Mit Franziskus auf dem Weg zur Krippe

Christmette am Montag, den 24. Dezember 2001, um 23.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen.
Franziskus mit den Tieren auf dem Weg zur Krippe

Franziskus mit den Tieren auf dem Weg zur Krippe

Dieser Christmette liegt der Text „Friedlich unterwegs zur Krippe“ von Josef Dirnbeck zugrunde, der 1983 im ferment-Heft 12/83 (Pallottiner-Verlag) erschien (mit Zeichnungen von Hans Küchler) und den ich damals schon einmal für die Gestaltung einer Christmette in der evangelischen Kirchengemeinde Reichelsheim in der Wetterau verwendete.

Der Autor Josef Dirnbeck gestattete mir diese Veröffentlichung meines Gottesdienstes aufgrund seiner Ideen, die er später noch einmal in seinem (nach wie vor erhältlichen) Buch publiziert hat: Josef Dirnbeck: Bruder Franz und Schwester Krippe. (Mit Zeichungen von Werner Beyer). Lorenz-Senn-Verlag, Tettnang 1991. Näheres zum Autor auf seiner Homepage: http://members.aon.at/dirnbeck.

Auch der Pallottiner-Verlag stimmt der Veröffentlichung auf dieser Internet-Seite zu und freut sich über einen Verweis auf die Homepage www.ferment.ch.

Wer die Rechte für die Zeichnungen von Hans Küchler innehat, ist mir leider nicht bekannt. Falls ich irgendwelche Rechte verletzt haben sollte, senden Sie mir bitte eine Mail – und ich bitte um das Recht, die sehr schönen Bilder hier verwenden zu dürfen.

Guten Abend, liebe Gemeinde! – Zur Christmette am Heiligen Abend 2001 begrüße ich Sie in der Pauluskirche mit dem Wort aus dem Evangelium nach Johannes 1, 14: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“

Wissen Sie eigentlich, wer die erste Krippe in der Geschichte des Christentums aufstellte? Es war Franz von Assisi. Er hatte vor dieser Nacht der Menschwerdung Gottes eine überaus große Ehrfurcht.

In der Grotte von Greccio richtete Franziskus eine Futterkrippe her, holte frisches Stroh, schaffte Ochs und Esel herbei, lieh sich von einer Bäuerin ein Kind aus und legte es in die Krippe. Hirten kamen mit richtigen Schafen und Ziegen.

Im Kind der Heiligen Nacht erkannte Franz den Gott unter uns, den Bruder mit uns, in seinem Angesicht sah er die Güte Gottes. Er war überzeugt: Jedes Wesen, das in dieser Nacht zur Krippe kommt, findet Frieden und erhält ein neues Gesicht geschenkt.

Heute Nacht sind wir gemeinsam mit Bruder Franz und seinen Freunden, den Tieren, unterwegs zur Krippe, mit Liedern und Gesprächen, mit Bildern und Gebeten.

Wir machen uns auf diesen Weg im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir schlagen das Lied 24 auf und singen es Strophe für Strophe im Wechsel mit der Lesung aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas 2:

Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein, das soll eu’r Freud und Wonne sein.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eu’r Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott der Vater hat bereit‘, dass ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

So merket nun das Zeichen recht: die Krippe, Windelein so schlecht, da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Des lasst uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehn hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Wir singen das weihnachtliche Loblied 54:

Hört, der Engel helle Lieder klingen das weite Feld entlang

Wir hören heute wieder die Botschaft der Engel vom Frieden. Eine Botschaft, die scheinbar wirkungslos abprallt an unserer Wirklichkeit der Kriege, des Terrors, der alltäglichen Lügen und der inneren Zerrissenheit.

Wie wahr ist die Botschaft der Engel vom Frieden? Es gibt keine stichhaltigen Beweise, nur die Beglaubigung durch dieses Zeichen: „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“

Gott, in einer Krippe liegend wirst du in unsere Welt hineingeboren. So beginnt deine Freude, deine Ehre, dein Friede auf Erden – immer in der Gefahr, missachtet, missbraucht, ausgenutzt, lächerlich gemacht und getötet zu werden. So forderst du unser Vertrauen und unsere Liebe heraus, unsere offenen Augen, unsere liebebedürftige Seele und unsere helfenden Hände. Du setzt ein Zeichen, das entwaffnet. Amen.

Lassen wir nun Franz von Assisi zum Jesuskind in der Krippe gehen. Auf seinem Weg durch Wald und Feld begegnet er einer Reihe von Tieren und spricht mit ihnen.

Wir stellen Ihnen die Gespräche von Franz mit den Tieren vor Augen und Ohren – Herr Stomps liest die Rolle des Franziskus und ich schlüpfe in die Rolle der Tiere.

Zwischen den einzelnen Stationen singen wir eine Strophe des ersten Liedes auf dem Liedblatt zur Melodie „Maria durch ein Dornwald ging“.

Franziskus zu der Krippe geht,
Jesus besuchen.
Franziskus in der Heilgen Nacht
hört den Tieren zu, wie es um sie steht,
auf dem Weg zur Krippe.

reh1. Schwester Reh

Sei gegrüßt, Schwester Reh, was wäre ein verschneiter Weihnachtswald ohne dich, das friedliche, anmutige Tier zwischen den immergrünen Tannenbäumen? Bist du nicht glücklich, in solcher Umgebung leben zu dürfen, fernab vom Ach und Krach der Welt?

Bruder Franz, schön wär’s. Aber mich drücken schwere Sorgen. Der grüne Lebensraum wird immer kleiner. Nirgends kann ich mich im Wald noch müde laufen. Die Menschen brauchen alles für sich und am Ende verlieren sie ihre Mitgeschöpfe.

Ich habe den Baumfällern verboten, den Baum ganz unten abzuhauen, damit er neu ausschlagen kann. Ich habe den Gärtnern verboten, alles auszujäten, was man Unkraut nennt, denn es gehört auch zu Gottes Schöpfung.

Heute wächst der Beton schneller als das Gras.

Dann komm mit mir zur Krippe – dort ist eine Rose entsprungen, die sprengt den stärksten Beton!

Das scheue Reh zur Krippe geht,
Jesus besuchen.
Das scheue Reh sucht den zarten Spross,
der den harten, kalten Beton besiegt,
in der harten Krippe.

taube2. Schwester Taube

Friede sei mit dir, Schwester Taube! Aber was klebt dir da an den Flügeln? Lass mich versuchen, sie rein zu bekommen!

Ich danke dir, Bruder Franz. Du hast die Aussätzigen umarmt und hast auch keine Angst vor der Ölpest. Ich komme vom Meer und habe einen riesigen Küstenstreifen gesehen, vom Öl verseucht, tote Vögel und Fische und schreiende, halbverhungerte Schwestern, flügellahm durch das klebrige Öl, die sich nicht helfen konnten. Ich habe ihnen Nahrung gebracht und dabei selbst Öl abbekommen.

Ganz sauber kriege ich deine Flügel nicht, hoffen wir, dass die Zeit deine Wunden heilt.

Früher fand ich, es gäbe nichts Anstrengenderes, als wochenlang über das Wasser zu fliegen, ohne festen Boden unter den Füßen, um den Zweig eines Ölbaums zu suchen. Aber lieber kein Ölblatt im Schnabel als Öl in den Flügeln. Gebt ihr Menschen eurem Planeten so die Letzte Ölung? Aber, Bruder Franz, du weinst ja! Warum?

Es geht mir zu Herzen, dass die Schöpfung Wundmale trägt und so dem Schöpfer ähnlich wird, der sich aus Liebe verwunden ließ. Aber der, der beschlossen hat, keine Sintflut mehr zu schicken, hat ein Kind geschickt, von dem eine Flut der Liebe ausgeht. Komm mit! In der Krippe liegt der Gesalbte des Herrn und wird Verständnis haben für dich, vom Öl gezeichnete Schwester Taube!

Die Taube kommt zur Krippe mit,
Jesus besuchen.
Die den Ölzweig fand, die mit Öl verklebt,
sucht den Schöpfer auf, der erniedrigt ist
auf dem Stroh der Krippe.

biene3. Schwester Biene

Hallo, Schwester Biene! Du bist ja noch ganz emsig und unermüdlich am Werk!

Das ist eben meine Natur – der Bienenfleiß. Obwohl man damit heute nicht mehr weit kommt. Viele sagen: Warum arbeiten, wenn man auch ohne Arbeit versorgt wird? Und wer hart arbeitet, wird noch bestraft, weil er die Faulpelze mitbezahlen muss.

Aber Biene – wo bleibt deine Barmherzigkeit? Nicht jeder hat so viel Ausdauer wie du. Nicht jedem sind deine Gaben geschenkt.

Ich rede ja nicht von denen, die wirklich Hilfe brauchen. Aber die, die auf Kosten anderer leben, kleine Schmarotzer und große Betrüger mit dem weißen Kragen, die kann ich nicht leiden. Am liebsten würde ich ihnen Bienenstiche verpassen!

Tu es nicht, Schwester Biene! Mit Gewalt führst du niemanden zur Tugend. Verletze selber nie auch nur eine Tugend, sonst hast du alle verletzt. Mach lieber mal Pause und komm mit uns zur Krippe. Summe und brumme dem Kind ein schönes Wiegenlied vor!

Die Biene mit zur Krippe fliegt,
Jesus besuchen.
Sie ruht aus von ihrem Bienenfleiß,
summt ein Bienenlied für das Jesuskind
auf dem Weg zur Krippe.

hase4. Bruder Hase

He, Bruder Hase, warum hast du so ängstliche Augen? Glaubst du etwa, ich könnte dir etwas antun?

Du nicht, nein, du kannst überhaupt nichts tun, Bruder Franz. Du tust mir nichts, aber du richtest auch nichts aus gegen die Bösen in der Welt, die mir Angst machen. Du predigst den Frieden, wie es Jesus getan hat, aber sind die Menschen etwa Werkzeuge des Friedens geworden? Wie soll man da nicht ein Angsthase sein?

Ich verstehe deine Angst, es gibt genügend Anlass dafür. Immer kompliziertere Waffen, immer fanatischere Menschen, und allzuviele, die nur an den eigenen Vorteil denken. Aber komm mit, kleiner Angsthase, und wenn du an der Krippe bist, dann wirf deine Angst ganz einfach hin. Der in der Krippe liegt, kann sie aushalten.

Der Hase auch zur Krippe geht,
Jesus besuchen.
Der Hase spürt seine große Angst,
und er nimmt sie mit zum Jesuskind,
auf dem Weg zur Krippe.

maus5. Schwester Maus

Seht nur, da läuft Schwester Maus! He, warum bist du nicht in deinem Haus?

Ach, Bruder Franz, wir wohnten in einem leeren Haus, das niemand nutzt, und doch räuchert man uns aus und vertreibt uns.

Das tut mir leid, kleine Maus. Aber so schwach ihr Mäuse auch seid – im Grunde seid ihr recht stark. Die Leute haben Angst vor euch, einfach weil ihr da seid und weil ihr viele seid. Komm mit! Wir gehen zur Krippe und besuchen ein Kind, das auch so klein und schwach war wie du und vor dem sogar ein mächtiger König Angst gehabt hat. Er hat es nicht geschafft, so ein schwaches Geschöpf umzubringen, das sich gar nicht wehren konnte. Macht dir das nicht Mut?

Die kleine Maus zur Krippe geht,
Jesus besuchen.
Als Vertriebene aus ihrem Haus
sucht sie neuen Mut beim Jesuskind,
auf dem Weg zur Krippe.

wolf6. Bruder Wolf

Wer geht da grau und traurig seines Weges? Bist du es, Bruder Wolf?

Ja, ich bin’s, und traurig bin ich wirklich. Traurig über die Menschen, die in mir nur die Bestie sehen und mich aus dem Wald in Deutschland verjagt haben. Aber die meisten Menschen würden genau wie ich im Notfall ihre Zähne und Klauen einsetzen, um sich selbst oder die zu beschützen, die ihnen am liebsten sind.

Ja, Bruder Wolf, auch Christen versuchen dem Bösen notfalls mit Gewalt Einhalt zu gebieten. Doch auch die gerechteste Gegengewalt fordert unschuldige Opfer. Darum sind andere Wege zum Frieden um so wichtiger, zum Beispiel das mühsame Gespräch zwischen Nationen und Kulturen.

Wenn sie Angst haben, fangen auch friedliche Menschen an, mit den Wölfen zu heulen, wie man sagt. Weißt du, das macht mich wütend! Immer wenn Menschen grausam sind, schieben sie uns Raubtiere vor. Der Mensch wird dem Menschen ein Wolf; und Wölfe im Schafspelz nennt man die Friedensheuchler, die vom Frieden reden, aber Gewalt im Schilde führen.

Lieber Wolf, natürlich fällt es dir leicht, an den Menschen zu verzweifeln und in ihnen die bösesten Bestien zu sehen. Komm mit zur Krippe, in ihr liegt ein verletzbares Kind, und in diesem Kind wurde Gott dem Menschen ein Mensch. Dabei hat das Jesuskind kein so dickes Fell wie du, und es liegt bloß in Windeln. Später wird Jesus in der Wüste bei den wilden Tieren sein – und von ihnen geschieht ihm nichts.

Der starke Wolf zur Krippe geht,
Jesus besuchen.
Kein Tier reißt er in dieser Nacht
auf dem Weg zu dem Menschen, der menschlich ist,
auf dem Weg zur Krippe.

fuchs7. Bruder Fuchs

He, woher des Wegs, Bruder Fuchs, im roten Pelz, mit listigem Blick?

Singst du auch das Lied: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“? Gänse stehlen, das trauen mir alle zu, du kannst nicht aus deiner Haut heraus. Aber wovon soll ich sonst leben? Der Schöpfer hat mich als Fleischfresser geschaffen.

Und nur weil die Menschen die Hühner in Ställe einsperren, tötest du mehr als eins, das deinen Hunger stillt. Gegen deinen Jagdinstinkt kannst du nicht an.

Aber ihr Menschen – ihr seid nicht instinktgesteuert! Ihr tötet aus Spaß oder Unersättlichkeit mehr als ihr zum Leben braucht. Wenn ihr nur wolltet, ihr könntet aus eurer Haut heraus!

Recht hast du, Bruder Fuchs, jedes Lebewesen ernährt sich vom anderen, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Aber nur der Mensch kann entscheiden, ob er unersättlich ist oder dankbar sich mit dem Notwendigen bescheidet. Komm mit zum Kind in der Krippe! Es sagt Ja dazu, dass alle Lebewesen essen müssen, und ermutigt uns dazu, Strukturen des Teilens aufzubauen. Im Abendmahl wird es die Christen sogar seinen Leib essen lassen – symbolisch, als Nahrung für die Seele.

Der rote Fuchs zur Krippe geht,
Jesus besuchen.
Er kann aus seiner Haut nicht fliehn,
doch der Mensch, der kann sich darum bemühn,
auf dem Weg zur Krippe.

lamm8. Bruder Lamm

Friede sei mir dir, Bruder Lamm! Du schaust so misstrauisch. Hast du Angst vor Bruder Wolf und Bruder Fuchs? In dieser Nacht tun sie dir nichts.

Wenn du dabei bist, Bruder Franz, dann habe ich keine Angst, als Lamm zu lagern bei Wolf und Fuchs. Aber sonst gehört es zum Lauf der Natur, dass ich auf der Hut sein muss, um nicht aufgefressen zu werden.

Dann komm mit uns zum Kind in der Krippe! Später wird es das Lamm Gottes heißen und zur Schlachtbank geführt werden. Es kann die Leiden aller Lämmer dieser Welt mitfühlen.

Das Lämmchen geht zur Krippe hin,
Jesus besuchen,
zum Gotteslamm, das hängen wird
am Kreuzesstamm und jetzt noch liegt
in der harten Krippe.

katze9. Schwester Katze

Sieh da, Schwester Katze, was streunst du bei diesem Wetter noch so spät durch den Wald?

Soll ich sagen: Gleichfalls, Bruder Franz? Das sieht dir ähnlich, dass du um diese Zeit im Wald anzutreffen bist mit den Tieren bei den Bäumen. Die anderen Menschen holen sich lieber die Bäume aus dem Wald in ihre Wohnungen.

Ich hätte gedacht, dass du heute am Weihnachtsabend gemütlich hinterm Ofen sitzt und die Reste vom Weihnachtsschmaus genießt!

Ich hatte es satt, behaglich zu schnurren, während Herrchen und Frauchen unterm Weihnachtsbaum nur deshalb nicht streiten, weil Weihnachten ist. Lieber die Kälte der Nacht ertragen als diese geheuchelte Wärme.

Aber Schwester Katze, so tierisch ernst nimmst du die Dinge doch sonst nicht. In Bethlehem haben sich auch die Tische der Satten gebogen, während die Obdachlosen ohne Herberge blieben. Hör auf zu jammern und komm mit uns zum Kind in der Krippe! Spiel vor ihm, sei vergnügt und erfreue sein Herz, aber mit Samtpfoten bitte, das Leben ist hart genug. Und du weißt ja, das Mäuschen lässt du in dieser Nacht einmal in Ruhe!

Die Katze mit zur Krippe geht,
Jesus besuchen.
Sie will schnurren und spielen
und schreitet auf Samtpfoten
ihren Weg zur Krippe.

kamel10. Bruder Kamel

Was hat dich denn in diese Gegend verschlagen, Bruder Kamel? Hast du dich verirrt?

Dasselbe könnte ich dich fragen, Bruder Franz. Mitten in der Nacht sammelst du Tiere um dich und gehst zur Krippe. Du kommst mir vor wie der griechische Philosoph Diogenes – nur dass der am hellichten Tag mit der Laterne auf den Marktplatz gegangen ist und gesagt hat: „Ich suche einen Menschen!“

Da hast du Recht, Bruder Kamel. Ich suche den einen Menschen, der ein Bruder aller Kreaturen geworden ist.

Dann haben wir den gleichen Weg, den Weg zur Krippe. Aber mach dir in einem Punkt keine Illusionen! Die Menschen werden nicht alle mitgehen. Die fühlen sich so groß als Krone der Schöpfung und halten andere Lebewesen entweder für nützlich oder für schädlich oder für entbehrlich. Ich sage dir: Eher gehe ich durch ein Nadelöhr, als dass all diese Reichen und Gierigen zum Kind in der Krippe umkehren!

Bitte, Bruder Kamel, geh durch kein Nadelöhr! Sonst könnten die Reichen und Gierigen dieser Welt am Ende noch glauben, sie könnten ohne Umkehr glücklich werden.

Zur Krippe geht auch das Kamel,
Jesus besuchen.
Es geht nicht durch ein Nadelöhr,
lieber will es, dass der Mensch umkehr
auf den Weg zur Krippe.

falter11. Bruder Schmetterling

Wer flattert da so farbenprächtig durch die schwarze Nacht? Sei gegrüßt, Bruder Schmetterling!

Ja, Bruder Franz, ich bin ausgestiegen aus meinem Raupen-Dasein, auch wenn mich alle für einen Spinner gehalten haben. Das kann nicht gut gehen, haben sie gesagt, pass nur auf, wie schnell dir die Flügel gestutzt werden!

Mein Vater hat mich auch einen Spinner genannt, als ich ausgestiegen bin aus seiner Welt mit den gutgesponnenen und gutgewebten Stoffen und Tuchen, um den Bettlern zu helfen und in Armut zu leben.

Wer ist wirklich der Spinner, du, befreit von den Fesseln des Reichtums, oder er, eingesponnen in seine Vorurteile? Ich jedenfalls habe das Spinnen hinter mir, eingesponnen war ich bisher. Die Puppenzeit ist vorbei, nun ist es Zeit, mich in die Höhe aufzuschwingen zu einem neuen Leben.

Dann flieg, Bruder Schmetterling, flieg zum Kind! Als gäbe es keinen Krieg und keine Kälte, als gäbe es nur Frieden, Wärme und Licht! Flieg voraus und nimm unsere Herzen mit dir empor!

Der Schmetterling in voller Pracht
fliegt in die Höhe.
Gefräßig fing er als Raupe an,
bis er sich in seinen Kokon verspann.
Jetzt fliegt er zur Krippe.

krippe12. Die Tiere an der Krippe

So, da sind wir nun.

Seht ihr dort vorne das Licht?

Komm, Schwester Maus, springe auf den Rücken der Katze, dass du besser sehen kannst!

Du, Schwester Taube, nimm Platz auf dem Rücken des Wolfs!

Hab keine Angst, Bruder Hase, und schau nur, wie Bruder Ochs und Bruder Esel in Einfalt und Demut das Kind in der Krippe lobpreisen!

Franziskus an der Krippe steht,
Jesus anbeten.
Und die Tiere sind mit ihm im Stall,
schauen an das Kind,
und es lacht sie an,
hier in seiner Krippe.

Bruder Franz und die Tiere sind am Ziel angekommen. Wir konnten mitgehen, in den Sorgen der Tiere wie in einem Spiegel die Nöte unserer Welt betrachten, im Charakter der Tiere wie in der Fabel uns selbst erkennen. An der Krippe des Jesuskindes stehen wir und finden, was wir brauchen.

Wir singen aus dem Lied 37 die Strophen 1 bis 4:

Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir’s wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht‘, wie schön sind deine Strahlen!

Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!

Lasst uns beten!

tiereWir stehen an der Krippe und erkennen dich, großer Gott, in einem Kind.

Du Kind in der Krippe, lass uns dir eine Freude machen, indem auch wir uns unseres Lebens freuen – wie die Biene mit ihrem Summen und die Katze mit ihrem Schnurren.

Du bedürftiges Kind in deiner Armut, mach uns an Leib und Seele reich und lass uns den aussichtslosen Versuch aufgeben, glücklich zu werden durch das Nadelöhr irdischer Güter.

Du Brot des Lebens, stille unseren Hunger und bring uns gerechtes Teilen bei.

Du zartes Reis aus Isais Stamm, auf die Welt gebracht durch Marie, die reine Magd, stärker als härtester Beton, brich auch verbitterte Herzen der Menschen auf.

Unser Retter, befreie uns aus den Netzen der Sünde und der Irrwege unseres Lebens.

Du Gotteslamm, überzeuge uns, dass wir uns selbst nicht durchsetzen müssen um jeden Preis.

Du König des Friedens, lass uns, wenn wir uns wie der Wolf gegen Unrecht wehren, nicht über das Ziel hinausschießen!

Du Seele des Schöpfers selbst, dem die ölverklebten Flügel seiner fliegenden Geschöpfe nahegehen, lass uns die Wunden wahrnehmen, die wir Menschen deiner Schöpfung schlagen

Du Tröster der Welt, lass uns bei dir unsere Angst getrost abladen und neuen Mut finden.

In der Stille bringen wir vor dich, was wir außerdem auf dem Herzen haben.

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen das Lied 44:

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit!

Geht mit Gottes Segen in die Weihnachtsnacht:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

Klaviernachspiel

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