„Die Schlüssel des Todes und der Hölle“

Trauerfeier für einen Mann, der sich in außerordentlicher Weise für öffentliche soziale Belange, für seine Kirchengemeinde und für seine Familie engagiert hat. Ich lege ein Wort aus der Offenbarung des Johannes aus, in dem vom Schlüssel des Todes und der Hölle die Rede ist.

Christus hat die Schlüssel des Todes und der Hölle: ein altes Vorhängeschloss mit mehreren Schlüsseln

Christus hat die Schlüssel des Todes und der Hölle (Bild: Pavlofox – pixabay.com)

Weder Tod noch Leben trennen uns von Gottes Liebe, die in Jesus Christus ist. In seinem Namen sind wir hier versammelt, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, mit [über 90] Jahren starb Herr D. Wir sind gemeinsam hier, um von ihm Abschied zu nehmen und ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Herr D. starb am Abend des Karsamstag, mit dem Blick auf den Ostersonntag, in der Gewissheit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Im Vertrauen auf Gott, den Vater Jesu Christi und unseren himmlischen Vater, beten wir den Psalm 121:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Wir singen aus dem Lied 361 die Strophen 1, 6 und 12:

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.

Liebe Trauergemeinde!

Über neun Jahrzehnte lang hat Herr D. gelebt, und zwar ein so reich erfülltes Leben, dass man auf den ersten Blick gar nicht weiß, wo man anfangen soll, von ihm zu erzählen. Er war in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens außerordentlich engagiert und angesehen. Sein Leben ging aber nicht hundertprozentig darin auf, sondern ebenso wichtig war Herrn D. immer auch seine Familie. Und ich selber kannte ihn als ein treues Mitglied unserer evangelischen Kirchengemeinde und weiß, dass die Art, wie er soziale und politische Verantwortung übernahm, auch aus christlichen Wurzeln gespeist und getragen war.

Erinnerungen an das vielfältige berufliche und ehrenamtliche Engagement des Verstorbenen

Kaum zu glauben, dass ein Mann wie Herr D. neben so vielen Aufgaben noch eine intakte Ehe aufrechterhalten konnte und im Grunde seines Herzens auch ein Familienmensch war! Wahrscheinlich bedingte sich beides gegenseitig: Zu Hause tankte er die Kraft für sein vielfältiges Engagement, zu Hause konnte er aber auch abschalten und der Privatmensch sein, der als Ehemann und Vater, als Großvater und schließlich Urgroßvater, nicht zuletzt aber auch als guter Nachbar und Mitglied einer Kirchengemeinde noch ganz andere Qualitäten aufwies.

Erinnerungen an das Familienleben des Verstorbenen

Auch zur Kirche hielt Herr D. eine enge Verbindung. Zu runden Geburtstagen ließ er sich lieber Geld für einen guten Zweck schenken als Geschenke für sich persönlich; und so durften sich auch verschiedene Einrichtungen unserer evangelischen Kirche über hohe Geldzuwendungen von seiner Seite freuen.

Als er starb, hat er Ihre Nähe, liebe Frau D., gespürt und ihre Hand gehalten, zwischendurch aber immer wieder auch losgelassen und seine eigene Hand umfasst, als ob er beides spüren wollte – die Nähe, das Festhalten und Gehaltenwerden auf der einen Seite, und die Distanz, das Loslassen, das in-sich-Ruhen auf der anderen Seite.

Kurz bevor er starb, wurde sein Atem ruhig, er konnte loslassen, wusste sich getragen und gehalten – letzten Endes in der Macht der Liebe, die uns von Gott her umgibt.

Liebe Frau D., Sie haben mir gesagt, dass Ihnen im Erleben dieses Sterbens noch einmal bewusster geworden ist, wovon eigentlich unser Leben getragen ist. Indem wir erfahren, was wir im Tod verlieren, merken wir, wie kostbar das Leben ist und wie dankbar wir für die Menschen sein können, die uns in Liebe verbunden sind.

Sie haben es nicht für einen Zufall gehalten, dass Herr D. ausgerechnet am Vorabend von Ostern gestorben ist, und haben mich gebeten, in dieser Feier auf ein Bibelwort aus der Offenbarung des Johannes einzugehen, das Sie im Ostergottesdienst gehört haben.

Jesus Christus spricht (Offenbarung 1, 18):

Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

So hört ein Mensch in einer Zeit der Verfolgung der ersten Christen im Römischen Reich den auferstandenen Jesus sprechen, mit Ohren des Glaubens. Johannes ist damals ein Verbannter, er sitzt in der Gefangenschaft auf der Insel Patmos und schreibt einen verschlüsselten Geheimbrief an sieben Gemeinden in der heutigen Türkei, um den dortigen Christen Mut zu machen.

Er, der von der Hoffnung beseelt ist, dass Jesus Christus wiederkommt und die brutale Macht des Römerreiches bricht, so dass endlich ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit für Israel und alle Völker anbrechen kann, er hört Worte des auferstandenen Christus.

Da ist einer, der hat den Tod am Kreuz der Römer hinter sich, und er ist nicht zugrundegegangen, sondern lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit. Dieses ewige, erfüllte Leben ist mehr als nur ein ins Unendliche verlängertes irdisches Leben, gemeint ist ein von Liebe und Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden erfülltes Leben.

Es gibt nach wie vor Vorurteile gerade in der Arbeiterbewegung gegen die Hoffnung auf Auferstehung, weil manche diesen Trost als eine Vertröstung missverstehen, als ob, wer an Auferstehung glaubt, sich weniger für eine Veränderung ungerechter Zustände auf der Erde einsetzen würde. Herr D. war der lebendige Beweis des Gegenteils; gerade als Christ, der an Auferstehung glaubt, kann man sich für den Aufstand des Lebens gegen die Todesmächte des Unrechts und der Unterdrückung einsetzen.

Zur Zeit Jesu und der ersten Christen waren es tatsächlich die herrschenden Kreise, die den Glauben an die Auferstehung für subversiv hielten; sie gaben sich ja mit dem diesseitigen Leben auf Kosten anderer durchaus zufrieden. Auf die Auferstehung der Toten hofften zuerst diejenigen, die davon überzeugt waren: Gott wird die Opfer von Unrecht und Gewalt nicht vergessen, er steht keineswegs auf der Seite derer, die sich an armen Menschen noch bereichern und an Wehrlosen vergreifen.

Wenn der auferstandene Christus spricht:

Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle

– dann können wir daraus doppelt Hoffnung schöpfen.

Hölle ist bildlich gesprochen das Gegenteil vom Reich der Himmel, also ein Zustand fern von Gottes heiligem Willen zur Gerechtigkeit und zum Frieden und zur Liebe. Jesus spricht hier also von der realen Chance der Überwindung alles dessen, womit Menschen einander das Leben zur Hölle machen. Das Böse ist nicht naturgegeben, sondern menschengemacht; im Vertrauen auf Vergebung ist es uns möglich, das Böse in uns selbst zu überwinden. Und von scheinbaren Sachzwängen der Unmenschlichkeit dürfen wir uns im Licht der Auferstehung Jesu Christi von den Toten ebenfalls verabschieden.

Dass Christus die Schlüssel des Todes in der Hand hält, macht es uns leichter, einen geliebten Verstorbenen loszulassen. Denn wir lassen ihn nicht los in eine Trostlosigkeit hinein, in ein absolutes Nichts, ein endgültiges Vergessen. Nein, die Macht des Todes ist überwunden, im Tode bleiben wir in Gott und seiner Liebe geborgen.

Wie ein Leben bei Gott in seinem Frieden aussieht, das können sich Menschen unterschiedlich ausmalen; manche stellen sich vor, sie werden ihre geliebten Angehörigen, die vor ihnen gestorben sind, wiedersehen, andere haben gar keine konkreten Vorstellungen.

Ich persönlich mag am liebsten den Gedanken, dass bei Gott im Himmel von uns das übrig bleibt, was wir in unserem Leben hier auf Erden an Liebe gegeben und empfangen haben. Der Apostel Paulus sagt einmal (1. Korinther 13, 13):

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Paulus benutzt für Liebe übrigens ein Wort, das man ins heutige Deutsch am besten mit „Solidarität“ übersetzen kann, darum kann in der Bibel auch das oberste Gebot die Liebe sein (3. Buch Mose – Levitikus 19, 18):

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Liebe ist also mehr als ein flüchtiges Gefühl, es umfasst ein Eintreten füreinander mit Leib und Seele und Geist.

Ein solches in Liebe engagiertes Leben hat Herr D. geführt, und zwar in vielerlei Hinsicht: im aktiven Einsatz für soziale Gerechtigkeit, in der Übernahme nachbarschaftlicher Verantwortung und nicht zuletzt in seiner von Herzen kommenden Liebe in Familie und Freundschaft. Solche Liebe ist letztlich getragen von der Liebe, mit der Gott uns trägt, im Leben und im Sterben. Diese Liebe hört niemals auf. Amen.

Wir singen das Osterlied 99 von der Überwindung des Todes durch die Auferstehung Jesu Christi:

1. Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

2. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

3. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Großer Gott, wir nehmen Abschied von Herrn D. und danken dir für dieses reich erfüllte Leben im Einsatz für große Ziele und in der Hingabe für einfache Menschen. Wir bitten dich, dass wir ihn uns als Vorbild nehmen, wenn es darum geht, uns zu engagieren für das, was uns wichtig ist und den Menschen dient.

Barmherziger Gott, wir danken für alles, was wir einander an Liebe, Wertschätzung und Aufmerksamkeit schenken konnten, und wir bitten um Vergebung, wo wir einander etwas schuldig geblieben sind. Lass uns mit all den Gedanken klarkommen, die uns angesichts des Todes kommen, lass uns die Herausforderungen bewältigen, die uns gestellt sind. Schenke uns in der Trauer deinen Trost und behüte uns auf den Wegen, die kommen. Amen.

EG 65: Von guten Mächten wunderbar geborgen

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