Jesus kommt, damit wir überwinden

„Überwinden“, das ist eine Erlaubnis. „Du musst nicht alles allein tun!“ ist damit gemeint. „Du darfst Hilfe annehmen! Du darfst dich anvertrauen, dich sogar gehen lassen in deinen Gefühlen! Du darfst ruhig zugeben, dass du vor Gott mit leeren Händen dastehst!“ Wir können den Stolz überwinden: „Ich schaffe es schon allein! Ich brauche keinen Menschen, ich brauche keinen Gott!“

Jesus-Skulptur mit einem ernsten gesenkten Gesicht, mit Regentropfen bedeckt

Jesus will kommen wie ein Dieb (Foto der Skulptur: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am 2. Advent, den 10. Dezember 1989, um 9.30 in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey und um 10.30 in der Kirche zu Ensheim

Ich begrüße Sie herzlich im Gottesdienst am 2. Sonntag im Advent! Advent heißt „Ankunft“: Es kommt etwas auf uns zu – Weihnachten kommt näher – Gott selber will bei uns ankommen! Nicht mit Scheinwerfern leuchtet er unser Leben aus, sondern wenige Adventskerzen genügen, um sein Licht im Dunkel unserer Sorgen und unserer Angst mehr und mehr aufstrahlen zu lassen. Nicht mit Pauken und Trompeten kommt er, sondern ganz still wie ein Schiff, das durch die Wellen gleitet.

Unser erstes Lied erzählt von der Ankunft Gottes in der Welt mit diesem schönen Bild eines Schiffes, das bei uns vollbeladen ankommt, vollbeladen mit lauter Liebe – Lied 4, 1-6:

1) Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.

2) Das Schiff geht still im Triebe, es trägt ein teure Last; das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast.

3) Der Anker haft‘ auf Erden, da ist das Schiff am Land. Das Wort tut Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt.

4) Zu Bethlehem geboren im Stall ein Kindelein, gibt sich für uns verloren; gelobet muss es sein.

5) Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will, muss vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel,

6) danach mit ihm auch sterben und geistlich auferstehn, ewigs Leben zu erben, wie an ihm ist geschehn.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Gott hat besucht und erlöst sein Volk. Auch wenn wir zögern, zu ihm zu kommen, Gott kommt zu uns. Das ist Grund genug, uns zu ihm hinzuwenden, ihn zu suchen, nach ihm zu fragen, ihn zu loben!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, du kommst in unser Leben. Doch wir sind misstrauisch. Verzeih uns unsere Abwehr gegen dich. Verzeih uns, dass wir uns lieber auf uns selbst verlassen, statt von dir etwas zu erwarten.

Gott, wir können dir wirklich vertrauen. Du kommst nicht in die Welt, um uns Angst zu machen, sondern um uns Wärme und Liebe zu schenken.

In Jesus kommst du zur Welt – verletzlich, hilflos, als ein armes Kind in der Krippe. Deshalb bist du uns nahe, gerade dann, wenn wir spüren, dass auch wir auf Liebe, auf Hilfe angewiesen sind, wenn wir merken, wie empfindlich und verletzlich wir sind. Und dann bist du uns nahe auch in denen, die unsere Hilfe, unsere Liebe brauchen. Öffne unser Herz für dich, Jesus Christus, unser Herr!

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas 1, 68-70 und 76-79. Als Johannes der Täufer geboren wurde, stimmte sein Vater Zacharias ein Loblied an, in dem er auch schon auf den kommenden Messias Jesus hinweist:

68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk

69 und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David

70 – wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten.

76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest,

77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,

78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,

79 damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen aus dem Adventslied Nr. 3 alle 5 Strophen:

1) Ihr lieben Christen, freut euch nun, bald wird erscheinen Gottes Sohn, der unser Bruder worden ist, das ist der lieb Herr Jesus Christ.

2) Der Jüngste Tag ist nun nicht fern, komm, Jesu Christe, lieber Herr! Kein Tag vergeht, wir warten dein und wollten gern bald bei dir sein.

3) Du treuer Heiland Jesu Christ, dieweil die Zeit erfüllet ist, die uns verkündet Daniel, so komm, lieber Immanuel.

4) Der Teufel brächt uns gern zu Fall und wollt uns gern verschlingen all. Er tracht‘ nach Leib, Seel, Gut und Ehr. Herr Christ, dem alten Drachen wehr.

5) Ach, lieber Herr, eil zum Gericht. Lass sehn dein herrlich Angesicht, das Wesen der Dreifaltigkeit. Das helf uns Gott in Ewigkeit.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir einen Abschnitt aus der Offenbarung. Der Seher Johannes schreibt (Offenbarung 3, 1-6):

1 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.

2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.

3 So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.

4 Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind’s wert.

5 Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.

6 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Liebe Gemeinde!

Das soll ein Text für eine Adventspredigt sein? Dieser Abschnitt aus der Offenbarung? Wo spürt man denn da etwas von der Vorfreude auf Weihnachten? Wo kommt da die Erwartung auf die Geburt Jesu zum Ausdruck?

Für die Adventszeit ist dieser Text wohl deshalb ausgesucht worden, weil es da heißt: „Ich werde kommen!“ Das steht mitten im Text, und wer spricht dort? Christus! Es handelt sich hier aber nicht um den kleinen Jesus, nicht um Jesus als das Kind in der Krippe, sondern es geht um den Jesus, der erwachsen wurde, der mit den Menschen gelebt und und geliebt und gelitten hat, der gestorben und auferstanden ist, es geht um den Christus, der eins geworden ist mit Gott, seinem Vater, im Himmel. Im Text wird dieser Christus so beschrieben: „er hat die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne“, d. h. er hat die Macht über alle himmlischen Kräfte und auch über das ganze Weltall.

Im Advent, in dieser Zeit der Erwartung, geht es immer um zweierlei: einmal warten wir auf das Weihnachtsfest mit seinen Lichtern und Geschenken, an dem wir die Geburt Jesu feiern, an dem wir uns darüber freuen, dass Gott Mensch wurde in einem Kind.

Wir haben aber noch mehr zu erwarten. Auch heute und in der Zukunft will Gott selbst zu uns in unser Leben hereinkommen, Gott selbst, der unsichtbar ist, von dem wir aber wissen, dass er ein menschliches Gesicht trägt, das Gesicht des Menschen Jesus.

„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind“, so singen wir mit einem alten Lied, das zwar nicht im Gesangbuch steht, das aber gerade bei uns hier (oben in der Nervenklinik) gerne gesungen wird. Und das ist nicht nur ein Lied für Kinder, sondern es spricht davon, wie Christus, der mit Gott eins ist, Kindern und Erwachsenen auch heute ganz nahe sein will. „Ist auch mir zur Seite, still und unerkannt, dass er treu mich leite an der lieben Hand.“

Unser Predigttext spricht nun also auch davon, dass Christus kommt. Aber wie spricht er davon? Das hört sich ja sehr bedrohlich an! „Wenn du nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.“

Es gibt auf einer Station unserer Klinik eine Bibelgesprächsgruppe, in der wir vor ein paar Tagen über unseren Predigttext gesprochen haben. Die Teilnehmer dieser Gruppe haben den Text beim ersten Hören ganz unterschiedlich aufgefasst. Jemand meinte so ungefähr: „Das ist doch eine Chance für uns! Wir dürfen uns ändern! Und sogar dann, wenn wir nicht wachsam sind, schleicht sich Jesus heimlich, wie ein Dieb auf leisen Sohlen, doch in unser Leben hinein.“ Jemand anders aber sagte: „Wenn ich den Text höre, bekomme ich Angst. Angst davor, dass mein Wille nicht stark genug sein könnte, mich zu ändern, Angst davor, dass Jesus mich bestraft, dass er meinen Namen aus dem Buch des Lebens streicht.“

Wie ist das denn nun gemeint – was bedeutet es für uns, wenn Christus kommt – will er uns Angst machen: „Du hast den Namen, dass du lebst, und bist in Wirklichkeit tot!“ – will er uns Druck machen: „Du musst dich zusammenreißen, du musst anders werden?“ Nein, so denke ich nicht. Ich denke vielmehr, dass Christus uns Mut machen will; dass er uns sagen will: „Jeder kann hoffen, auch für dich ist nicht alles verloren!“

Schauen wir uns den Text noch einmal genau an. Eins ist ganz wichtig: Johannes soll den Brief, den er im Auftrag Jesu schreibt, ja gar nicht an einzelne Menschen richten, die sich aus eigener Kraft ändern müssten, sondern an eine ganze Gemeinde. Und das bedeutet: Nicht einem einzelnen wird gesagt: „Du bist ja im Grunde dem Tod verfallen!“ Nicht von einem einzelnen Menschen wird gefordert: „Du sollst Buße tun, also umkehren!“ Nein, eine Gemeinde soll umkehren, soll anders werden, soll darüber nachdenken, wie sie mit ihren einzelnen Mitgliedern umgeht.

Hier ist von einer Gemeinschaft von Christen die Rede. Und das haben wir nun ernsthaft zu bedenken: „Sind wir irgendwie und irgendwo Teil einer Gemeinschaft, in der wir uns gut aufgehoben fühlen?“ Z. B. hier in der Gottesdienstgemeinde? Hier in der Klinik auf einer Station? In einer Gesprächsgruppe? Oder in unserer Ortsgemeinde zu Hause? In der Frauenhilfe, im Chor, im Bibelkreis? Oder irgendwo sonst, wo wir zu zweit, zu dritt zusammenkommen, vielleicht gar nicht mal im kirchlichen Rahmen?

Manche werden sagen: „Ich bin nicht so fromm. Ich gehe nicht oft in die Kirche. Ich scheue mich davor, über meinen Glauben zu sprechen. Ich traue mich nicht, in einen Gottesdienst oder einen Gemeindekreis hineinzugehen.“ Ist jemand, der so spricht, automatisch aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen?

Andere werden denken: „Natürlich gehöre ich zu einer Gemeinde. Ich bin doch getauft. Ich bin ein Christ. In unserer Gemeinde gibt es auch allerhand Aktivitäten, und hier und da mache ich selber auch mit.“ Könnte Christus trotzdem zu uns sagen: „Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot?“

Hören wir einmal, wozu Christus die Gemeinde auffordert: „Werde wach und stärke das andre, das sterben will!“ Da geht es gar nicht um bestimmte Formen von Frommsein und Beten und zur Kirche gehen, sondern es geht um ein Wach-Werden, um ein bewusstes christliches Leben. Und dieses bewusste christliche Leben wird hier in einem einzigen Wort zusammengefasst: in der „Stärkung“. „Stärke das andre, das sterben will!“ – so spricht Christus zu seiner Gemeinde. Das ist die Hauptaufgabe seiner Gemeinde; man kann sogar sagen: Da wo Menschen einander Kraft geben, Mut machen, wo sie einander aufbauen, da ist christliche Gemeinde, auch wenn man gar nicht groß von Gott und Jesus spricht. Und umgekehrt, wenn sich Menschen in einer Kirchengemeinde eher das Leben schwer machen, als einander zu stärken, wenn sie sich z. B. das Maul übereinander zerreißen, dann ist da irgendwo etwas faul an dieser Gemeinschaft. Ich denke nur daran, wie mir manche Patienten sagen: „Ich traue mich zu Hause in meinem Dorf gar nicht mehr auf die Straße. Alle starren mich an – alle wissen, der oder die war in Alzey in der Klinik!“ Wie kann so etwas geschehen – sogar bei denen, die zur Kirche gehen? Sollte es nicht gerade umgekehrt sein? Könnte nicht eine lebendige Gemeinde ein Ort sein, wo auch seelisch belastete Menschen gerne hingehen, wo sie sich gut aufgehoben fühlen, wo sie sich jemandem anvertrauen können, ohne dass anderen etwas weiter erzählt wird?

Manchmal könnte man den Mut verlieren, wenn man den Zustand unserer Gemeinden anschaut: Wie viel Hektik gibt es da, gerade vor Weihnachten! Wie wenig Zeit füreinander! Und manchmal sogar böse Worte übereinander, ohne dass man eine klärende Aussprache sucht. Und wir geben an dieser Stelle so leicht auf. Sind wir nicht einfach überfordert, da etwas zu ändern?

Christus will uns klarmachen: Die Gemeinde soll ja gar nicht überfordert werden! Im Gegenteil! Wir sollen uns ja nicht aus eigener Kraft ändern! Was steht da im Text? „So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest!“ Das sollen wir tun, das bedeutet „Buße tun“, das bedeutet „Umdenken“, „Umkehren“. Es geht darum, dass wir hören können, was Gott uns sagt – dass wir die Stimme eines Vaters hören, der uns lieb hat, der uns nicht klein machen, nicht vernichten will. Es geht darum, dass wir fähig werden, etwas zu empfangen, etwas anzunehmen, uns etwas schenken zu lassen.

Gott selber will ja in uns schwachen Menschen stark sein! Wir dürfen vor ihm ruhig mit leeren Händen dastehen! Er füllt uns die leeren Hände. Er stärkt uns, damit wir einander stärken können. Nicht wir machen uns den Glauben, sondern er schenkt uns den Glauben, er öffnet uns das Herz für seine Liebe.

Noch ein letztes Wort aus dem Predigttext will ich genauer anschauen, das Wort „überwinden“. Das meint nicht: Wir sollen uns immer zusammenreißen. Man kann z. B. nicht ganz allein aus eigener Kraft vom Alkohol loskommen. Man braucht manchmal fremde Hilfe, um mit Angst und Trauer und Sorgen zurechtzukommen. „Überwinden“, das meint auch nicht: Du musst mehr glauben, du musst dich zwingen, mehr in die Kirche zu gehen. Nein, es ist gerade umgekehrt. „Überwinden“, das ist eine Erlaubnis. „Du musst nicht alles allein tun!“ ist damit gemeint. „Du darfst Hilfe annehmen! Du darfst dich jemandem anvertrauen, dich sogar einmal gehen lassen in deinen Gefühlen, dein ganzes Herz ausschütten! Du darfst ruhig zugeben, dass du vor Gott mit leeren Händen dastehst!“ Es geht darum, dass wir unseren Stolz überwinden, den Stolz: „Ich schaffe es schon allein! Ich brauche keinen Menschen, ich brauche keinen Gott!“ Wer diesen heimlichen Stolz überwindet, der braucht sich um sein Leben nicht mehr zu sorgen, der weiß, dass er von Gott nicht verlassen ist. Und Jesus sagt von uns, wenn wir uns überwinden und mit leeren Händen zu ihm kommen: „Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ In diesen Bildern wird ausgedrückt, wie Jesus zu uns kommt. Er überfordert uns nicht, er beschenkt uns. Wir sind und bleiben ihm wichtig. Er vergisst uns nicht und lässt uns nicht verloren gehen. Er vergibt uns und schenkt uns eine weiße Weste, auch wenn wir uns selbst etwas nicht verzeihen können. Er gibt uns Kraft, damit wir einander stärken, überall, wo wir zusammenkommen. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Nach der Predigt singen wir das Adventslied 9, 1-4:

1) Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt, bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein.

2) Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast, macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst, macht alle Bahnen recht, die Tal lasst sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlicht.

3) Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.

4) Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zeuch in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allezeit dankbar sein.

Nun feiern wir – ausnahmsweise einmal am zweiten Sonntag des Monats – das heilige Abendmahl miteinander. Wer kommen will, mag gleich nach vorn kommen, wer nicht mitmachen will, mag auf seinem Platz bleiben.

Christus, komm in unser Leben! Hier, jetzt, sei unser Gott – wer sonst? Niemand sonst hat uns so gesucht, niemand hat unser forteilendes Herz umgewendet, hat unsere ängstliche Seele so angeredet wie du. Niemand sonst hat gerufen: Ich habe dich lieb, ich stelle keine Bedingungen. Niemand sonst hat so viel Geduld mit uns, auch wenn wir deiner Liebe nicht recht trauen. Niemand sonst hat gerufen: Hier bin ich, das ist mein Leib, für dich gebrochen, lass deine Seele sich satt essen, das ist mein Blut, für dich vergossen, stille den Durst deiner Seele. Wie ein Verlorener hast du gerufen, uns unser Herz darf umkehren und hören und empfangen. Amen.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Gott, hab Dank für deinen Leib, für dein Blut, für die Stärkung unseres Leibes und unserer Seele. Gott, hab Dank für Hoffnung, die du uns schenkst, uns persönlich, und auch den Völkern der Welt, jetzt in der DDR und in den anderen Ländern im Osten, und bald vielleicht auch in den Gebieten der Erde, in denen noch Hunger und Krieg herrscht. Und wenn wir noch keine Hoffnung sehen, dann fange mit uns ganz klein an: Zünde in uns ein Licht der Hoffnung an, so klein wie eine Kerze am Adventskranz, und lass uns nicht verzweifeln. Komm zu uns, Herr Jesus! Lass uns nicht allein!

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser

Als Schlussstrophe singen wir aus dem Adventslied „Macht hoch die Tür“ die letzte Strophe – Nr. 6, 5:

5) Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür die offen ist; ach zeuch mit deiner Gnaden ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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