Abschied von der Verantwortung?

Unser Leben ist sinnvoll und kostbar, gerade indem es kurz ist. Daher handeln biblische Mythen von sterblichen Menschen. Von den Göttermythen anderer Völker mit ihren unsterblichen Halbgöttern, den „Helden der Vorzeit, den hochberühmten“, hält die Bibel überhaupt nichts. Für sie sind die heroischen Gestalten der griechisch-römischen Mythologie nur „Riesen“ und „Monster“, die aus Seitensprüngen angeblich unsterblicher Götter hervorgegangen sein sollen.

Herkules kämpft mit einem Stier

Der Halbgott Herkules ist als Held der Vorzeit bis heute berühmt (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2010, 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich im Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche mit dem Wort zur Woche aus dem Evangelium nach Lukas 12, 48:

Wem viel gegeben wird, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

In einer Zeit, in der es fast Mode wird, von einem Amt zurückzutreten, stellt sich die heutige Predigt dem Thema „Abschied von der Verantwortung?“

Lied 428, 1-3: Komm in unsre stolze Welt
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 34:

12 Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren.

13 Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen?

14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.

15 Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.

17 Das Angesicht des HERRN steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.

18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not.

19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

20 Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR.

23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Wir rufen zu Gott: Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

4 Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer, barmherziger Gott der Liebe und des Friedens! Mach uns offen für das, was du uns sagen willst. Gib uns Orientierung im Leben, dass wir gute Ziele vor Augen haben und auf einem guten Weg bleiben. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Brief an die Philipper 3. Der Apostel Paulus erklärt dort, welchem großen Ziel er nachjagt:

7 Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.

10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden,

11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

12 Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.

13 Meine Geschwister, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist,

14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 419: Hilf, Herr meines Lebens
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wenn wir auf das letzte halbe Jahr zurückblicken, jetzt, im sogenannten „Sommerloch“, haben wir ja dafür Zeit, dann fällt auf, wie viele Menschen in Kirche und Politik ein verantwortungsvolles Amt aufgegeben haben.

Bei den beiden Bischöfinnen Margot Käßmann und Maria Jepsen hing ihr Rücktritt mit der Befürchtung zusammen, sie könnten ihr Amt nicht mehr mit der notwendigen Autorität ausüben, wenn man sie in der Öffentlichkeit ständig mit einem wirklichen oder auch nur unterstellten Fehlverhalten in Verbindung bringen würde.

Beim Rückzug so vieler profilierter Politiker aus der öffentlichen Wirksamkeit fragen sich viele, ob die Zeit vorbei ist, dass sich gerade die fähigsten Köpfe für das Gemeinwohl engagieren. Lohnt es sich nicht mehr, für bestimmte Ziele in der Politik einzutreten? Reicht die Kraft nicht aus, auch dann am Ball zu bleiben, wenn einem Gegenwind ins Gesicht bläst? Natürlich gibt es nach wie vor Männer und Frauen, die Macht in den Händen haben und Verantwortung tragen, aber man hat nicht den Eindruck, dass es noch viele Persönlichkeiten gibt, die wirklich Menschen von ihren Ideen begeistern können.

Dabei gibt es genug Probleme, die Tatkraft und Ideen zu ihrer Lösung erfordern. Zur Zeit wird wieder heftig über die Finanzierung unseres Gesundheitswesens gestritten. Das Thema des sexuellen Missbrauchs ist endlich nachhaltig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten. Und die weltweite Finanzkrise, ist sie wirklich gemeistert? Anlass zur Sorglosigkeit besteht nicht, wenn man sieht, wie an den Börsen auf Teufel komm raus spekuliert wird.

Hier auf der Kanzel ist nicht der Ort, um für diese Probleme im einzelnen konkrete Lösungen zu suchen. Aber eine grundsätzliche Frage gehört hierher: Woher kriegen wir neuen Mut zur Verantwortung in einer Welt voller Probleme, die unlösbar erscheinen? Woher nehmen wir, als Menschen, die an Gott glauben, die Kraft, weiterzuarbeiten, für Gerechtigkeit und Frieden einzutreten, unsere Aufgaben zu erfüllen?

Ich suche Antworten auf diese Frage, indem ich über einen ungewöhnlichen Bibeltext predige. Er steht im 1. Buch Mose – Genesis 6; ich lese ihn bis zum Beginn der Sintflutgeschichte:

1 Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden,

2 da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten.

3 Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn auch der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertundzwanzig Jahre.

4 Zu der Zeit und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.

5 Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar,

6 da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen,

7 und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe.

8 Aber Noah fand Gnade vor dem HERRN.

Was hat das mit unseren heutigen Problemen und mit dem Thema der Weltverantwortung zu tun?

Zunächst fällt auf, dass hier von Söhnen Gottes gesprochen wird, und es ist definitiv nicht jemand wie Jesus gemeint. Gottessöhne werden sonst in der Bibel nur noch im Buch Hiob erwähnt; dort ist Satan einer dieser Gottessöhne, und der wettet mit Gott darauf, dass Hiob seinen Glauben verliert, wenn es ihm schlecht ergeht. Hier im 1. Buch Mose sind mit den „Gottessöhnen“ die Götter anderer Völker gemeint. Sehr knapp und ironisch gibt die Bibel ein Urteil ab über all die herrlichen Heldensagen und Göttermythen der Nachbarvölker Israels: Was sind das für Götter, die unsterblich und allmächtig sein sollen, aber in Wirklichkeit mit allen menschlichen Schwächen behaftet sind? Von griechischen und römischen Göttern wird tatsächlich erzählt, wie sie sich mit Menschenfrauen einlassen und dann Halbgötter hervorbringen: Herkules, Pollux, Perseus. Für die Bibel ist klar: Von solchen Göttern, die mit den Töchtern der Menschen Missbrauch treiben, ist nichts Gutes zu erwarten.

Umgekehrt hält die Bibel es auch für fragwürdig, sich nach göttlicher Unsterblichkeit hier auf der Erde zu sehnen. Ein ewig langes Leben nützt überhaupt nichts, wenn man es nicht im Einklang mit Gott und seinen Geboten führt. Wenn der Mensch denkt, er könne sich an die Stelle Gottes setzen und nach eigenen Regeln über die Welt bestimmen, beweist er damit nur, dass er „Fleisch“ ist.

Wir sind „Fleisch“? Damit meint die Bibel nicht einfach, dass unser Körper auch aus Fleisch besteht. Im Sinne der Bibel sind wir dann „Fleisch“, wenn wir so selbstsüchtig um unser eigenes Leben bemüht sind, dass wir es nicht schaffen, uns an die „geistlichen“ Maßstäbe der Gebote Gottes zu halten. Darum, so sagt die Bibel, ist es gut, dass Gott die Lebenszeit der Menschen auf ein für uns überschaubares Maß begrenzt:

3 Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertundzwanzig Jahre.

Diese Geschichte würden wir nicht in ihrem eigentlichen Sinn und ihrer tiefen Wahrheit begreifen, wenn wir uns fragen: Kann das denn stimmen? Vorher gab es Menschen, die mehrere Hundert Jahre alt wurden, jetzt werden die Menschen 120 Jahre alt, später vielleicht nur noch durchschnittlich 70, 80 Jahre? Nein, es geht hier nicht um biologische und historische Daten und Fakten über das Alter der ersten Menschen. Sagen wir es ruhig deutlich: Diese Geschichte ist ein Mythos, der uns eine andere Wahrheit lehren will: Ein langes Leben ist nur dann ein Segen für uns Menschen, wenn wir es im Vertrauen auf Gott führen. Ein allzu langes Leben überfordert uns aber und kann uns in die Versuchung führen, dass wir uns mit dem ewigen Gott verwechseln. Unser Leben ist sinnvoll und kostbar, gerade indem es kurz ist. Daher handeln biblische Mythen bewusst von sterblichen Menschen.

Von den Göttermythen anderer Völker mit ihren unsterblichen Halbgöttern, den „Helden der Vorzeit, den hochberühmten“, hält die Bibel also überhaupt nichts. Für sie sind die heroischen Gestalten der griechisch-römischen Mythologie nur „Riesen“ und „Monster“, die aus Seitensprüngen angeblich unsterblicher Götter hervorgegangen sein sollen.

Wir erzählen uns heute zwar keine Geschichten von Göttern und Halbgöttern mehr. Aber was ist mit den Zielen der Sehnsucht heutiger Menschen: viele möchten reich und berühmt sein, Erfolg haben, einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen, viele wünschen sich Macht, nicht um dem Wohl möglichst vieler Menschen zu dienen, sondern um selber groß dazustehen. Wer solche Ziele hat, betet auch Götter an. „Woran dein Herz hängt, das ist dein Gott“, sagte Martin Luther, und einen dieser falschen Götter nannte Jesus im Neuen Testament; den Gott „Mammon“, das ist der Gott der Gier, der die Menschen dazu bringt, nie zufrieden zu sein. Wer diesem Gott verfällt, muss immer mehr haben, auch auf Kosten anderer Menschen. Von solchen Göttern haben wir nichts Gutes zu erwarten, sagt die Bibel.

Eigentlich sind wir Menschen gut geschaffen als Gottes Ebenbild, könnten nach Gottes Willen in Liebe und Solidarität füreinander da sein, könnten für unsere Erde und alles, was auf ihr lebt, Verantwortung übernehmen. Aber wenn wir als Menschheit immer mehr haben wollen und nie zufrieden sind, kriegen wir weder Umweltprobleme wie Klimawandel und Ölpest in den Griff noch können wir die Gewalt unter den Menschen stoppen, von Terror und Krieg bis hin zum Missbrauch von Kindern.

Darüber ist Gott bekümmert, darüber gerät Gott in Verzweiflung. In einer Welt, in der wir nicht Gott und seine Gebote herrschen lassen, sondern die Götter der Seitensprünge und der Habgier nach immer mehr, in einer solchen Welt der Bosheit kann es Gott am Ende leid tun, dass er ein Geschöpf wie den Menschen überhaupt geschaffen hat. Wie furchtbar muss es in den Augen Gottes sein, wenn die ganze Menschheit sich auf einem Tanz in den Abgrund befindet und Gott trotz all seines Kummers um die Menschen keinen Zugang zu ihren Herzen findet? Und so hören wir in der Bibel unmittelbar nach der Erwähnung der hochberühmten Helden der Vorzeit ein grausames Wort aus Gottes Mund:

7 Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe.

Ich kann dieses „Ich will vertilgen“ nur so verstehen: wenn wir Menschen es nicht schaffen, den Weg der Liebe und Gerechtigkeit zu gehen und die Schöpfung zu bewahren, dann hat selbst der allmächtige Gott nur noch wenige Handlungsmöglichkeiten. Was soll er tun mit einem Geschöpf, dem er Freiheit geschenkt hat und das dieses Geschenk der Freiheit missbraucht, um alles auf dieser Welt kaputtzumachen?

Zwei Handlungsmöglichkeiten hat Gott nach der Bibel. Die eine ist: Gott kann strafen. Das heißt: Gott kann den Menschen zeigen, wohin ihr Weg führt. Wer nicht hören will, muss fühlen, sagen wir. Die Bibel empfiehlt, die eine oder andere Katastrophe als Strafe zu erfahren, als Warnung davor, einfach immer so weiter zu machen.

So gesehen sind Gottes Strafen keine willkürlichen Schikanen gegen uns Menschen. Was die Menschen der Bibel als Strafe erfahren, sind schlimme Konsequenzen, die im menschlichen Fehlverhalten schon eingebaut sind.

Aber das ist nicht Gottes einzige Handlungsmöglichkeit. Eine zweite steht am Ende unseres Textes:

8 Aber Noah fand Gnade vor dem HERRN.

Gott hört nicht auf, nach Menschen zu suchen, die nach ihm fragen. In unserer Geschichte findet er einen einzigen, der offen ist für die Stimme Gottes: Noah. Ein einziger hört auf Gott und baut eine Arche mitten auf dem Festland, auch wenn ihn alle anderen dafür auslachen; wir kennen die Geschichte. Die Bibel sagt uns damit: So wichtig kann das Handeln von einem einzelnen Menschen sein! Noah rettet die Welt. Und genau wie menschliches Fehlverhalten die Umwelt des Menschen mit in den Abgrund reißt, so rettet Noah durch sein segensreiches Wirken auch die Tiere.

Völlig falsch verstehen wir die Geschichte der Sintflut, wenn wir fragen, ob sie tatsächlich irgendwann einmal genau so stattgefunden hat und ob wirklich alle Tierarten in die Arche gepasst haben, ob die Dinos nicht zu groß gewesen sind und ob es nicht gefährlich war, auch die Holzwürmer mit auf eine Holzarche zu nehmen.

Nein, die Noahgeschichte wird uns erzählt als Ermutigung, als Ansporn, damit wir alle ein kleines bisschen wie Noah werden, uns alle mitverantwortlich wissen für das Schicksal der Menschen auf unserer Erde und auch für die Tiere, die unter den Umweltveränderungen genau so leiden wie wir Menschen.

Am Anfang sprach ich von zurückgetretenen Politikern und Bischöfinnen. Ich füge hinzu: Es scheint heute keine zugkräftigen Ideale und Ideologien mehr zu geben. Der Sozialismus hat nicht gehalten, was er versprochen hat. Der Wirtschaftsliberalismus ist zwar an der Macht auf unabsehbare Zeit, aber niemand vertraut mehr darauf, dass seine Kräfte allein für Stabilität und Gerechtigkeit in der Welt sorgen können. Wer redet noch von der sozialen Marktwirtschaft? Auch die Kirchen und früher hochgeachtete Bildungseinrichtungen der Reformpädagogik geraten ins Zwielicht, weil Amtsträger in ihren Reihen massiven Missbrauch an Kindern und Jugendlichen verübt haben.

Von unserer Geschichte in der Bibel können wir lernen: Es mag schmerzhaft sein, Abschied nehmen zu müssen vom Vertrauen auf manche hochberühmten Helden der Vorzeit. Aber es gibt trotzdem Zukunft, wenn wir nach Gott fragen, nach seinen Geboten handeln. Wir können getrost im Vertrauen auf ihn kleine Schritte gehen, um unsere Erde als Lebensraum für Menschen und Tiere zu bewahren. Es ist auch nicht schlimm, Abschied zu nehmen von vertrauten Denkschemata: rechts und links, sozial und liberal, konservativ und fortschrittlich, kirchlich und weltlich. Über Grenzen hinweg können Menschen segensreich wirken. Und wenn es überall einzelne Menschen gibt, die Dreck am Stecken haben, dann gibt es überall noch mehr Menschen, die verantwortungsvoll ihre Aufgabe anpacken und manchmal auch neu anfangen.

Am letzten Mittwoch gab es ein schönes Beispiel für so einen Neuanfang, als es im Nordstadtzentrum den ersten sogenannten „Nordtalk“ gab. Da trugen viele Bürger dem Nordstadtverein ihre Anliegen vor und engagierten sich dafür, einige Probleme im Stadtteil zu lösen.

Wer sich Gedanken macht über unser Finanzsystem, das doch den Menschen dienen und und kein „Monster“ sein soll, wie der zurückgetretene Bundespräsident Köhler es genannt hat, dem kann ich einen Artikel in der Zeitschrift Publik-Forum zu lesen geben, die in ihrer neuesten Nummer „sieben Gebote für das Finanzwesen“ formuliert.

Wenn Sie möchten, können wir gleich beim Kirchencafé noch ein bisschen über diese Predigt reden. Vielleicht hat sie ja Fragen und Ideen ausgelöst oder auch zum Widerspruch herausgefordert. Aber hoffentlich auch dazu, dass wir mit Gottvertrauen unsere Aufgaben in Angriff nehmen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 432: Gott gab uns Atem, damit wir leben

Vor der Feier des Heiligen Abendmahls spreche ich noch einmal zwei Verse aus Psalm 34:

5 Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!

Gott kommt zu uns in seinem Sohn Jesus Christus, der kein unsterblicher Halbgott war, sondern ein sterblicher Mensch wir wir, doch vollkommen erfüllt vom Heiligen Geist Gottes. Indem wir das Heilige Abendmahl miteinander feiern, lassen wir uns von diesem Geist der Liebe anstecken, trösten und ermutigen zu neuen Taten.

Gott, nimm weg, was uns von dir trennt: Wo wir zu wenig Vertrauen haben, wo wir zu wenig lieben, wo wir verbittert und verhärtet sind. Vergib uns, wo wir in einer bösen Welt mit den Wölfen heulen, statt Gutes zu tun, so viel wir können. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Die Herzen in die Höhe! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den, der stärker ist als alle Götter dieser Welt: stärker als Habgier und Gewalt, stärker als Trieb und Sucht, stärker als Bosheit und Gleichgültigkeit. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. In Jesus lebt Gottes Liebe. Wir empfangen Jesu Leib, und Gottes Liebe lebt in uns. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Christi Blut, am Kreuz vergossen, ist nicht Zeichen des Todes, sondern des Lebens. Durch seine Liebe überwindet er den Tod, die Sünde und das Böse. Nehmt hin den Kelch der Versöhnung, der Vergebung, des neuen Anfangs.

Austeilen der Kelche

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die auf ihn vertrauen, nicht verloren werden, sondern ewiges Leben haben. Geht hin im Frieden!

Lasst uns beten!

Gott, wenn wir uns zurückziehen möchten vor aller Verantwortung, weil wir denken: „Es hat ja doch keinen Zweck, was wir tun!“, dann lass uns neuen Mut fassen, unsere Aufgabe an unserem Platz zu erfüllen. Öffne unsere Augen für neue kleine Schritte, die wir gehen können.

Für Menschen, die in ihrem Leben keinen Sinn mehr sehen und in Verzweiflung mit allem Schluss machen wollen, bitten wir dich, dass sie Hilfe finden und sich für Hilfe öffnen.

Wir befehlen dir die Menschen an, die bei der Loveparade in Duisburg zu Tode gekommen sind, und steh auch denen bei, die um sie trauern. Hilf den Verantwortlichen, für die Zukunft Konsequenzen zu ziehen, damit solche großen Veranstaltungen nicht in einer Tragödie enden.

Mach uns frei zum Leben, zur Hoffnung, zur Liebe! Mach uns fähig, dem Bösen entgegenzutreten, zuerst in uns selbst und dann in unserer Umgebung, hilf uns, das Böse durch Gutes zu überwinden. Amen.

Lied 430: Gib Frieden, Herr, gib Frieden
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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