachsene oder ältere Geschwister die Unschuld eines Kindes für die eigene sexuelle Erregung missbrauchen. Jeder sexuelle Kontakt zwischen einem Jugendlichen nach der Adoleszenz und einem Kind vor der Adoleszenz sollte als Angriff auf die Integrität des Kindes betrachtet werden, da kein Kind auf die Begegnung mit erwachsener Sexualität vorbereitet ist“ (45). Seiner Überzeugung nach empfindet die erwachsene „Frau, die als Kind missbraucht worden ist…, eine starke sexuelle Erregung, die auf das genitale System beschränkt und von der bewussten Persönlichkeit abgespalten ist. Der frühe sexuelle Missbrauch hat das Kind sowohl verängstigt als auch erregt. Diese Erregung konnte von dem unreifen Körper und dem unreifen Ich des Kindes nicht integriert werden, prägte sich Körper und Verstand aber unlöschbar ein. Das Kind hatte vorübergehend die Welt der Erwachsenen betreten, was seine Unschuld erschütterte. Von diesem Augenblick an wird Sexualität zur unwiderstehlichen und überwältigenden, aber abgespaltenen Kraft in der Persönlichkeit“ (46).

Schon 1932 erahnte Sándor Ferenczi das Wesen des Unterschiedes zwischen der Erotik von Kindern und Erwachsenen im „Schuldgefühl…, das in der Erotik des Erwachsenen das Liebesobjekt zum Gegenstand liebender und hassender, also ambivalenter Gefühlsregungen macht, während der kindlichen Zärtlichkeit diese Zwiespältigkeit noch abgeht. Hass ist es, was das Kind beim Geliebtwerden von einem Erwachsenen traumatisch überrascht und erschreckt.“ Ferenczi war es auch, der darauf hinwies, dass „die kindliche Erotik, bei Abwesenheit des ‚Kampfes der Geschlechter‘, auf dem Vorlustniveau beharrt oder nur Befriedigungen im Sinne einer ‚Sättigung‘ kennt, nicht aber die Vernichtungsgefühle des Orgasmus“ (47).

Abschließend lasse ich zum Thema „kindliche Unschuld – kindliche Schuldgefühle“ Niels Ernst zu Wort kommen: „Was bedeutet es für ein Kind, wenn es von seinen sexuell gehemmten Eltern in ihrer einsamen Not narzisstisch gebraucht wird? Jedes Kind sucht zärtliche Berührungen und wird beglückt sein, wenn es sie bekommt. Gleichzeitig aber fühlt es sich verunsichert, wenn Wünsche in ihm geweckt werden, die auf seiner Entwicklungsstufe spontan nicht aufgetreten wären. Die Verunsicherung wird noch dadurch verstärkt, dass die eigenen autoerotischen Betätigungen durch verbietende Worte oder verachtende Blicke der Eltern gestraft werden“ (48).

Triangulation: Das Dreieck Mutter – Vater – Kind

Bleibt zu klären, was Freud eigentlich mit seiner Theorie vom Ödipus-Komplex aussagen wollte. Die Transaktionsanalytikerin Petrusca Clarkson weist auf einen überraschenden Umstand hin: „Freud ließ einen der bezeichnendsten Teile der Ödipus-Sage weg, nämlich die mörderische Handlung seiner Eltern. Freuds Theorie stellt den Wunsch des Ödipus, seinen Vater zu töten und seine Mutter zu heiraten, als universale Triebe hin. Jedoch unterließ er es, das gleiche Prinzip auf die Universalität des Wunsches aller Eltern anzuwenden, ihr Kind zu töten. Die Auslassung ist entscheidend: An erster Stelle waren es die Eltern von Ödipus, die ihm schaden, ihn töten wollten! Das verlagert die Aufmerksamkeit von einem ‚durch aggressive ödipale Konflikte getriebenen‘ Kind auf eine realistische Einschätzung der Gefahren, die damit verbunden sind, dass ein verletzbares Kind der Gnade konfliktbeladener, häufig in mörderischer Weise eifersüchtiger Eltern ausgeliefert ist“ (49).

Hans Zulliger schreibt zu diesem Thema: „Die wechselnden Gefühlsbeziehungen zu den Eltern“ im Kleinkindalter sind „Ausdruck ambivalenter Affekte – des inneren Zwiespaltes zwischen Liebe und Ablehnung“, das ist „jenes Gefühlsverhältnis, das Freud als vollständigen Ödipuskomplex bezeichnet hat“. Dabei ist nicht „an einen genitalen Anspruch“ zu denken, denn das Kind ist „noch sehr lange nicht so weit entwickelt, dass es einen solchen empfinden könnte“. Vielmehr geschieht folgendes: „Ungefähr dann, wenn die Kinder fünf Jahre alt geworden sind, ihr Verstand, ihre Gefühlswelt eine gewisse Reife erlangt haben, sind sie imstande, den Ödipuskomplex aufzulösen… Es wird auf die primitiven, ursprünglich oralen Besitzansprüche verzichtet, weil sie unlösbar geworden sind, und statt die Eltern zu begehren, werden sie auf dem Wege der Identifikation introjiziert. Man könnte – grob bildlich – sagen: die Eltern werden seelisch gegessen, ihre ‚Imagines‘ werden einverleibt. Dazu gehört nun aber auch das Moralische an diesen Bildern, das zum Eigenbesitz wird… Die Gewissensbildung hat einen vorläufigen, aber bestimmenden Abschluss erfahren“ (50).

Vielleicht sollte man lieber den Begriff der „Triangulation“ verwenden, um die Aufgabe eines Kindes zu beschreiben, das „bis zum Alter von drei bis vier Jahren“ lernen soll, „wie es möglich ist, innerhalb einer Dreierbeziehung – zwei Elternteile und es selbst – zurechtzukommen“. Elke Garbe hat sehr schön beschrieben, was in dieser Phase idealerweise passieren sollte: „Neben der Beziehung zur Mutter gewinnt der Vater als gegengeschlechtliches Elternteil zunehmend an Interesse. Das Mädchen sehnt sich danach, von ihm geliebt und identifiziert zu werden. Dabei braucht es die liebevolle Begleitung durch die Mutter, die die kindlichen Werbungen ihrer kleinen Tochter dem Vater gegenüber achtsam und stolz begleitet mit dem sicheren Gefühl, gemeinsam mit dem begehrten Vater ihrer kleinen Tochter eine befriedigende Partnerschaft leben zu können. Psychoanalytisch betrachtet löst sich diese Situation dadurch, dass das Mädchen erkennt, dass es den Vater nicht ‚heiraten‘ kann, ihm aber unbeschadet ihre heiße, kindliche Liebe entgegenbringen darf in der Sicherheit, seine Freude und seine väterliche Liebe zu erhalten. In diesem Verzicht lernt es, sich als Kind geborgen und zwei Elternteilen zugehörig fühlen zu können. Hierbei handelt es sich um eine wesentliche Voraussetzung in bezug auf seinen weiteren Reifungsprozess. Es gewinnt eine eigene Geschlechtsidentität: weiblich, indem es den geliebten Vater als anders identifiziert und die Mutter als gleich. Es lernt, dass zwei Menschen sich lieben können, ohne dass die eigene kindliche Liebe zu einem dieser beiden Menschen bedroht wird“ (51).

In diesem Zusammenhang verliert die Unterstellung jeden Sinn, ein Kind wolle den Erwachsenen zu sexuellen Handlungen verführen. Leider muss ein Kind vor Gericht immer noch mit dieser Unterstellung rechnen: „In zahlreichen Gutachten wird sexualisierendes Verhalten von Mädchen und Jungen nicht als Folgeverhalten der sexuellen Gewalterlebnisse gesehen, sondern als provozierendes Verhalten des Kindes bewertet“ (52). „Ein spielerisches Herantragen der ödipalen Wünsche des kleinen Mädchens an den Vater oder eine männliche Bezugsperson bedeuten ja nicht Verführung, es liegt vielmehr in der Verantwortung des Erwachsenen, Grenzen zu setzen, da nur er wissen kann, dass das Spiel kindgerecht, die voll realisierte Beziehung aber Bedrohung, Ausbeutung und immer Schädigung… bedeutet“ (53).

Auch Alice Miller benutzt den Ausdruck „ödipal“ nach wie vor, allerdings auf ihre Weise: „Wenn man den Wunsch des vierjährigen Knaben, mit seiner Mutter zu koitieren, in Frage stellt, heißt es deshalb noch nicht, dass man auch die aus der Dreiecksituation stammenden Gefühle nicht anerkennt. Die Eifersucht, die Ohnmacht, die aussichtslose Rivalität mit dem Großen, der einen die Machtunterschiede spüren lässt, Insuffizienzgefühle, die Hoffnung auf Bündnis, Verwirrung durch Stimulierung, alles das gehört zur sog. ‚ödipalen Phase‘, im Alter von drei bis fünf Jahren.“ Miller wechselt nur radikal die Positionen: Nicht das Kind und „seine reichen und intensiven Gefühle“ sind das Problem, sondern „wenn das Gefühlsleben der Eltern verkümmert ist“, wenn für sie „außer der Wut die sexuelle Erregung die einzige mögliche Form einer affektiven Beteiligung ist“, werden sie nicht angemessen auf die Gefühle der Kinder reagieren können, sondern ihnen mit einer Haltung begegnen, „die beim Kind zu Ratlosigkeit, Insuffizienzgefühlen, Desorientierung, Überforderung, Ohnmacht, Überstimulierung führen müssen“ (54).

Anmerkungen

(1) Niels Ernst, Psychosexuelle Entwicklung und Inzest, S. 35. In: Lone Backe, Nini Leick, Joav Merrick und Niels Michelsen (Hg.), Sexueller Missbrauch von Kindern in Familien, Köln 1986, S. 26-38.

(2) Sigmund Freud, Die Umgestaltungen der Pubertät, S. 102. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt am Main 1961/74, S. 78-109.

(3) Ebenda, S. 94.

(4) Sigmund Freud, Die infantile Sexualität, S. 72. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt a. M. 1961/74, S. 47-78.

(5) Sigmund Freud, Die Umgestaltungen der Pubertät, S. 92. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt am Main 1961/74, S. 78-109.

(6) Sándor Ferenczi, Sprachverwirrung zwischen den Erwachsenen und dem Kind. Die Sprache der Zärtlichkeit und der Leidenschaft (1933). In: Sándor Ferenczi, Schriften zur Psychoanalyse II, Frankfurt am Main 1972, S. 303-313.

(7) Ebenda, S. 310.

(8) Ebenda, S. 308.

(9) Sándor Ferenczi, Das unwillkommene Kind und sein Todestrieb (1929), S. 255f. In: Sándor Ferenczi, Schriften zur Psychoanalyse II, Frankfurt am Main 1972, S. 251-256.

(10) K. R. Eissler, Bemerkungen über falsche Interpretationen von Freuds Verführungstheorie, S. 855f. In: Psyche, 47. Jahrgang, Heft 9, 1993, S. 855-865.

(11) Winfried Knörzer, Einige Anmerkungen zu Freuds Aufgabe der Verführungstheorie, S. 104. In: Psyche, 42. Jahrgang, Heft 2, 1988, S. 97-131. – Weitere Literatur zu diesem Thema: Mathias Hirsch, Realer Inzest. Psychodynamik des sexuellen Missbrauchs in der Familie, 2., überarbeitete Auflage, Berlin / Heidelberg / New York 1990. – Jeffrey Moussaieff Masson, Was hat man dir, du armes Kind, getan? Sigmund Freuds Unterdrückung der Verführungstheorie, Reinbek bei Hamburg 1984. – Hanna Gekle, Warum hat Freud seine Verführungstheorie aufgegeben? Eine Auseinandersetzung mit seinen Kritikern. In: Katharina Rutschky und Reinhart Wolff, Handbuch Sexueller Missbrauch, Hamburg 1994, S. 157-170. – Niederländisch bewanderten Lesern ist die Doktorarbeit von Dr. Francine Albach, die als Psychologin mit Missbrauchsopfern arbeitet und die ich persönlich in Amsterdam kennenlernte, zu empfehlen: Freud‘s Verleidingstheorie. Incest, Trauma en Hysterie, Middelburg, Niederlande 1993.

(12) Sigmund Freud, Die infantile Sexualität, S. 63. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt a. M. 1961/74, S. 47-78.

(13) Sigmund Freud, Die Umgestaltungen der Pubertät, S. 93. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt am Main 1961/74, S. 78-109.

(14) Sigmund Freud, Die infantile Sexualität, S. 63. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt a. M. 1961/74, S. 47-78.

(15) Sigmund Freud, Die Umgestaltungen der Pubertät, S. 92. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt am Main 1961/74, S. 78-109.

(16) Martin Ehlert, Verführungstheorie, infantile Sexualität und „Inzest“, S. 58. In: Jahrbuch der Psychoanalyse. Beiträge zur Theorie und Praxis, Band 27, 1991, S. 42-70.

(17) Ebenda, S. 55.

(18) Alice Miller, Du sollst nicht merken. Variationen über das Paradies-Thema. Frankfurt am Main 1981, S. 56f.

(19) Martin Ehlert, Verführungstheorie, infantile Sexualität und „Inzest“, S. 62. In: Jahrbuch der Psychoanalyse. Beiträge zur Theorie und Praxis, Band 27, 1991, S. 42-70.

(20) Sigmund Freud, Die Umgestaltungen der Pubertät, S. 92. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt am Main 1961/74, S. 78-109.

(21) Alice Miller, Du sollst nicht merken. Variationen über das Paradies-Thema. Frankfurt am Main 1981, S. 193.

(22) Günther Deegener, Sexueller Missbrauch: die Täter, Weinheim 1995. – Klaus-Jürgen Bruder und Sigrid Richter-Unger, Monster oder liebe Eltern? Sexueller Missbrauch in der Familie, Berlin 1995, S. 106.

(23) Sigmund Freud, Die Umgestaltungen der Pubertät, S. 92. In: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und verwandte Schriften. Auswahl und Nachwort von Alexander Mitscherlich, Frankfurt am Main 1961/74, S. 78-109.

(24) Ebenda, S. 94f., Anm. ***.

(25) Ulrich Sachsse, Selbstverletzendes Verhalten. Psychodynamik – Psychotherapie, Göttingen / Zürich 1994, S. 92, wo er sich auf Fallberichte folgender Autorinnen bezieht: Barbara Kavemann und Ingrid Lohstöter, Väter als Täter. Sexuelle Gewalt gegen Mädchen, Reinbek bei Hamburg 1984. Und Nini Leick, Inzestopfer erzählen…, in: Lone Backe, Nini Leick, Joav Merrick und Niels Michelsen (Hg.), Sexueller Missbrauch von Kindern in Familien, Köln 1986, S. 39-51.

(26) Ebenda, unter Rückbezug auf Kernberg (1978).

(27) Ebenda.

(28) Mathias Hirsch, Realer Inzest. Psychodynamik des sexuellen Missbrauchs in der Familie, 2., überarbeitete Auflage, Berlin / Heidelberg / New York 1990, S. 45.

(29) Mathias Hirsch, Inzest zwischen Phantasie und Realität. Über die Schwierigkeit, psychoanalytische Trauma- und Triebtheorie zu integrieren, S. 218. In: Zeitschrift für Sexualforschung, Jahrgang 1, Heft 3, 1988, S. 206-221.

(30) Mathias Hirsch, Psychoanalytische Therapie mit Opfern inzestuöser Gewalt, S.135. In: Jahrbuch der Psychoanalyse. Beiträge zur Theorie und Praxis, Band 31, 1993, S. 132-148.

(31) Winfried Knörzer, Einige Anmerkungen zu Freuds Aufgabe der Verführungstheorie, S. 122f. In: Psyche, 42. Jahrgang, Heft 2, 1988, S. 97-131.

(32) Ulrich Sachsse, Selbstverletzendes Verhalten. Psychodynamik – Psychotherapie, Göttingen / Zürich 1994, S. 95f.

(33) Sándor Ferenczi, Sprachverwirrung zwischen den Erwachsenen und dem Kind. Die Sprache der Zärtlichkeit und der Leidenschaft (1933), S: 312. In: Sándor Ferenczi, Schriften zur Psychoanalyse II, Frankfurt am Main 1972, S. 303-313.

(34) Ebenda, S. 310.

(35) Dazu Jeffrey Moussaieff Masson, Was hat man dir, du armes Kind, getan? Sigmund Freuds Unterdrückung der Verführungstheorie, Reinbek bei Hamburg 1984, S. 170ff.

(36) Dieses Zitat aus Alice Miller, Das verbannte Wissen (1988), S. 59f., fand ich bei Martin Ehlert, Verführungstheorie, infantile Sexualität und „Inzest“, S. 44. In: Jahrbuch der Psychoanalyse. Beiträge zur Theorie und Praxis, Band 27, 1991, S. 42-70.

(37) Alice Miller, Du sollst nicht merken. Variationen über das Paradies-Thema. Frankfurt am Main 1981, S. 157.

(38) Ebenda, S. 154f.

(39) Christiane Olivier, Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter. Aus dem Französischen von Siegfried Reinke, 6. Auflage, München 1991, S. 62.

(40) Ebenda, S. 63f.

(41) Ebenda, S. 63.

(42) Martin Ehlert, Verführungstheorie, infantile Sexualität und „Inzest“, S. 44. In: Jahrbuch der Psychoanalyse. Beiträge zur Theorie und Praxis, Band 27, 1991, S. 42-70.

(43) Ebenda, S. 55.

(44) Alice Miller, Du sollst nicht merken. Variationen über das Paradies-Thema. Frankfurt am Main 1981, S. 199.

(45) Alexander Lowen, Freude. Die Hingabe an den Körper und das Leben, München 1993, S. 202f.

(46) Ebenda, S. 209.

(47) Sándor Ferenczi, Sprachverwirrung zwischen den Erwachsenen und dem Kind. Die Sprache der Zärtlichkeit und der Leidenschaft (1933), S. 313. In: Sándor Ferenczi, Schriften zur Psychoanalyse II, Frankfurt am Main 1972, S. 303-313.

(48) Niels Ernst, Psychosexuelle Entwicklung und Inzest, S. 35. In: Lone Backe, Nini Leick, Joav Merrick und Niels Michelsen (Hg.), Sexueller Missbrauch von Kindern in Familien, Köln 1986, S. 26-38.

(49) Petruska Clarkson, Ego State Dilemmas of Abused Children, S. 91. In: Transactional Analysis Journal, Volume 18, No. 2, 1988, S. 85-93. Originalzitat: „Freud omitted a most significant part of the Oedipus legend – the murderous act of his parents. Freud‘s theory considers Oedipus‘s desire to murder his father and marry his mother as universal drives. However, he neglected to apply the same principle in establishing the universality of the parents‘ wish to kill their child. The omission is crucial: It was Oedipus‘ parents in the first place who wished to harm or kill him! This significantly shifts the emphasis from a child ‚driven by aggressive Oedipal conflicts‘ to a realistic assessment of the dangers involved in being a vulnerable infant at the mercy of conflicted, often murderously envious parents“. Clarkson formuliert dies in Anlehnung an Dorothy Bloch, So the Witch Won‘t Eat You, London 1979.

(50) Hans Zulliger, Helfen statt strafen auch bei jugendlichen Dieben, Frankfurt am Main 1973, S. 40.

(51) Elke Garbe, Martha. Psychotherapie eines Mädchens nach sexuellem Missbrauch, Münster 1993, S. 39f.

(52) Ursula Enders (Hg.), Zart war ich, bitter war‘s. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen. Erkennen – Schützen – Beraten, Köln 1990, S. 19.

(53) Mathias Hirsch, Zur Psychodynamik und Familiendynamik realen Inzests, S. 227f. In: Forum der Psychoanalyse, Jahrgang 1, Heft 1, 1985, S. 223-238.

(54) Alice Miller, Du sollst nicht merken. Variationen über das Paradies-Thema. Frankfurt am Main 1981, S. 190f.

 

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