Im Namen des dreieinigen Gottes

Gott macht uns fähig, durch seinen Geist, dass unsere Lippen gute Früchte hervorbringen: Worte, die aufbauen und nicht verletzen, die nicht verbergen, sondern Wahrheit aussprechen. So macht er uns heil – so kann überwunden werden, was zerrissen ist: die einzelne Menschenseele und die zerstrittene Menschheit. Es ist ein Unterschied, ob unsere Lippen verletzende Worte sagen oder Worte, die gut tun.

Ein Auge innerhalb eines Dreiecks - Symbol für die Dreieinigkeit Gottes

Ein Auge innerhalb eines Dreiecks – Symbol für die Dreieinigkeit Gottes (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 15. Sonntag nach Trinitatis, den 12. September 1999, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Begrüßung
Lied 557 (Flöte und Gitarre): Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Ein Licht geht uns auf – jeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht. Ein Licht geht uns auf – damals, am Anfang des Universums, geschah das zum ersten Mal – in einem gewaltigen Energieblitz, den die Wissenschaftler etwas unbeholfen den Urknall nennen. Gott wollte eine Welt schaffen, in der Liebe möglich ist, hell und warm, und sprach: Es werde Licht!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ein Licht geht uns auf – das haben wir Menschen auf Gottes Erde immer wieder vergessen. Wir haben dazu beigetragen, dass unsere Welt voll von Dunkelheit ist, von Unrecht und Armut, von Streit und Leid. Und immer wieder wollen wir Dir, Gott, dafür die Schuld in die Schuhe schieben: „Wie kannst Du all das Unrecht zulassen? Bist Du wirklich ein Gott der Liebe?“ Verzeih uns, Gott, und schenk uns Selbsterkenntnis! Lass uns ein Licht aufgehen über unsere Sünde und über Deine Liebe!

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Ein Licht geht uns auf – das sagen wir, wenn wir etwas endlich verstanden haben, guter Gott. Doch um zu verstehen, was unsere Sünde ist und was Deine Liebe ist, brauchen wir etwas anderes als unseren Verstand: ein kindliches Gemüt, das sich anzuvertrauen wagt, ein offenes Herz, das mit dem Versteckspiel aufhört, wir brauchen nur unsere leeren Hände, die Du uns füllst. Darum:

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Ein Licht geht uns auf – Du, Gott, bist das Licht der Welt. In dem Menschen Jesus konnten es alle sehen. In ihm bist du selbst auf die Welt gekommen. Mach auch unsere Augen auf, dass wir Deine Liebe wahrnehmen und froh werden. Amen.

An dieser Stelle sagen wir wieder den größeren Kindern Tschüss, die unten den Kindergottesdienst weiterfeiern – natürlich außer den Kindern, die bei den Taufen mit dabei sein wollen.

Wir hören die Lesung zur Taufe aus dem Evangelium nach Matthäus 28, 16-20:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 577: Kind, du bist uns anvertraut

Liebe Tauffamilien, liebe Paten, liebe Gemeinde! Feuer und Wasser sind Gegensätze – aber bei der Taufe spielen beide Symbole eine Rolle. Ist das nicht eigentümlich?

Das Wasser, in dem man ertrinken kann, ist zugleich ein Bild für das, was man notwendig zum Leben braucht: Liebe, Vergebung, ewiges Leben.

Auch im Feuer, in dem alles verbrennen kann, erkennen wir ein Bild des Lebens. Allerdings muss das Feuer gezähmt werden. Wir vertragen auf unserer Erde nur die durch Magnetfeld und Ozonschicht gefilterte Sonneneinstrahlung. Und hier in der Kirche wird das Feuer gezähmt im Licht der Kerzen. So wird es zum Bild für Wärme und Liebe, für die Vertreibung der Finsternis und der Kälte und des Bösen aus unserer Welt.

Ist unser Glaube immer wieder wie das Wasser, das uns nass macht, uns berührt, uns abwäscht, uns erfrischt, uns lebendig macht?

Ist unser Glaube immer wieder wie das Feuer der Begeisterung, wie das klare Licht der Wahrheit, wie die Wärme der Liebe?

Bei einer Taufe bekennen wir unseren Glauben, denn wir nehmen ja die Kinder, die wir taufen, in unsere eigene Beziehung zu Gott hinein – in unser eigenes Fragen, Suchen, Zweifeln und Vertrauen. Wir tun es mit altvertrauten Worten:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 574: Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, die drei Taufsprüche von … sind ein idealer Predigttext. Sie ergänzen sich gut und helfen mir, den Glauben an den dreieinigen Gott zu erläutern, an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Zum Glauben an Gott-Vater …s Spruch, Psalm 115, 11:

Die ihr den HERRN fürchtet, hoffet auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und Schild.

Vier Worte machen die Spannung in diesem Bibelwort aus. Fürchten und Hoffen, Hilfe und Schild. Fürchten und Hoffen – das erinnert an Hoffen und Bangen. An Ungewissheit, wenn man in Gefahr ist, wenn man nicht weiß, was die Zukunft bringt. Aber hier wird das Wort Fürchten nicht im Sinne von Bangesein oder Angsthaben gebraucht, sondern vom Vertrauen auf Gott, von der Ehrfurcht vor Gott, von dem überwältigenden Gefühl, das wir haben, wenn wir versuchen, uns vorzustellen, wie groß Gott ist, der das ganze Weltall erschaffen hat und trägt – und wir merken, Gott ist immer noch größer als alle unsere Vorstellungen. Und das Tolle ist: Auf diesen unvorstellbar großen Gott dürfen wir kleinen Menschen hoffen. Er steht uns nicht gleichgültig gegenüber, sondern er ist uns Hilfe. Er nimmt uns wahr, obwohl wir nur winzige Stäubchen im All sind. Er ist auch keine Bedrohung für uns, sondern er ist uns Schild. Er weiß um unsere Verletzbarkeit, er hat es am eigenen Leibe erfahren, wie sehr wir Menschen auf Schutz, Hilfe und Liebe angewiesen sind.

Am eigenen Leibe erfahren – wie soll das zugehen? Ja, so unwahrscheinlich es klingt: Derselbe Gott, der größer ist als das ganze Weltall, kann zugleich so klein sein wie ein Mensch, wie ein Menschenkind. Er kriecht in unser Leben hinein, passt sich unserem Denken und Fühlen an, wird so verletzbar wie wir – und verändert doch alles. Wie? Auf seine unnachahmliche scheinbar machtlose und doch allmächtige Art und Weise. Er bringt hier und da das Wunder fertig, dass Menschen sich von Liebe anrühren lassen. Das ist die Geschichte von Jesus gewesen, die Geschichte von Gottes Sohn, und sie ist nicht zu Ende, denn in der Nachfolge Jesu dürfen auch wir liebevoll diese Welt umgestalten – indem wir nicht so tun, als seien wir die Größten oder als seien wir gar nichts wert, indem wir gut mit uns selbst und mit anderen Menschen umgehen. So verstehe ich die Worte, die Matthäus 28, 18 am Ende seines Evangeliums von dem auferstandenen Jesus überliefert, …s Taufspruch:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Ja, alle Macht und Gewalt, wenn es auch nicht die Gewalt der Waffen ist, und auch nicht die Macht der Allmachtsphantasien, als brauche man nur auf einen Knopf zu drücken, und alle Weltprobleme seien gelöst. Vielmehr ist es, wie ich schon sagte, die alles umfangende und alles durchdringende und letzten Endes unüberwindliche Macht der Liebe.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Weil er der Herr der Liebe ist, hat er uns etwas zu sagen. Durchsetzen wird er sich nicht mit äußerer Macht, sondern indem am Ende offenbar werden wird: Liebe ist stärker als Hass, das Böse hat ja gar keine eigene Substanz, von der es lebt, das Böse lebt ja nur aus dem Gegensatz zum Guten, aus der abgründigen Angst, nichts zu sein, im Nichts zu versinken. Gegen diese und alle Angst der Welt richtet Jesus seinen Trost:

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Auch wenn unser Leben nicht immer in gerader Richtung voranführt, wenn es Höhen und Tiefen und auch Umwege gibt, ein Trost ist da: Wir sind nicht allein. Gott ist bei uns, und er trägt das Gesicht eines liebenden Menschen.

Gottvater ist das Bild des Gottes über uns, Jesus ist das Bild des Gottes, der uns begleitet. Und wie ist Gott als Heiliger Geist, wenn er in uns verändernd wirkt? Davon hat schon der Prophet Jesaja 57, 19 Worte von Gott selber gehört. Als er so in sich hineinhorchte, da waren sie, diese Worte, die nicht von ihm selber stammten, es ist der Taufspruch für …:

19 Ich [will] Frucht der Lippen schaffen. Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.

Ein Wort steht hier im Mittelpunkt, das hebräische Wort „Schalom“, was wir im Deutschen mit Frieden oder Heil übersetzen. Unsere Lippen bringen ihn hervor, den Schalom, aber trotzdem schafft ihn Gott. Aus eigener Kraft gelingt uns der Friede nicht, weil es uns immer wieder Angst macht, nur auf Gott, nur auf Liebe und nicht auf Gewalt und Geld und Egoismus zu vertrauen.

Jesaja weiß sogar schon etwas von einer Liebe, die nicht nur den vertrauten Menschen, sondern auch den Fremden gilt – Frieden dem Fernen und dem Nahen, so wie Jesus später die Nächstenliebe auch als Liebe zum Feind verstand – indem man zuerst die Feindseligkeit in sich selbst überwindet.

Gott macht uns fähig, durch seinen Geist, dass unsere Lippen gute Früchte hervorbringen: Worte, die aufbauen und nicht verletzen, die nicht verbergen, sondern Wahrheit aussprechen. Und so macht er uns heil – nur so kann überwunden werden, was zerrissen ist: die einzelne Menschenseele und die zerstrittene Menschheit. Was ich vorhin im Bild vom Licht ausgedrückt habe, das die Finsternis und die Kälte und das Böse aus unserer Welt vertreibt, das wird wahr, indem Gott uns in Anspruch nimmt, unsere Gedanken, Worte, Lippen. Es ist ein Unterschied, ob unsere Lippen verletzende Worte sagen oder Worte, die gut tun. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit Freude und mit Frieden im Glauben. Amen.
Lied 593, 1-2+5:

1) Licht, das in die Welt gekommen, Sonne voller Glanz und Pracht, Morgenstern, aus Gott entglommen, treib hinweg die alte Nacht, zieh in deinen Wunderschein bald die ganze Welt hinein.

2) Gib dem Wort, das von dir zeuget, einen allgewaltgen Lauf, dass noch manches Knie sich beuget, sich noch manches Herz tut auf, eh die Zeit erfüllet ist, wo du richtest, Jesu Christ.

5) Komm, erquick auch unsre Seelen, mach die Augen hell und klar, dass wir dich zum Lohn erwählen, vor den Stolzen uns bewahr, ja, lass deinen Himmelsschein unsres Fußes Leuchte sein!

Gott des Lebens! Wer sich dir anvertraut, erfährt Bewahrung und innere Verwandlung. Wir danken dafür und bitten immer wieder neu darum. Wir bitten um eine Ende der Grausamkeiten in Ost-Timor. Wir wünschen, dass die Vernunft regiert, wo jetzt noch Gewalt und Fanatismus herrschen. Wir wissen, dass wir oft machtlos sind gegenüber den Mächten der Finsternis, die sich deinem Licht verschließen. Bewahre uns die Zuversicht, dass am Ende dennoch der Friede siegt. Amen. Für die getauften Kinder, für Eltern, Paten und uns alle beten wir mit Jesus:

Vater unser
Lied 171: Bewahre uns, Gott, behüte uns Gott

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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