Danken, Brotbrechen, Teilen

Gott in seinem Sohn stirbt, damit wir leben. Muss Gottes Zorn durch ein blutiges Opfer versöhnt werden? Der Kern des Geheimnisses besteht darin: Gott ist ein Gott, der unser Leid mitleidet und uns so tröstet. Gott ist ein Gott, der unsere Schuld mitträgt und sie uns vergibt. Gott ist ein Gott, der unseren Lebenshunger mitspürt und ihn durch Liebe stillt.

Jesus blickt zum Himmel inmitten seiner Jünger und bittet um die Vermehrung der fünf Brote und zwei Fische, die ein Kind ihm gegeben hat

Jesus bittet seinen Vater im Himmel, dass Brot und Fisch für alle reichen (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis, den 22. Juli 2007, in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Orgelvorspiel und Einzug der Tauffamilie

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Heute ist Taufgottesdienst in der Pauluskirche. Wir taufen … und heißen sie mit ihrer Familie und ihren Patinnen herzlich willkommen!

Wir feiern gemeinsam Gottesdienst, weil Gott uns so viel schenkt, dass wir ihm dafür nur danken können.

Lied 511:

1. Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Weißt du, wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt? Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.

2. Weißt du, wieviel Mücklein spielen in der heißen Sonnenglut, wieviel Fischlein auch sich kühlen in der hellen Wasserflut? Gott der Herr rief sie mit Namen, dass sie all ins Leben kamen, dass sie nun so fröhlich sind, dass sie nun so fröhlich sind.

3. Weißt du, wieviel Kinder frühe stehn aus ihrem Bettlein auf, dass sie ohne Sorg und Mühe fröhlich sind im Tageslauf? Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen; kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 107:

1 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

2 So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN, die er aus der Not erlöst hat,

3 die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden.

4 Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege, und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

5 die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete,

6 die dann zum HERRN riefen in ihrer Not, und er errettete sie aus ihren Ängsten

7 und führte sie den richtigen Weg, dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

8 die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

9 dass er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir können uns satt essen, aber sind wir rundherum zufrieden? Wir haben alles und noch viel mehr, und wir machen uns Sorgen um alles Mögliche. Wir haben mehr als die meisten Generationen vor uns und als die meisten Menschen in der Welt, aber haben wir genug?

Gott, was macht uns wirklich satt? Lass uns den Hunger spüren nach echtem Leben, nach erfülltem Leben, nach Zufriedenheit. Wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. (Psalm 23, 1-3)

Ja, Herr, du bist bei mir!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, viele Menschen sind wie ausgehungert und verdurstet, weil sie sich nach Liebe sehnen. Stille unseren Hunger, lösche unseren Durst, lass uns im Vertrauen auf dich all das finden, was wir zum Leben brauchen. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Zur Taufe hören wir die Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus 28, 16-20:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Lied 408: Meinem Gott gehört die Welt

Liebe Familie …, liebe Patinnen, liebe Gemeinde!

In der Predigt hören wir heute von Jesus, von seinen zwölf Jüngern, von 5000 Mann. Frauen und Kinder werden nicht ausdrücklich erwähnt, obwohl sie garantiert mit dabei waren. In der Tauffamilie ist es heute anders herum: das Taufkind ist ein Mädchen, es hat eine große Schwester und drei Patinnen, aber immerhin ist neben der Mutter ein ganz wichtiger Mann im Spiel: nämlich der Familienvater, der sich offenbar von so viel Weiblichkeit trotzdem nicht untergebuttert fühlt.

… und ihre große Schwester … haben noch etwas gemeinsam. Von heute aus gesehen sind es genau zwei Tage zu ihrem Geburtstag. … ist vorgestern 4 Jahre alt geworden, und … wird übermorgen 1 Jahr alt.

Das Besondere am heutigen Tag ist, dass wir … taufen wollen. Wir schütten drei Mal Wasser über ihren Kopf, so, als wollten wir sie baden. Das Taufwasser hat auch wirklich etwas mit dem zu tun, was wir mit dem Baden verbinden: einmal mit dem Reinigen: Sauberbleiben, Ehrlichkeit, Reinheit, dann auch mit dem Badespaß, der reinen Lebensfreude. Und über das Baden hinaus erfüllt Wasser noch einen weiteren wichtigen Zweck: es löscht unseren Durst. Durch die Taufe machen wir klar: … gehört in den Einflussbereich Gottes, des einzigen, der uns etwas zu sagen hat, den wir den Vater im Himmel nennen, des einzigen, der als Mensch ohne Sünde geblieben ist, den wir den Sohn Gottes nennen, des einzigen, der unser Herz verwandeln kann, den wir den Heiligen Geist nennen. Unsichtbar ist dieser Gott, denn er ist kein Teil dieser Welt, und dennoch durchdringt er diese Welt und wirkt in ihr. Er ist Liebe, er die Kraft, die in uns wirkt, wenn wir Liebe praktizieren.

Im Taufspruch für … aus 1. Johannes 4, 12 kommt das zum Ausdruck:

Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns.

Liebe in der Familie, zwischen Eltern und Kindern, zwischen einer Patin und ihrem Kind, ist natürlich mit einem starken Gefühl verbunden. Wenn Gott Liebe ist und diese Liebe durch seinen Geist in uns wirksam wird, ist Liebe sogar noch mehr als ein Gefühl: eine Haltung der Solidarität, des Einstehens füreinander, die unabhängig von Gefühlsbindungen allen Menschen gilt, über die Grenzen hinweg, die wir normalerweise zwischen Religionen und Nationen und sozialen Schichten ziehen. Luisa wird getauft, das heißt, sie ist von Gott mit einer unverlierbaren Menschenwürde beschenkt, sie darf vor Gott mit aufrechtem Gang leben und hat sich in ihrem Leben letzten Endes nur vor ihm zu verantworten.

Unser Vertrauen auf den dreieinigen Gott, der die Liebe ist, sprechen wir nun aus, stellvertretend auch für unser Taufkind, mit den alten Worten des Glaubensbekenntnisses:

Glaubensbekenntnis und Taufe
Liedblatt: Hände können fassen und auch wieder lassen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Wir hören den Predigttext aus dem Evangelium nach Lukas 9, 10-17:

10 Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein in die Stadt zurück, die heißt Betsaida.

11 Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften.

12 Aber der Tag fing an, sich zu neigen. Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Lass das Volk gehen, damit sie hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und Herberge und Essen finden; denn wir sind hier in der Wüste.

13 Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingehen sollen und für alle diese Leute Essen kaufen.

14 Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach zu seinen Jüngern: Lasst sie sich setzen in Gruppen zu je fünfzig.

15 Und sie taten das und ließen alle sich setzen.

16 Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten.

17 Und sie aßen und wurden alle satt; und es wurde aufgesammelt, was sie an Brocken übrigließen, zwölf Körbe voll.

Liebe Gemeinde!

Unsere Geschichte fängt mit dem Stolz der Apostel Jesu an. Apostel, das sind Ausgesandte. Jesus hat seine Jünger, was eigentlich so viel wie Lehrlinge bedeutet, selbständig in die umliegenden Ortschaften geschickt, damit sie ihm nacheifern: sie sollen so von Gott reden, dass den Menschen dadurch geholfen wird, ja, dass durch Liebe und Vertrauen sogar Kranke gesund werden. Sie scheinen ihre Sache sogar sehr gut gemacht zu haben, denn Lukas berichtet:

10 Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten.

Jesus hört sich an, was seine Jünger berichten. Er tadelt sie nicht wegen ihres Eigenlobes. Vielleicht ist er auch selber stolz auf seine Lehrlinge. Und er zeigt ihnen seine Anerkennung, indem sie auch einmal mit dem Meister Pause machen dürfen:

Und er nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein in die Stadt zurück, die heißt Betsaida.

Allerdings – manchmal kommt es anders, als man denkt!

11 Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften.

Die wohlverdiente Ruhe der Jünger und ihres Meisters wird durch Menschen gestört, die auf Hilfe angewiesen sind, wörtlich steht da: sie haben einen Bedarf an Therapie, und in diesem Wort steckt im Griechischen nicht nur das, was wir damit verbinden, sondern zum Beispiel auch das, was ein Sklave tut, der einen Gast oder seinen Herrn bedient. Mit anderen Worten: Jesus ist wieder voll und ganz für Menschen da, die ohne ihn nicht zurechtkommen würden. Seine Jünger hatte er zu sich genommen, mitgenommen, wie man mit vertrauten Menschen einen gemeinsamen Weg geht, und zwar sollte dieser Weg nun auch einmal in die Stille führen und dazu dienen, dass sie neue Kräfte tanken konnten. Von den vielen Menschen heißt es, dass Jesus sie zu sich ließ, ja, er empfängt sie ehrenvoll wie besondere Gäste, die ihm sehr wichtig sind. Er bringt es nicht übers Herz, sie wegzuschicken. Da sind so viele ängstliche Menschen, denen er Vertrauen einflößen, so viele zerstörte Menschenseelen, die er mit der Kraft der Liebe heilen kann.

Wir hören in der Geschichte also von einer mehrfachen Spannung: Da sind die Mitarbeiter Jesu, voller Stolz über das, was sie gelernt und in die Tat umgesetzt haben, und zugleich selber auch bedürftig: sie brauchen Ruhe nach getaner Arbeit, ihre Kraft ist nicht grenzenlos. Da sind die Hilfsbedürftigen, denen Jesus wirklich auch helfen kann, allerdings auf Kosten seines eigenen Ruhebedürfnisses. Kann wirkliche Ruhe erst einkehren, wenn allen geholfen ist? Kann es dann überhaupt Sabbat werden, kann der Tag des Ruhens anbrechen, ist es unter diesen Umständen überhaupt irgendwann möglich, mit gutem Gewissen Feierabend zu machen? Diese Frage wird offenbar zum akuten Problem genau an diesem Tag, denn die Geschichte geht so weiter:

12 Aber der Tag fing an, sich zu neigen. Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Lass das Volk gehen, damit sie hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und Herberge und Essen finden; denn wir sind hier in der Wüste.

Der Tag geht zur Neige, so dass die Zwölf, also die Lehrlinge Jesu als Vertreter des gesamten Gottesvolkes, mit gutem Grund an Jesus mit dem ernsten Anliegen herantreten: Angesichts der begrenzten Zeit und der begrenzten Möglichkeiten musst du die bedürftigen Leute wegschicken. Sie müssen jetzt für sich selber sorgen. Das Wort, das Luther mit „Herberge finden“ übersetzt, heißt wörtlich: „sich auflösen“. Für die Jünger ist wichtig, dass der Volksauflauf sich auflöst. Sollen sie noch mehr Verantwortung für die Leute übernehmen, als sie es schon getan haben? Sie halten das für unmöglich, denn, so sagen sie, „wir sind hier in der Wüste“.

Was hat es mit dieser Wüste auf sich? Es handelt sich nicht einfach um eine Naturwüste mit viel Sand, wo es kein Wasser gibt. Denn Lukas benutzt wörtlich den Ausdruck: „wir sind hier an einem wüsten, ja, an einem verwüsteten Ort“. So zusammengestellt finden sich diese beiden Worte „Ort“ und „Wüste“ nur noch an einer anderen Stelle der Bibel, nämlich im Buch Jeremia 33, 12. Da gibt Gott den Menschen in Juda und Jerusalem nach der Verwüstung durch die Heere Babylons neue Hoffnung:

So spricht der HERR Zebaoth: An diesem Ort, der so wüst ist, dass weder Menschen noch Vieh darin sind, und in allen ihren Städten werden dennoch wieder Auen sein für die Hirten, die da Herden weiden.

Lukas benutzt nicht zufällig die Redewendung von dem „wüsten Ort“. Denn wie die Zeitgenossen Jeremias kennen auch seine Hörer Verwüstung und Krieg; seit dem Jahr 70 liegt Jerusalem in Schutt und Asche. Wenn wir das mithören, wird verständlicher, warum die Jünger Jesus drängen: „Schick jetzt die Leute weg, wirklich helfen können wir ihnen doch nicht, wir sind an einem Ort der Verwüstung, in schrecklichen Zeiten muss jeder an sich selber denken.“ Aber was war mit diesem Zuspruch von Gott selbst im Buch Jeremia: Gerade an einem Ort der Verwüstung soll ja das Wort wahr werden (Psalm 23, 1):

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Aber wie kann es eine Weide geben mitten in der Wüste? Wo sind die Hirten des Volkes, die nicht sich selber die Taschen voll machen, sondern ihre Herde weiden?

Jesus glaubt fest an die Verheißung Gottes und will sie erfüllt sehen, hier und jetzt. Er überrascht seine Jünger mit der Zumutung, dass sie selber dabei die Hauptrolle spielen sollen (Lukas 9):

13 Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingehen sollen und für alle diese Leute Essen kaufen.

14 Denn es waren etwa fünftausend Mann.

Jesus traut seinen Lehrlingen eine Menge zu. Sie sollen Hirten sein für fünftausend Mann, Frauen und Kinder nicht einmal mitgezählt. Und ich verstehe die Jünger gut mit ihren Einwänden. Fünf Brote und zwei Fische, die reichen kaum für Jesus und die Zwölf; ist es nicht schlicht vernünftig, dass sie jetzt erst einmal an sich selber denken? Und schon damals machen sie sich Sorgen um das liebe Geld, das sie nicht haben: „Wie sollten wir Essen für so viele Leute kaufen können?“

Jesus macht ihnen aber keine Vorwürfe. Er handelt als ein Meister, der seinen Lehrlingen konkrete Anweisungen gibt, damit sie gute Hirten des Volkes sein können.

Er sprach zu seinen Jüngern: Lasst sie sich setzen in Gruppen zu je fünfzig.

15 Und sie taten das und ließen alle sich setzen.

So etwas habe ich einmal auf einem Kirchentag erlebt, als wir mit mehreren Tausend Leuten in einer riesigen Messehalle einen Tag lang zusammen waren. Da kam man sich schon etwas verloren vor, wenn man niemanden kannte. Zur Mittagszeit wurden wir auch aufgefordert, uns zu Tischgruppen zusammenzusetzen. Wildfremde Menschen bekamen für uns auf einmal ein persönliches Gesicht, die große Masse verwandelte sich in eine Vielzahl von überschaubaren Gruppen. Vielleicht könnte man sagen: Das ist der erste Schritt, wie aus einer Horde eine Herde wird. So können in einer anonymen Gesellschaft plötzlich Mitbürger ihre Verantwortung füreinander entdecken.

Die nächste Anweisung gibt Jesus seinen Lehrlingen, nicht ohne zuerst dankbar zum Himmel zu blicken:

16 Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten.

Warum wird das Brechen des Brotes erwähnt? Brot muss gebrochen werden, sonst kann es niemanden satt machen. Wir kommen auch nicht darum herum, dass irgendwer die Fische töten muss, die wir essen wollen. Für Jesus ist das in Ordnung, so lange wir unsere Nahrung dankbar aus Gottes Hand empfangen. In der Schöpfung lebt ein Lebewesen vom andern. In der Nacht vor seinem Tod wird Jesus diesen Gedanken vertiefen und auf sein eigenes Schicksal beziehen (Lukas 22, 19):

19 Und er nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

Das Geheimnis ist groß. Gott selbst gibt sich hin für uns Menschen. Gott in seinem Sohn muss sterben, damit wir leben. Ich gebe zu, alle Theorien, die Theologen darüber entwickelt haben, sind immer wieder fragwürdig, als ob Gottes Zorn durch ein blutiges Opfer versöhnt werden müsste, als ob Gott nicht aus freier Liebe heraus vergeben könnte. Der Kern des Geheimnisses besteht darin: Gott ist ein Gott, der unser Leid mitleidet und uns so tröstet. Gott ist ein Gott, der unsere Schuld mitträgt und sie uns vergibt. Gott ist ein Gott, der unseren Lebenshunger mitspürt und ihn durch seine Liebe stillt.

Unser Hunger wird also gestillt, weil in Gottes Schöpfung für alle Menschen genug Nahrung und auch Liebe da ist; es kann Brot gebrochen werden, so dass alle satt werden können. Unser Hunger wird letzten Endes von oben gestillt, darum dankt Jesus dem Vater im Himmel. Aber etwas fehlt noch. Wie kommt das Brot zu denen, die es brauchen? Indem es geteilt und verteilt wird, so dass nicht nur der eine satt wird, während der andere mit hungrigem Magen sitzen bleibt oder weggeschickt wird. Mit diesem Teilen und Verteilen beauftragt Jesus seine Lehrlinge, seine Jünger, ja, damit sind wir beauftragt, denn als getaufte Mitglieder der Kirche sind wir auch Lehrlinge Gottes. Geschenkt ist uns viel, anvertraut sind uns viele Gaben, Jesus gibt sie uns, „damit wir sie dem Volk austeilen.“

Und so geschieht ein Wunder, ohne dass Brot vom Himmel fällt und ohne dass ein Zauberspruch ausgesprochen wird:

17 Und sie aßen und wurden alle satt; und es wurde aufgesammelt, was sie an Brocken übrig ließen, zwölf Körbe voll.

Alle 5000 Anwesende werden satt, und es bleibt sogar noch viel übrig, so viel, dass das ganze Volk satt werden kann, denn die zwölf Körbe stehen für die volle Zahl der zwölf Stämme Israels. So feiern die Jünger und Jesus auf andere Weise ihren Feierabend als geplant, gemeinsam mit 5000 Menschen.

Unser kritischer Verstand fragt: Wie kann ein solches Wunder geschehen? 5000 Menschen werden satt von so wenig Brot und Fisch? Selbst wenn Jesus das bewerkstelligen konnte, wie sollen wir das nachmachen? Jesus selbst gibt uns die Antwort: „Versucht es einfach. Vertraut auf das Wunder des Dankens, des Brotbrechens und des Teilens. Erfahrt Wahrheit dieses Wunders, indem ihr euch daran beteiligt.“ So nimmt Jesus uns als Lehrlinge in seinen Dienst. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das zweite Lied auf dem Liedblatt nach der Melodie des Liedes „Mornin‘ Has Broken“ von Cat Stevens, der zur Zeit unter dem Namen Yusuf eine neue Karriere als Sänger begonnen hat:

Segen empfangen, sei selbst ein Segen

Gott, wir bitten dich für …, die wir heute getauft haben, und für alle Kinder, die uns anvertraut sind. Beschütze sie und lass sie heranwachsen als Menschen, die Liebe erfahren und weitergeben. Mach uns stark und lass uns gut für uns sorgen, damit wir gut für unsere Kinder sorgen können.

Gott, mach uns offen für deine Liebe. Mach uns offen für die Menschen neben uns. Mach uns offen für deine Barmherzigkeit. Hilf uns, teilen zu lernen. Lass uns spüren, dass wir in deiner Welt nicht zu kurz kommen müssen, gerade wenn wir auch an andere Menschen denken. Und wenn wir gelernt haben, dass einem im Leben nichts geschenkt wird – lass uns umlernen. Zeige uns Menschen, die uns eine Hilfe sind.

Was wir außerdem auf dem Herzen haben, vertrauen wir dir, Gott, in der Stille an.

Stille und Vater unser
Lied 170: Komm, Herr, segne uns
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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