Von Hornissen, Bienen und Skorpionen

Laut Vitus B. Dröscher konnte Israel tatsächlich Honig aus Felsen saugen. Der Einsatz von Hornissen war „eine zwar schrecken­verbreitende, aber doch vergleichsweise humane Waffe, wahrhaft würdig einer Armee Gottes.“ Schließlich lehren die Geschichten von Skorpionen in der Bibel, dass die Angst vor dem tödlichen Biss – bei zu wenig Gottvertrauen – eine tödlichere Gefahr sein kann als der Biss selbst.

Viele Honigbienen beieinander

Honigbienen (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtTaufgottesdienst am 12. Sonntag nach Trinitatis, den 23. August 2015, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Zur Gottesdienstreihe mit Tierpredigten ließ ich mich durch das Buch von Vitus B. Dröscher, Über die Tierwunder der Bibel, Esslingen 1990, inspirieren. Ich verwende zahlreiche Zitate aus diesem Buch (manchmal paraphrasierend, manchmal wörtlich zitierend, die Seitenzahlen unten beziehen sich auf dieses Buch). Da ich die Argumentation Dröschers immer nur stark gekürzt wiedergeben kann, kann ich nur empfehlen, seine Bücher selbst zu lesen.

Orgelvorspiel und Einzug der Tauffamilie

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zum Taufgottesdienst in der Pauluskirche, besonders unser Taufkind … mit seiner Familie und seinen Paten.

Im August hält Herr Pfarrer Schütz eine Reihe von Tierpredigten; heute werden wir etwas von Hornissen, Bienen und Skorpionen hören. Aber keine Angst, wir haben keins von diesen Tieren heute in die Kirche mitgebracht. Ursprünglich sollte es auch noch um Schlangen gehen, aber von denen steht so viel in der Bibel, dass man darüber extra eine Predigt halten könnte.

Wir singen aus dem Lied 503 die Strophen 1, 6 und 8, in denen unter anderem von Bienen die Rede ist:

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

6. Die unverdrossne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise, in seinem schwachen Reise.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir loben Gott mit Worten aus dem Buch der Weisheit 11, die König Salomo verfasst haben soll:

21 Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Denn deine Kraft gewaltig zu erweisen ist dir allezeit möglich, und wer kann der Macht deines Arms widerstehen?

22 Denn die ganze Welt ist vor dir wie ein Stäublein an der Waage und wie ein Tropfen des Morgentaus, der auf die Erde fällt.

23 Aber du erbarmst dich über alle; denn du kannst alles, und du übersiehst die Sünden der Menschen, damit sie sich bessern sollen.

24 Denn du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast; denn du hast ja nichts bereitet, gegen das du Hass gehabt hättest.

25 Wie könnte etwas bleiben, wenn du nicht wolltest? Oder wie könnte erhalten werden, was du nicht gerufen hättest?

26 Du schonst aber alles; denn es gehört dir, Herr, du Freund des Lebens.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Weil Gott der Freund des Lebens ist, dürfen wir auch staunen über seine Geduld mit Sündern, wie wir sie dargestellt finden im Buch der Weisheit 12:

2 Darum bestrafst du die, die fallen, nur leicht und warnst sie, indem du sie an ihre Sünden erinnerst, damit sie von ihrer Schlechtigkeit loskommen und an dich, Herr, glauben.

3 Denn … du [warst] den früheren Bewohnern deines heiligen Landes feind…,

6 … die sich zu Opfermahlen von Menschenfleisch zusammentaten und die sich mit Blut weihten in einer Opfergemeinde und die als Eltern ihre hilflosen Kinder mit eigner Hand töteten…

8 Dennoch schontest du sie, weil auch sie Menschen waren, und sandtest deinem Heer Hornissen voraus, damit sie sie nur nach und nach vertilgen sollten.

9 Es war dir zwar nicht unmöglich, die Gottlosen in einer Schlacht den Gerechten zu unterwerfen oder durch schreckliche Tiere oder durch ein hartes Wort auf einmal zu zerschmettern;

10 aber du richtetest sie nur nach und nach und gabst ihnen so Gelegenheit zur Buße, obgleich du wohl wusstest, dass ihr Ursprung böse und ihre Schlechtigkeit angeboren war und dass sich ihr Sinn niemals mehr ändern würde.

Gott, mach uns bewusst, wo wir für Böses verantwortlich sind oder Gutes unterlassen. Schenke auch uns die Gelegenheit und den Mut zur Umkehr. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir loben und danken Gott mit Worten aus dem Buch Jesus Sirach 39:

21 Alle Werke des Herrn sind sehr gut…

26 Man darf nicht sagen: Was ist das? was soll das? Denn er hat alles geschaffen, damit es zu etwas dienen soll.

29 Sein Tun ist bei den Heiligen recht; aber die Gottlosen stoßen sich daran.

30 Von Anfang an ist das Gute für die Frommen geschaffen und ebenso das Böse für die Gottlosen.

31 Der Mensch bedarf zu seinem Leben vor allem Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mehl, Milch, Honig, Wein, Öl und Kleider.

32 Das alles kommt den Frommen zugut, aber für die Gottlosen wandelt es sich zum Bösen.

33 Es gibt Winde, die sind zur Strafe geschaffen, und durch ihr Stürmen richten sie schweren Schaden an;

34 und wenn die Strafe kommen soll, so toben sie und besänftigen dadurch den Zorn dessen, der sie geschaffen hat.

35 Feuer, Hagel, Hunger, Tod, das alles ist zur Strafe geschaffen.

36 Wilde Tiere, Skorpione, Schlangen und das Schwert sind auch zur Strafe geschaffen, um die Gottlosen zugrunde zu richten.

37 Mit Freuden erfüllen sie seinen Befehl und sind bereit, wenn er sie auf Erden braucht; und wenn ihre Zeit kommt, widersetzen sie sich ihm nicht.

38 Darum war ich von Anfang an meiner Sache gewiss und bedachte es und schrieb’s nieder,

39 dass alle Werke des Herrn gut sind und jedes zu seiner Zeit einen Zweck erfüllt

40 und dass man nicht sagen darf: Es ist nicht alles gut; denn alles ist zu seiner Zeit sinnvoll.

41 Darum soll man den Namen des Herrn loben und danken mit Herz und Mund.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gerechter und barmherziger Gott, Gott des Friedens und der Liebe. Lehre uns, die Wunder deiner Schöpfung zu bestaunen und uns als Teil deiner Schöpfung anzunehmen und verantwortlich mit deinen Gaben umzugehen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Vor zwei Wochen stand die Schriftlesung in demselben Kapitel wie heute, im 5. Buch Mose – Deuteronomium 32. Da ging es um Gott, der sein Volk Israel wie eine Adlermutter auf ihren Flügeln trägt. Heute hören wir weitere Verse, in denen davon die Rede ist, wie Gott sein Volk wunderbar versorgt, zum Beispiel mit dem Honig der Bienen:

8 Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels.

9 Denn des HERRN Teil ist sein Volk, Jakob ist sein Erbe.

10 Er fand ihn in der Wüste, in der dürren Einöde sah er ihn. Er umfing ihn und hatte acht auf ihn. Er behütete ihn wie seinen Augapfel.

11 Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Flügeln.

12 Der HERR allein leitete ihn, und kein fremder Gott war mit ihm.

13 Er ließ ihn einherfahren über die Höhen der Erde und nährte ihn mit den Früchten des Feldes und ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus hartem Gestein,

14 Butter von den Kühen und Milch von den Schafen samt dem Fett von den Lämmern, feiste Widder und Böcke und das Beste vom Weizen und tränkte ihn mit edlem Traubenblut.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Vor der Taufe singen wir das Lied 211:
Gott, der du alles Leben schufst

Liebe Eltern, …, liebe Paten, …, und liebe Gemeinde!

Vor fünf Jahren haben wir … getauft, den Bruder des heutigen Taufkindes … . Er hat damals einen Taufspruch aus dem Buch Jesaja 41, 10 bekommen (Einheitsübersetzung):

Gott spricht: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; hab keine Angst, ich mache dich stark.

Heute taufen wir nun also …. . Er kriegt einen eigenen Taufspruch aus dem 5. Buch Mose – Deuteronomium 31, 8 (Einheitsübersetzung):

Der Herr ist mit dir. Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht.

Ich finde es interessant, die beiden Taufsprüche zu vergleichen. Sie sind sehr ähnlich, fast wie Brüder, und doch unterschiedlich, wie ja auch Brüder sehr verschieden sein können. Beide Bibelverse gehen davon aus, dass Gott mit diesem Kind ist. In dem einen sagt Gott das selber, im anderen wird es von Gott, dem Herrn, gesagt. Gott ist ein Herr, der uns Leben, Liebe, Freiheit und Frieden schenkt; dieser Herr ist und bleibt bei … und … auf ihrem Lebensweg.

In beiden Sprüchen werden zwei weitere Sätze von Gott gesagt. „Hab keine Angst, ich mache dich stark“, das sagt er zu … . „Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht“, das steht in dem Vers für … .

Angst zu haben, ist manchmal normal. Aber wenn Gott da ist, wenn er einem Kraft gibt, dann kann man mutig sein und Angst überwinden. Dann muss man nicht so tun, als hätte man überhaupt keine Angst, und man muss auch anderen keine Angst machen, bloß weil man selber nicht zugeben will, dass man sich selber nicht immer so stark fühlt.

Auch der Spruch für … hat mit Angst und Mut zu tun. Ich glaube, kein Mensch würde gern ganz allein sein oder einfach fallengelassen werden. Wenn wir wissen, dass Gott wie ein Freund für uns da ist, wie wir es vorhin in einem Psalm gebetet haben, dann müssen wir keine Angst haben, jemals völlig verlassen zu sein. Und auch wenn wir in unserem Leben einmal meinen, den Boden unter den Füßen zu verlieren, dann können wir doch nicht tiefer fallen als in Gottes Hände. Er lässt uns nicht abstürzen und gibt uns nicht auf, auch wenn wir einmal Fehler machen. In dieser Zuversicht vertrauen wir auch unser Taufkind … dem guten Vater im Himmel an.

Gemeinsam sprechen wir unser Vertrauen auf den dreieinigen Gott aus, indem wir das Apostolische Glaubensbekenntnis beten, stellvertretend auch für … :

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 574:

Segne dieses Kind
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, nun folgt eine weitere Tierpredigt – über Hornissen, Bienen und Skorpione.

Das klingt gruselig, wenn wir daran denken, dass alle diese Tiere stechen können und Skorpiongift sogar tödlich wirken kann. Aber was in der Bibel über diese Tiere steht und was der Zoologe Vitus B. Dröscher dazu erläutert hat, das kann uns helfen zu begreifen, warum auch gruselige Tiere mit gutem Grund zur Schöpfung Gottes dazugehören.

Ich fange mit den Bienen an. Von ihnen wissen wir: Die können zwar stechen, wenn man nicht aufpasst, aber sie versorgen uns auch mit Honig. In der Bibel heißt es sogar, wir haben‘s vorhin gehört (5. Buch Mose – Deuteronomium 32, 13):

13 [Gott] nährte [Israel] mit den Früchten des Feldes und ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus hartem Gestein.

Wie kommt Honig in einen Felsen, so dass man ihn da heraussaugen kann? Das lässt sich einfach erklären.

„Bienen nutzen ja nicht nur Baumhöhlen als Nistplätze, sondern auch Löcher im Felsen. Man brauchte also nur die Tiere auszuräuchern, einen entrindeten Zweig in das Loch zu stecken, etwas zu stochern, und schon hatte man ein ‚Bonbon am Stiel‘.“ (S. 87)

Aber wie ist es möglich, so ein Bienennest im Felsen aufzuspüren? In unserer Pfarrwohnung oben im Gemeindezentrum wurde jetzt bei den Sanierungsarbeiten in einer Wand zufällig ein Bienennest gefunden; ein Arbeiter kriegte sogar einen Bienenstich ab. Wir als Bewohner hatten keine Ahnung von dem Bienenvolk in enger Nachbarschaft gehabt. Wie also konnte Israel Bienen in einem Felsen finden?

Vitus Dröscher meint, dass darüber das biblische Buch Sirach Auskunft gibt.

„In diesem Buch können wir nachlesen, dass ein ‚kleines Vöglein‘ den Honigquell gewiesen habe.“ (S. 88)

In Sirach 11, 3 finden wir allerdings nur in einer sehr alten Übersetzung den Satz, auf den sich Dröscher bezieht:

3 Die Biene ist ein kleines Vöglein und gibt doch die allersüßte Frucht.

Nun wissen wir natürlich: die Biene ist kein Vogel. Aber vielleicht erinnert die Formulierung im Buch Sirach daran, dass es einen Vogel gibt, der darauf spezialisiert ist, in enger Kooperation mit Menschen, Dachsen oder Pavianen Honignester aufzuspüren. Er heißt Honiganzeiger,

„der heute lediglich noch in Afrika südlich der Sahara verbreitet ist, früher aber, als die Austrocknung der Wüstengebiete noch längst nicht so weit fortgeschritten war wie derzeit, bis nach Syrien hin zu finden war.“ (S. 88)

Obwohl der Honiganzeiger ein Spechtvogel ist,

„ist sein Schnabel so schwach, dass er aus eigener Kraft nicht an seine Nahrung herankommen kann.“ (S. 89)

Er frisst nämlich das Wachs der Honigwaben, das andere Tiere nicht verdauen können, braucht aber hilfreiche Menschen oder Tiere, die ihm Zugang zum Bienennest verschaffen. Im Gegenzug wird er schon in der Bibel zum wunderbaren Sendboten Gottes, der die Israeliten auf süßen Honig im harten Felsen aufmerksam macht.

Die gefährliche Seite der Bienen wird ebenfalls im 5. Buch Mose – Deuteronomium 1 erwähnt. Um den Zusammenhang zu verstehen, müssen wir ein wenig ausholen. Es war ja so, dass eigentlich das Volk Israel gar nicht 40 Jahre lang in der Wüste umherirren sollte, bevor es das Land Kanaan besiedeln konnte. Aber als die Israeliten zum ersten Mal Kundschafter nach Kanaan aussandten, da fürchteten sie sich so sehr vor den Bewohnern des Landes, dass sie sich weigerten, im Vertrauen auf Gott vorwärts zu gehen. Da erinnert Gott sein Volk daran, was er ihnen gesagt hatte, nämlich:

30 Der HERR, euer Gott, zieht vor euch hin und wird für euch streiten, wie er‘s mit euch getan hat in Ägypten vor euren Augen

31 und in der Wüste. Da hast du gesehen, dass dich der HERR, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Wege, den ihr gewandert seid, bis ihr an diesen Ort kamt.

32 Und trotzdem glaubtet ihr dem HERRN, eurem Gott, nicht.

35 [Darum] soll keiner von diesem bösen Geschlecht das gute Land sehen, das ich ihren Vätern zu geben geschworen habe.

Also: mangelndes Gottvertrauen führt dazu, dass das Volk Israel eine ganze Generation lang weiter in der Wüste leben muss. Aber diese Strafe will das Volk nicht auf sich nehmen. Jetzt auf einmal wollen alle doch in den Kampf gegen Kanaan ziehen. Aber Mose muss ihnen ein hartes Wort von Gott ausrichten:

42 Da sprach der HERR zu mir: Sage ihnen, dass sie nicht hinaufziehen, auch nicht kämpfen – denn ich bin nicht unter euch -, damit ihr nicht geschlagen werdet von euren Feinden.

43 Als ich euch das sagte, gehorchtet ihr nicht und wurdet ungehorsam dem Munde des HERRN und waret vermessen und zogt hinauf ins Gebirge.

44 Da zogen die Amoriter aus, die auf dem Gebirge wohnten, euch entgegen und jagten euch, wie‘s die Bienen tun, und schlugen euch von Seïr bis nach Horma.

Hier kommen kämpferische Bienen vor: eine menschliche Armee wird mit Bienen verglichen, die ein anderes Volk in die Flucht schlagen. An dieser Stelle ist das bildlich gemeint.

Aber 40 Jahre später soll das Volk Israel wirklich das Land Kanaan einnehmen, und dann sollen ihm tatsächlich mit Stacheln bewaffnete Insekten dabei helfen. Dazu heißt es im 5. Buch Mose, Kapitel 7:

17 Wirst du aber in deinem Herzen sagen: ‚Diese Völker sind größer als ich; wie kann ich sie vertreiben?‘,

18 so fürchte dich nicht vor ihnen. Denke daran, was der HERR, dein Gott, dem Pharao und allen Ägyptern getan hat

19 durch große Machtproben, die du mit eigenen Augen gesehen hast, und durch Zeichen und Wunder, durch mächtige Hand und ausgereckten Arm, womit dich der HERR, dein Gott, herausführte. So wird der HERR, dein Gott, allen Völkern tun, vor denen du dich fürchtest.

20 Dazu wird der HERR, dein Gott, Angst und Schrecken unter sie senden, bis umgebracht sein wird, was übrig ist und sich verbirgt vor dir.

Merkwürdig. Da steht gar nichts von Stachel-Insekten. Aber übersetzt man den Urtext wörtlicher, wie es zum Beispiel die Elberfelder Bibel tut, dann heißt es da:

20 Und auch die Hornissen wird der HERR, dein Gott, gegen sie senden, bis alle, die übriggeblieben sind und die sich vor dir versteckt haben, umgekommen sind.

Martin Luther hat in seiner Übersetzung das hebräische Wort für Hornissen ersetzt durch die allgemeinere Formulierung „Angst und Schrecken“, weil er sich wohl nicht vorstellen konnte, wie das Volk Israel mit Hornissen Krieg führen sollte. Inzwischen ist aber nachgewiesen worden,

„dass in damaliger Zeit der Einsatz von Hornissen-, Wespen- und Bienenschwärmen gegen die Armee der Feinde durchaus gang und gäbe war.

Die Ägypter betrieben schon seit 2500 v. Chr. systematisch Bienenzucht. Statt des Korbes verwendeten sie große, aus Nilschlamm gebrannte Tonröhren. In solchen Röhren wurden auch Hornissen- und Wespenwaben… eingefangen und im Tross der Armee mitgeführt.

Gleich zu Beginn der Schlacht schleuderten die Soldaten diese ‚explosiven‘ Geschosse mit Katapulten in die Reihen der Gegner. Die Tonröhren zerbrachen beim Aufprall, die Hornissen, Wespen oder Bienen schwärmten aus, stachen auf alles ein, was sich bewegte, brachten die Phalanx der Feinde in völlige Verwirrung und trieben sie mitunter sogar in die Flucht. Es sind sogar Fälle überliefert, in denen die bloße Androhung, Hornissen einzusetzen, den Feind zu kopfloser Flucht veranlasste.

Die moralische Wirkung muss eine ungeheure gewesen sein. Tote hingegen gab es kaum zu beklagen. … Also war dies eine zwar schreckenverbreitende, aber doch vergleichsweise humane Waffe, wahrhaft würdig einer Armee Gottes.

Hinzu kam, dass eine mit Hornissen ‚eingenebelte‘ Feindtruppe nicht angegriffen und niedergemetzelt werden konnte, wollte man nicht selbst von den eigenen Insekten gestochen werden.“ (S. 84-85)

So wurde wörtlich wahr, was Gott seinem Volk im 2. Buch Mose – Exodus 23), angekündigt hatte:

28 Ich will [Hornissen] vor dir her senden, die vor dir her vertreiben die Hiwiter, Kanaaniter und Hetiter.

29 Aber ich will sie nicht in einem Jahr ausstoßen vor dir, auf dass nicht das Land wüst werde und sich die wilden Tiere wider dich mehren.

30 Einzeln nacheinander will ich sie vor dir her ausstoßen, bis du zahlreich bist und das Land besitzt.

Die Lutherübersetzung von 1984 hat allerdings statt „Hornissen“ wieder „Angst und Schrecken“; in der ursprünglichen Lutherbibel von 1545 stand aber noch „Hornissen“.

In diesen Worten spiegelt sich übrigens wider, dass die sogenannte Landnahme Kanaans vermutlich sowieso weniger ein kriegerischer Prozess war als eine allmähliche Besiedlung, bei der Israeliten und andere Volksstämme für sehr lange Zeit mehr oder weniger friedlich nebeneinander wohnten.

So viel zu Bienen und Hornissen. Kommen wir zu den Skorpionen. Sie kommen in der Bibel vor, als König Salomo stirbt und sein Sohn Rehabeam König über ganz Israel werden will. Dieser Rehabeam folgt unklugen Ratgebern und kündigt dem Volk Israel an (1. Könige 12):

14 Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich aber will euch mit Skorpionen züchtigen.

Wir können diesem Vers entnehmen, dass der wegen seiner Weisheit berühmte König Salomo in der Bibel durchaus auch kritisch betrachtet wurde, weil er seine Baumaßnahmen mit harter Hand durchsetzte und Tausende von Israeliten zur Fronarbeit verpflichtete. Offenbar ließ man dem weisen Salomo das wegen seiner Verdienste trotzdem durchgehen. Als sein Sohn noch härter durchgreifen will, gibt es im Norden des Reiches eine Revolution. Zehn der zwölf Stämme Israels wählen sich einen anderen König, und Rehabeam muss sich mit der Herrschaft über zwei Stämme im Königreich Juda begnügen.

Aber was hat es mit der Drohung Rehabeams auf sich: „Ich will euch mit Skorpionen züchtigen“?

Als es in den Jahren 1946 bis 1951 in der brasilianischen Stadt Ribeirao Preto eine gewaltige Skorpioninvasion gab, einer Stadt, genau so groß wie heute Gießen, wurden

„täglich bis zu zweihundert von diesen Tieren gestochene Menschen in die Spitäler eingeliefert.“ (S. 109)

Viele von ihnen starben. Andere wurden gerettet, aber manche hatten so starke Schmerzen, dass sie wild um sich schlugen, und litten zugleich unter Schüttelfrost und Schweißausbrüchen.

„Tagsüber verkrochen sich die handgroßen Achtbeiner in Ritzen des Straßenpflasters und der Hausfundamente, in Holz- und Ziegelstapeln, unter Fußbodenbrettern, unter dem Dach, in dunklen Ecken der Abstellräume, in Schränken und Schubladen. Nicht einer war zu bemerken. Aber nachts kamen sie überall hervor und durchstreiften die Wohn- und Schlafräume, die Küchen, Schränke, Regale und Möbel sowie die abgelegten Kleider. Sie kletterten an den Gardinen empor und krochen in Betten, Sofas und abgestellte Schuhe, und das bis in die obersten Etagen.“ (109-110)

So ähnlich mag es sich auch in biblischen Zeiten zugetragen haben. Aber damals gab es noch kein DDT oder andere Pestizide, durch die in Brasilien nach fünf Jahren endlich die Plage beendet werden konnte. Man kann verstehen, dass König Rehabeams Drohung zunächst Entsetzen und dann einen Aufruhr hervorrief, denn die Leute wussten offenbar, was Skorpione anrichten können.

Aber wie konnte es damals und noch in unserer Zeit zu einer so großen Skorpionenplage kommen? In Buch der Offenbarung 9 wird eine solche ausführlicher beschrieben, und zwar sieht sie der Prophet Johannes als Zukunftsereignis vor Augen, als die Posaune des fünften Engels erschallt:

1 Und der fünfte Engel blies seine Posaune; und ich sah

3 … Heuschrecken auf die Erde [kommen], und ihnen wurde Macht gegeben, wie die Skorpione auf Erden Macht haben.

4 Und es wurde ihnen gesagt, sie sollten nicht Schaden tun dem Gras auf Erden noch allem Grünen noch irgendeinem Baum, sondern allein den Menschen, die nicht das Siegel Gottes haben an ihren Stirnen.

10 Und [die Heuschrecken] hatten Schwänze wie Skorpione und hatten Stacheln, und in ihren Schwänzen war ihre Kraft, Schaden zu tun den Menschen fünf Monate lang…

5 Und ihnen wurde Macht gegeben, nicht dass sie sie töteten, sondern sie quälten fünf Monate lang; und ihre Qual war wie eine Qual von einem Skorpion, wenn er einen Menschen sticht.

6 Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und nicht finden, sie werden begehren zu sterben, und der Tod wird von ihnen fliehen.

Ich erinnere mich: Als wir diese Schilderung der Offenbarung vor einiger Zeit im Bibelkreis lasen, da verstanden wir nicht, warum Heuschrecken dieselbe Macht wie Skorpione haben sollten. Und warum sie Menschen so sehr quälen, dass sie nicht sterben müssen, aber am liebsten sterben wollen.

Als Erklärung bietet sich an, dass zunächst ein Riesenheuschreckenschwarm über das Land hereinbricht und nicht einmal für Ratten und Mäuse genug Nahrung übrig lässt, so dass diese sterben müssen.

„Nur für eine einzige Tierart ist solch eine Plage ein Eldorado: für die Skorpione. Fällt ein Heuschreckenschwarm über das Land her, kommen die Skorpione sogar bei Tage aus ihren Verstecken heraus und beginnen mit der Mahlzeit.“ (S. 112)

In Brasilien waren es übrigens Riesenkakerlaken gewesen, ebenfalls eine Lieblingsspeise der Skorpione, die zuvor im Land massenhaft aufgetreten waren.

Wenn Skorpione sich allerdings von Heuschrecken ernähren, kann es dazu kommen, dass beide Tierarten zugleich ihren Nachwuchs bekommen, wobei die kleinen Skorpione, die zuerst auf dem Rücken ihrer Mütter reiten, wohl gegenüber den Heuschreckennymphen im Vorteil sind. Das Ergebnis kann sein,

„dass auf der Erde geradezu ein Teppich von einem Gemisch aus Heuschrecken, deren Nymphen sowie großen und kleine Skorpionen wimmelt, so dass man sie bei oberflächlicher Betrachtung nicht unterscheiden kann.“ (S. 113)

Dann sieht es so aus, als ob Heuschrecken so viel tödliche Macht haben wie Skorpione.

Aber wieso sterben die Menschen in diesem Fall nicht, sondern werden nur so sehr gequält, dass sie zu sterben wünschen? Fragen wir Vitus Dröscher:

„Auch dies ist biologisch ganz folgerichtig. In Zeiten einer Wanderheuschrecken-Invasion haben die Skorpione vollauf zu tun, ihre Beutetiere zu stechen. Der Giftvorrat ist bald erschöpft und kann erst im Verlauf von drei bis vier Wochen erneut gebildet werden. Auch die Jungtiere besitzen noch nicht genügend viel Gift. Ihr Stich wirkt allenfalls wie der einer Wespe, sofern sie sich nicht bereits alle verausgabt haben.

Die furchtbare Angst des Menschen vor dem tödlichen Gift bleibt natürlich bestehen. Ob ihn nun tatsächlich ein Skorpion sticht und ihm nur ungefährlich wenig Gift injiziert oder ob ihn eine Heuschrecke beißt, die mit ihren Mundwerkzeugen ganz beachtlich, wenngleich völlig harmlos zwicken kann, immer bekommen Menschen die panische Angst, sterben zu müssen, bis sie es nicht mehr aushalten und den Tod herbeisehnen.“ (S. 113-114)

Die Pointe dieser gruseligen Geschichte ist in der Offenbarung des Johannes, dass es Menschen gibt, die (Offenbarung 9, 4)

das Siegel Gottes haben an ihren Stirnen.

Ohne Bild gesprochen sind das Menschen, die trotz allem auf Gott vertrauen. Sie sind nicht einer derartigen Todesangst und Todessehnsucht zugleich ausgeliefert. Sie können sich auch in größter Todesgefahr in den Händen Gottes geborgen fühlen und abwarten, welches Schicksal er ihnen beschieden hat. Vielleicht hat Jesus an solche Erfahrungen gedacht, als er einmal 72 von ihm in die Welt ausgesandten Jüngern einen erstaunlichen Satz sagt (Lukas 10):

19 Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.

Ob Jesus wusste, dass das Gift der Skorpione nicht immer tödlich ist? Auf jeden Fall wusste er, dass die Angst selbst eine tödlichere Gefahr sein kann als das, wovor Menschen Angst haben. Denn wer zu wenig Gottvertrauen hat, der hat möglicherweise mehr Angst vor dem Leben als vor dem Tod.

Gut ist es, mit den Taufsprüchen von … und … darauf bauen zu können: Der Herr lässt uns nicht fallen und verlässt uns nicht. Gott spricht zu uns allen: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; hab keine Angst, ich mache dich stark. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 509, in dem unter anderem auch die Biene und die Schlange vorkommt:

Kein Tierlein ist auf Erden dir, lieber Gott, zu klein
Fürbitten und Gebetsstille und Vater unser

Wir singen aus dem Lied 374 die Strophen 1 bis 3:

1. Ich steh in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben; nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich daraus vertreiben. Und wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben.

2. Er ist ein Fels, ein sichrer Hort, und Wunder sollen schauen, die sich auf sein wahrhaftig Wort verlassen und ihm trauen. Er hat’s gesagt, und darauf wagt mein Herz es froh und unverzagt und lässt sich gar nicht grauen.

5. Und meines Glaubens Unterpfand ist, was er selbst verheißen, dass nichts mich seiner starken Hand soll je und je entreißen. Was er verspricht, das bricht er nicht; er bleibet meine Zuversicht, ich will ihn ewig preisen.

Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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