„Komm, bau ein Haus, das uns beschützt!“

Die auf Gott vertrauen, sind wie ein Haus, das Jesus baut, eine Wohnung für Gottes Liebe. Wie der Baum Wasser braucht, damit seine Blätter nicht welken und er Früchte bringen kann, so brauchen wir Liebe, Anleitung und gute Grenzen, um stark zu sein. Alle Namen sind im Himmel aufgeschrieben – darum können wir mit Lust und Freude leben und lieben.

Ein naiv gemaltes Haus, von Rasen, Sonnenblumen und einem Baum umgeben, unter einem blauen Himmel mit weißen Wolken

Ein Haus und ein Baum unter einem Himmel, der uns blüht (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis, den 11. Juli 1999, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Begrüßung
Lied 334: Danke für diesen guten Morgen
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Danke singen und sagen wir an diesem Morgen, denn Du, Gott, hast uns lieb! Danke singen und sagen wir heute, denn wir freuen uns über die drei Kinder, die wir taufen wollen. Danke singen und sagen wir an diesem Sonntag, denn wir feiern gemeinsam einen fröhlichen Gottesdienst.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Kinder sind uns anvertraut, wir Erwachsenen tragen eine große Verantwortung für sie. Als Eltern oder Paten in der Familie, als Lehrer oder Pfarrer in Schule und Kirche, und auch überall sonst, wo wir Kindern begegnen. Sie brauchen unsere Fürsorge und sie brauchen gute Grenzen, die wir ihnen setzen müssen. Sie gewinnen Halt und Orientierung an unserem Vorbild und sie nehmen Schaden an unseren Fehlern. Darum rufen wir zu Dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Herr Jesus Christus, Du hast die Kinder zu Dir gerufen! Du bist uns ein Vorbild, indem Du Dir Zeit nimmst für Kinder, für ihre Fragen, für ihr Quengeln, für ihr Schmusebedürfnis. Du weißt, dass auch wir Erwachsenen uns manchmal nach Liebe sehnen wie ein Kind – und dass dieser Wunsch erfüllbar ist!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, wer gehört zu Dir? Alle Menschen, die das wollen, denn Du hast alle Menschen lieb. Wer gehört zu Dir? Nicht nur die Perfekten, nicht nur die Gesunden, nicht nur die, die schon das Leben gemeistert haben. Denn Du hast gerade die Kinder und die Kranken zu Dir gerufen und die, die am Rand stehen. Wir gehören zu Dir. Dazu sagen wir Ja und Amen.

Wir hören die Lesung zur Taufe aus dem Evangelium nach Matthäus 28, 16-20:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen vor der Taufe das Loblied 317, 1-3:

1) Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

2) Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

3) Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!

Liebe Familie …, liebe Taufpaten, liebe Gemeinde!

Drei Kinder wollen wir heute taufen, drei Geschwister.

Die Taufe kann man von zwei Seiten betrachten: Von Gott her ist jede Taufe ein Geschenk an einen ganz bestimmten einzelnen Menschen. In der Taufe sagt Gott zu uns: Ich habe dich lieb, du gehörst zu mir!

Von uns Menschen aus gesehen ist die Taufe eine Entscheidung – nämlich dazu Ja zu sagen: Ja, Gott, ich will zu Dir gehören, ja, ich vertraue auf Deine Liebe!

Wenn Kinder getauft werden, dann treffen die Eltern für die Kinder eine Entscheidung: diese Kinder sollen zu Gott gehören, wir vertrauen sie seiner Liebe an. Die beiden großen Mädchen können wir zwar heute selber fragen, ob sie getauft werden wollen, noch tragen jedoch die Eltern die Hauptverantwortung für die Taufe. Auch sonst sind ja Ihnen diese Kinder anvertraut, Sie umsorgen sie, mit Ihnen leben sie tagaus tagein zusammen, in Ihrer Familie erwerben sie die Grundlagen für die Bewältigung ihres Lebens.

Wenn es um die Taufe geht, wählen sich die Eltern außerdem noch Paten aus, die zusätzlich ein kleines Stück Verantwortung für die christliche Erziehung und Begleitung ihrer Kinder übernehmen sollen. Sie, liebe Eltern und Paten, sind die ersten, die naheliegendsten Personen, an denen diese Kinder etwas spüren können vom Vertrauen zu Gott, von der Liebe Gottes, oder auch von der Art und Weise, auf der Suche zu sein und nach dem Sinn des Lebens zu fragen.

Gemeinsam sprechen wir bei jeder Taufe das Glaubensbekenntnis. Es stammt von Christen aus vielen Ländern und Jahrhunderten und in diesem Rahmen findet auch unser Glaube seinen Platz:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, heute passe ich die Predigt ganz dem Anlass des Taufsonntags an – ich habe mich entschieden, über die drei Taufsprüche der Kinder zu predigen. Und zu jedem dieser Bibelverse passt eine Strophe aus einem Lied, das in unserem Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 589 steht:

Komm bau ein Haus
Text: Friedrich Karl Barth, Peter Horst, Hans-Jürgen Netz
Musik: Peter Janssens
aus: ‚Unkraut Leben‘, 1977
alle Rechte im Peter Janssens Musik Verlag, Telgte

Wir singen zunächst den Kehrvers und die erste Strophe:

Komm, bau ein Haus, das uns beschützt,
pflanz einen Baum, der Schatten wirft,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht.

1. Lad viele Tiere ein ins Haus
und füttre sie bei unserm Baum,
lass sie dort munter spielen,
wo keiner sie in Kreise sperrt,
lass sie dort lange spielen,
wo der Himmel blüht.

Die Idee dazu kam mir, als ich bei Ihnen war, liebe Familie …, und … auf einmal ein Haus gebaut hat aus einem alten Karton. Sie ist reingeklettert und hat aus einem kleinen Fenster rausgekuckt. „Komm, bau ein Haus, das uns beschützt!“ – an dieses Lied musste ich da denken.

Dieses Bild hat zwei Seiten. Wir selber brauchen Schutz, wir brauchen unsere vier Wände, in die wir uns zurückziehen können, wo wir uns wohlfühlen. Wir brauchen die Familie, die zu uns steht, auf die wir uns verlassen können. Besonders Kinder verlangen unmittelbar danach, die Geborgenheit auch körperlich zu spüren, sie wollen kuscheln, schmusen, auf dem Schoß sitzen. So ist auch Gott für uns da, so hat Jesus die Kinder an sein Herz gedrückt, so umgibt uns Gottes Liebe überall und jeden Tag.

In der Bibel (Epheser 2, 22 – eigene Übertragung) steht nun dieser Satz, den ich … als Taufspruch gegeben habe, dass wir auch eine Wohnung für Gott sind. Gott nimmt uns Menschen als Bausteine und baut ein Haus daraus, und in diesem Haus will er selbst wohnen. Liebe soll bei uns zu Hause sein.

Die auf Gott vertrauen, sind wie ein Haus, das Jesus baut, eine Wohnung für Gottes Liebe.

Wir gehören zusammen, in der Familie, in der Gemeinde – und wenn es gut läuft, setzt man sich füreinander ein, so gut man kann, und bekommt die Hilfe, die man braucht.

So viel zum Taufspruch von …, vom Haus, das uns schützt, und dass wir ein Haus sind, in der die Liebe Gottes wohnen soll.

Komm, bau ein Haus, das uns beschützt,
pflanz einen Baum, der Schatten wirft,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht.

2. Lad viele Kinder ein ins Haus
versammle sie bei unserm Baum,
lass sie dort fröhlich tanzen,
wo keiner ihre Kreise stört,
lass sie dort lange tanzen,
wo der Himmel blüht.

Ich komme zum Taufspruch von … . Er ist der Jüngste in der Familie, und ich habe ihn bei Ihnen erlebt als „klein, aber oho“ – das heißt, so klein ist er für sein Alter gar nicht, und er sucht schon seine Stellung als Bruder unter älteren Schwestern durchzusetzen. Bei ihm fiel mir ein, was Psalm 1, 3 vom Baum sagt:

[Wer auf Gott vertraut,] ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht.

Das Bild vom Baum wenden wir manchmal auf einen Mann an, der stark ist wie ein Baum. Hier erfahren wir: Wer stark ist, braucht erst einmal Stärkung. Wie der Baum das Wasser aus den Bächen braucht, damit seine Blätter nicht welken und er Früchte bringen kann, so brauchen wir Liebe und Anleitung und gute Grenzen, um stark zu sein. Ein Mann, stark wie ein Baum, damit meint die Bibel nicht einen Muskelprotz, sondern einen Menschen, der selbstbewusst genug ist, um für andere da sein zu können. Wer auf Gott vertraut, hat es nicht nötig, egoistisch zu sein, der weiß, dass er etwas wert ist, ohne dass er immer stärker und besser sein muss als andere.

So viel zum Taufspruch von … .

Komm, bau ein Haus, das uns beschützt,
pflanz einen Baum, der Schatten wirft,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht.

3. Lad viele Alte ein ins Haus
bewirte sie bei unserm Baum,
lass sie dort frei erzählen,
von Kreisen, die ihr Leben zog,
lass sie dort lang erzählen,
wo der Himmel blüht.

Ein drittes Bild in diesem Lied handelt vom Himmel, der uns blüht. Wie kann man diesen Himmel beschreiben? Der Himmel ist blau, oder er ist grau. Der Himmel hat weiße Wolken bei schönem Wetter oder dunkle, wenn es Gewitterregen gibt. Und wenn keine Wolken da sind, scheint die Sonne ganz hell – oder – in der Nacht – sieht man die Sterne. Wie viele Sterne da zu sehen sind, darüber haben nicht nur die Kinder zu allen Zeiten gestaunt. Heute könnten wir eigentlich noch mehr staunen als früher: Fast jeder Lichtpunkt am Sternenhimmel ist eine Sonne, und in der Milchstraße gibt es Milliarden von Sonnen, die wir mit bloßem Auge gar nicht sehen können, und außerdem gibt es Milliarden von anderen Milchstraßen mit noch einmal Milliarden von Sonnen. Viele davon haben sicher Planeten, und manche davon sind bestimmt auch bewohnt, aber sie sind alle so weit weg von uns, dass wir niemals einem Alien begegnen werden. So unvorstellbar groß ist unser Weltall – wie groß muss dann erst Gott sein, der das alles geschaffen hat und in seiner Hand hält. So groß ist das Weltall, der Himmel über uns, und dieser Himmel ist nur ein Bild für den unsichtbaren Himmel, in dem Gott wohnt.

Wie können wir also den Himmel beschreiben, der uns blüht? Was uns blüht, ist manchmal nicht angenehm. Gibt es überhaupt den Himmel? Oder wartet auf uns die große Abrechnung? Lernen wir Gottes Himmel erst nach dem Tod kennen oder haben wir hier und heute schon etwas vom Himmel?

Jesus sagt etwas ganz Einfaches vom Himmel. Wir können uns über den Himmel freuen.

Unsere Namen sind im Himmel aufgeschrieben.

Das stand im Taufspruch für … (Lukas 10, 20 – eigene Übertragung). So groß die Welt ist, trotzdem ist jeder kleine Mensch auf der Erde, jedes Kind und jeder Erwachsene, wichtig für Gott. Wir sind stolz auf das, was wir können. Wir sind traurig, wenn wir etwas nicht schaffen. Aber für Jesus zählt es nicht, dass einer besser ist als der andere. Für Jesus gibt es auch keine Versager. Alle Namen sind im Himmel aufgeschrieben – und darum kann jeder Mensch auf dieser Erde Spaß und Freude an dem haben, was er leisten und für andere tun kann. Gott hat mit jedem von uns etwas vor, jeder hat seine eigenen Gaben, und wir können uns gegenseitig helfen, unseren besonderen Platz im Leben zu finden. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit Freude und mit Frieden im Glauben. Amen.

Nun singen wir auch noch die letzte Strophe unseres Predigtliedes:

Komm, bau ein Haus, das uns beschützt,
pflanz einen Baum, der Schatten wirft,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht.

4. Komm, wohn mit mir in diesem Haus
begieß mit mir diesen Baum,
dann wird die Freude wachsen,
weil unser Leben Kreise zieht,
dann wird die Freude wachsen,
wo der Himmel blüht.

Komm, bau ein Haus, das uns beschützt,
pflanz einen Baum, der Schatten wirft,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht,
und beschreibe den Himmel, der uns blüht.

Fürbittenstille

Guter Gott, wir bitten für die drei Kinder, die wir getauft haben. Wir bitten für ihre Eltern und Paten. Sei ihnen ein schützendes Haus und umfange sie mit Deiner Liebe, lass sie heranwachsen wie starke Bäume an den Wasserbächen, und lass ihnen Deinen Himmel blühen, der dort anfängt, wo Menschen nicht gegeneinander, sondern füreinander leben.

Für uns alle bitten wir, dass wir eine Gemeinde sind, in der man nicht übereinander, sondern miteinander redet, in der man Hilfe gibt und empfängt. Wir sind dankbar für Hilfe, die von Herzen gern geleistet wird und die beiden wohl tut, dem Helfer und dem, der Hilfe empfängt. Amen.

Wir beten mit Jesu Worten:

Vater unser
Lied 621: Ins Wasser fällt ein Stein ganz heimlich, still und leise

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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