Die Weihnachtsgeschichte im Koran

Muslime feiern zwar nicht Weihnachten, aber die Geburt Jesu von der Jungfrau Maria wird auch im Koran erzählt.

Spielszene mit den Handpuppen Gabi, Lutz, Fischli und Jamal im Stuhlkreis der Kita-Kinder der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen.

Lutz: Du, Gabi, ich freue mich schon sooo auf Weihnachten!

Gabi: Ich mich auch, lieber Lutz!

Lutz: Aber weißt du, was ich mich gefragt habe?

Gabi: Nein, Lutz.

Lutz: Feiern eigentlich alle Leute Weihnachten? Weil – Weihnachten ist doch ein Fest der Christen. Weil Jesus geboren ist. Aber es sind ja nicht alle Menschen Christen.

Gabi: Das stimmt Lutz. Aber manche feiern Weihnachten einfach so, weil sie das mit dem Weihnachtsbaum und den Kerzen und den Geschenken toll finden.

Lutz: Das finde ich auch besonders toll! Aber ich weiß auch, dass Weihnachten eigentlich der Geburtstag von dem Jesus ist. Ich bin ja nicht dumm, und ich weiß viiiel!

Gabi: Genau, genau, du bist sehr schlau.

Lutz: Aber manches weiß ich auch nicht. Zum Beispiel: Feiern auch Muslime Weihnachten?

Gabi: Das müsste Jamal wissen. – Ach, da bist du da, und Fischli ist auch mitgekommen!

Lutz: Wir haben eine Frage, Jamal. Feiern auch Muslime Weihnachten? Muslime glauben doch nicht an Jesus.

Jamal: Das stimmt nicht ganz. Muslime glauben, dass Jesus ein Prophet ist. Sie glauben nicht, dass er Gottes Sohn ist.

Gabi: Und darum feiern sie auch kein Weihnachten?

Jamal: Eigentlich nicht. Manche feiern es mit den Christen mit, weil für sie Jesus auch wichtig ist. Und es steht sogar im Koran, wie Jesus geboren ist.

Lutz: So richtig mit Bethlehem und der Krippe und den Hirten und dem Stern und so?

Jamal: Nein, ganz anders. Wollt ihr diese Geschichte hören?

Lutz und Gabi: Ja, gerne.

Jamal: Dann fange ich mit der Oma von Jesus an. Wie sie heißt, steht nicht im Koran, später hat man gesagt, sie hieß Hanna. Die bekam kein Kind und betete zu Gott: „Wenn ich doch noch ein Kind kriege, soll es im Tempel wohnen und für Gott da sein.“ Der Tempel war ein Haus Gottes, da waren Männer, die Gott dienten. Die hießen Priester.

Fischli: So eine Geschichte steht auch in der Bibel. Da kriegt eine Hanna einen Sohn Samuel, der soll Priester im Tempel werden. Der hört, wie Gott zu ihm redet und wird Prophet.

Jamal: Ja, aber diese Hanna kriegt keinen Jungen, sondern ein Mädchen. Und da ist sie etwas enttäuscht, weil sie denkt: Ein Mädchen kann nicht Priester im Tempel werden. Jetzt kann ich mein Versprechen für Gott nicht erfüllen.

Gabi: Aber Gott hat ihr doch selber das Mädchen geschenkt!

Jamal: Genau! Als Hanna zu Gott betet: „Mein Herr, ich habe ein Mädchen geboren“, da sagt Gott: „Das weiß ich doch selber am besten!“ Da ist Hanna glücklich mit ihrer Tochter. Sie nennt sie Maria, und als sie größer wird, bringt sie sie dann doch zu den Priestern im Tempel, so wie in eine Schule. Die wolleen sie erst nicht da behalten, aber als sie merken, dass sie ein kluges und liebes Mädchen ist, darf sie bleiben. Zacharias kümmert sich besonders um sie, von dem habe ich schon mal erzählt…

Lutz: Ja, ich weiß. Das war der Mann von Elisabeth und der Vater von Johannes, der erst sprechen konnte und dann nicht sprechen konnte und dann wieder sprechen konnte.

Jamal: Richtig. Der Zacharias passt auf Maria auf, dass ihr nichts Böses passiert. Auch Gott sorgt gut für Maria. Er hat sie sehr lieb. Wenn Zacharias in das Zimmer von Maria kommt, findet er oft etwas zu essen bei ihr, das er ihr nicht gebracht hat. „Maria, woher hast du das?“ fragt er. Sie sagt: „Es ist von Gott“.

Gabi: Das war ja ein richtiges Wunder.

Jamal: Ja. Und dann geschieht noch ein Wunder: Eines Tages ist Maria ganz allein, da kommt ein Engel zu ihr, der sieht aus wie ein großer schöner Mann. Der sagt: „Gott hat dich unter allen Frauen auf der Erde ausgesucht.“

Fischli: Das steht auch in der Bibel. Der Engel Gabriel kam zu ihr.

Jamal: Maria hört wunderbare Worte von dem Engel: „Du wirst ein Kind bekommen, einen kleinen Jungen. Er soll Jesus heißen und ein ganz besonders guter Mensch werden. Man wird ihn Masih nennen.“

Lutz: „Masih“? Was heißt das denn?

Jamal: Dasselbe wie „Messias“ in der Bibel. Nur auf Arabisch.

Fischli: Und auf Griechisch heißt es Christus.

Lutz: Und genau so nennen die Christen den Jesus.

Gabi: Aber was bedeutet das eigentlich?

Fischli: Messias oder Christus heißt auf Deutsch: „gesalbt“. Man nahm Öl oder Salbe, aber nur welche, die ganz gut riecht, und strich sie einem Menschen auf die Stirn, wenn Gott wollte, dass er König wurde. So steht es in der Bibel.

Jamal: Auch im Koran sagen die Engel: Jesus wird der Masih sein. Er hat eine besondere Aufgabe von Gott. Er ist ganz nahe bei Gott. Er wird blinde Menschen sehend machen und kranke Menschen heilen, sogar Tote auferwecken mit Gottes Erlaubnis. Die Engel haben Maria sogar gesagt: „Dein Sohn wird schon als Baby sprechen können.“

Lutz: Konnte Jesus das wirklich? Kleine Kinder müssen doch erst langsam sprechen lernen.

Gabi: Wenn er später Tote aufwecken konnte, ist das ja noch gar nichts.

Jamal: Wartet, das kommt noch! Erst mal hat Maria ihr Kind ja noch gar nicht. „Wie kann ich ein Kind bekommen?“ fragt sie. „Ich habe doch gar keinen Mann!“ Sie bekommt zur Antwort: „Gott kann trotzdem machen, dass ein Kind in dir wächst. Gott sagt: ‚Du sollst da sein!‛ und dann ist es da, ganz klein in Marias Bauch, und es wächst und wird groß. Gott hat doch auch Adam ohne Mutter und Vater aus Erde erschaffen. Und Eva ohne eine Mutter aus Adam.“

Lutz: Und was ist dann passiert? Konnte das neugeborene Baby wirklich sprechen?

Gabi: Also in Bethlehem, im Stall in der Krippe konnte es das nicht, davon habe ich noch nie etwas gehört.

Jamal: Von Bethlehem und vom Stall und von der Krippe erzählt der Koran sowieso nichts.

Lutz: Ooooch! Aber dann ist es ja kein richtiges Weihnachten!

Fischli: Ich finde, doch. An Weihnachten wird Jesus geboren, wo und wie genau, das ist nicht so wichtig. In der Bibel gibt es davon auch verschiedene Geschichten: die Geschichte von Maria und Josef, vom Stall und von den Hirten, und die Geschichte vom Stern und den Heiligen Königen.

Jamal: Wollt ihr hören, wie der Koran von Jesu Geburt erzählt?

Lutz und Gabi: Jaaaaa!

Jamal: Also: Maria wird wirklich schwanger. Doch weil sie keinen Mann hat, geht sie weit weg vom Tempel und von den Leuten in der Stadt, denn die hätten vielleicht gesagt: Die Maria ist nicht verheiratet und kriegt ein Kind, das ist nicht richtig! Und so ist Maria ganz allein da draußen.

Lutz: War Josef nicht dabei?

Jamal: Von Josef steht im Koran nichts. Dann ist es so weit. Jesus soll geboren werden, herauskommen aus Marias Bauch.

Gabi: Und da ist sie nicht einmal in einem Stall, sondern einfach draußen? Hat sie gar keine Unterkunft gefunden?

Maria findet Schutz unter einer Palme

Maria findet Schutz unter einer Palme

Jamal: Sie kommt zum Stamm einer Palme, findet ein bisschen Schutz unter dem Palmenbaum. Sie ist so allein, hat Hunger und Durst und weint. Auf einmal hört sie eine Stimme von unten: „Sei nicht traurig. Gott sorgt für dich. Schau: hier fließt ein Bächlein, da kannst du trinken und deine Augen kühlen. Und schüttle die Palme, sie wird frische reife Datteln auf dich fallen lassen, die kannst du essen.“

Lutz: Wer hat denn da mit ihr gesprochen? Wieder ein Engel?

Jamal: Vielleicht ihr eigenes Kind, das gerade geboren ist. Die Stimme sagt: „Geh in die Stadt zurück, aber sprich mit keinem Menschen.“ Maria trägt das Kind zu den Leuten, und die machen ihr Vorwürfe. „Wie kannst du uns ein Kind anschleppen, ohne einen Mann zu haben! Das gehört sich nicht! Deine Eltern waren doch anständige Leute, was tust du ihnen an!“ Maria sagt nichts. Sie zeigt nur auf das Kind. Da rufen sie: „Wie sollen wir mit einem kleinen Baby reden?“ Da fängt der kleine Jesus wirklich an zu sprechen: „Ich bin ein Diener von Gott, ein Prophet. Er segnet mich und gibt mir Frieden. Behandelt meine Mutter mit Respekt. Gott ist mein Herr und euer Herr, ihr sollt ihm auch dienen: das ist der gerade Weg.“

Gabi: Das ist ganz anders als in der Bibel. Aber auch schön.

Lutz: Die Menschen glauben also nicht nur verschieden an Gott, sondern auch verschieden an Jesus! Aber Jesus will auf jeden Fall, dass wir im Frieden miteinander leben.

Gabi: Das hast du schön gesagt, Lutz. Da muss ich dich gleich knuddeln! (Lutz und Gabi umarmen und knuddeln sich)

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