Auserwählt zur Verantwortung

Zu guter Letzt

… hoffen wir im Herbst 2006 auf stabilen Frieden im Nahen Osten. Ein kompliziertes Geflecht von Existenzängsten, Landansprüchen und fanatisch-religiösem Hass verhindert es jedoch, „dem Frieden eine Chance zu geben“, wie Jitzchak Rabin kurz vor seiner Ermordung im November 1995 auf einer Friedenskundgebung sagte.

Jerusalem mit dem Felsendom hinter Stacheldraht

Jerusalem mit dem Felsendom hinter Stacheldraht (Foto: pixabay.com)

Der Gemeindebrief ist keine Tageszeitung und dies ist kein politischer Kommentar. Von der Bibel her möchte ich auf etwas eingehen, das mir in Gesprächen über Nahost immer wieder auffällt: Viele erwarten von Israel mehr als von anderen Staaten. Die israelische Führung, ja Israel und die Juden überhaupt, werden daran gemessen, dass sie sich als das „auserwählte Volk“ verstehen.

Die „Auserwählung“ Israels durch Gott beruht aber nicht auf besonderen Qualitäten dieses Volkes. „Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat…“ (Deuteronomium 7, 7-8). Erwählt zu sein bedeutet darum, dass man sich vor Gott zu ver-antworten hat, seine Gebote hält und so auf seine Liebe Antwort gibt.

Was haben wir Christen damit zu tun? Durch Jesus Christus sind Menschen aus allen Völkern zum erwählten Gottesvolk hinzu-erwählt worden. Auch diese Erwählung ist nicht mit Vorrechten verbunden, sondern Jesus sagt denen, die ihm nachfolgen wollen: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt“ (Johannes 15, 16). Mit dieser Frucht meint auch Jesus das Halten der Gebote, zu denen für ihn auch Psalm 34, 15 gehört: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Jeder Staat, auch Israel, muss sich nach der Bibel an den Maßstäben der Gerechtigkeit und des Friedens Gottes messen lassen. Unsere Verantwortung ist es, alles dafür zu tun, dass sich weder ein Völkermord an Juden wiederholt noch Kriegsverbrechen an anderen Völkern verübt werden. Für Außenpolitiker mit Fingerspitzengefühl können wir dankbar sein.

Im alltäglichen Reden über die Weltpolitik beginnt unsere eigene Verantwortung: Tragen wir zu einer Krisen– und Verurteilungsstimmung bei? Besser ist es, um Auswege aus dem Labyrinth zu beten, das immer tiefer in Hass, Gewalt, Terror und Krieg hineinführt. Am 19. November feiern wir einen Gottesdienst, in dem wir über den Frieden nachdenken und für ihn beten.

Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ September – November 2006 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

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