Öffne dich!

Sich die Ohren öffnen lassen und dem Himmel vertrauen.

Jesus hatte sich dem Gehörlosen geöffnet, tief geseufzt, sich nicht vor seinem Ohrenschmalz, seiner Zunge geekelt. Nun öffne dich auch! Mach die Ohren auf, auch wenn du bisher nicht viel Gutes zu hören bekommen hast! Löse deine Zunge, auch wenn du bisher geglaubt hast, reden habe ja doch keinen Zweck!

Der Kopf eines Mädchens von schräg hinten, über dem Ohr klebt ein Smilie, unter dem sich ein Hörimplantat verbirgt

Unter dem Smilie verbirgt sich ein Hörimplantat für ein hörbehindertes Mädchen (Foto: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 12. Sonntag nach Trinitatis, den 17.8.1997, um 9.00 Uhr in Uffhofen und um 10.00 Uhr in Flonheim (ursprünglich am 11. August 1991 um 9.30 Uhr in der Landesnervenklinik Alzey)
Lied 161, 1-3:

Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören; lenke Sinnen und Begier auf die süßen Himmelslehren, dass die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden.

Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis verhüllet, wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, tun und dichten musst du selbst in uns verrichten.

O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren: mach uns allesamt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren; unser Bitten, Flehn und Singen lass, Herr Jesu, wohl gelingen.

Zu Beginn unseres Gottesdienstes möchte ich Ihnen sagen, mit wem Sie es heute zu tun haben. Ich bin Pfarrer Schütz und arbeite als Klinikseelsorger in der Rheinhessen-Fachklinik und im DRK-Krankenhaus Alzey. Frau … ist ehrenamtliche Mitarbeiterin der Klinikseelsorge und unterstützt mich heute bei den Lesungen.

Wir feiern diesen Gottesdienst – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 38:

14 Ich bin wie taub und höre nicht, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut.

15 Ich muss sein wie einer, der nicht hört und keine Widerrede in seinem Munde hat.

16 Aber ich harre, HERR, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst erhören.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wer’s glaubt, wird selig, sagen wir, wenn jemand uns etwas Unglaubliches erzählt. Oft hören wir auch biblische Geschichten mit Skepsis. Gott, wir dürfen zweifeln und Fragen stellen, aber bewahre uns davor, dass wir gar nichts mehr wissen wollen von deinen Wundern, vergib uns, wenn wir uns ganz für dich verschließen. Lass uns weiter suchen nach dem, wonach wir uns sehnen.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Du hast es uns versprochen (Jesaja 42, 3):

Das geknickte Rohr [wirst du] nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht … nicht auslöschen.

Lobsinget Gott, erhebet seinen Namen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.“

Der Herr sei mit Euch. „Und mit Deinem Geist.“

Gott, du hast durch Jesus damals in Israel Menschen geheilt, und wir fragen uns manchmal, warum du nicht auch heute alle Krankheit von uns nimmst. Wie können wir heil werden durch dich? Öffne unsere Ohren, dass wir dein Wort hören, dass es in uns eindringt und unser Herz erreicht. Und rühre unsere Zungen an, dass wir unsere Klage nicht in uns verschließen und auch von Herzen loben und danken können.

Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Buch Jesaja 42 und 43. Dort wird der Messias angekündigt, der Gesandte Gottes, der nach unserem christlichen Glauben in der Gestalt Jesu auf die Erde gekommen ist:

1 Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat.

2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.

3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

18 Hört, ihr Tauben, und schaut her, ihr Blinden, dass ihr seht!

20 Du sahst wohl viel, aber du hast’s nicht beachtet; deine Ohren waren offen, aber du hast nicht gehört.

1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Lob sei Dir, Christus. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 432, 1-3: Gott gab uns Atem, damit wir leben
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir Markus 7, 31-35:

31 Und als [Jesus] wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.

32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.

33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und

34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!

35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

Liebe Gemeinde,

als ich diese Predigt vorbereitete, erinnerte ich mich an die gehörlosen Gemeindeglieder, die ich in meiner früheren Pfarrstelle in Oberhessen kennenlernte. Sie wurden zwar hauptsächlich von einem speziellen Gehörlosenpfarramt betreut und bekamen von dort regelmäßig eine besondere Zeitschrift für Gehörlose. Aber einer von ihnen, ein junger intelligenter Mann, der den Beruf des Zahntechnikers erlernt hatte, kam doch auch öfters in meinen Gottesdienst. Zwei andere, ein gehörloses Ehepaar, lernte ich kennen, als ihre nicht-behinderte Tochter konfirmiert wurde; es war mühsam, sich auf Elternabenden mit ihnen zu verständigen, und auch die Tochter selbst hatte wegen der Gehörlosigkeit ihrer Eltern besonders große Schwierigkeiten, sich mit ihnen zu verstehen. Wieder ein anderer, ein lediger junger Mann, war in einer Bäckerei beschäftigt und konnte fast gar nicht sprechen. Und der letzte war ein bereits etwas älterer Mann, der mit seiner über 90-jährigen blinden Mutter in einem Haus lebte.

Wenn ich mir diese Menschen vorstelle, die ohne Gehör das Leben meistern müssen, die zum Teil gar nicht sprechen können oder es nur sehr, sehr mühsam in der Gehörlosenschule erlernt haben – was wäre, wenn sie diese Geschichte von Jesus hören würden? Das heißt, sie könnten sie ja gar nicht so hören wie Sie und ich – sie müssten die Geschichte entweder zu lesen bekommen, oder jemand müsste sie ihnen in die Gebärdensprache übersetzen oder sie müssten sie mir vom Mund ablesen… Was wäre, wenn man ihnen von Jesus erzählte, wie er den gehörlosen Mann heilt:

35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

Ich glaube, dass die meisten der Gehörlosen, die ich kenne, mit Unverständnis, Zweifel oder Ärger reagieren würden. Sie würden vielleicht sagen: „Wenn Jesus damals den Taubstummen heilen konnte, wieso hilft er dann mir nicht? Was soll diese Geschichte; sie macht mich nur traurig; ich muss mich doch trotzdem abfinden mit meiner Behinderung!“ Ganz ähnlich könnten nun aber auch Sie sich fragen: Wenn Jesus damals mit der Kraft Gottes diesen einen Mann gesund gemacht hat – warum macht er dann nicht auch heute die Kranken gesund, ganz gleich, welche Krankheit oder Behinderung sie haben?

Eine wichtige Frage ist: Was für ein Wunder ist in der Geschichte vom Taubstummen eigentlich geschehen? Welche Art Wunder kann auch uns widerfahren, kann auch uns helfen?

Menschen aller Zeiten haben immer gern an Wunder in diesem Sinn geglaubt: Da werden Naturgesetze außer Kraft gesetzt, da geschieht Dramatisches, Unglaubliches, für den gesunden Menschenverstand Unmögliches. Manchmal hat man auch gedacht: Wer ein Mann Gottes sein will, der muss solche Wunder tun können. Auch von Jesus haben viele erwartet: Beweise doch, dass du Gottes Sohn bist, tu ein Wunder, dann glauben wir an dich!

Gerade das hat Jesus aber immer abgelehnt. Durch Beweise kann man niemanden zum Glauben führen, denn der Glaube ist Vertrauen, hat mit Liebe zu tun und nicht mit Kontrolle und Sicherheit.

Von was für einem Wunder erzählt denn dann unsere Jesusgeschichte? Ich glaube, dass die Wundererzählungen der Bibel, die scheinbar gegen die Naturgesetze ablaufen, eigentlich in bildhafter Form von einem ganz anderen Wunder erzählen: Von dem Wunder, dass Gott die Menschen liebt, dass Menschen anfangen, auf Gott zu vertrauen, dass Menschen, die irgendwie festgefahren sind, plötzlich neue Hoffnung bekommen.

Schauen wir einmal, wie in unserer Geschichte von Jesus und dem Taubstummen von diesem Wunder erzählt wird: Hier beginnt dieses Wunder damit, dass Jesus Wege geht, die für einen Juden der damaligen Zeit ganz ungewöhnlich sind.

31 Als er fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.

Tyrus, Sidon, die Zehn Städte, das waren alles Städte, die außerhalb des eigentlichen Gebietes von Israel lagen. Jesus überschreitet Grenzen, er geht zu den griechisch sprechenden Menschen der Hafenstädte und der ausländischen Ansiedlungen im Inneren des Landes. Und hier geschieht es.

32 Sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.

Ein gehörloser Mann, der nicht für sich selber sprechen und bitten kann, wird von anderen zu Jesus gebracht. Sie kennen offensichtlich bereits die Heilungsmethode des Handauflegens, die damals von vielen Heilern geübt wurde, und sie erwarten von Jesus, dass er auf diese Art und Weise dem Kranken wohl helfen könne.

Jesus ist bereit, ihm zu helfen. Aber er hat seine eigenen Methoden. Zuerst einmal tut er etwas, was ganz im Gegensatz steht zu dem, was die sogenannten Wunderheiler tun, damals wie heute:

33 Er nahm ihn aus der Menge beiseite.

Jesus will nicht, dass aus einer Heilung sozusagen etwas für die Bildzeitung wird. Er will, wenn er dem Kranken helfen kann, daraus nicht eine Werbeaktion für sich selbst machen. Vielleicht weiß er auch: Ich kann einem Kranken manchmal besser helfen, wenn er von den Menschen wegkommt, bei denen er sonst immer ist. Genau wie ja auch manchem Kranken hier in der Klinik besser geholfen werden kann, wenn er einmal eine Zeitlang nicht in seiner Familie lebt.

Was tut Jesus dann?

Er legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel.

Ganz nahe kommt ihm Jesus, unerhört nahe! Er fasst ihn an, und zwar in einer Weise, die uns normalerweise ekeln würde. Wer berührt schon gern das Innere der Ohren eines anderen Menschen oder seine Zunge, und dann noch mit der eigenen Spucke? Und wer lässt sich gern so berühren? Ein großes Vertrauen muss man hier voraussetzen, sowohl von Jesus, der ganz für diesen Menschen offen ist, der überhaupt nicht vor ihm zurückscheut, als auch von diesem Kranken, der einen anderen Menschen als Jesus vielleicht nicht so nahe an sich herangelassen hätte.

Abseits von der großen Menge, fern von den Menschen, bei denen dieser Kranke sonst lebt, geschieht hier etwas Ungewöhnliches: eine ganz nahe, dichte Beziehung des Vertrauens wird hier gestiftet. Zwei, die sich fremd waren, kommen sich so nahe wie Freunde, wie Verwandte – ja, vielleicht sogar noch näher – denn wir wissen ja nicht, ob man sich im Umfeld des Taubstummen überhaupt ihm nahe gefühlt hat, ob er nicht das Schicksal vieler Behinderter geteilt hat, dass er bestenfalls geduldet war, aber nicht wirklich dazu gehören durfte zum Leben der Gesunden.

Und noch etwas kommt hinzu:

34 Jesus sah auf zum Himmel und seufzte.

Sein Blick zum Himmel, verbunden mit diesem Seufzer, mag gemischte Gefühle Jesu ausdrücken: wie sehr geht ihm das Schicksal dieses Menschen nahe! wie sehr weiß er, dass ihm nur Gott im Himmel wirklich helfen kann! Die Beziehung dieser beiden Menschen, Jesu und des Taubstummen, ist eine Beziehung voller Gefühl, alles andere als eine rein berufsmäßige Beziehung zwischen einem Arzt und einem Patienten. Und diese Beziehung wird zusätzlich offen nach oben, zum Himmel. Mag auch ein Mensch, der einem andern helfen will, sich selber hilflos fühlen – wenn er weiß, dass Hilfe von oben kommen kann, dann ist beiden geholfen. Und die Stärke Jesu lag nicht darin, dass er von sich aus mehr Kraft zum Heilen gehabt hätte als wir anderen Menschen, nein, stark war er einfach durch sein Vertrauen zu Gott im Himmel.

Und dann sagt Jesus nur ein Wort.

Und [er] sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!

„Öffne dich!“ sagt Jesus. Darum geht es ihm, das ist sein Ziel. Der Kranke soll sich öffnen, dann kann er heil werden. Jesus hatte sich dem Gehörlosen geöffnet, war ihm nahegetreten, hatte in seinem Seufzen seine Gefühle vor ihm offengelegt, hatte ihn angefasst, hatte sich nicht vor ihm geekelt, hatte ihn nicht einmal gefragt, ob er sich die Ohren gewaschen hatte. Und noch mehr wollte Jesus dem Kranken zeigen: Der Himmel stand ihm offen. Und nun, Kranker, öffne dich auch! Vertrau mir! Vertrau dem Himmel! Vertrau deinem Gefühl! Mach die Ohren auf, auch wenn du bisher nicht viel Gutes zu hören bekommen hast! Löse deine Zunge, auch wenn du bisher geglaubt hast, reden habe ja doch keinen Zweck!

35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

Vielleicht haben Sie es gemerkt: So wie ich es beschrieben habe, könnte vielleicht auch mancher, der nicht im medizinischen Sinn gehörlos ist, dieses Wunder erfahren, wieder hören, wieder reden zu können. Es gibt ja auch viele Menschen, die haben ihr Gehör und ihre Fähigkeit zu sprechen. Aber sie hören nicht hin, sie verschließen ihre Ohren. Am letzten Sonntag haben wir davon schon einmal gehört in der Predigt: Wir wollen manchmal nicht hinhören, wenn es nur schlechte Nachrichten zu hören gibt. Und viele möchten auch nicht reden, jedenfalls nicht über das, was ihnen nahegeht, was sie bedrückt, weil sie meinen, es hört ja doch niemand zu. Auch diese seelische Taubheit und Stummheit kann krank machen. Man verschließt sich in sich selber, man schluckt Gefühle und Tränen herunter. Die einen verhärten sich dann im Innern und werden auch hart gegenüber anderen Menschen. Manche greifen zum Alkohol, andere reagieren mit Depressionen. Viele verschiedene Auswirkungen kann es haben, wenn ich mich so zu-mache, wenn ich nichts mehr an mich heranlasse, mir aber auch nichts mehr anmerken lasse. Ich erhoffe nichts Gutes mehr, will auf nichts mehr hoffen, weil ich auf keinen Fall mehr enttäuscht werden möchte. Ich will niemandem zeigen, was mit mir los ist, weil das zu weh tut und ich nicht glauben kann, dass mir noch jemand helfen könnte.

Ist es nicht wirklich ein Wunder, wenn man als solch ein Mensch dann so einem begegnet wie Jesus? Wenn man merkt: da rückt mir einer auf die Pelle, der meint es wirklich gut mit mir? Es mag zwar bedrohlich sein, wie der mich aus all dem herausholt, was mir bisher vertraut war, aber gibt er mir nicht auch eine unerhört schöne, neue Hoffnung? Sollte es vielleicht doch etwas geben, was sich zu hören lohnt? Sollte es vielleicht doch möglich sein, zu reden, und jemand hört zu?

Der Taubstumme macht die Ohren auf, er fängt an, richtig zu reden. Er steht wieder in Beziehung – zu Menschen und zu Gott. Darum geht es. Auch mit den Gehörlosen, die ich kannte, ist so etwas möglich gewesen. Sie blieben gehörlos, aber sie erfuhren – ich kann in Beziehung treten – mit anderen Menschen und mit Gott. Der gehörlose junge Mann, der damals zu mir in den Gottesdienst kam, er bemühte sich, mir die Worte vom Mund abzulesen. Als ich merkte, dass er öfter kam, hielt ich immer einen Durchschlag meiner Predigt für ihn bereit, zum Mitlesen. So konnte er alles besser mitbekommen und fühlte sich wirklich dazugehörig. Der andere junge Mann in der Bäckerei, der gar nicht sprechen konnte – er winkte jedem freundlich zu, der auch ihn freundlich ansah. Und der ältere gehörlose Mann mit seiner blinden Mutter – sie konnten sich gegenseitig eine große Hilfe sein.

Wirkliche Wunder geschehen auch da, wo wir Behinderungen und Krankheiten annehmen müssen, ja, überall da, wo wir die Wirklichkeit so annehmen müssen, wie sie ist, auch wenn sie uns nicht gefällt. Dann wünschen wir uns die Wirklichkeit nicht anders, wenn wir sie wirklich nicht ändern können, sondern wir versuchen, in der Wirklichkeit die besten Möglichkeiten für uns zu finden, vor allem so miteinander zu leben, dass einer dem andern hilft, seine Lasten zu tragen.

Ein wirkliches Wunder auf dieser Erde ist es nicht, wenn durch übernatürliche Eingriffe ein einzelner auf unerklärliche Weise gesund wird. Wunder geschehen da, wo wir die Zuversicht gewinnen, dass Gott uns liebt und wichtig nimmt, so wie wir sind. Wunder geschehen da, wo wir in unserem Leben einen Sinn erkennen – durch andere Menschen und durch Gott. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 637, 1-4: Alle Knospen springen auf

Lasst uns beten!

Gott, bewahre uns davor, auf falsche Wunder zu hoffen: zum Beispiel, dass man die Vergangenheit ändern möchte oder dass mit einem Schlag eine Krankheit weg sein soll oder dass man etwas haben möchte, was ein anderer hat.

Gott, du willst uns alles schenken, alles, was wir brauchen, alles, was für uns gut ist. Du hast genug Liebe für uns übrig, lass sie uns spüren. Und mach uns bereit, mit dieser Liebe füreinander da zu sein, hier in der Gemeinde und überall, wo wir Verantwortung tragen.

Wir legen dir die Menschen ans Herz überall in der Welt, überall wo Katastrophen geschehen durch Naturgewalten oder verursacht durch Menschen, Überschwemmung, Waldbrand, Gasexplosion, Flugzeugabsturz, wo Hunger und Not herrscht, wo Menschen verzweifelt die Flucht suchen. Wir wissen keinen Ausweg für sie, und wir sehen hilflos die Bilder von Zerstörung und Bitterkeit. Zeige du Auswege, wo wir keine sehen, Auswege aus der Not, die menschlich sind.

Wir bitten dich, Gott, lass in unserem Leben Wunder geschehen: das Wunder, dass wir deine Liebe spüren; das Wunder, dass wir es wagen, zu vertrauen; das Wunder, dass wir wieder hoffen lernen. Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser
Lied 369, 1+7:

1) Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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