Unsere Lebenswege münden in Gottes Liebe

Trauerfeier für eine Langzeitpatientin der Nervenklinik, die sich mit ihrem schlichten Glauben aktiv an allen Veranstaltungen der Klinikseelsorge beteiligt hat.

Unsere Lebenswege münden in Gottes Liebe: Übereinander sind zwei Schilder mit dem Schriftzug "Lebensweg" dargestellt, das obere steht über einer Schnellstraße, das untere über einem Weg, der durch grüne Blumenwiesen führt

Wohin führen unsere Lebenswege? (Bild: pixabay.com)

EG 611:

1. Harre, meine Seele, harre des Herrn! Alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Sei unverzagt! Bald der Morgen tagt, und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, in aller Not wird er dich beschirmen, der treue Gott.

2. Harre, meine Seele, harre des Herrn! Alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Jesus Christus spricht (im Evangelium nach Johannes 14, 19):

Ich lebe, und ihr sollt auch leben.

Wir sind am Tag vor Heiligabend hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau S., die in der vergangenen Woche im Alter von [über 70] Jahren gestorben ist.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Frau S. war für zwei Drittel ihres Lebens Patientin in der hiesigen Nervenklinik. Hier ist sie, jedenfalls in den letzten Jahrzehnten, den langjährigen Mitarbeitern als fleißige und treue Seele bekannt, die lange Zeit in der Nähstube gearbeitet hat und sich auch in ihrem Alter auf der jeweiligen Station, auf der sie lebte, nützlich gemacht hat. Bis zuletzt war sie eine der aktivsten Patientinnen, die es sich zum Beispiel nicht nehmen ließ, vor unserer 14-tägigen morgendlichen Andacht zunächst noch die Frühstückstische sauberzuwischen.

Die Nachricht von ihrem Tod kam völlig überraschend. Sie hatte gerade noch Besuch von ihrer Familie gehabt; da ging es ihr zwar nicht ganz so gut, aber niemand hätte daran gedacht, dass schon einen Tag später ihr Herz stillstehen würde. So ist es verständlich, dass ihr Tod auch unter den Mitpatienten und Mitarbeitern, die zu ihr einen näheren Kontakt hatten, Betroffenheit ausgelöst hat.

Für uns von der Klinikseelsorge, das heißt vor allem für meine ehrenamtliche Helferin und mich, gehörte Frau S. seit längerer Zeit zu den Patientinnen, die unsere Stationsandachten besonders intensiv miterlebt und auch mitgeprägt haben. Sie hat gern die alten Kirchenlieder mitgesungen, zum Beispiel auch die Lieder, die unser Organist am Anfang und am Schluss dieser Trauerfeier heute spielt: „Harre, meine Seele“ und „So nimm denn meine Hände“, und sie nahm interessiert auf, was wir in den Andachten erzählt haben. Auch zum Gottesdienst in der Klinik-Kapelle ist Frau S. gern gekommen – und wenn sie auf der Station nachmittags fehlte, wurde auch schon mal in der Kapelle angerufen, ob sie zufällig bei uns im Singkreis wäre.

Traurig sind wir, dass Frau S. nun tot ist, sie fehlt uns mit ihrer herzlichen und fröhlichen, manchmal auch ernsten und betriebsamen Art.

Doch wir dürfen dessen gewiss sein, dass Frau S. in der Liebe Gottes, an den sie ganz fest geglaubt hat, auch im Tode geborgen bleibt. Der vierte Evangelist Johannes 3, 16 spricht:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Das Weihnachtsfest, das unmittelbar bevorsteht, ist ja wieder ein Anlass für uns Christen, um uns darüber klarzuwerden, wie Gott sich uns selbst geschenkt hat. Der große Gott wird ein kleines Kind, zum Zeichen, dass niemand von uns Menschen verloren gehen soll. So verschlungen unsere Lebenswege auch verlaufen sind, sie münden doch alle ein in Gottes Liebe. Wenn auch Krankheit und Scheitern das Schicksal eines Menschen bestimmen, so können wir dennoch auch viel Liebe und Vertrauen und Hoffnung in einem solchen Leben entdecken und dafür dankbar sein. Im Vertrauen auf Christus bin ich gewiss, dass Frau S. in das ewige Leben eingegangen ist, auf das sie in ihrem einfachen und ganz selbstverständlichen Glauben gehofft hat.

In einem Adventslied von Jochen Klepper, das nun auf der Orgel gespielt wird, wird diese Hoffnung zur Sprache gebracht:

EG 16: Die Nacht ist vorgedrungen

Lasst uns beten mit Worten aus dem Psalm 31:

2 HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!

3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

6 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.

8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, daß du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not

9 und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.

16 Meine Zeit steht in deinen Händen.

Gott, du bist Anfang und Ende. Du hast dieses Leben gegeben, jetzt kehrt es zurück in deine Hände. Trauer bewegt uns und Dankbarkeit. Dein Wort hat das Leben von Frau S. begleitet. Sie hat auf dich vertraut. Wir danken dir, dass wir Zeichen deines Segens in ihrem Leben erkennen können.

Wir bringen vor dich aber auch das, was belastend war in ihrem Leben für sie selbst und für andere. Worin wir keinen Sinn entdecken können, in der Krankheit, in der Trennung von ihrer Familie, das müssen wir nicht schönreden. Lass uns aber wissen, dass auch in der Zerrissenheit unseres Lebens Bruchstücke von Erfüllung und Glück erhalten bleiben und neu entstehen können.

Und schließlich bitten wir dich auch: Begleite die Angehörigen von Frau S. auf ihrem weiteren Lebensweg. Amen.

EG 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich.

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