Der verlorene Petrus

Bildbetrachtung im Stuhlkreis der Kita-Kinder im Kinder- und Familienzentrum der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen.

Liebe Kinder, wisst ihr, was der Karfreitag ist? Das ist der Freitag vor Ostern, und über den Tag will ich euch heute etwas erzählen. Wir Christen glauben nämlich: Am Karfreitag ist Jesus an einem Kreuz gestorben.

Viele Menschen verstehen das nicht. Warum wurde ein so guter Mensch wie Jesus an einem Kreuz getötet? Letztes Jahr haben wir gehört: Darüber sind Muslime und Christen nicht einer Meinung. Vielleicht erinnert ihr euch: Fischli hat gesagt: Jesus wurde gekreuzigt. Und Jamal hat gesagt: Das glauben wir Muslime nicht. Gott kann doch nicht Jesus so grausam sterben lassen.

Auch viele Christen verstehen das nicht. Warum waren die Menschen denn so böse auf Jesus, dass sie ihn töten wollten? Und warum haben seine Freunde ihm denn nicht geholfen?

Ich möchte euch zwei Bilder zeigen, um das zu erklären.

Ich zeigte die Bilder 18 „Der verlorene Sohn“ und 23 „Die Verleugnung des Petrus“ aus Horst Heinemann, Erzähl doch mal! Die Erzählbilder zur Hosentaschenbibel. Mit Bildern von Gabriele Hafermaas und Texten von Horst Heinemann u. a.

Letztes Mal habt ihr die Geschichte vom Verlorenen Sohn gehört. Diese Geschichte hatte damals Jesus erzählt. Er wollte zeigen, wie lieb Gott jeden Menschen hat. Auch wenn jemand von Gott wegläuft, Gott nimmt jeden Menschen wieder auf. Aber in der Geschichte gab es auch einen, der fand das gar nicht gut, dass der Papa von dem weggelaufenen Sohn so lieb zu dem war. Er hat ihm ja neue Anziehsachen gegeben und ein Fest mit dem gefeiert. Wer fand das gar nicht gut? * * *

Genau, der Bruder von dem, der weggelaufen war. Hier sehen wir noch einmal ein anderes Bild von dieser Geschichte. Da sehen wir den Papa, der den verlorenen Sohn wiedergefunden hat und sich so sehr freut, dass er ihn ganz lieb in den Arm nimmt. Auch der Hund freut sich, dass der Junge wieder da ist. Und die Schildkröte Zappi freut sich auch…

Aber der Bruder von dem Jungen, der schuftet schwer auf dem Acker, er geht hinter dem Pflug her, und der Papa hat noch nie ein großes Fest mit ihm gefeiert. Der kuckt ganz böse zu dem Jungen rüber. Er denkt: „Ich war immer gut und brav und fleißig. Ich bin nicht weggelaufen. Ich habe nicht all mein Geld ausgegeben und Party gemacht. Und mein Bruder ist böse. Er hat keine Lust zu arbeiten und hat das ganze Geld vom Papa fürs Feiern ausgegeben, und jetzt kommt er und will neues Geld. Er soll wegbleiben. Ich mag ihn nicht mehr. Ich verstehe nicht, dass der Papa ihn immer noch lieb hat.“

So kommt es, dass der gute Bruder so böse kuckt.

Damals, als Jesus gelebt hat, gab es viele gute Leute, die genauso böse auf Jesus waren. Die fanden es nicht gut, dass Jesus Geschichten von Gott erzählte, wie er alle Menschen lieb hat. Die meinten: Gott darf doch nicht die Bösen lieb haben. Die muss er doch strafen. Die sollen wegbleiben. Jesus sagte aber: Ich will, dass auch die bösen Menschen gut werden. Alle Menschen sind doch von Gott geschaffen, sie gehören alle zu ihm.

Aber die guten Leute, die meinten, dass Gott unmöglich die Bösen liebhaben kann, die waren am Ende so böse auf Jesus, dass sie sogar den guten Jesus totmachen wollten.

Aber warum haben denn die Freunde von Jesus ihm nicht geholfen? Dazu zeige ich euch ein anderes Bild:

Hier sehen wir Jesus, wie er gefangengenommen wird. Jesus sieht gar nicht so aus, als ob er Angst hat. Vorher hat er schon Angst gehabt, aber er hat zu Gott gebetet. Und jetzt weiß er: ganz gleich, was kommt, Gott bleibt bei mir und hilft mir.

Aber da ist ein anderer, der scheint große Angst zu haben.

Das ist ein Freund von dem Jesus. Der heißt Petrus. Der wollte eigentlich dem Jesus helfen, darum ist er ihm nachgeschlichen, als man Jesus gefangengenommen hat. Er sieht von weitem, wie man ihn abführt, wie die Soldaten ihn einsperren.

Und da kommt er an einem Lagerfeuer vorbei. Da sitzen auch Soldaten, und einer von ihnen sagt: „He, wer bist du denn, gehörst du auch zu dem Jesus da drin?“

Was soll Petrus jetzt sagen? Wenn er Ja sagt, werden ihn die Soldaten auch schnappen und zu Jesus sperren? Wird man ihn vielleicht auch an ein Kreuz hängen und töten? Er fängt an zu stottern: „Nein, nein, auf keinen Fall, ich verstehe gar nicht, was du meinst.“

Ein anderer von den Soldaten meint spöttisch: „Mal ehrlich, wenn ich dich so reden höre, du sprichst die gleiche Sprache wie der Jesus, du musst den doch kennen!“

Da kriegt der Petrus noch mehr Angst und sagt: „Nein, ich kenne ihn nicht. Ich habe den Mann noch nie gesehen!“

Schließlich steht eine junge Frau auf, die im Haus arbeitet. Sie zeigt auf Jesus und ruft dem Petrus zu: „Jetzt lüg nicht, ich hab dich doch schon mit Jesus zusammen gesehen, du bist bestimmt sein Freund!“

Petrus fängt an zu schwitzen und ist schon fast zur Tür raus, da lügt er zum dritten Mal: „Nein, du irrst dich, ich bin nicht sein Freund!“

Krähender Hahn

Als der Hahn kräht, weint Petrus, weil er gelogen hat, er würde Jesus nicht kennen (Foto: pixabay.com)

Und als Petrus rausrennt und wegläuft, genau in diesem Augenblick kräht ein Hahn: „Kikeriki! Kikeriki!“ Da fängt Petrus an zu weinen, denn Jesus hatte genau das vorausgesagt: „Petrus, du wirst sagen, dass du mich nicht kennst, und dann wird der Hahn krähen.“ Jetzt merkt Petrus: Er hat seinen besten Freund im Stich gelassen, und er ist sehr sehr traurig deswegen.

Aber schaut mal auf dem Bild den Jesus an: Der kuckt rüber zu dem Petrus. Was denkt wohl Jesus von Petrus? Denkt er: „Ich hab‛s gleich gesagt. Auf den ist kein Verlass? Soll er doch abhauen. Jetzt mag ich ihn auch nicht mehr!“

Nein. Jesus hat den Petrus immer noch lieb. Er ist traurig und enttäuscht. Aber er bittet Gott: „Hilf dem Petrus, dass er wieder Mut kriegt. Dass er nicht mehr so viel Angst hat.“

An Ostern ist Jesus wieder vom Tod auferstanden. Er ist in den Himmel zu Gott gekommen. Vorher hat er noch einmal den Petrus besucht. Davon habe ich jetzt kein Bild.

Der Petrus war ja Fischer, und er war gerade beim Fischefangen, da hörte er plötzlich die Stimme von dem Jesus. Der fragte ihn, so innen drin: „Petrus, hast du mich lieb?“

Petrus war das peinlich, denn er wusste ja, dass er Jesus verleugnet hatte. Aber er sagte trotzdem: „Ja, Jesus, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Da sagt Jesus zu ihm: „Du sollst wie ein guter Hirte für meine Schafe da sein.“

Petrus ist verwundert, dass Jesus nicht schimpft. Er soll sogar ein Hirte sein? Was meint Jesus damit? Er ist doch Fischer.

Noch einmal fragt ihn Jesus: „Petrus, hast du mich lieb?“ „Ja“, sagt Petrus, „das weiß du doch.“ „Ja“, sagt Jesus, „das weiß ich, und ich traue dir zu, dass du jetzt der Anführer meiner ganzen Freunde sein sollst.“

Ach, denkt Petrus, das meint Jesus. Aber werde ich das wirklich schaffen? Ich habe ihn doch im Stich gelassen! Ich hatte doch so viel Angst! Ausgerechnet ich soll jetzt so mutig sein?

Ein drittes Mal fragt ihn Jesus: „Petrus, hast du mich wirklich lieb?“ Da fängt Petrus an zu weinen: „Jesus, du weißt es doch, und ich meine es ganz ehrlich, ich habe dich lieb. Und es tut mir so leid, dass ich gesagt habe: Ich kenne dich nicht.“

Da sagt Jesus: „Ich weiß, dass du mich lieb hast und nur aus Angst gelogen hast. Aber ich traue dir zu, dass du Mut kriegst und nicht mehr lügen wirst. Darum bist du auch der Richtige, um die Freunde anzuführen.“

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