Vorweihnachtliche Engel

Adventsgottesdienst mit Konfi-Szenen.

Schon in der Bibel hatten Maria und Josef Zweifel, ob bei Marias Schwangerschaft alles mit rechten Dingen zugeht. Mehrmals müssen Engel in Aktion treten, um beide zu überzeugen: Was in Maria heranwächst, ist trotz allem kein Bankert. Es ist kein Kind der Schande, sondern es ist heilig, ja, der Sohn Gottes.

Konfis inszenieren das Gespräch zwischen Josef und Maria vor dem Adventskranz, an dem vier Kerzen brennen

Konfis inszenieren das Gespräch zwischen Maria und Josef

direkt-predigtGottesdienst am 4. Adventssonntag, den 19. Dezember 2010, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Gottesdienst am 4. Advent begrüße ich alle herzlich in der Pauluskirche.

Advent ist die Zeit des Wartens auf Weihnachten, Zeit der Erwartung für die junge Mutter Maria, die von Gott dazu ausgesucht wird, dass sie seinen Sohn zur Welt bringen soll. Konfirmandinnen und Konfirmanden setzen heute in Szene, wie das damals war, als Maria und Josef von Engeln besucht wurden.

Dies ist auch ein sehr musikalischer Gottesdienst. Frau Jäger spielt auf ihrer Harfe vorweihnachtliche Lieder, nicht nur im Gottesdienst, auch nachher beim Kirchencafé. Der Bläserkreis mit Erich Dritsch (Trompete), Werner Boeck (Flügelhorn) und Christoph von Weyhe (Tenorsaxophon) begleitet drei unserer Gemeindelieder, und unser Organist, Gunnar Wiegand, spielt nicht nur jetzt auf der Orgel, sondern nachher beim Kirchencafé einige weitere vorweihnachtliche Lieder auf dem Klavier zum Mitsingen. Auch Doris Brandherm wird dann auf dem Akkordeon gemeinsam mit Christoph von Weyhe einige Lieder spielen. Auf die normalen liturgischen Gesänge verzichten wir heute; dafür hören wir etwas mehr Musik.

Zuerst singen wir aus dem Lied 16 die Strophen 1 bis 3:
Die Nacht ist vorgedrungen
Wir feiern einen Gottesdienst der Erwartung, einen Gottesdienst im Advent. Wir setzen unsere Hoffnung auf einen Gott mit einem bestimmten Namen: des Vaters, der der Schöpfer des Lebens ist, des Sohnes, der ein Befreier und Retter ist, und des Heiligen Geistes, der uns mit Liebe und Frieden erfüllt. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten gemeinsam den Psalm 98, im Gesangbuch steht er unter der Nr. 739. Lesen Sie bitte die eingerückten Verse:

1 Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

2 Der HERR lässt sein Heil kundwerden; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

5 Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

6 Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!

7 Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

8 Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich

9 vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Mit Harfen sollen wir Gott loben, heißt es im Psalm, das kann Frau Jäger heute wörtlich genommen tun. Gemeinsam singen wir, begleitet von der Harfe, das alte weihnachtliche Lied: „Süßer die Glocken nie klingen“:

1. Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit: ’s ist, als ob Engelein singen wieder von Frieden und Freud‘. Wie sie gesungen in seliger Nacht, wie sie gesungen in seliger Nacht, Glocken, mit heiligem Klang klingt doch die Erde entlang!

2. O, wenn die Glocken erklingen, schnell sie das Christkindlein hört. Tut sich vom Himmel dann schwingen, eilet hernieder zur Erd‘. Segnet den Vater, die Mutter, das Kind; segnet den Vater, die Mutter, das Kind. Glocken, mit heiligem Klang klingt doch die Erde entlang!

3. Klinget mit lieblichem Schalle über die Meere noch weit, dass sich erfreuen doch alle seliger Weihnachtszeit. Alle aufjauchzen mit einem Gesang; alle aufjauchzen mit einem Gesang. Glocken, mit heiligem Klang klingt doch die Erde entlang!

Vater im Himmel, schenke uns ein Herz, das sich auf das echte Weihnachten freuen kann, das offen ist für Menschlichkeit und Liebe, für die Heilung von Wunden, die wir einander zugefügt haben, und von Beziehungen, die kaputtgegangen sind. Lass uns begreifen, was es bedeutet, dass du Mensch wirst in einer einfachen menschlichen Familie. Amen.

Wir singen aus dem Adventslied Nr. 11 die Strophen 1, 4, 7 und 8:

1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier? O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.

7. Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.

8. Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sünden Schuld; nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zu Trost und wahrem Heil, schafft, dass bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil.

Wir hören aus dem Evangelium nach Lukas 1, 26 bis 38:

26 Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth,

27 zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria.

28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!

29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das?

30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.

31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.

32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben,

33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.

34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?

35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.

36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei.

37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Erst an Weihnachten werden alle Engel singen, aber schon heute hören wir von zwei Engeln, die zuerst mit Maria reden und später auch noch mit Josef; darum singen wir schon heute aus dem Lied 538 die Strophen 1 bis 3, die auch in den Advent passen:

1. Vom Himmel hoch, o Engel kommt! Eia, eia, susani, susani, susani, kommt singt und klingt, kommt, pfeift und trombt! Halleluja, Halleluja! Von Jesu singt und Maria!

2. Kommt ohne Instrumente nit, Eia, eia, susani, susani, susani, bringt Lauten, Harfen, Geigen mit. Halleluja, Halleluja! Von Jesu singt und Maria!

3. Lasst hören euer Stimmen viel Eia, eia, susani, susani, susani, mit Orgel- und mit Saitenspiel. Halleluja, Halleluja! Von Jesu singt und Maria!

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, unser heutiger Predigttext, den wir eben gehört haben, ist eine echte Adventsgeschichte. Er handelt davon, dass Gott in unserer Welt ankommen, als Mensch geboren werden will. Unsere Konfis setzen ihn in Szene (auch unter Rückgriff auf Matthäus 1, 18-25 und Richter 13, 2-24). Stellen wir uns vor, nachdem der Engel weg ist und bevor Maria ihre Verwandte Elisabeth besucht, läuft Maria erst noch zu ihrem Verlobten Josef:

Szene 1: Maria muss mit Josef reden

Maria: Josef, ich muss dir was erzählen.

Josef: Was denn?

Maria: Aber versprich mir, dass du mich nicht auslachst!

Josef: Nur heraus mit der Sprache. Wir sind doch verlobt, da kannst du mir alles sagen.

Maria: Aber du glaubst mir bestimmt nicht. Und wenn du es glaubst, findest du es sicher nicht gut.

Josef: Du machst es aber spannend! Was ist denn los?

Maria: Josef, was würdest du sagen, wenn ich schwanger wäre?

Josef: Dann würde ich sagen: Das ist unmöglich. Wir wollten doch bis zur Ehe warten, bis wir…

Maria: Ja, ja, Josef, das weiß ich.

Josef: Hast du mich betrogen? Hast du einen anderen?

Maria: Nein, Josef, du weißt doch, ich lebe bei meinem Vater, und der lässt niemanden an mich ran.

Josef: Aber wie sollte das dann überhaupt gehen?

Maria: Das weiß ich auch nicht. Ein Engel hat mir gesagt: „Maria, du wirst schwanger werden.“

Josef: Ich glaube, du bist verrückt geworden. Jetzt kriegst du schon Besuch von Engeln.

Maria: Nein, Josef, ich bin nicht verrückt. Es war wirklich so. Der Engel hat sich sogar vorgestellt. Er hieß Gabriel.

Josef: Der Erzengel Gottes persönlich! Und der soll zu einem kleinen Mädchen wie dir kommen?

Maria: Ich kann doch nichts dafür. Er war wirklich da, und so hat er mich gegrüßt: „Gott schenkt dir Gnade!“ Da hab ich mich erschreckt und gefragt: „Was für ein Gruß ist das?“ Und da hat der Engel gesagt: „Fürchte dich nicht, Maria, du wirst einen Sohn bekommen, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.“

Josef: Was du dir alles einbildest! Wenn du einen Sohn bekommen sollst, dann müsste ich doch davon wissen. Und den Namen suche immer noch ich aus und nicht irgendein Engel!

Maria: Aber hör doch zu, Josef! Vielleicht wird unser Kind wirklich etwas Besonderes. In der Bibel steht: zu den Eltern von dem starken Richter Simson ist auch ein Engel gekommen, der hat ihnen gesagt, dass sie dieses Kind bekommen werden.

Josef: Und du glaubst jetzt, du kriegst ein Kind, das auch so stark wird wie der Richter Simson?

Maria: Der Engel hat mir etwas sehr Geheimnisvolles gesagt: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“

Josef: Ich sag‛s ja, Maria, du bist völlig am Austicken. Unser Sohn soll der Messias von Gott sein, auf den unser Volk Israel schon seit Jahrhunderten wartet?

Maria: Ich hab das ja auch nicht verstanden. Ich mit meinen 13 Jahren, und wir sind noch nicht mal zusammen gewesen.

Josef: Aber hallo, da möchte ich auch gern wissen, woher du ein Kind bekommen willst.

Maria: Ich weiß es doch auch nicht. Das hat der Engel auch nicht wirklich erklärt. Aber er war wirklich sehr nett zu mir und hat mir Mut gemacht: „Du bist nicht allein, Gott wird bei dir sein mit seinem Geist, mit seiner Kraft.“

Josef: Mut hättest du auch nötig, wenn du jetzt wirklich schwanger wärst, denn mit mir könntest du dann nicht rechnen. Das Kind wäre ja nicht von mir.

Maria: Aber der Engel hat gesagt: Es ist etwas Heiliges, das geboren wird. Jedes Kind ist heilig, es kommt von Gott. Und das Heilige, das von mir geboren wird, soll Gottes Sohn genannt werden.

Josef: Verschone mich mit solchem Unsinn. Gott sei Dank bildest du dir nur etwas ein. Du bist bestimmt nicht schwanger.

Maria: Und was ist mit meiner Tante Elisabeth?

Josef: Wieso, was soll mit ihr sein?

Maria: Der Engel hat mir verraten, dass sie auch ein Kind bekommt. Sie ist schon im sechsten Monat!

Josef: Aber die ist doch viel zu alt dafür, um noch ein Kind zu bekommen!

Maria: Der Engel sagt: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“

Josef: Der Engel, der Engel. Hör endlich auf mit dem Gerede.

Maria: Für mich ist es kein Gerede. Ich habe dem Engel gesagt: „Für mich ist das OK. Wenn Gott es will, dann will ich gern die Mutter seines Sohnes sein.

Josef: So einen Quatsch höre ich mir nicht länger an!

Maria: Das musst du auch nicht, ich mach mich sowieso gleich auf die Reise und besuche meine Tante Elisabeth.

Josef: Na dann tschüss. Hoffentlich wirst du auf der Reise wieder vernünftig!

Während Maria Elisabeth besucht, hören wir ein Stück auf der Harfe:

„Die Christrose“ von Robert Stolz

Drei Monate später kehrt Maria wieder zurück. Und Josef erfährt von ihr, dass der Engel über Elisabeth die Wahrheit gesagt hat: Inzwischen ist ihr Sohn Johannes bereits geboren. Mit der Zeit kann Josef sich auch im Blick auf seine Verlobte nichts mehr vormachen. Marias Bauch wird immer dicker. Und die Leute im Dorf Nazareth fangen an zu reden:

Szene 2: Der Dorftratsch und Josef

Simon: He, Micha, Johann, habt ihr schon das Neueste gehört?

Micha: Nee, was denn?

Simon: Das glaubt ihr nicht!

Johann: Nun sag‘s schon!

Simon: Ihr kennt doch Josef!

Micha: Josef, Josef, welchen Josef meinst du?

Simon: Den frommen Josef!

Johann: Ja, den kenne ich.

Micha: Ich auch. Der ist so fromm, der geht immer in die Synagoge.

Johann: Der hält sich sogar an die Zehn Gebote.

Simon: Aber wisst ihr, was ich von ihm gehört habe?

Micha: Mach‘s doch nicht so spannend!

Simon: Seine Verlobte ist schwanger!

Johann: Was? Die Maria?

Micha: Die reine Maria?

Simon: Ja, die reine Maria. Die keinen an sich ranlässt.

Johann: Hat sie es nun doch getan?

Micha: Das kann ich mir gar nicht vorstellen.

Simon: Aber von Josef ist das Kind auf keinen Fall.

Micha: Stimmt. Der würde so was nicht machen.

Johann: Nicht vor der Ehe.

Simon: Josef war einfach zu sicher, dass Maria ihm treu sein würde.

Micha: So kann man sich irren.

Johann: Was wird Josef jetzt mit dem Bankert machen?

So reden sie über Josef im Dorf. Und was ist mit Josef selbst? Er steht zur gleichen Zeit bei Marias Eltern vor der Haustür und klopft an.

Szene 3: Josef redet mit Marias Mutter

Anna: Hallo Josef, mein Schwiegersohn, was führt dich zu uns?

Josef: Schwiegersohn? Damit wird es nichts.

Anna: Ach Josef, komm doch erst mal rein!

Josef: Nein, ich will Maria nicht begegnen.

Anna: Ich dachte, du willst deine Braut besuchen.

Josef: Nein, sie ist nicht mehr meine Braut. Ich will meine Verlobung mit ihr auflösen.

Anna: Du tust es also wirklich, weil sie…

Josef: Genau. Weil sie nicht von mir schwanger ist.

Anna: Aber von wem sollte sie sonst… Also Josef, wir wissen ja, dass du ein frommer junger Mann bist. Aber es ist doch nichts dabei, wenn ihr … Wir waren doch alle einmal jung.

Josef: Ich habe nichts damit zu tun!

Anna: Wirklich nicht? Erzählt Maria deshalb so merkwürdige Geschichten?

Josef: Was erzählt sie denn?

Anna: Sie sagt, ein Engel wäre zu ihr gekommen.

Josef: Ein Engel, das hat sie mir auch schon erzählt. Dass ich nicht lache! Was das wohl für ein Engel war!

Anna: Beleidige nicht meine Tochter! Sie hatte nie etwas für andere Jungen übrig, nur für dich.

Josef: Ich verstehe es ja auch nicht. Ich weiß nur, dass jetzt alle über mich reden. Und meine Freunde lachen mich aus.

Anna: Willst du etwa Maria vor Gericht bringen?

Josef: Ich könnte sie verklagen, wegen Untreue. Aber ich will sie gar nicht in Schande bringen. Ich hab sie schließlich gern gehabt.

Anna: Du weißt doch gar nicht, was geschehen ist.

Josef: Das ist es ja eben. Deswegen kann ich sie ja auch nicht heiraten. Wie soll ich ihr denn noch vertrauen?

Anna: Was willst du tun?

Josef: Ich gehe von hier fort – dorthin, wo mich niemand kennt.

Anna: Aber was soll denn aus ihr und dem Kind werden? Wir können es nicht großziehen, wir sind schon alt!

Josef: Das hätte Maria sich früher überlegen sollen. Sagt ihr einen Gruß von mir!

Kaum zu glauben! Soll der Sohn Gottes wirklich ohne Vater aufwachsen, weil der Verlobte seiner Mutter mit diesem Kind nichts zu tun hat und nichts zu tun haben will? Aber dann geschieht ein Wunder. Das erste Wunder im Neuen Testament. Es ist Nacht. Morgen will Josef abreisen und woanders neu beginnen. Unruhig schläft er, wälzt sich hin und her.

Szene 4: Josef wird von einem Engel geweckt

Engel: Josef!

Josef: He, wer weckt mich auf, mitten in der Nacht?

Engel: Josef, Sohn Davids!

Josef: Das ist mein voller Familienname. Wer bist du?

Engel: Ich bin ein Engel. Ein Bote von Gott.

Josef: Was? Wie? Wer? Du jagst mir einen ganz schönen Schrecken ein!

Engel: Fürchte dich nicht! Ich habe dir etwas zu sagen.

Josef: Mir? Ich bin doch nur ein einfacher Zimmermann!

Engel: Das mag sein, aber von deinem Sohn wird man noch in 2000 Jahren reden.

Josef: Mein Sohn? Ich habe keinen Sohn.

Engel: Doch, Marias Kind wird dein Sohn sein.

Josef: Wenn du ein Engel bist, dann weißt du wie ich, dass das Kind nicht von mir ist.

Engel: Und doch wird es dein Kind sein.

Josef: Du weißt auch, wie die Leute es nennen.

Engel: Ja, das weiß ich. Bankert, sagen die Leute. Die Kinder büßen immer für die Sünden der Eltern.

Josef: Aber ich habe nichts mit Maria gehabt. Ich würde nie vor der Ehe…

Engel: Das weiß ich, Josef.

Josef: Dann weißt du bestimmt auch, was Maria getrieben hat.

Engel: Ich weiß, dass ihr Kind ein heiliges Kind sein wird, ein Kind vom Heiligen Geist.

Josef: Und wer ist der Vater?

Engel: Was interessiert es dich? Niemand weiß es.

Josef: Wenn du wüsstest, was die Leute über mich reden!

Engel: Ich weiß es. Lass die Leute dumm schwätzen.

Josef: Was soll ich also deiner Meinung nach tun?

Engel: Fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen.

Josef: Und ihr Kind soll ich gleich mit heiraten?

Engel: Das Kind braucht einen guten Vater, der für es sorgt.

Josef: Weißt du vielleicht auch schon einen Namen für das Kleine?

Engel: Ja, es wird ein Junge sein, und du sollst ihn Jesus nennen.

Josef: Jesus heißt Retter – er soll der Retter sein?

Engel: In der Bibel heißt es: Er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

Josef: Und ich soll Maria nicht einmal nach ihrer Sünde fragen?

Engel: Nein. Es geht um dich. Du sollst keine Sünde begehen. Lass deine Frau und dein Kind nicht im Stich!

Ob Josef wohl wirklich auf den Engel hört? Am nächsten Morgen ist Josef noch ganz erfüllt von dem, was er in der Nacht erlebt hat. Für ihn war es mehr als ein Traum. Der Engel Gottes hat ihm seine Liebe zu Maria wieder gerade gerückt. Und so macht er sich noch einmal auf und klopft an die Haustür der Eltern von Maria.

Szene 5: Josef muss mit Maria reden

Anna: Hallo Josef, was willst du denn hier? Ich dachte, du bist längst über alle Berge!

Josef: Ich muss unbedingt Maria sprechen! Schnell!

Anna: Maria!!! Da ist sie schon. Ich lass euch mal lieber alleine.

Maria: Josef? Du bist doch nicht weggegangen?

Josef: Ich habe noch mal drüber geschlafen. Und in der Nacht habe ich etwas Merkwürdiges geträumt.

Maria: Was denn?

Josef: Ein Engel ist zu mir gekommen.

Maria: Ach, ein Engel. Und über meinen Engel hast du dich lustig gemacht!

Josef: Entschuldige, Maria. Es war ja wirklich schwer zu glauben.

Maria: Ich kann wirklich nicht sagen, wie das alles passiert ist. Aber das mit dem Engel ist wahr.

Josef: OK, du musst nicht darüber sprechen.

Maria: Ich weiß nur – der Engel hat gesagt: Es ist ein heiliges Kind.

Josef: Hat er dir auch gesagt, wie das Kind heißen soll?

Maria: Ja, Jesus soll es heißen.

Josef: Das hat er mir auch gesagt – Jesus, der Retter.

Maria: Und was wirst du nun tun, Josef?

Josef: Wenn du mich noch willst, dann heirate ich dich.

Maria: Ich will! Aber erst nach der Entbindung. Eine Hochzeitsfeier halte ich mit dem Bauch nicht mehr durch.

Josef: Wie du willst. Und ich versuche, ein guter Vater für Jesus zu sein.

Ja, liebe Gemeinde, Gott will also mitten in unserem alltäglichen Leben zur Welt kommen. Da, wo ein Mädchen ein uneheliches Kind erwartet und es dann doch nicht als alleinerziehende Mutter großziehen muss. Da, wo beinahe ein Verlobter seine Braut verlässt und sich dann doch darauf besinnt, dass sie und ihr Kind ihn nötig brauchen.

Generationen von Christen haben das Wunder in dieser Geschichte darin gesehen, dass Gott im Leib der Maria ein Kind erschafft, ohne dass sie von einem Mann berührt worden sei: die heilige Jungfrau Maria. Unsere moderne Zeit tut sich damit schwer. Und interessanterweise kommen wir gerade mit unserer Skepsis an diesem Punkt vielleicht zum ursprünglichen Sinn der biblischen Geschichte zurück: Schon damals hatten ja sowohl Maria als auch Josef ihre Zweifel, ob bei dieser Schwangerschaft alles mit rechten Dingen zugeht und ob dieses Kind wirklich heilig genannt zu werden verdient. Mehrmals müssen Engel in Aktion treten, um beide zu überzeugen: Was in Maria heranwächst, ist trotz allem kein Bankert oder Bastard. Es ist kein Kind der Schande, sondern es ist heilig. Dieses besondere Kind soll sogar Gottes Sohn genannt werden.

So wird Gott ein Mensch für alle Menschen, auch und gerade für die, die nicht von vornherein auf Rosen gebettet sind, die es schwer haben. So ist die Geschichte von der Schwangerschaft Maris und der Geburt Jesu eine Hoffnungsgeschichte auch für Familien, die nicht von vornherein heil und glücklich sind, sondern wo noch einiges gekittet werden muss. Damit kann Weihnachten ein Frohes Fest werden auch für Menschen, die mit Problemen zu kämpfen haben.

Gott selber ist mitten drin in diesem Kampf; Weihnachten spielt sich ab mitten in den Problemen dieser Welt. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“, werden die Engel singen. Eine Sache der Ehre, seiner eigenen besonderen Ehre, ist es für Gott, dass wir Menschen hier auf der Erde anfangen, im Frieden miteinander zu leben. Und das soll in unseren Familien anfangen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Adventslied Nr. 13:

1. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!

2. Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh! Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!

3. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!

Gott, rühre uns an mit dem Geheimnis, das durch Maria geschehen ist: du Ewiger nimmst zeitliche Gestalt an, du, Gott, bist dir nicht zu schade, unser Bruder zu werden! Dein Sohn kommt ins Gerede der Leute, wird zuletzt als Opfer von politischen Intrigen hingerichtet, und doch bringst du durch ihn Hoffnung in unsere ausweglos scheinenden Probleme, Vertrauen in unsere angsterfüllte Welt, Liebe in unsere coolen Herzen. Danke, Gott, dass du es Weihnachten werden lässt, dass du unsere Sehnsucht nach Liebe und Frieden erfüllst.

Besonders beten wir heute für Herrn …, der im Alter von … Jahren gestorben ist. Nimm den Verstorbenen voll Gnade in deinem Himmel auf und schenke ihm deinen ewigen Frieden. Begleite die Angehörigen mit deinem Trost und lass sie auf dem Weg ihrer Trauer nicht allein. Amen.

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir noch ein altes Adventslied, begleitet von der Harfe:

1. Leise rieselt der Schnee, still und starr liegt der See, weihnachtlich glänzet der Wald: Freue dich, Christkind kommt bald!

2. In den Herzen wirds warm, still schweigt Kummer und Harm, Sorge des Lebens verhallt: Freue dich, Christkind kommt bald!

3. Bald ist heilige Nacht, Chor der Engel erwacht, hört nur wie lieblich es schallt: Freue dich, Christkind kommt bald!

Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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