„Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt!“

Die sternkundigen Männer werden „licht“, indem sie das Licht suchen. Sie brechen auf aus allem, was sie wussten. Ihr Weg führt durch Durststrecken hindurch, über Stolpersteine hinweg, an Abgründen und der Dunkelheit des Herodes vorbei. Und wir? Auch wir finden Vertrauen mitten in Angst, Trost in der Trauer, Hoffnung in Verzweiflung, Reife inmitten innerer Zerrissenheit, Ruhe in unserer Alltagshektik.

Die Heiligen Drei Könige unter dem Stern

Die Heiligen Drei Könige unter dem Stern (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias, den 7. Januar 2006, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Gestern war Epiphanias, das Fest der Erscheinung des Sterns von Bethlehem, besser bekannt als das Fest der Heiligen Drei Könige. Am 1. Sonntag nach Epiphanias begrüße ich Sie und euch alle herzlich in der Pauluskirche mit dem Wort aus 1. Johannes 2, 8b:

„Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt.“

Heute ist der erste Sonntag im Neuen Jahr, und wie gewohnt feiern wir am ersten Sonntag im Monat das Heilige Abendmahl im Gottesdienst. Der Ablauf des Gottesdienstes mit den dazugehörigen Gesängen steht auf den gelben Blättern, die vorn im Gesangbuch eingeklebt sind.

Zuerst singen wir aus dem Gesangbuch das Lied 74:

1. Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht, du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf.

2. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend’ger, hoffen wir; denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

3. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt, du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht, bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugesellt.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Von Weihnachten kommen wir her, vom Fest des Lichtes, das in die Dunkelheit scheint. Am Anfang eines Neuen Jahres denken wir in den Gottesdiensten genauer über dieses Licht nach. Jesus selbst ist der Morgenstern, der die Nacht des Todes mit den Strahlen seiner Liebe durchdringt.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wo es dunkel ist auf unserer Erde, wo Menschen unter Unrecht leiden, wo Hunger herrscht, wo Kriege geführt werden: da brauchen wir das Leuchten deines Lichtes. Wo es dunkel ist in uns, wo wir trauern ohne Ende, wo wir verzweifeln am Leben, wo wir nicht fertig werden mit Schuld, die wir auf uns geladen haben: da brauchen wir das Leuchten deines Lichtes. Wo es dunkel ist in unserem Miteinander mit anderen Menschen, wo wir im Streit leben, wo wir bitter enttäuscht werden, wo wir nicht mehr vertrauen können: da brauchen wir das Leuchten deines Lichtes. Wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Ein Stern, egal wie groß er ist, scheint nur schwach zu leuchten. Trotzdem folgen ihm die weisen Männer von weit her aus dem Osten. Das Kind, das sie finden in Bethlehem, ist von Anfang an bedroht von König Herodes, es scheint zu schwach zu sein, um irgendwem helfen zu können. Trotzdem fallen die Männer mit den drei königlichen Geschenken vor diesem Kind nieder. Ob auch wir auf diesen Stern, auf dieses Kind, auf diesen Jesus unsere ganze Hoffnung setzen können?

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höhe sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass. All Fehd hat nun ein Ende.“

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Mit Psalm 80, 4 bitten wir um Licht von oben (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

„Gott, richte uns wieder auf! Lass dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.“

Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören aus dem Evangelium nach Matthäus im Kapitel 2 die Verse 1 bis 12:

1 Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:

2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem,

4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten :

6 »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,

8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.

9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut

11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 544. Es ist Ihnen wahrscheinlich unbekannt, ich kannte es bisher auch nicht, aber ich finde den Text sehr gut und passend zum Fest der Erscheinung des Sterns von Bethlehem. Das Lied macht deutlich, dass dieser Stern nicht einfach eine astronomische Erscheinung war, die irgendwann einmal passiert ist und uns nichts angeht. Die Suche nach dem Stern geschieht auch in unserem Leben, wo wir es nicht aufgeben, Gott zu suchen, neue Hoffnung zu finden, Licht zu sehen am Ende des Tunnels:

Der Weg ist so lang. Der Weg ist so weit
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, nicht erst das Neue Testament weiß vom Aufgang des Lichtes aus der Höhe.

Gott lässt seinem Volk Israel durch seinen Propheten folgende Worte ausrichten, die im Buch Jesaja 60, 1-6 aufgezeichnet sind:

1 Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!

2 Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

3 Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

4 Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden.

5 Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt.

6 Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen.

Ja, liebe Gemeinde:

3 … die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Damit haben wir den Grund, weshalb diese Geschichte als Predigttext für das Fest der Heiligen Drei Könige ausgewählt wurde. Zwar ist hier nicht von einem Stern die Rede, auch nicht von Bethlehem, aber:

… über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Jesaja sieht in seiner Vision also Gott selbst über dem Volk Israel aufgehen, und zwar so großartig und weit nach außen strahlend, dass auch die Heiden und die Könige fremder Völker dieses Licht wahrnehmen.

Mit dem Wort „Heiden“ wird hier einfach das hebräische Wort für „Völker“ übersetzt. Denn die Juden kannten zwei Wörter für „Volk“, das eigene hieß Am, ein fremdes hieß Goj, und die Gojim waren aus der Sicht der Juden diejenigen, die nicht an den Gott Israels glaubten. Und diese ungläubigen Heidenvölker kommen nach Israel – in friedlicher Absicht:

4 Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden.

5 Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt.

6 Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen.

Ist das vorstellbar? Die ganze Welt macht sich auf nach Israel – nicht um Krieg und Terror ins Land zu bringen, sondern um im Frieden mit diesem Volk zu leben? Wie es ist, wenn die Welt bei einem Volk friedlich zu Besuch kommt und dieses Volk die Völker herzlich bei sich aufnimmt, davon haben wir im letzten Jahr etwas spüren können bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland; es war nicht selbstverständlich, dass das so harmonisch ablief, es war tatsächlich ein Gottesgeschenk. Der Prophet Jesaja sieht vor seinem geistlichen Auge, vom Geist Gottes geleitet, noch mehr: Die Völker, die in der Vergangenheit das Volk Israel beraubt und seine Kinder verschleppt hatten, kommen nun, um ihren Reichtum mit dem Gottesvolk zu teilen. Man kann sogar Kinder ohne Angst herbeitragen. Wenn es so weit ist, dann wird Schmerz in Lust und Trauer in Freude verwandelt. Aber wann wird es so weit sein?

Der Evangelist Matthäus ist der Überzeugung, dass mit der Geburt Jesu dieses Licht des Friedens mitten in der dunklen Welt aufgestrahlt ist. Und darum erzählt er die Geschichte von den weisen Männern aus dem Osten. Sie sind, gleich am Anfang des Neuen Testaments, die ersten Menschen aus der Welt der Gojim, die den Gott Israels und sein strahlendes Licht aus der Ferne wahrnehmen. Matthäus nennt sie Magier, nach unseren Begriffen waren sie Astrologen, die den Himmel nach Erscheinungen absuchten, die für die Menschen von Bedeutung sein konnten. Aber es war sicher nicht völlig falsch, wenn die Kirche später in den Weisen aus dem Morgenland Drei Heilige Könige erkannte. Immerhin spricht Jesaja von Königen, die zum Glanz Gottes hinziehen, und zwei von den drei Schätzen, die dem Jesuskind mitgebracht werden, kommen auch in der Vision des Jesaja vor: Gold und Weihrauch.

Die Vorausschau des Jesaja erfüllt sich für Matthäus also, als die Männer aus dem Morgenland sich aufmachen und dem Jesuskind ihre Schätze bringen.

Aber genügt uns das, um Antwort auf unsere Fragen nach dem Licht in der Dunkelheit zu finden? Was haben die Weisen, die Könige in Bethlehem gefunden, das auch für uns und für unsere Welt von Bedeutung ist? Ist der Friede, über den sich alle Völker einschließlich der Juden freuen können, den Jesaja in so leuchtenden Farben ausmalt, wirklich schon dadurch hergestellt, dass drei heilige Könige vor dem Kind in der Krippe niederknien?

Hergestellt noch nicht. Aber hier fängt er an. Die Männer aus dem Osten stehen beispielhaft für die ganze Welt der Völker. An ihrer Stelle könnten auch wir stehen. Und Matthäus will uns sagen: Durch das Jesuskind finden wir Zugang zu dem einen und einzigen wahren Gott der Welt. Gott hat Israel in die Freiheit geführt, Gott hat Israel ins Gewissen geredet. Der und kein anderer ist auch das Licht, das über uns aufgeht, der uns aus dem Dunkel herausführt.

Womit fängt die Hoffnung auf diesen Gott an? Sie beginnt damit, dass wir aufgefordert werden, aufzubrechen, einen Weg zu gehen:

1 Mache dich auf!

Bleib nicht im Dunkeln sitzen! Es ist gut zu verstehen, wenn man sich zurückzieht und verkriecht, wenn alles über einem zusammenbricht, wie es dem Volk Israel mehr als einmal passiert ist und wie es einzelne Menschen und Familien in persönlichen Katastrophen immer wieder erleben. Aber es kommt auch wieder die Zeit des Aufbruchs aus der Erstarrung, aus der Lähmung, aus der Gefühllosigkeit und Tatenlosigkeit. Mache dich auf!

Hoffnung geht weiter mit dem Satz:

Werde licht!

Dieser Satz wäre unvollständig und nicht nachvollziehbar ohne die folgende Begründung:

…denn dein Licht kommt.

Wo wir angestrahlt werden durch ein Licht von außen, da wird auch unser Gesicht hell, da können unsere Augen einen neuen Glanz bekommen.

Die weisen Männer in der Geschichte des Matthäus tun genau das, was der Prophet sagt: Sie machen sich auf, weil ein Licht am Himmel erschienen ist. Sie werden „licht“, indem sie das Licht suchen. Erst brechen sie auf aus dem, was sie bisher wussten von Sternkunde und Weisheit. Dann ziehen sie weiter, als sie im Palast und im Tempel von Jerusalem das Licht nicht finden. Ihr Weg hinter dem Stern her ist ein weiter Weg, der zunächst durch die Dunkelheit führt, an Abgründen vorbei, über Stolpersteine hinweg, auf Durststrecken durch Wüsten.

Sieht unsere Suche nach Gott nicht oft sehr ähnlich aus? Wir finden Vertrauen oft nur mitten in unserer Angst, Hoffnung oft nur mitten in unserer Verzweiflung. Reife finden wir oft nur inmitten unserer inneren Zerrissenheit, Trost nur in unserer Trauer, Ruhe mitten in unserer Alltagshektik.

Mache dich auf, werde licht…

… wir brauchen wirklich einen langen Atem, um diesen Weg durchzuhalten.

Die Weisen aus dem Osten werden „licht“, als sie das Kind finden. In der Verletzbarkeit und Zerbrechlichkeit dieses Kindes nehmen sie den großen Gott selber wahr und fallen auf ihre Knie.

Sie werden „licht“ auch insofern, als sie auf den Engel hören, der ihnen im Traum die Augen für die wahren Absichten des Königs Herodes öffnet. „Licht“ zu werden, das hängt nicht immer nur mit schönen Gefühlen und Gedanken zusammen, damit kann auch die Klarheit über böse Machenschaften und Ungerechtigkeiten in dieser Welt gemeint sein. Das böse Spiel des Herodes spielen die weisen Männer jedenfalls nicht weiter mit, nachdem sie ihn unabsichtlich auf die Fährte des Kindes gesetzt hatten.

Dieser Herodes ist übrigens das unheilige Gegenbild zu den Heiligen Drei Königen: Auch er erfährt ja vom Licht aus der Höhe, aber sein Gesicht strahlt nichts zurück von diesem Licht, er kann nur in Begriffen von Macht und Bedrohung denken, er plant Gewalt und Mord. So ist Herodes ein Beispiel für das, was im Buch Jesaja realistisch beschrieben wird:

2 Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker.

Hoffnung geht also ihren Weg, aber nicht einfach in einer geraden Linie, sondern oft auch auf Umwegen, gestört durch dunkle Ereignisse, die wir nicht begreifen, behindert auch durch finstere Machenschaften von Menschen, denen die Mehrheit der Menschen immer wieder machtlos ausgeliefert ist.

Und doch ist die Hoffnung nicht aussichtslos. Denn es ist ja Gott selbst, dessen Licht über uns strahlt. Dieses Licht wird von keiner Dunkelheit ausgelöscht:

… über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen aus dem Lied 593 die Strophen 1, 4 und 5:

1. Licht, das in die Welt gekommen, Sonne voller Glanz und Pracht, Morgenstern, aus Gott entglommen, treib hinweg die alte Nacht, zieh in deinen Wunderschein bald die ganze Welt hinein.

4. Geh, du Bräutgam, aus der Kammer, laufe deinen Heldenpfad, strahle Tröstung in den Jammer, der die Welt umdunkelt hat, o erleuchte, ewges Wort, Ost und West und Süd und Nord!

5. Komm, erquick auch unsre Seelen, mach die Augen hell und klar, dass wir dich zum Lohn erwählen, vor den Stolzen uns bewahr, ja, lass deinen Himmelsschein unsres Fußes Leuchte sein!

Im Abendmahl sind wir eingeladen, zu spüren, dass Gott unser Licht ist, dass er in Jesus Christus treu und liebevoll zu uns steht.

Im Brot schenkt er uns den Leib seiner Liebe. Im Kelch besiegelt er seine Treue zu uns mit seinem Blut.

Gott, nimm uns an, so wie wir sind, mit unserer Angst, mit unseren Zweifeln, mit unserer Verzweiflung. Gott, nimm von uns das Dunkle, das uns von dir trennt, Sünde, Unglauben, Lieblosigkeit. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Liebe und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Ich beginne unsere Fürbitten mit dem Gebet einer jungen Frau, das sie mir per Email geschickt hat:

Gott, hier bin ich und weiß wenig zu sagen. Ich kenne Dich nicht wirklich, meist habe ich Angst vor Dir. Und doch kann ich nicht anders, als Deine Nähe zu suchen. Manchmal kann ich sie sogar spüren. Aber warum tut sie so weh? Warum muss ich dann immer weinen? Sie sagen, wer auf Dich vertraut, wird errettet. Vielleicht vertraue ich Dir sogar mehr, als ich mir selbst eingestehen will. Immer wieder schreie ich Dich an, damit Du weggehst. Wegsiehst, nicht hinsiehst, wie viel Angst und Zweifel da sind. Und damit es nicht so furchtbar weh tut. Und doch möchte ich sagen: Bitte bleib. Lass mich nicht allein. Ich weiß nicht weiter. Ich möchte so gerne Vertrauen und ich habe nur Angst.

Gott, wir bitten weiter zu dir für alle, die das Licht suchen in ihrem persönlichen Leben oder in den Finsternissen der sozialen und internationalen Konflikte. Lass uns nicht aufgeben, auf Einsicht und Friedensbereitschaft zu hoffen, wo Gewalt und Krieg herrscht und lass uns den Nährboden des Terrors mit dem Einsatz für Gerechtigkeit bekämpfen.

Gott wir bitten dich, dass wir nicht vorschnelle Urteile fällen über Menschen, nur weil es Verdächtigungen und Gerüchte gibt, die wir einfach weitertragen. Lass uns dein Gebot sehr ernst nehmen, das uns verbietet, böswillig zu reden über unseren Nachbarn.

Gott, wir bitten dich heute besonders für drei Menschen aus unserer Paulusgemeinde, die wir in der ersten Woche des Jahres bestattet haben. Wir beten für …, die im Alter von 91 Jahren gestorben ist. Wir beten für …, der fast 80 Jahre alt geworden wäre. Und wir beten für …, der nur 20 Monate alt geworden ist. Gott, du kennst die Namen aller Menschen, du allein kennst sie wirklich in ihrem ganzen Wesen, du bist auch der, der sie im Himmel mit Ehren empfängt und aufnimmt. Du bist der Trost für die Angehörigen, die nach einem langen Leben von ihrer geliebten Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Abschied nehmen mussten. Bei dir ist der Mann nicht vergessen, der keine Angehörigen hat. Und du bist auch der Gott, den wir fassungslos fragen möchten, warum du einen kleinen Jungen so schnell aus diesem Leben wieder zu dir rufst. Gott, begleite die Menschen, die traurig und erschüttert sind und einen weiten Weg der Trauer vor sich haben.

Ich bete mit einem Gedicht von Karin Quast:

Manchmal habe ich gezweifelt…

Danke, Herr, dass ich niemals tiefer fallen kann als in deine Hände, die halten. Amen.

Wir singen aus dem Lied 66 die Strophen 4 und 8:

4. Jesus ist kommen, der Fürste des Lebens, sein Tod verschlinget den ewigen Tod. Gibt uns, ach höret’s doch ja nicht vergebens, ewiges Leben, der freundliche Gott. Glaubt ihm, so macht er ein Ende des Bebens. Jesus ist kommen, der Fürste des Lebens.

8. Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben. Hochgelobt sei der erbarmende Gott, der uns den Ursprung des Segens gegeben; dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod. Selig, die ihm sich beständig ergeben! Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.

Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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