30 Jahre – und noch nicht getauft?

Verwundert war Johannes, dass Jesus sich selbst doch mit Wasser taufen ließ. Der Gottessohn wollte nichts Besseres sein als wir alle. Dann stand der Himmel offen über ihm. Die Friedenstaube der Sintflut flog zu ihm hin. Und so wie ihm sagt Gott uns allen in der Taufe: „Du bist mein geliebtes Kind! Ich bin glücklich, dass es dich gibt!“

Kirchenfenster: Jesus wird durch Johannes getauft, zwei schauen zu

Jesus lässt sich mit 30 Jahren durch Johannes taufen (Foto des Kirchenfensters: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst um halb 6 in Paulus am 16. Sonntag nach Trinitatis, den 26. September 2004, um 17.30 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Abend, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen im Gottesdienst um „halb 6 in Paulus“!

Das Thema lautet heute: „30 Jahre und noch nicht getauft?“ Es geht um Fragen, die sich um die Taufe drehen: Warum lässt man sich eigentlich taufen? Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Taufe? Wenn Jesus erst mit 30 getauft wurde, warum taufen wir dann meistens Kinder?

Wir singen das Lied auf dem Liedblatt:
Halleluja, lobt Gott in sein‘m Heiligtum!

Wenn wir Gottesdienst feiern, tun wir das im Namen des dreieinigen Gottes. Diese Stunde unseres Lebens gehört Gott ganz besonders – in dieser Stunde will er ganz besonders für uns da sein. Wenn ein Mensch getauft wird, tun wir das auch im Namen des dreieinigen Gottes. Dieser Mensch, den wir taufen, gehört zu Gott; sein ganzes Leben und in Ewigkeit will Gott für ihn da sein.

Wir feiern Gottesdienst und wir taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Auf die üblichen Wechselgesänge verzichten wir heute.

Stattdessen beginnen wir mit einem Interview unserer Konfis.

W: Wir machen eine kleine Umfrage. Die erste Frage lautet: Sind Sie getauft? Und wenn Ja: Wann sind Sie getauft worden, als Kind, als Konfirmand oder erst als Erwachsener?

Antworten von Gemeindegliedern

J: Wir haben noch eine zweite Frage. Was meinen Sie: Wann sollte man getauft werden? Schon als Kind oder als Konfirmand oder erst, wenn man erwachsen ist?

Weitere Antworten aus der Gemeinde

M: (tritt als Johannes der Täufer auf)

W: Da ist noch einer, den fragen wir auch mal.

J: Du meinst den mit dem komischen Mantel?

M: He, ihr beiden, man zeigt nicht mit dem Finger auf andere Leute.

W: Entschuldigen Sie bitte, aber Sie sehen so – anders aus. Der Mantel und der Gürtel…

J: Sie sind wohl nicht von hier.

M: Das ist ein Kamelhaarmantel und ein Ledergürtel. Wo ich herkomme, in Israel, am Rande der Wüste, da gibt es viele Kamele.

W: Wir haben eine Frage an Sie: Wann sind Sie getauft worden?

M: Ich bin gar nicht getauft. Aber ich habe viele Leute getauft.

J: Wieso? Kann man denn Leute taufen, wenn man selber nicht getauft ist?

M: Ich war der erste, der Menschen getauft hat, man nannte mich sogar den Täufer.

W: Teufel? Der Teufel tauft doch keine Leute.

M: Nicht Teufel mit „L“, sondern Täufer, mit „R“ hinten. Das kommt von dem Wort „taufen“. Einer, der tanzt, ist ein Tänzer, einer, der Brot backt, ist ein Bäcker. Ich bin einer, der tauft, also ein Täufer.

J: Wann war das denn? Wann haben Sie gelebt?

M: Das ist schon sehr lange her. Vor fast 2000 Jahren.

W: Und wie haben Sie das gemacht? In der Kirche dreimal Wasser über den Kopf geschüttet?

M: Nein. Die Leute kamen zu mir an den Jordan. Das ist der größte Fluss in Israel. Er fließt durch die Wüste. Da habe ich Sie ganz untergetaucht.

J: Und wieso haben Sie die Taufe erfunden?

M: Die Menschen sind böse. Ich habe ihnen gepredigt: Tut Buße! Ändert euch! Was habt ihr nur aus eurem Leben gemacht?!

W: Böse? Was meinen Sie damit?

M: So wie ihr seid, gierig, geizig, geil – gefallt ihr Gott nicht. Rachsüchtig und nachtragend, überheblich und egoistisch, so hat Gott euch nicht gewollt. Er hat euch wunderbar geschaffen. Ihr sollt ein Spiegelbild seiner Liebe sein.

J: Ach so. „Liebe deinen Nächsten!“ Das kennen wir.

M: Ja, wo Menschen nicht lieben, da leben sie nicht wirklich, da sind sie innen drin tot, obwohl sie nach außen hin noch am Leben sind.

W: Aber was hat das mit der Taufe zu tun?

M: Wie begreifen die Leute am besten, dass ihre Sünde gefährlich ist? Ich tauche sie unter, um das Böse an ihnen zu töten. Unter Wasser, halb ertrunken, verstehen sie vielleicht, dass Sünde tödliche Folgen hat.

J: So wie beim Rauchen?

M: Was ist das denn – Rauchen?

W: Viele Leute rauchen Zigaretten, das sind kleine Rollen mit Tabak, die angezündet werden.

M: So etwas gab es bei uns noch nicht. Warum tun sie das?

J: Sie ziehen an den Zigaretten und atmen den Rauch ein. Das finden sie toll.

M: Aber das kann wirklich nicht gesund sein.

W: Stimmt. Darum steht auf Zigarettenpackungen oft der Satz: Rauchen ist tödlich.

J: Aber die Leute rauchen trotzdem weiter.

M: Das verstehe ich. Auch auf mich haben viele nicht gehört. Nur manche haben verstanden, dass sie eine Grundreinigung von ihren Sünden brauchen. Die ihr Leben ändern wollten, die habe ich getauft. Sie sind wie neugeboren aus dem Wasser wieder aufgetaucht.

Wenn Sie denken, so krass kann Johannes nicht geredet haben, dann hören Sie seinen Originalton aus dem Evangelium nach Lukas 3, 7-14:

7 So sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?

9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun?

11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.

12 Es kamen auch die Steuereintreiber, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?

13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist!

14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

So viel zur Bußtaufe des Propheten und Täufers Johannes. Wir singen aus dem Lied 312 die Strophen 1 und 3 bis 6:

Kam einst zum Ufer nach Gottes Wort und Plan ein Prediger und Rufer, Johannes hieß der Mann

Das Interview mit Johannes dem Täufer geht weiter:

F: Jetzt haben wir noch eine Frage an Sie: Wie viele Kinder haben Sie getauft?

M: Kinder? Gar keine. Die Taufe ist nichts für Kinder. Die haben doch noch keine Sünden begangen.

K: Bei uns werden fast nur Kinder getauft.

M: Ach, wirklich? Dann stimmt es also, was ich hörte, als ich schon lange tot und im Himmel war. Die Freunde von Jesus haben das eingeführt, die Christen, wie man sie später nannte. Aber das war erst viel viel später. Als ich noch lebte, habe ich nur Erwachsene getauft.

A: Sind Sie früh gestorben?

M: Jedenfalls nicht als alter Mann im Bett! König Herodes hatte mich eingesperrt. Ihm passte es nicht, dass ich die Wahrheit über ihn gesagt hatte: Ein Ehebrecher war er. Mit der Frau seines Bruders hat er‘s getrieben. Und dann wünschte sich seine Tochter zum Geburtstag ihres Vaters ein besonderes Geschenk: meinen Kopf auf einem Silbertablett.

F: Oh. Und Jesus war Ihr Nachfolger als Täufer?

M: Nein. Jesus hat überhaupt nicht getauft. Aber ich habe ihn getauft. Als er 30 war. Dabei hätte er es überhaupt nicht nötig gehabt.

K: Wieso?

M: Er hatte keine Sünde zu bereuen. Mir war das klar. Er war voll im Einklang mit Gott. Ja, ich glaube, es fing bei seiner Taufe an, dass er ihn Papa nannte.

A: Und wie kam das?

M: Wie gesagt, er wollte unbedingt getauft werden. Als ob er ein gewöhnlicher Sünder wäre. Und wisst ihr was: Genau dadurch fing ich plötzlich an, die gewöhnlichen Sünder in einem anderen Licht zu sehen. Jesus wollte einfach nichts Besseres sein als die Sünder. Er verstand, dass sie eigentlich nur ganz arme Teufel waren, die sich verzweifelt nach Liebe sehnen und doch aus lauter Angst immer wieder alles kaputt machen in ihrem Leben.

F: Und was passierte, als Sie Jesus getauft haben?

M: Weil er es unbedingt wollte, habe ich ihn wie alle anderen im Jordan unter Wasser getaucht.

K: Sie meinen: so richtig getunkt?

M: Ja, voll unter Wasser. Jeder, der getauft wurde, spürte die Nähe des Todes. Auch Jesus muss in diesem Augenblick gefühlt haben, wie schnell man sterben kann. Vielleicht erinnerte er sich an die Kinder, die der alte König Herodes in Bethlehem getötet hatte; eigentlich hatte er Jesus umbringen wollen.

A: In Russland sind vor ein paar Wochen auch viele Kinder getötet worden, in der Schule von Beslan.

M: Dann wisst ihr ja auch, wie gefährdet das Leben ist. Absolut nicht selbstverständlich ist es, zu leben. Als Jesus sich taufen ließ, stellte er sich in eine Reihe mit allen anderen Menschen: Seht her, ich bin ein sterblicher Mensch wie ihr. Wie ihr habe ich das Leben von Gott – als ein kostbares Geschenk. Indem er dem Tod ins Auge schaute, wurde ihm bewusst, wie wunderbar es ist, dass er am Leben war.

F: Wie lange war Jesus denn unter Wasser?

M: Na ja, nicht so lange, dass er wirklich hätte ertrinken können. Das Wichtigste war ja das Wiederauftauchen. Das war wie eine zweite Geburt.

K: Nach dem Baden fühle ich mich auch wie neugeboren.

M: Ja, und dann hörte Jesus eine Stimme vom Himmel. Er hörte Gott selbst sprechen: „Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

A: Was soll das denn heißen – Wohl-ge-fallen?

M: Das bedeutet: Gott war regelrecht stolz auf diesen Sohn, wie ein Vater, der sein neugeborenes Kind auf den Armen hält und zu ihm sagt: „Du bist meine ganze Freude! Ich bin glücklich, dass es dich gibt!“ Es war, als ob Gott Jesus als eigenes Kind adoptiert hätte.

F: Aber Jesus hatte doch einen Vater, den Josef.

M: Ich weiß noch, wie meine Mutter Elisabeth mir erzählt hat, dass sie einmal Maria, die Mutter von Jesus, getroffen hat, als sie beide schwanger waren. Maria freute sich über ihr Kind, aber es war nicht von Josef.

K: Wollte er das Kind nicht?

M: Doch, Jesus war von Josef adoptiert worden. Aber er hatte doch immer seine Zweifel: Wer ist mein Vater? Josef ist es nicht, der sah völlig anders aus.

A: Und wer war sein wirklicher Vater?

M: Das wissen wir nicht genau. Maria sagte ihm: Du bist vom Heiligen Geist. Gott ist dein Vater.

F: Aber wie ist das möglich? Das geht doch gar nicht.

M: Das ist ein großes Geheimnis. Jesus hatte es sich ja auch lange nicht richtig vorstellen können. Erst bei der Taufe begriff er: Egal wer mein leiblicher Vater ist, Gott ist mein eigentlicher Vater – er hat mich wirklich lieb. Er war ganz erfüllt von einer Liebe, auf die man sich verlassen kann, selbst wenn man sterben muss. Und er musste ja schon drei Jahre später sterben.

K: Aber liebt Gott nicht alle Menschen?

M: Ja, das stimmt schon, aber erst Jesus hat das so richtig erkannt. Erst Jesus hat das dann auch allen anderen Menschen gesagt: Gott liebt euch, so wie ihr seid, darum könnt ihr euch ändern. Vorher hatten wir die ganze Zeit gedacht: Erst müssen wir uns ändern, dann kann Gott uns lieb haben.

A: War Jesus ein Prophet, so wie Sie es waren?

M: Er war mehr als ein Prophet. Ein Prophet ist einer, der Worte Gottes hört und weitersagt. Jesus war einer, in dem Gott selber lebendig war.

F: Und das alles konnte man nur an der Stimme aus dem Himmel erkennen?

M: Nein, es gab auch noch etwas zu sehen, als Jesus getauft wurde. Es kam nämlich eine Taube angeflogen, und der Heilige Geist kam auf Jesus herab.

K: Der Heilige Geist war in der Taube?

M: Nein, das nicht, aber die Taube erinnert daran, was für ein Geist Heilige Geist ist. Wisst ihr, wie das damals bei Noah war, am Ende der Sintflut?

A: Da hatte Noah eine Taube fliegen lassen, um zu sehen, ob die Erde wieder trocken war.

M: Richtig. Darum ist die Taube der Vogel des Friedens. Gott schwor damals den Menschen, die Menschheit niemals mehr zu vernichten. Wir können sogar sagen: Die Taube erinnert daran, dass Gott lernen kann.

F: Ich dachte, Gott weiß schon alles.

M: Die Bibel erzählt, dass Gott etwas Neues erkennt: die Menschen, die böse sind von Jugend auf, lassen sich nicht bessern durch vernichtende Strenge, sondern durch vergebende Güte. Dieser Geist ist es, den Jesus bei seiner Taufe voll und ganz in sich aufnimmt.

K: Ich will ja nicht frech sein, aber Sie selbst haben ganz schön strenge Predigten gehalten.

M: Du kritisierst mich mit Recht. Ja, auch ich hatte vergessen, wie barmherzig Gott wirklich ist. Das habe ich erst von Jesus neu gelernt. Darum weiß ich, dass ich nur ein Prophet bin, aber Jesus der Messias, der Christus, der Sohn Gottes.

A: Und woran haben Sie das gemerkt? Wirklich nur an der Stimme bei der Taufe und an der Taube, die angeflogen kam?

M: Nein, die ganze Ausstrahlung von Jesus war einmalig. Als ich im Gefängnis saß, erzählten mir so viele Menschen, wie Jesus ihr Leben veränderte. Er machte Blinde sehend, die vorher nicht wussten, wie schön das Leben ist. Er half Gelähmten, auf eigenen Füßen zu stehen. Er gab Menschen, die sich schmutzig fühlten, das Gefühl ihrer eigenen Würde zurück. Darum ist es gut, wenn man auf Jesus Christus vertrauen kann.

Auch von der Taufe Jesu durch Johannes lesen wir bei Lukas 3, 15-23:

15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht der Christus wäre,

16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.

21 Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf,

22 und der heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

23 Und Jesus war, als er auftrat, etwa dreißig Jahre alt.

Wir singen aus dem Lied 394 die ersten vier Strophen:

1. Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit.

2. Vergesset, was dahinten liegt und euern Weg beschwert; was ewig euer Herz vergnügt, ist wohl des Opfers wert.

3. Und was euch noch gefangen hält, o werft es von euch ab! Begraben sei die ganze Welt für euch in Christi Grab.

4. So steigt ihr frei mit ihm hinan zu lichten Himmelshöhn. Er uns vorauf, er bricht uns Bahn – wer will ihm widerstehn?

Liebe Gemeinde, Johannes hatte Recht, Jesus hat nie einen Menschen mit Wasser getauft. Kein Kind, keinen Erwachsenen. Stattdessen, so kündigte Johannes an, würde Jesus die Menschen mit Geist und mit Feuer taufen. Und tatsächlich erlebten Menschen, die Jesus begegneten, so eine Art Geist- und Feuertaufe: Sie spürten in sich etwas vom Geist Gottes, vom Feuer seiner Liebe, von der flammenden Begeisterung für sein Reich.

Verwundert war Johannes, dass Jesus sich selbst doch mit Wasser taufen ließ, als sei er selbst ein Sünder, der den Tod verdiente oder dem man die Sünden abwaschen müsste. Er war auch darin der Sohn Gottes, dass er nichts Besseres sein wollte als wir alle.

Ja, und dann, als Jesus getauft war, da geschah dieses Unglaubliche. Der Himmel stand offen über ihm. Die Friedenstaube der Sintflut flog zu ihm hin. Gottes liebevolle Stimme sagte ihm dieses wunderschöne Wort: „Du bist mein geliebtes Kind! Ich bin glücklich, dass es dich gibt!“

Seit dieser Taufe bekam die Taufe mit Wasser einen erweiterten Sinn. Immer noch hat sie wie bei Johannes mit der Reinigung von Sünden, mit Umkehr zu tun. Aber diese Umkehr ist nicht mehr nur eine Forderung, die im Grunde unerfüllbar ist.

Ein Christ wird also nicht zum Zeichen seiner Umkehr zu Gott getauft, damit sich dann Gott über ihn erbarmt.

Sondern umgekehrt: als Christinnen und Christen dürfen wir uns und unsere Kinder taufen lassen, weil Gott uns allen diesen Satz sagt, den Jesus bei seiner Taufe gehört hat: „Du bist mein geliebtes Kind! Ich bin glücklich, dass es dich gibt!“ Menschen, die diesen Satz hören und mit ihrem Herzen aufnehmen, sind geliebt, so wie sie sind, und können sich ändern. Sie werden von innen her verwandelt, durch Kraft von oben – durch die Heilige Geistkraft.

Diesen Satz kann schon ein Kind hören und in der Liebe von vertrauten Menschen spüren, dass er wahr ist: „Du bist mein geliebtes Kind! Ich bin glücklich, dass es dich gibt!“ Darum dürfen wir Kinder taufen im Vertrauen darauf, dass Gott uns zuerst liebt und sein Geist ein Leben lang an uns arbeiten möchte, mit der Unterstützung von Eltern, Paten und anderen Menschen.

Es macht aber genau so viel Sinn, mit der Taufe zu warten, bis ein Mensch so alt ist, dass zu diesem Satz: „Du bist mein geliebtes Kind! Ich bin glücklich, dass es dich gibt!“ selber Ja sagen kann: „Ja, ich will zu Gott gehören – ich will getauft werden.“

Insofern gibt es kein festgelegtes Alter für die Taufe. Es ist beides normal: die Taufe von Kindern und die Taufe von Erwachsenen. Wenn ein Erwachsener sich taufen lässt, ist diese Entscheidung nicht mehr wert, als wenn man schon als Kind getauft worden ist. In beiden Fällen bekommt man es mit dem Gott zu tun, der uns ohne Vorbedingungen liebt, so wie wir sind, und der uns in alle Ewigkeit nicht verlässt.

Als Jesus auferstanden war und seinen Jüngern auf einem Berg erschien, gab er ihnen noch einen letzten Auftrag. Er steht im Evangelium nach Matthäus 28, 18-20:

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Jesus hat also zwar nicht selbst Menschen getauft. Aber den Auftrag dazu hat er uns gegeben. Wir taufen Menschen, die zu Gott gehören und auf Jesus hören und sich von seinem Geist verwandeln lassen wollen, weil er mit seiner Liebe bei und in uns ist.

Lied 623: Du bist da, wo Menschen leben, du bist da, wo Leben ist

Liebe Gemeinde, heute ist eine junge Frau unter uns, die getauft werden möchte: … . Liebe …, ich freue mich, dass Sie sich zu diesem Schritt entschlossen haben.

Als Sie sich in mehreren Gesprächen mit mir auf Ihre Taufe vorbereiteten, haben Sie sich einen Taufspruch gewünscht, der zum Ausdruck bringt, dass Gott die Menschen gerecht und fair behandelt. Mir fiel dazu ein Satz ein, den Jesus einmal zur Begründung dafür gesagt hat, dass man nicht nur seine Freunde, sondern auch seine Feinde lieben soll (Matthäus 5, 45):

[Gott] lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Das soll Ihr Taufspruch sein: eine Erinnerung daran, dass Gott alle Menschen liebt. Er gibt selbst die Bösen und Ungerechten nicht auf; er wartet mit seiner Bereitschaft zur Vergebung auf ihre Einsicht, Reue und Umkehr. Und er freut sich über Menschen, die Gerechtigkeit lieben, Gutes tun und sich dazu durchringen, Böses mit Gutem zu vergelten.

Wir haben darüber gesprochen, dass wir als Christinnen und Christen im Namen des dreieinigen Gottes getauft werden.

Gemeinsam mit Ihnen, liebe …, sprechen wir das Glaubensbekenntnis, in dem wir den Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist ausdrücken:

Glaubensbekenntnis und Taufe
Lied 209: Ich möcht‘, dass einer mit mir geht, der’s Leben kennt, der mich versteht

Lasst uns beten für alle getauften Christinnen und Christen:

Lass sie spüren, was die Taufe bedeutet, dass du in der Taufe ein- für allemal Ja zu ihnen sagst, dass sie deine geliebten Kinder sind und immer wieder auf den guten Weg zurückkehren können.

Lasst uns beten für die gequälten Menschen dieser Welt:

Lass sie spüren: du bist gerade ihnen besonders nahe. Du gibst ihnen ihre persönliche Würde zurück.

Lasst uns auch beten für die Täter böser Taten.

Gehe ihnen nach, damit sie Einsicht gewinnen und bereuen und umkehren von ihrer Sünde. Wir wagen das zu bitten, weil wir wissen, dass du das niemals auf Kosten ihrer Opfer tun würdest.

Wir beten für uns selbst:

Ich brauche Mut und Kraft zum Leben. Ich brauche auch den Glauben. Wenn ich den nicht habe: welchen Sinn hat dann alles und woran soll ich mich halten?

Ich bitte dich, Gott: Lass mich spüren, dass du bei mir bist. Hilf mir, dir zu vertrauen und auf dich zu hören. Hilf mir zu finden, was für mich gut ist.

Gib mir und den anderen eine Gemeinde, in der wir uns zu Hause fühlen können. Zeige mir den Weg und halte mich fest. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen

Abkündigungen

Und nun geht mit Gottes Segen. Vielleicht bleiben Sie auch noch ein wenig zusammen im Gemeindesaal bei Kaffee oder Tee.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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