Zwischen Gottes Daumen und Zeigefinger

Gott bestimmt die Weite des Himmels mit seiner Spanne. Die Erde ist für ihn wie ein Sandkasten, in dem er mit einer Schaufel den Sand verteilt und das Gewicht der Berge mit einer Waage abwiegt. So beschreibt Jesaja in bildhafter Sprache die große, unendlich große Kraft und Macht, die die ganze Welt und auch unsere Erde mit ihrer Liebe umgibt.

Jemand deutet mit seiner Hand einen kurzen Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger an

Das ganze Weltall passt zwischen Gottes Daumen und Zeigefinger (Foto: pixabay.com)

Gottesdienst am 11. Februar 2011 um 10.00 Uhr im Ensemble-Pflegeheim Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Vor drei Wochen war ich zum ersten Mal bei Ihnen, heute feiern wir wieder gemeinsam einen Gottesdienst miteinander. Ich bin Pfarrer Helmut Schütz von der Evangelischen Paulusgemeinde.

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Heute will ich mit Ihnen im Gottesdienst über Gott und die Welt und den Himmel nachdenken. Und nicht nur nachdenken, sondern Gott auch danken, loben und preisen für das, was er geschaffen hat. Mit dem Lob Gottes fangen wir an, indem wir das erste Lied singen (326, 1-3):

1. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder tut, dem Gott, der mein Gemüte mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unserm Gott die Ehre!

2. Es danken dir die Himmelsheer, o Herrscher aller Thronen; und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfermacht, die alles also wohl bedacht. Gebt unserm Gott die Ehre!

3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten, darüber will er früh und spat mit seiner Güte walten. In seinem ganzen Königreich ist alles recht, ist alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre!

Wir beten mit Psalm 115:

3 Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.

11 Die ihr den HERRN fürchtet, hoffet auf den HERRN! Er ist eure Hilfe und Schild.

12 Der HERR denkt an uns und segnet uns…

13 Er segnet, die den HERRN fürchten, die Kleinen und die Großen.

14 Der HERR segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder!

15 Ihr seid die Gesegneten des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

16 Der Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.

Gott im Himmel, du bist so groß, du hast alles geschaffen. Manchmal können wir uns das nicht vorstellen. Auch wir sind von dir geschaffen, und du denkst an uns. Wir sind dir wichtig, und du bist für uns da wie ein guter Vater und wie eine gute Mutter. Dafür wollen wir dir danken und dich loben und preisen – im Namen deines Sohnes Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.

Wir singen gleich noch einmal drei Strophen aus dem angefangenen Lied (Seite 2):

4. Ich rief zum Herrn in meiner Not: »Ach Gott, vernimm mein Schreien!« Da half mein Helfer mir vom Tod und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir; ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre!

5. Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre!

6. Wenn Trost und Hilf ermangeln muss, die alle Welt erzeiget, so kommt, so hilft der Überfluss, der Schöpfer selbst, und neiget die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgends finden Ruh. Gebt unserm Gott die Ehre!

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wie groß ist Gott, wie mächtig ist er? Davon hören wir aus dem Buch des Propheten Jesaja einen Vers. Da sagt der Prophet von Gott (Jesaja 40, 12):

12 Wer misst die Wasser mit der hohlen Hand, und wer bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und fasst den Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage?

Ja, wer kann das tun? Wer kann das ganze Wasser im Meer mit seiner hohlen Hand abmessen? Das kann kein Mensch, aber Gott hat die Meere und Ozeane geschaffen. Bei wem passt der ganze Himmel in die Spanne zwischen seinem Daumen und Zeigefinger? Bei keinem Menschen, aber Gott ist viel größer als der Himmel. Und wenn Gott schon größer als der Himmel ist, dann ist die Erde erst recht klein für ihn, so klein wie ein Sandkasten, in dem man mit einer Schaufel den Sand verteilen und das Gewicht der Berge und Hügel mit einer Waage abwiegen kann. So groß ist Gott, das hören wir von dem Propheten Jesaja in bildhafter Sprache. Denn Gott ist ja kein Mensch, er hat nicht Hände und Finger wie wir, und wie er wirklich aussieht, weiß kein Mensch. Er ist die große, unendlich große Kraft und Macht, die die ganze Welt und auch unsere Erde mit ihrer Liebe umgibt.

Ich las einmal die Geschichte von einem Affen. Der war ein großer Angeber und sagte zu Gott: „Ich kann so weit springen wie kein anderer, nämlich von einem Ende der Welt bis zum andern!“ Da sagte Gott: „Na, dann los, spring!“ Und tatsächlich schaffte es der Affe, so weit zu springen. In einer Geschichte, in der ein Affe sprechen kann, ist auch das möglich. Zum Schluss sagt Gott nun aber zu dem Affen: „Weißt du, liebes Äffchen, was du Großartiges geschafft hast? Du bist gerade mal von meinem Daumen bis zu meinem Zeigefinger gesprungen.“ Gott hält die ganze Welt in seiner Hand, er umgibt und durchdringt alles, was es gibt, mit seiner Kraft und seiner Liebe.

Ich unterbreche meine Predigt und singe mit Ihnen das Lied 619:

1. Er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

2. Er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, Gott hält das Baby in seiner Hand.

3. Er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, Gott hält sie beide in seiner Hand.

4. Er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, Gott hält auch dich und mich in seiner Hand.

Liebe Gemeinde, hören wir noch einen Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja 40, 15:

15 Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein.

Das klingt nun sehr hart. Völker sollen nichts weiter sein als Tropfen am Eimer? Sie wiegen nicht mehr als Sandkörner auf der Waage? Die Inseln im Meer sind nur wie Staub, den der Wind einfach wegwehen kann? Klingt das nicht alles so, als ob die Menschen und die Natur nichts wert wären?

So ist es nicht gemeint. Genau umgekehrt ist es. Die Völker, die Inseln, sie sind aus Gottes Sicht sehr klein und verletzbar. Wie oft ist es schon geschehen, dass ganze Völker in Krieg und Vertreibung untergegangen sind oder ihre angestammten Länder verlassen mussten! Und wer auf einer Insel lebt, zum Beispiel in Ostfriesland an der Nordsee, der weiß, wie sehr Stürme und Springfluten eine ganze Insel bedrohen können.

Das soll uns bewusst sein: wir Menschen sind klein vor Gott und darum ganz und gar auf seine Hilfe angewiesen. Ohne ihn können wir nicht überleben.

Der Prophet Jesaja hat noch einen anderen Grund, so von den Völkern zu reden. Er spricht zu dem kleinen Volk Israel in einer Zeit, als dieses Volk gerade eine sehr schwere Zeit durchmacht. Es ist die Zeit, als das große Volk der Babylonier, die Israeliten nach Babylon verschleppt hatte. Und nun sagt der Prophet Jesaja: Lasst euch von Gott trösten! Auch das starke Volk der Babylonier ist nur wie ein Tropfen am Eimer. Auch die Macht der Weltmächte ist begrenzt. Sie wird ein Ende finden. So kam es bald wirklich. Die Babylonier wurden von den Persern gestürzt, und die Perser erlaubten den Israeliten, in ihr kleines Land zurückzukehren.

Einige von Ihnen haben vielleicht auch erlebt, wie es war, als Hitler und Stalin regiert haben. Irgendwann war auch ihre Macht zu Ende. Ich kenne eine ganze Reihe von Menschen, die ins Arbeitslager nach Sibirien mussten und heilfroh waren, als Stalin tot war und sie wieder ein besseres Leben führen konnten.

Nun hören wir noch einen dritten Vers des Propheten Jesaja über Gott und die Welt (Jesaja 40, 22):

22 [Gott] thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt.

Gott thront als König über dem Erdkreis, und die Menschen auf der Erde erscheinen gegenüber Gottes Größe wie Heuschrecken. Das wirkt wieder so, als wären die Menschen für Gott nichts wert. Aber das stimmt nicht, denn über diesen kleinen Menschen spannt Gott seinen Himmel aus.

Wie ein Schleier ist der Himmel, wird hier gesagt. Vielleicht wie ein Brautschleier, der die Braut schmückt, der sie aber auch vor Blicken schützt, die sie nicht will. Könnte es sein, dass Gott uns sogar eine Intimsphäre gegenüber sich selber gewährt? Dass er zwar alles sehen kann, aber gar nicht überall genau hinsehen möchte, wo wir das peinlich finden?

Vor allem aber ist der Himmel für uns wie ein Zelt. Das ist ja ein bekannter Ausdruck: das Himmelszelt. Unter Gottes Himmel leben wir Menschen, und wenn wir uns dessen bewusst sind, dann hat unser Leben auf dieser Erde unter dem Himmel einen guten Sinn. Wir sind zwar kleine Menschen, aber für Gott nicht unbedeutend. Er liebt uns, und wir dürfen ihm vertrauen. Unter seinem Himmel weiß Gott gute Wege für uns. Und am Ende führen uns diese guten Wege sogar in den Himmel.

Nun fragen manche Menschen: Wie sollen wir da oben in den Himmel kommen? Da oben über uns sind doch nur Wolken und Sterne. Wenn man mit Raketen ins Weltall fliegt, dann findet man Gott dort oben nicht. Das stimmt. Aber wir müssen uns daran erinnern, was Jesaja vorhin gesagt hat: Gott kann den Himmel über uns mit seiner Spanne messen. Das ganze Weltall ist für ihn so klein; wenn er ein Mensch wäre, dann würde es zwischen seinen Daumen und Zeigefinger passen.

Der Himmel, wo Gott wohnt, der ist viel größer, so groß, dass wir ihn nicht mit unserem Verstand erfassen können. Die Engländer haben zwei Namen für den Himmel. Sie sagen „sky“, wenn sie den Himmel über uns meinen, den wir sehen können. Sie sagen „heaven“, wenn sie den unsichtbaren Himmel meinen, wo Gott wohnt. Gottes Himmel können wir nicht mit unseren Augen sehen, aber wir können an ihn mit unserem Herzen glauben. Gottes Himmel ist unendlich weit und zugleich unendlich nah.

So viel ausführlich zu drei Versen aus dem Prophetenbuch Jesaja. Beschließen möchte ich meine Predigt mit vier weiteren Versen aus unserem Kapitel 40 im Jesajabuch:

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.

30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;

31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Ich möchte noch ein Lied mit Ihnen singen (EG 408):

Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt

Lasst uns beten.

Großer Gott, der du die ganze Welt erschaffen hast und alles, was es gibt, in deinen Händen hältst: Wir danken dir, dass wir dir trotzdem wichtig sind, dass du an uns denkst, dass du keinen Menschen unter all den Milliarden Menschen auf der Erde vergisst! Und wir bitten dich: Lass uns das nicht vergessen, dass wir deine kostbaren Geschöpfe sind und dass unser Leben von dir seinen Sinn bekommt. Lass uns nicht vergessen, dass auch wir in deinen Händen sind.

Vater im Himmel und Vater Jesu Christi, wir danken dir, dass du uns auf guten Wegen führst, dass du uns heil machst, wenn unsere Seele wund und zerrissen ist. Hilf uns, dass wir das Vertrauen zu dir nicht verlieren und dass wir in Liebe für die Menschen da sind, die uns brauchen. Hilf uns auch, dass wir gut für uns sorgen lassen, dass wir Hilfe suchen und annehmen, wenn unsere eigenen Kräfte nicht ausreichen. Wo wir schwach sind, starker Gott, da sei du selbst unsere Hilfe.

Heiliger Geist, du Tröster der Menschen, begleite uns auch, wenn wir Angst haben vor dem Leben und Angst haben vor dem Sterben. Mach uns bewusst, dass unsere Wege im Vertrauen auf dich zum Himmel führen, dass du uns mit offenen Armen empfängst und niemals allein lässt. Gib uns den Mut, den wir brauchen, um jeden Tag hier auf Erden als Geschenk und Herausforderung anzunehmen und dann auch einmal alles loszulassen, was hier auf Erden gewesen ist. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir persönlich auf dem Herzen haben:

Stille und Vater unser

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

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