„Er zog seine Straße fröhlich!“

Alle Probleme des Äthiopiers scheinen gelöst. Es fing damit an, dass er einem anderen Menschen begegnete. Dem Philippus. Sie trafen sich, einer fragt, der andere antwortet. Einer erklärt dem andern die Bibel, so wie er sie versteht. Und das genügt schon, um den Glauben an Jesus in dem Äthiopier zu wecken. Und dieser Glaube verändert sein Leben, macht ihn froh.

Ein von drei Eseln gezogener Wagen mit zwei afrikanischen Männern

Ob der Wagen des Beamten der äthiopischen Königin komfortabler war? (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufen im Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis, den 17. Juli 1988 um 13.00 Uhr in der Dorn-Assenheimer Kirche

Im evangelischen Gottesdienst in der Dorn-Assenheimer Kirche begrüße ich Sie und Euch alle herzlich! Zwei Kinder aus Reichelsheim, …, wollen wir heute taufen; sie sind mit ihren Familien und Paten hierher gekommen – herzlich willkommen!

Morgenlied 350, 1-5:

Mein erst Gefühl sei Preis und Dank, erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, lobsing ihm, meine Seele!

Mich selbst zu schützen ohne Macht lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden?

Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein ist unser Leben; du bist es, der es uns erhält und mirs jetzt neu gegeben.

Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, dass ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue.

Lass deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen und lehre du mich selber tun nach deinem Wohlgefallen.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43, 1)

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Lasst uns beten:

Gott im Himmel, wir können Dich nicht sehen, wir können uns kein festes Bild von Dir machen, uns fällt es schwer, an Dich zu glauben.

Aber trotzdem hast Du uns Menschen gezeigt, wie Du für uns da bist. Du hast die Welt so eingerichtet, dass wir auf der Erde leben können, dass Kinder von ihren Eltern geboren werden, versorgt, beschützt und geliebt werden.

Du bist in Jesus Christus selbst auf die Welt gekommen, auch als ein kleines Baby. Du hast in Jesus auf der Erde gelebt wie wir, nur ohne Sünde, denn Jesus hat sich immer nach Deinem Willen gerichtet und sogar sein Leben für die Liebe eingesetzt.

Hilf uns, Gott, dass wir Dir vertrauen können. Hilf uns, dass wir uns auch nach Deinem Willen richten. Hilf uns, dass wir nicht nur an uns selber denken, sondern unsere Mitmenschen lieben wie uns selbst.

So bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus der Apostelgeschichte 8, 26-39 (GNB):

Philippus aber erhielt durch einen Engel des Herrn den Auftrag: „Geh nach Süden, bis du auf die einsame Straße kommst, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt!“ Er machte sich sofort auf den Weg.

Nun war dort gerade ein hochgestellter Mann aus Äthiopien auf der Heimreise, der Finanzverwalter der äthiopischen Königin…, ein Eunuch.

Er war nach Jerusalem gekommen, um den Gott Israels anzubeten, und fuhr jetzt wieder zurück. Unterwegs in seinem Wagen las er im Buch des Propheten Jesaja.

Der Geist Gottes sagte zu Philippus: „Folge diesem Wagen!“ Philippus lief hin und hörte, wie der Mann laut im Buch des Propheten Jesaja las. Da fragte er ihn: „Verstehst du denn, was du da liest?“

Der Äthiopier sagte: „Wie kann ich es verstehen, wenn mir niemand hilft?“ Und er forderte Philippus auf, zu ihm in den Wagen zu steigen. Die Stelle, die er gelesen hatte, lautete:

„Wie ein Lamm, wenn es zum Schlachten geführt wird, wie ein Schaf, wenn es geschoren wird, duldete er alles schweigend, ohne zu klagen. Er wurde verurteilt und hingerichtet; aber mitten in der äußersten Erniedrigung verschaffte Gott ihm sein Recht. Er wurde von der Erde weggenommen, und seine Nachkommen kann niemand zählen.“

Der Äthiopier fragte: „Bitte, sag mir doch: Um wen geht es denn hier? Meint der Prophet sich selbst oder einen anderen?“ Philippus ergriff die Gelegenheit und verkündete ihm, von dem Prophetenwort ausgehend, die Gute Nachricht von Jesus.

Unterwegs kamen sie an einer Wasserstelle vorbei, und der Äthiopier sagte: „Da gibt es Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich mich taufen lasse?“ Er ließ den Wagen anhalten, Philippus ging mit ihm ins Wasser hinein und taufte ihn.

Als sie aus dem Wasser herausstiegen, wurde Philippus vom Geist des Herrn weggenommen, und der Äthiopier sah ihn nicht mehr. Er war von Freude erfüllt und setzte seine Reise fort.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Vielen Dank, liebe Konfirmanden, für die Geschichte von dem Mann aus Äthiopien! Er wollte getauft werden, weil er spürte, dass Jesus sein Leben verändern würde. Er wurde seines Lebens froh. Unsere beiden Kinder, die wir heute taufen, haben sich nicht selbst dafür entscheiden können, das haben die Eltern an ihrer Stelle getan. Aber wir hoffen und beten darum, dass auch diese Kinder Jesus kennenlernen und im Glauben an ihn ihres Lebens froh werden.

In diesem Sinne singen wir nun vor der Taufe der beiden Kinder das Lied 691, 1-4:

Freu dich mit uns, Herr Jesus Christ, weil uns ein Kind geboren ist. Hat Augen, Ohren, Nase, Mund – und alle Glieder sind gesund. Das macht uns froh!

Wir bitten dich, Herr Jesus Christ, weil du der Freund der Kleinen bist, komm, segne heute unser Kind, gib, dass es gute Menschen findt und bei dir bleibt.

Freu dich mit uns an unserm Kind, es spielt mit Schatten, Licht und Wind und fängt den hellen Sonnenschein mit seinen kleinen Händen ein. Das macht uns froh.

Wir bitten dich für unser Kind, dass es in dir den Menschen findt, der frei und froh und glücklich macht. Wenn’s traurig ist, wenn’s weint, wenn’s lacht, bleib du bei ihm.

Liebe Familie …, liebe Familie …, liebe Gemeinde!

Taufe damals und Taufe heute – wie verschieden lief das doch ab! Philippus und der Äthiopier begegnen sich, nie zuvor haben sie sich gesehen. Einer erklärt dem andern die Bibel, erzählt ihm von Jesus, spricht von dem, was ihm im Leben wichtig ist. Und da fragt der andere ganz spontan nach der Taufe, ein Gewässer ist in der Nähe, der Mann lässt sich untertauchen, taucht wieder auf – und er ist getauft, er ist ein Christ. Und „er zieht seine Straße fröhlich!“ Die Begegnung mit Philippus ist vorüber, sie werden sich wohl nie mehr sehen, aber für den Äthiopier ist alles anders geworden, sein Leben hat eine entscheidende Wendung erfahren.

Liebe Leute, das wird heute so leicht vergessen und übersehen bei der Taufe, weil die Taufe so selbstverständlich scheint und weil schon kleine Kinder getauft werden: die Taufe zeigt eine entscheidende Lebenswende an. Ein Leben mit Gott wird anders gelebt als eins ohne Gott.

Aber wie ist das gemeint? Hier kann es ja tausend Missverständnisse geben.

Lebenswende bedeutet folgendes auf keinen Fall, wie man früher gedacht hat: dass ein ungetauftes Kind sozusagen ein Heidenkind sei und erst durch die Taufe zu Gott gehöre. Nein, so ist es ganz sicher nicht. Zum Beispiel hat Jesus die Kinder, die zu ihm gebracht wurden, einfach so gesegnet; getauft hat er sie nicht. Gott liebt jeden Menschen, jedes Kind, lange bevor sich ein Mensch um Gott kümmern kann.

Lebenswende kann, gerade wenn wir jetzt Kinder taufen, ja nur auf die Zukunft gerichtet sein: irgendwann kann diesen Kindern ein Licht aufgehen über Gott und die Welt, oder sie können nach und nach hineinwachsen in das Vertrauen zu Jesus, sie können merken, wie sie von der Liebe Gottes leben und wie sie mitverantwortlich sind für Gottes Schöpfung. Das wird leichter gelingen, wenn sie von Anfang an erwachsene Begleiter haben, die selber versuchen, als Christen zu leben.

Aber etwas dürfen wir nicht vergessen: Dass ein Mensch zum Glauben kommt, dass ihm dieses Licht über Jesus aufgeht, das ist und bleibt immer wieder ein Wunder. Wenn in der Bibel von Wundern berichtet wird, dann wirkt das ja oft sehr eigentümlich, gerade für uns moderne Menschen. Aber bitte vergessen Sie nicht: Die eigentlichen Wunder im Leben passieren dort, wo Menschen anfangen zu glauben, zu hoffen und zu lieben.

Der Taufspruch, den Sie für … ausgesucht haben (aus dem Psalm 98, 1) erinnert daran:

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Gesungen haben wir heute schon viel und werden wir noch mehr tun – Lieder vom Glauben, vom Vertrauen zu Gott. Lieder, die uns einladen, mit Gott zu leben, jeden Tag neu. Denn es geht hier um Wunder, die jeden Tag passieren können, nicht solche Sensationen, die die Bild-Zeitung so gerne auf der ersten Seite bringt. Es geht um Dinge, die man sogar leicht übersehen kann, wenn man nicht genau hinschaut und wenn man nicht die Geduld aufbringt, sich die Augen des Glaubens schenken zu lassen.

In diesem Zusammenhang steht der andere Taufspruch, den Sie für … ausgewählt haben (aus 1. Samuel 16, 7):

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; [Gott] aber sieht das Herz an.

Das bedeutet: Ganz gleich, wie ein Mensch körperlich oder geistig begabt ist, was er mitbringt an Fähigkeiten und Chancen – entscheidend ist seine Beziehung zu Gott. Auch wenn wir den Zustand unserer Welt betrachten – grausam sieht es da aus, düster sind die Zukunftsaussichten, und manche Eltern zögern sehr lange, ehe sie sich dazu durchringen, ein Kind zu bekommen. Aber wenn wir die Welt mit Gottes Augen ansehen, dann ist sie (noch) nicht verloren. Er steht uns in allem bei. Im Herzen jedes einzelnen Menschen fallen Entscheidungen – für oder gegen das Leben, für oder gegen die Liebe, Entscheidungen zwischen Einsatzfreude und Gleichgültigkeit, zwischen Mut oder Resignation. Gott will nicht, dass wir immer nur die anderen kritisieren, er schaut in unser eigenes Herz, und macht uns darauf aufmerksam: „Du kannst etwas tun, du selbst an deinem Platz, und du bist nicht allein dabei!“

Überall können Wunder passieren, kann uns etwas geschenkt werden, können wir erfahren, dass Gott etwas mit uns vorhat, was wir nie für möglich gehalten hatten. Das sind nicht Wunder in dem Sinne, dass uns etwas in den Schoß fällt, nein, es sind Wunder, die uns Mut machen, selbst etwas zu tun, aufzubrechen, neue Schritte zu gehen, innezuhalten im Trott des Alltags.

Die Taufe ist ja ein Anlass zur Selbstbesinnung. Es wird einem ja bewusst, was für ein Wunder es ist, dass diese neue Leben überhaupt auf der Welt ist. Dass es nicht selbstverständlich ist, wenn es gesund und munter ist. Ein Anlass zum Danken ist das sicherlich. Und auch ein Anlass, um zu denken, um – an Gott zu denken.

Sie haben die Entscheidung gefällt: „Unser Kind soll getauft werden.“ Und ganz gleich, aus welchen Gründen sie das getan haben, Ihr Kind wird damit ein Mitglied der Gemeinde Jesu, und Sie übernehmen die Verantwortung, Ihr Kind in dieser Gemeinde zu begleiten. Nicht der Pfarrer, nicht der Religionslehrer, sondern Sie sind die ersten religiösen Erzieher Ihrer Taufkinder: Vater und Mutter, Pate und Patin. Großvater und Großmutter, Tante, Onkel usw. kommen als nächste hinzu, auch die Uroma und viele andere. Aber zunächst einmal sind es Eltern und Paten, die hier ja auch das Versprechen ablegen: „Wir tun alles, was uns möglich ist, damit unserem Kind Gott wichtig wird.“

Um das Versprechen abzulegen, ein Kind christlich zu erziehen, muss man keinen perfekten Glauben haben. Es genügt die Bereitschaft, offen zu sein für den Glauben, für Gott, für das, was Gott mit uns vorhat. Gott nimmt uns an, so wie wir sind, auch mit unseren Zweifeln. Um uns gegenseitig im Glauben zu stärken, sprechen wir nun das alte Glaubensbekenntnis, das uns mit den Christen vieler Jahrhunderte und vieler Völker verbindet. Es soll eine Bitte um Glauben sein, die wir stellvertretend auch für unsere Taufkinder vor Gott bringen:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 823, 1-6: Meinem Gott gehört die Welt
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Ich lese noch einmal einen Vers aus der Geschichte, die uns die Konfirmanden vorgelesen haben, Apostelgeschichte 8, 39. In der Lutherübersetzung lautet dieser Vers:

Er zog aber seine Straße fröhlich.

Liebe Gemeinde!

Vorhin haben wir schon gehört: Im Leben des Mannes aus Äthiopien ist eine Kehrtwendung passiert. Vorher war er in Ungewissheit, ein Suchender, der unzufrieden war mit seinem Wissen über die Bibel. Als hoher Beamter seiner Königin mag er auch unter der Last seiner Verantwortung gelitten und gestöhnt haben. Vielleicht fühlte er sich auch unterdrückt und ausgestoßen aus der religiösen Gemeinschaft, denn wenn er wirklich im wörtlichen Sinne ein „Eunuch“ war, wie es im Text heißt, dann war er ein verschnittener Mann, der keine Kinder bekommen konnte, nur ein halber Mann nach damaliger und – wer weiß? – vielleicht auch heutiger Auffassung.

Am Schluss zieht dieser Mann fröhlich seine Straße. Alle seine Probleme scheinen gelöst. Wie konnte das geschehen?

Es fing damit an, dass er einem anderen Menschen begegnete. Dem Philippus. Für den biblischen Erzähler Lukas ist völlig klar: Nur der Geist Gottes konnte diese beiden Menschen zusammengeführt haben. Sie trafen sich, einer fragt, der andere antwortet. Einer erklärt dem andern die Bibel, so wie er sie versteht. Und das genügt schon, um den Glauben an Jesus in dem Äthiopier zu wecken. Und dieser Glaube verändert sein Leben, macht ihn froh.

Aus dieser Geschichte können wir einiges lernen auch für unser eigenes Christsein.

Erst einmal: Wir werden Christen und kommen weiter im Glauben, indem wir anderen Christen begegnen, indem wir sie fragen, auf sie hören, von ihnen lernen. Manche dieser Begegnungen erscheinen wie Zufälle, aber als Glaubende sagen wir: das hat Gott so gefügt. Diese Taufe, dieser Gottesdienst kann z. B. für den einen oder anderen zum Anlass werden, völlig neu über sein Leben nachzudenken und es zu ändern. Hier findet ja auch Begegnung statt.

Aber ein Missverständnis muss noch angesprochen werden: ein Christ führt nicht automatisch ein perfekt christliches Leben und ist nicht unbedingt besser als andere Menschen. Wenn einer das von sich selbst meint, wird er bestenfalls ein Pharisäer, aber kein Christ. Wenn einer das von andern meint, dann überfordert er sie, oder er sucht eine Ausrede, warum er selbst nicht ernst machen will mit dem Christsein.

Was macht dann einen Christen zu einem Christen? Als Christ gehe ich davon aus: Gott liebt diese Welt. Und ich gehöre ihm. Er lässt mich nicht allein, was auch immer geschieht. Ich habe es nicht nötig, mich abzustrampeln nach irgendeinem Lebenssinn, der vielleicht im Beruf oder im eigenen Haus oder im Kind oder sonstwo liegen mag. Nein, Lebenssinn kann ich mir nicht erarbeiten, verdienen, erzwingen. Ich kann mir den Sinn meines Lebens nur – schenken lassen. Von Gott. Er hat ihn mir längst geschenkt. Seine Liebe zu mir ist mein Lebenssinn.

Das klingt langweilig? Gott liebt uns – das soll der Sinn unseres Lebens sein? Ja, aber langweilig ist das nicht. Denn die Liebe Gottes zu uns ist keine Einbahnstraße. Zum Lieben gehören immer zwei. Er liebt uns – und wartet auf unsere Gegenliebe. Und wenn wir anfangen Gott zu lieben, dann fängt unser Leben an, spannend zu werden. Denn Liebe zu Gott ist immer auch Liebe zu andern Menschen und Liebe zu Gottes Schöpfung. Dann werden uns die andern Menschen wichtig, gerade auch die, die uns immer ärgern und auf den Geist gehen. Oder die, die am Rande stehen, die Ausgeflippten und Nervenkranken, oder die, die an unser soziales Gewissen appellieren. Aber auf jeden Fall auch die, die uns selber helfen können. Und davon gibt es viel mehr, als wir denken. Es gibt die Menschen, bei denen man sich aussprechen kann, ohne dass man enttäuscht wird. Es gibt christliche Gesprächskreise, oder man kann sie gründen, in denen man wie in einer geistlichen Heimat sich offen aussprechen kann, ohne dass man ausgelacht oder zu einer bestimmten Meinung gedrängt oder verletzend kritisiert wird. Sogar an manchen Schulen gibt es Schülergebetskreise, die sich in den Pausen treffen.

Wir nehmen uns selbstverständlich Zeit für unsere Arbeit, wir müssen auch ausspannen, abschalten, wir haben Hobbies, sportliche Interessen, das gehört einfach dazu. Wir füllen leicht unsere ganze Zeit damit aus. Aber unendlich viel Zeit haben wir nicht… Und wie ist es mit den anderen wichtigen Dingen – wie schwer fällt es doch, sich auch Zeit zu nehmen – für die Familie, für den Ehepartner, für die Kinder, für sich selbst, für Gott… Mancher denkt erst darüber nach, wenn es zu spät ist oder fast zu spät, wenn Chancen unwiederbringlich dahin sind.

Sehen Sie, ich möchte niemandem sagen: Sie sollten in den Gottesdienst gehen. Ich mag das nicht, den Gottesdienst als Pflichtveranstaltung jemandem aufnötigen. Aber ich weise gern darauf hin: Dieser schlichte Gottesdienst, diese oft unvollkommene, manchmal langweilige Veranstaltung, sie enthält doch etwas sehr Kostbares: Worte des ewigen Gottes an uns sterbliche Menschen, die uns frei machen können von Lasten und Ängsten und von Schuld, die uns ermutigen können zu einem zuversichtlichen, verantwortlichen Leben als liebende Menschen.

Manche sagen: In den Gottesdienst gehe ich deshalb nicht so gerne, weil ich dort die Gemeinschaft der Christen nicht so gut spüre. Ich gehe lieber in den Bibelkreis, da kann ich auch meine eigene Meinung sagen und muss mir nicht nur etwas anhören. OK. Auch dieser Kreis ist jederzeit für alle offen. Und ich sage es immer wieder, dass ich auch selbst dort meine geistliche Heimat gefunden habe, wo ich nicht nur der Gebende bin, sondern auch viel Kraft und Mut gewinne.

Zwei große Gefahren gibt es unter der heutigen Christenheit: Die eine Gefahr ist – dass wir Kirchgänger uns so sicher fühlen. Ich gehe ja in die Kirche, ich glaube ja an Gott, ich bin ja evangelisch oder katholisch, also kann mir nichts passieren. An die anderen denken wir etwas von oben herab: Warum kommen die meisten Menschen eigentlich nicht mehr in die Kirche? Wir denken: Das ist doch eine gottlose Zeit.

Aber sind wir so anders als die anderen? Sind wir nicht genauso immer wieder darauf angewiesen, dass Gott uns den Glauben neu schenkt? Schickt er uns nicht gerade zu den andern hin, dass wir im Alltag unseren Glauben bezeugen, durch das, was wir tun, und durch das, was wir sagen?

Die andere Gefahr ist, dass viele die Kirche mit ihren Fehlern gleichsetzen. Natürlich hat die Kirche viele Fehler, sie besteht aus Menschen, die Fehler machen. Wir alle, die zu dieser Kirche gehören, bilden da keine Ausnahme. Wir machen Fehler und laden sogar Schuld auf uns. Aber nach der Bibel wird Kirche nicht nur von Menschenhand aufgebaut. Der Geist Gottes selbst baut sie auf, und nur wo er in uns und mit uns am Werk ist, wird die Kirche eine „heilige christliche Kirche“, wie wir im Glaubensbekenntnis sprechen. Das klingt vielleicht etwas hochtrabend, „der Geist ist in uns am Werk“ – ich meine damit schlicht und einfach: wenn jemand etwas für die Kirche tut, das Kirchenblättchen austrägt, einen Text in der Kirche vorliest, einem Mitschüler hilft, der gehänselt wird, eine Kindergruppe leitet, für „Brot für die Welt“ spendet usw., dann ist er selbst ein aktiver Teil der Kirche Jesu Christi. Er lässt sich von Gott einspannen in seinen Dienst. Wenn jemand merkt, dass er einem andern Unrecht getan hat und um Vergebung bittet, dann kann er einen neuen Anfang machen. Wenn einer an vielem leidet, was in der Kirche falsch läuft, dann muss er nicht nur schimpfen.

Er kann sich an seinem Platz einsetzen, dass etwas mehr, etwas mehr Gutes getan wird. Und vielleicht kann er erfahren, dass Kirche auch ein Ort ist, wo man sich selbst auch zu Hause fühlen kann, wo man eine geistliche Heimat findet. Wenn wir in der Gemeinde so menschlich miteinander umgehen, dann können auch wir erleben, was der Äthiopier erfuhr: „Er zog seine Straße fröhlich.“ Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 269, 1-3:

Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält, wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht.

Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt, es sind die offnen Liebesarme des, der sich zu dem Sünder neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht.

Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein; deswegen kam der Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein, deswegen klopft er für und für so stark an unsers Herzens Tür.

Heiliger Herr und Gott, du wolltest nicht nur einen Sohn haben, sondern viele Kinder. Deshalb wurden wir von dir auf deinen Namen getauft und du hast gesagt: ihr gehört zu mir! Lass uns erkennen, dass das eine große Freude ist, zu dir zu gehören! Auch wenn du uns nicht ein bequemes und immer angenehmes Lebens schenkst. Lebenserfüllung bist du für uns, weil du unser Leben mit Glauben und Hoffnung und Liebe füllst. Dafür danken wir dir. Wir bitten dich für alle, die am Glauben so sehr zweifeln, dass sie nichts mehr wissen wollen von dir. Wir bitten dich für alle, die sich so schwer tun, über den eigenen Schatten zu springen und sich Zeit zu nehmen für die entscheidenden Dinge im Leben. Für die Taufkinder, für ihre Eltern und Paten, und für uns alle gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser
Lied 228, 1-3:

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut und noch jetzund getan.

Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem, der beiden gleich im höchsten Himmelsthrone, dem dreimal einen Gott, wie es ursprünglich war und ist und bleiben wird jetzund und immerdar.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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