Lutz und Gabi und der leergefutterte Adventskalender

Spielszene im Stuhlkreis der Kindergartengruppen im Pauluszentrum Gießen.
Adventskalender (Quelle: pixabay.com)

Adventskalender (Quelle: pixabay.com)

Gabi: Hallo Kinder! Hallo Lutz!

Lutz: Hallo Kinder! Hallo Gabi!

Gabi: Ach, Lutz, was war eigentlich heute in deinem Adventskalender?

Lutz: Ach du mit deinem doofen Adventskalender!

Gabi: Wieso doof? Mein Adventskalender ist nicht doof.

Lutz: Ist er doch! Da sind ja nur kleine Bildchen hinter den Türchen.

Gabi: Aber es sind jedesmal andere Bildchen. Und jeden Tag bin ich gespannt, was hinter dem Türchen ist!

Lutz: Da sind doch bloß Kerzen und Engel und Nikoläuse und solches Zeug auf den Bildchen!

Gabi: Mir gefällt das. Lauter weihnachtliche Sachen!

Lutz: Ich finde das nur langweilig.

Gabi: Aber du hast doch selber auch einen Adventskalender.

Lutz: Ja, aber in meinem Adventskalender ist Schokolade drin.

Gabi: Ja, Schokoladen-Kerzen, Schokoladen-Engel, Schokoladen-Nikoläuse und solches Zeug.

Lutz: Wie es aussieht, ist mir egal. Hauptsache, es schmeckt!

Gabi: Weißt du überhaupt, warum es Adventskalender gibt?

Lutz: Nö, hab ich vergessen. Weißt du denn, was das bedeutet: Ad – vents – ka – len – der?

Gabi: Mit einem Kalender zählt man die Tage. Aber was Ad – vent heißt, weiß ich auch nicht.

Lutz: Sollen wir Fischli fragen? Den kleinen Pinguin? Der ist schlau.

Gabi: Gut, wir rufen ihn. Fiiiiischliiiii!

Lutz: Fiiiiischliiiii!

Fischli: He, was ist denn los? Hallo Gabi, hallo Lutz, hallo Kinder!

Jamal: Und ich bin auch mitgekommen. Salaam, ihr alle! Fischli und ich, wir beide sind nämlich Freunde, genau wir ihr beide, Lutz und Gabi.

Lutz: Hallo Fischli, und salaam, Jamal. Ich wünsche dir Frieden.

Jamal: Salaam auch dir, lieber Lutz. Du hast dir gut gemerkt, wie ich euch begrüßt habe.

Gabi: Hallo ihr beiden. Jetzt habe ich aber eine Frage an Fischli. Weißt du, was das Wort Ad – vent heißt?

Fischli: Advent heißt Ankunft. Wie auf dem Bahnhof. Jemand kommt an.

Lutz: Wer kommt denn an? Ein Zug am Bahnsteig?

Fischli: Nein, ein Kind kommt an.

Lutz: Fährt es mit dem Zug?

Fischli: Nein, es wird doch erst geboren. Direkt an Weihnachten.

Gabi: Jetzt weiß ich es: Du meinst das Christkind!

Fischli: Ja, genau, das Christkind kommt auf die Welt.

Lutz: Aha, das Christkind ist ein Baby. Ein Junge oder ein Mädchen?

Fischli: Das Christkind ist ein kleiner Junge. Er heißt Jesus.

Gabi: Und warum sagt man dann Christkind?

Fischli: Weil man Jesus später auch Christus genannt hat. Jesus Christus – das Christkind.

Jamal: Darf ich auch etwas dazu fragen?

Fischli: Aber klar, mein lieber Jamal.

Jamal: Hat das Christkind auch etwas mit den Christen zu tun? Christen, Muslime, Buddhisten, das sind doch verschiedene Religionen.

Fischli: Ja, für die Christen ist Jesus ganz wichtig. Sie glauben an Jesus Christus, den Sohn von Gott. Und darum heißen sie Christen.

Jamal: Ich bin ja ein Muslim und kein Christ. Ich glaube auch, dass Jesus von Gott zu den Menschen geschickt worden ist. Er ist der Sohn von Maria. Aber der Sohn von Gott, das glaube ich nicht. Dann würde es zwei Götter geben und sie könnten miteinander streiten.

Fischli: Nein, Jesus ist kein zweiter Gott. Er ist ein Mensch, der genau so lieb ist wie Gott selbst. Und er streitet nie gegen Gott.

Jamal: OK, das sehen wir beide anders. Aber ich denke auch, dass Jesus ein guter, lieber Mensch war, der keinen Streit wollte.

Fischli: Und weil Jesus allen Menschen Frieden und Freude bringen wollte, darum gibt es an Weihnachten auch Geschenke.

Jamal: Das ist so ähnlich wie bei uns beim Ramadanfest. Da kriegen die muslimischen Kinder auch Geschenke.

Gabi: Und an Weihnachten bringt das Christkind Geschenke.

Lutz: Das stimmt ja gar nicht. Die Eltern kaufen die Geschenke.

Fischli: Jetzt streitet euch doch nicht über das Christkind. Ist doch beides schön. Vielleicht bringt das liebe Christkind Geschenke. Vielleicht suchen auch liebe Eltern Geschenke aus.

Lutz: Eigentlich ist es ja komisch.

Gabi: Was ist komisch?

Lutz: Das Christkind hat Geburtstag, und die anderen kriegen Geschenke. Wenn ich Geburtstag habe, kriege ich Geschenke.

Fischli: Das Christkind ist auch ein ganz besonderes Kind. Es will, dass sich auch andere Menschen freuen.

Gabi: Das ist wirklich ein liebes Kind.

Lutz: Jetzt habe ich aber noch eine Frage. Wann ist denn eigentlich der Geburtstag von Jesus?

Gabi: Na, an Weihnachten!

Lutz: Und wann ist Weihnachten?

Gabi: Wenn alle Türchen am Adventskalender auf sind, dann ist der Heilige Abend.

Lutz: Dann kommt das Christkind?

Gabi: Ja. Weißt du, wie viele Türchen auf dem Adventskalender sind?

Lutz: Ich glaube, es sind 24. Am 24. Dezember ist also Heiligabend?

Gabi: Ja. Du kannst aber gut zählen!

Lutz: (verlegen) Na ja, die Zahlen stehen doch auf den Türchen.

Gabi: Aber dann musst du ja alle Zahlen bis 24 kennen!

Lutz: Nein, ich weiß nur: Auf dem größten Türchen steht eine 24.

Gabi: Warum merkst du dir gerade die Zahl auf dem größten Türchen?

Lutz: Da ist das größte Stück Schokolade drin. Ein Weihnachtsmann.

Gabi: Woher weißt du das?

Lutz: Ich hab‘s schon aufgemacht.

Gabi: Aber das Türchen darfst du doch erst an Heiligabend aufmachen!

Lutz: Den Weihnachtsmann hab ich auch schon aufgegessen!

Gabi: Du bist vielleicht doof!

Lutz: Warum?

Gabi: Du verdirbst dir ja den ganzen Spaß.

Lutz: Welchen Spaß? Der Weihnachtsmann hat gut geschmeckt.

Gabi: Aber es macht doch viel mehr Spaß zu warten.

Lutz: Was soll am Warten Spaß machen? Das dauert immer soo lange!

Gabi: Wenn ich jeden Tag ein Türchen aufmache und jeden Tag ein schönes kleines Bildchen hinter dem Türchen finde, dann macht mir das Warten Spaß. Auch wenn es lange dauert.

Lutz: Ich mag nicht so lange warten. Ich mag gern viiiiiel Schokolade auf einmal, nicht jeden Tag ein kleines bisschen.

Gabi: Hast du schon deinen ganzen Adventskalender leergefuttert?

Lutz: (verlegen) Äh, ja. Keine Schokolade mehr da. Alles alle.

Gabi: Und was machst du dann morgen und übermorgen und überübermorgen und so weiter bis zum 24. Dezember?

Lutz: Vielleicht krieg ich ja einen neuen Adventskalender.

Gabi: Du meinst: jeden Tag einen ganzen neuen?

Lutz: Am liebsten ja! Geht das, Gabi?

Gabi: Nein, Lutz, jeder kriegt nur einen. Du hattest einen mit Schokolade hinter den Türchen und ich einen mit Bildchen hinter den Türchen.

Lutz: Ooooh, dann kann ich ja jetzt gar nicht mehr richtig auf das Christkind warten!

Gabi: Eben hast du noch gesagt: Warten dauert immer soooo lange!

Lutz: Kann ich ein bisschen von deinem Adventskalender abhaben?

Gabi: Aber da ist doch gar keine Schokolade drin.

Lutz: Eigentlich finde ich Bildchen auch ganz schön.

Gabi: Ach, auf einmal! Vorhin fandest du die Bildchen noch doof.

Lutz: War nicht so gemeint. Ich wollte dich nur ein bisschen ärgern.

Gabi: Wie immer!

Lutz: Entschuldige bitte!

Gabi: Na gut. War ja nicht so schlimm.

Lutz: Krieg ich denn was von deinem Adventskalender ab? Biiiiitteeeee!

Gabi: Wie denn? Soll ich den Adventskalender in der Mitte durchreißen?

Lutz: Nee, so dumm bin noch nicht mal ich. Dann wäre er ja kaputt.

Gabi: Aber den ganzen Kalender kriegst du auch nicht!

Lutz: Vielleicht können wir immer abwechselnd ein Türchen aufmachen: Du heute, ich morgen, und so weiter.

Gabi: Das ist eine gute Idee!

Lutz: Und am 24., da machen wir das Türchen zusammen auf. Das ist nämlich eine Doppeltür. Ich mache die eine Seite auf und du die andere.

Gabi: Ich glaube, das würde auch dem Jesuskind Spaß machen, wenn es sieht, wie gut wir uns vertragen.

Jamal: Und ich finde es gut, dass ihr Christen euch auch mit mir gut vertragt, auch wenn ich nicht Weihnachten feiere und keinen Adventskalender habe.

Fischli: Dafür hast du und die anderen Muslime ja auch andere Feste, die wir so nicht feiern. Aber wenn du magst, darfst du bestimmt auch mal ein Türchen am Adventskalender aufmachen.

Gabi: Klar, Jamal. Und ein bisschen mit uns mitfeiern darfst du auch. Immerhin ist Jesus ja auch für dich ein wichtiger guter Mensch.

Jamal: Das stimmt. Danke schön für eure Gastfreundschaft!

Lutz: So, jetzt will ich aber noch ein Adventslied singen.

Fischli: Gut, dann singen wir alle zusammen:

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind
auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind;

kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus,
geht auf allen Wegen mit uns ein und aus,

ist auch mir zur Seite, still und unerkannt,
dass es treu mich leite an der lieben Hand.

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