Naturschutzgebiet für die Seele

Wie stellt ihr euch „Naturschutzgebiete für die Seele“ vor? „Ein ruhiger Ort, wo man alleine ist oder wo es zumindest nur gute Menschen gibt. Ein Ort ohne Krieg.“ Manche haben sich diesen Ort „grün“ vorgestellt, mit „Häusern und Tieren“, „weit weg vom Kampf“, wo man „mit Freunden und Familie“ zusammen ist und „wo man auf andere Gedanken kommen kann“.

Miniaturwelt: Häuschen an Bach mit Bäumen, wie aus der Erde ausgestochen

Wie könnte ein Naturschutzgebiet für die Seele aussehen? (Bild: pixabay.com)

#predigtKonfirmation am Sonntag Misericordias Domini, den 4. Mai 2014, um 10.00 Uhr, in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Orgelvorspiel zum Einzug der Konfis mit dem Kirchenvorstand

Im Namen aller Konfis begrüße ich Eltern, Verwandte, Paten und Freunde, den Kirchenvorstand und alle anderen in unserem Gottesdienst zur Konfirmation!

Liebe Konfis mit Eltern und Familien! Liebe Gemeinde! Auch ich begrüße euch und Sie im Gottesdienst zur Konfirmation mit der merkwürdigen Überschrift: „Naturschutzgebiet für die Seele“.

„Naturschutzgebiete für die Seele“ will die Organisation „Wings Of Hope“ in Ländern einrichten, wo Kinder und Jugendliche schwere seelische Schäden durch Kriege oder Bürgerkriege erlitten haben. Für diese Aktion sind heute zwei Drittel der Kollekte bestimmt.

Ein „Naturschutzgebiet für die Seele“ kann auch die Kirche sein, haben einige Konfis in einer Befragung zu diesem Thema gemeint; in diesem Sinn kann auch ein Gottesdienst ein Ort sein, wo die Seele sich wohl und angesprochen fühlt, Ruhe und Anregungen findet. Das wünsche ich euch und Ihnen auch hier und heute!

Ein weiteres Drittel der Kollekte soll für die Betreuung krebskranker Kinder und ihrer Eltern auf der Station Peiper der Gießener Kinderklinik bestimmt sein. Der Elternverein für leukämie- und krebskranke Kinder sorgt seit 1982 dafür, dass es auch hier eine Art „Naturschutzgebiet für die Seele“ gibt.

Am letzten Sonntag wurden 94 Euro und 65 Cent für den Fonds zur Überwindung von Fremdenfeindlichkeit gespendet. Dafür danken wir herzlich! Heute dürfen es ruhig ein paar Hundert Euro werden, denn es sind ja viel mehr Leute in der Kirche. Danke schön für eure und Ihre Spenden!

Noch ein paar Ansagen: Wie im Kino oder Theater schalten bitte alle auch jetzt in der Kirche ihr Handy aus. Es wäre auch störend, wenn im Gottesdienst überall fotografiert würde, vor allem mit Blitz. Vorhin sind ja schon Konfirmationsfotos gemacht worden und nach dem Gottesdienst ist auch noch Gelegenheit zum Fotografieren vor der Kirche oder am Altar. Es genügt, wenn oben von der Empore aus Aufnahmen gemacht werden.

Am übernächsten Samstag, den 17. Mai, um 16 Uhr veranstaltet das Belcantostudio ein Konzert zu seinem 10-jährigen Bestehen hier in der Kirche unter dem Thema: „Cantate Domino! Singt dem Herrn!“ Anschließend gibt es im Gemeindesaal eine musikalische Zirkusaufführung.

Auch in diesem Gottesdienst gibt es viel Gesang. Wir fangen an mit dem Danke-Lied Nr. 334:

Danke für diesen guten Morgen
Wir feiern Konfirmation im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 25 (nach der katholischen Einheitsübersetzung in vereinfachter Sprache):

2 Mein Gott, auf dich vertraue ich. Lass mich nicht scheitern.

3 Denn niemand, der auf dich hofft, wird beschämt.

4 Zeige mir deine Wege!

5 Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott, der mir hilft.

6 Denke an deine Liebe, denn sie ist ewig.

7 Denk nicht an meine Jugendsünden und was ich Schlimmes getan habe! Sei nachsichtig mit mir, Gott, denn du bist gütig.

10 Wer deine Gebote hält und auf deinen Wegen geht, erlebt Güte und Treue.

17 Befrei mein Herz von der Angst, führe mich heraus aus der Bedrängnis!

18 Sieh meine Not und meine Probleme an, und vergib mir all meine Sünden!

20 Erhalte mein Leben und rette mich, lass mich nicht scheitern! Denn ich nehme zu dir meine Zuflucht.

Amen.

Nun, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, möchte ich in eurem Konfirmationsgottesdienst noch einmal ein wenig zurückblicken. Es war ein Jahr, in dem wir eine Menge gemeinsam erlebt haben. Da war das Musikprojekt „Be[a]tween“, das ihr mit den Musikern Andreas Feil und Rafael Jurewicz von der Jugendwerkstatt für unser Gemeindefest auf die Beine gestellt habt. Da gab es die Konfi-Freizeit und den Ausflug zum Bibelmuseum. Wir haben Geschichten zu den Stolpersteinen in der Gießener Innenstadt aus einer Zeit gehört, in der es nicht selbstverständlich war, dass jedes Mädchen und jeder Junge euer Alter überlebt hat, jedenfalls dann nicht, wenn sie oder er zu den Juden gehörte. Ich denke an Szenen, Texte und Bilder, die ihr in Konfi-Gottesdiensten vorgeführt habt, zum Beispiel das Trosttheater oder zur Frage: „Brauchen Menschen Gott?“

Wichtiger ist, woran ihr euch erinnert. Ihr habt vor Ostern aufgeschrieben, was ihr im Konfi-Jahr gut oder nicht so gut fandet. Ich fange mit dem nicht so Guten an, dann können wir das schnell hinter uns lassen. Alle Texte der Konfis werden übrigens nicht unbedingt von denen gelesen, die sie geschrieben haben. Was gab es also, was ihr nicht gut fandet?

Alles außer der Konfi-Freizeit.

Der viele Unterricht.

Dass die Unterrichtszeit oft überzogen wurde.

Einzelne Konfis fanden bestimmte Angebote nicht gut, zum Beispiel als Hans-Jürgen Hoerder mit ihnen den allzu schwierigen Cup-Song einzuüben versuchte, oder den Ausflug nach Frankfurt. Zu den Lernstücken sagten einige:

Ich fand es nicht gut, manche Texte auswendig lernen zu müssen.

Ich finde nur das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote und das Vaterunser so wichtig, dass man es auswendig lernen sollte.

Ich denke, um seinen Glauben zu bekennen, muss man nicht unbedingt etwas auswendig lernen. Allerdings heißt es auch Konfi- UNTERRICHT, und da muss man auch was lernen.

Zu den Gottesdiensten in der Kirche gab es auch Kritik:

Einige Konfi-Gottesdienste waren nicht so gut und andere waren besser und auch besser koordiniert.

Manchmal im Gottesdienst fand ich es schlecht, dass ich ermahnt wurde, obwohl ich nichts gemacht habe.

Leider lief es im Unterricht in der Zeit nach Weihnachten nicht so gut wie vorher. Ich hatte am Anfang des Jahres gedacht, in einer so interessierten Gruppe muss ich nicht so streng auf die Disziplin achten. Am Ende hatten sich wohl einige daran gewöhnt, dass von mir aus nichts wirklich Schlimmes passiert, wenn einige mit dem Handy spielen oder ständig mit ihrem Nachbarn schwätzen. Das hat auch einigen Konfis nicht gefallen.

Ich fand nicht gut, dass einige Konfis immer gestört und nicht aufgepasst haben.

Ich fand den Streit zwischen den Konfirmanden nicht gut.

Einige hatten keinen Respekt voreinander.

Manche verhielten sich respektlos gegenüber dem Pfarrer.

Es gab manchmal zu viel Geschreie.

Einige Konfi-Mitglieder haben nicht so gut mitgemacht, sondern lieber mit dem Handy gespielt.

Ich fand nicht gut, dass manchmal von etwas, was interessant war, abgewichen wurde und es sehr laut war.

Trotzdem hat es mir die meiste Zeit Spaß gemacht, mit dieser Konfi-Gruppe zusammenzuarbeiten, und ich bin dankbar für die vielen guten Gedanken und Diskussionsbeiträge zu allen möglichen Fragen des Glaubens.

Aber wie haben die Konfis auf die andere Frage geantwortet: „Wenn ich an das Konfi-Jahr zurückdenke, woran erinnere ich mich gern und nehme es in mein Leben mit?“ Fast alle nannten dabei die Konfi-Freizeit.

Ich erinnere mich gut an die Konfi-Freizeit, meiner Meinung nach war dies auch das Beste hier.

Die Konfi-Freizeit war eine unvergessliche Zeit, die mir aber auch gezeigt hat, dass es einige nicht sehr schlaue Menschen bei uns gibt.

Die Konfi-Freizeit war am besten und einiges andere, was mir jetzt nicht einfällt.

Ich erinnere mich gern an die spannenden Gottesdienste.

Ich fand Konfi gut, vor allem die Fahrt nach Frankfurt.

Mir hat das Bibelmuseum und der Weihnachtsmarkt in Frankfurt gefallen.

Gerne erinnere ich mich an die vielen lustigen Momente. Auch an das Musikprojekt „Beatween“. Und an Gottesdienste, die wir mitgestalten durften.

Ich denke gern an den Spaß, den wir hatten. Was nehme ich in mein Leben mit? Meinen Glauben an Gott.

Ich erinnere mich gerne an das, was die Konfis gesagt haben und die verschiedenen Meinungen, wie sie zu andern stehen. Mitnehmen tue ich eine neue Verbindung zu Gott. So betete ich: „Jetzt lebe ich.“

Viel ging es natürlich im Unterricht um Jesus, der im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht. Von ihm singen wir das Lied „Der Gammler“, weil damals, als Jesus lebte, ihn manche Menschen für einen Gammler hielten, der nicht arbeiten wollte, sondern nur mit seinen Freunden durch das Land streifte:

Man sagt, er war ein Gammler
Gott gebe euch ein Herz für sein Wort und Worte für euer Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, und in dieser Gemeinde spreche ich heute ganz besonders euch Konfis an, was ist dieser Jesus, von dem wir heute zwei Lieder singen, nun wirklich für ein Mensch? Was bedeutet er für euch? Ist er ein Gammler, also ein Herumtreiber? Ist er ein Dichter, ein Zauberer, ein Politiker? Wenn er nur so etwas wäre, dann hätte er für uns heute keine Bedeutung mehr. Oder ist er Gottes Sohn? Können wir Menschen an ihm sehen, wie Gott ist? Auch daran zweifeln heute viele Menschen, und diese Zweifel gibt es auch in einer evangelischen Kirchengemeinde und in einer Konfi-Gruppe.

Was ich immer wieder überraschend finde: dass sich trotz massiver Zweifel am Glauben, an Gott, an der Kirche doch jedes Jahr nach wie vor viele junge Menschen konfirmieren lassen und sich zuvor fast ein ganzes Jahr lang regelmäßig zu einem Unterricht aufmachen, der freiwillig ist. Offenbar ist in euren Familien und auch für euch selbst dieser ganze Bereich der Glaubensfragen doch irgendwie bedeutsam. Im Konfi-Gottesdienst zum Thema „Hoffnung“ hatten die meisten von euch betont: Ja, die Menschen brauchen Gott – und auch ihr selbst habt, jeder und jede auf die eigene Art und Weise, euren ganz persönlichen Glauben.

In meiner Konfirmationspredigt möchte ich euch heute ein Wort von Jesus ans Herz legen, das zu dem Bild vom „Naturschutzgebiet für die Seele“ passt. Jesus sagt (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Das steht im Evangelium nach Matthäus 11, 28.

Dieser Spruch scheint gar nicht so zu einer festlichen Konfirmation zu passen, da möchte man doch feiern und an schöne Sachen denken und nicht an Dinge, die einen belasten. Und der Spruch scheint gar nicht zu den meisten von euch Jugendlichen zu passen, denn wer möchte schon Ruhe in eurem lauten, lebendigen und für Erwachsene manchmal nervigen Lebensalter?

Trotzdem weiß ich, dass es auch unter euch durchaus Mädchen oder Jungen gibt, die sich mit Problemen plagen; ich will da nicht ins einzelne gehen, nur andeuten, dass manche mit Konflikten und Enttäuschungen in der Familie kämpfen, andere mit verschiedenartigem Stress in der Schule, und einige müssen in einem Strafgerichtsverfahren als Zeugen aussagen, was sicher auch nicht leicht zu verkraften ist.

Womit auch immer ihr fertig werden müsst: Selbstzweifel oder Ärger mit Lehrern und Mitschülern, Stress oder Enttäuschungen mit den Eltern, eine Achterbahn der Gefühle oder ein Chaos im Freundeskreis – wie könnte euch dabei Jesus helfen? Er verspricht, euch Ruhe zu verschaffen. Wie kann er das tun?

Er ist der Sohn Gottes. Er sagt, was Sache ist. Er nimmt zum Beispiel ernst, dass Gott jeden Menschen wunderbar geschaffen hat, jeden einzelnen und jede einzelne von euch. Und wenn irgend jemand einen anderen hässlich findet, dann sagt Jesus: Quatsch. In Gottes Augen ist niemand hässlich, außer er ist selber so von Hass erfüllt, dass er in Wirklichkeit nicht einmal sich selber leiden kann. Aber Jesus sagt: „Du bist geliebt. Gott hasst dich nicht. Warum magst du dich nicht? Lass dir nicht einreden, du seiest nichts wert. In Wirklichkeit bist du ein wertvoller Mensch.“

Und wenn jemand mit traurigen Gefühlen oder mit Angst nicht klar kommt, sagt Jesus zu ihm: „Schluck nicht runter, was dich fertig macht. Vielleicht ist es dir peinlich, wenn dir mal die Tränen kommen. Aber das ist völlig OK. Tränen putzen die Seele und räumen schwere Gedanken aus dem Kopf. Schön ist es, wenn du jemanden hast, bei dem du auch ehrlich erzählen kannst, wie es dir geht, und bei dem du nicht das Gefühl hast, er lacht dich dafür aus.“

Und noch ein drittes Beispiel. Wenn jemand gemobbt wird und sich entweder selber fertig macht oder die anderen verachtet und innerlich Rache schwört, dem sagt Jesus: „Denk daran: Wer es nötig hat zu mobben, versteckt meist nur, wie schwach er selber ist. Und du hast es nicht nötig, auf die gleiche blöde Weise zurückzumobben. Such dir Freunde oder Erwachsene, die zu dir halten, dir den Rücken stärken. So findest du Ruhe für deine Seele. Denn jeder ist auf seine Weise ein kostbarer Mensch. Nicht jeder muss jeden mögen, aber jeder sollte jeden respektieren und seinen Weg gehen lassen.“

Wenn ihr jetzt konfirmiert werdet und ernst nehmt, dass ihr Nachfolger von Jesus seid, könntet ihr euch überlegen, wie ihr Jesus dabei helfen könntet, anderen Menschen „Ruhe“ zu verschaffen, Ruhe für die Seele, Ruhe vor Verletzungen, vor Mobbing usw. Im Grunde ist es die Frage, was ihr dazu beitragen könntet, „Naturschutzgebiete für die Seele“ aufzubauen.

Als ich euch in der letzten Konfi-Stunde fragte, wie ihr euch „Naturschutzgebiete für die Seele“ vorstellen würdet, die die Organisation „Wings Of Hope“ in Bürgerkriegsgebieten wie El Salvador aufbauen will, habt ihr im Sinne Jesu geantwortet: Ein solches Naturschutzgebiet sollte ein „Ein Ort ohne Probleme und für jeden offen“ sein. „Ein Gebäude, in dem absolute Ruhe herrscht. Ein ruhiger Ort, wo man alleine ist oder wo es zumindest nur gute Menschen gibt. Ein Ort ohne Krieg oder sonstiges Böses.“ Manche haben sich diesen Ort „grün“ vorgestellt, mit „Häusern und Tieren“, aber auf jeden Fall leise. Es sollte ein Ort sein, „weit weg vom Kampf“, wo man „mit Freunden und Familie“ zusammen ist und „wo man auf andere Gedanken kommen kann“. Vielleicht sollte es ein Camp sein, in dem Psychiater oder Therapeuten anderen helfen, über ihre Traumata hinwegzukommen, auf jeden Fall Menschen, die trösten können. Einer hat gemeint, ein solches Naturschutzgebiet für die Seele könnte „wie die Nordstadt“ aussehen. Genau weiß ich nicht, wie er das meinte, aber ich finde, die Nordstadt ist wirklich ein Stadtteil, in dem es viele Orte gibt, wo man sich gut aufgehoben fühlen kann.

Bestimmt muss es „Naturschutzgebiete für die Seele“ nicht nur in Kriegsgebieten geben, sondern auch in unserem Land. Denn wie gesagt: oberflächlich gesehen ist unser Land reich, aber schaut man genauer hin, gibt es auch hier Armut, die man nicht zu zeigen wagt, und viel Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, obwohl man eigentlich materiell alles hat.

Wie könnte ein „Naturschutzgebiet für die Seele“ in unserem Land aussehn? Auch dazu habt ihr euch Gedanken gemacht. Es könnte „ein großes Haus mit viel Platz“ sein“ oder ein ganzes Stadt-„viertel, wo die Menschen sicher und frei sind. Mit Angeboten zum Wohlfühlen.“ Oder sollte es lieber „im Wald, von der Außenwelt abgeschlossen“, liegen? Auf jeden Fall brauchen Menschen einen Rückzugsort, „die von Mobbing oder anderen Dingen unterdrückt wurden“. Vielleicht kann sogar „die Kirche ein Naturschutzgebiet für die Seele sein“, oder, wenn keine andere Möglichkeit besteht, der Aufenthalt in einer Psychiatrie.

Was ist in einem „Naturschutzgebiet für die Seele“ erlaubt, und was darf nicht sein?

Jemand hat gemeint: „Genauso wie überall auch sollten alle im Frieden leben.“ Und ein anderer: „Man muss die meisten der Zehn Gebote einhalten.“ Wieder andere sagen: Alles ist erlaubt, nur Gewalt. Oder: Nicht erlaubt sind Krieg, Streit, Schimpfworte, Diskriminierung, Betrug und Drogen. Erlaubt sind die freie Meinung, das Leben, die Erholung, das Chillen. Niemand wird niedergemacht, jedem wird geholfen.

Gefragt habe ich auch: Was könntest du dazu beitragen, dass es solche „Naturschutzgebiete für die Seele“ gibt? Einige meinten: „Weiß ich nicht. Nix. Bin zu faul.“ Andere konnten sich vorstellen, etwas zu tun. Zum Beispiel: „Für viel Frieden sorgen“. „Anderen Menschen helfen“. „Sich mit den Menschen beschäftigen und ihnen zeigen, wie man im Frieden leben kann.“ Einer wollte sich „aus allem zurückhalten und sich nirgends einmischen“. Das kann eine gute Entscheidung sein, wenn er sonst vielleicht überall Ärger verursacht hat. Eine ganze Reihe von euch hat gemeint, ihr könntet auch mit Spenden helfen. Oder einer Organisation beizutreten und sie bekannt zu machen, die „Naturschutzgebiete für die Seele“ aufbaut. Zu einer solchen Organisation gehört ihr ja schon, zur Kirche. Sie könnt ihr, wenn ihr wollt, aktiv unterstützen. Andere solche Organisationen sind „Wings Of Hope“ und der Elternverein der „Station Peiper“. Sie wollt ihr heute mit der Konfirmationskollekte unterstützen.

Ich wünsche euch: Sucht und findet euren eigenen Glauben, lasst ihn wachsen und sich verändern euer Leben lang. Vielleicht hilft Jesus auch euch, für eure Seele Ruhe zu finden, wenn ihr Probleme habt. Und wer sagt: Ich habe weniger Probleme als andere, der kann sich ja entschließen, auf den Spuren von Jesus anderen zu helfen, dass sie in einer Art „Naturschutzgebiet für die Seele“ Ruhe finden. Amen.

Gott erfülle dich mit aller Freude und mit Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen noch ein Lied von Jesus:

Einer ist unser Leben

Liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden!

Vorhin haben wir zurückgeblickt auf eure Konfirmandenzeit. Jetzt gehen wir auf das ein, was ihr selber bei einem Blick in die Zukunft auf die Frage geantwortet habt: „Bei welchen Gelegenheiten werde ich mit der Kirche in Kontakt kommen?“

Elf von uns haben geantwortet: An Weihnachten.

Sechs haben gesagt: Zu anderen Festen und Feiertagen, zum Beispiel an Ostern.

Mehrere meinten: Bei Taufen oder Hochzeiten, bei der eigenen Heirat oder bei der Taufe, Konfirmation und Heirat der Kinder, oder bei Beerdigungen.

Es gab aber auch Konfis, die keinen solchen Anlass brauchen, um Kontakt zur Kirche aufzunehmen. Sie meinten:

Ich werde manchmal sonntags in den Gottesdienst gehen.

Und einzelne antworteten:

Vielleicht gehe ich auch einfach so mal in die Kirche, zum Beispiel wenn ich Langeweile habe.

Ich werde den Kontakt zur Kirche suchen, wenn ich Hoffnung brauche.

Schließlich habe ich noch eine schwierige Frage gestellt: Was kann und will ich in meinem Leben für Gott tun?

Einer meinte dazu:

Nichts.

Einer sogar noch deutlicher:

Nix, weil ich nicht will.

Aber alle anderen konnten sich vorstellen, dass Gott etwas von ihnen erwartet und sie auch etwas für ihn tun wollen. Sieben meinten ganz schlicht:

Beten!

Dann gab es einzelne sehr unterschiedliche Antworten:

Ich will nach seinen Regeln leben.

Ich will meine Kinder christlich erziehen und anderen Menschen helfen.

Ich gehe fast jeden Monat in die Kirche.

Ich will beim Essen beten.

Ich will niemandem einen Schaden zufügen.

Ich will halten, was ich versprochen habe.

Ich möchte ihm danken und möchte anderen, die keine Religion haben, von ihm berichten.

Ich kann Gott unter die Arme greifen, also anderen Menschen helfen, so wie er mir hilft. Wenn Menschen am Boden liegen, egal ob geistig oder körperlich oder beides, dann will ich ihnen helfen und ihnen zeigen, dass man sie braucht.

Wenn ich mir das so anhöre, dann denke ich, dass der Konfi-Unterricht nicht spurlos an euch vorübergegangen ist. Ihr habt euch mit vielen Glaubensfragen auseinandergesetzt und euch auch eure eigenen Gedanken zum Glauben, zu Gott und der Kirche gemacht.

Heute werdet ihr konfirmiert. Konfirmieren kommt aus dem Lateinischen und heißt festmachen: Ihr macht heute eure Sache mit Gott und mit der Kirche fest. Ihr werdet auf euren eigenen Weg gesetzt, und den werdet ihr weitergehen, mit Gott und mehr oder weniger mit der Kirche, ganz auf eure eigene Weise, in eurer eigenen Verantwortung. Für die Kirche seid ihr ab heute mündige Christen und Christinnen, das heißt zum Beispiel: Ihr dürft Pate oder Patin werden. Nächstes Jahr dürft ihr den Kirchenvorstand mitwählen, ein oder zwei von euch können sich sogar, wenn sie es wollen, auf der nächsten Gemeindeversammlung als Jugenddelegierte mit beratender Stimme in den neuen Kirchenvorstand hineinwählen lassen. Für euer erwachsenes Leben, in das ihr mehr und mehr hineinwachst, werdet ihr heute eingesegnet: Ihr bekommt Segen von Gott, der euch stark macht, damit ihr ein Segen für alle Menschen seid, die euch brauchen werden.

Bevor ich euch einsegne, bitte ich euch, dass ihr als Gruppe gemeinsam das Glaubensbekenntnis sprecht. Damit erklärt ihr euch einverstanden damit, dass ihr zur evangelischen Kirche dazugehört und von Gott gesegnet werden wollt. Wenn euch manche Sätze im Glaubensbekenntnis Schwierigkeiten machen, ist das nicht wirklich schlimm, das geht vielen Christen so. Es geht darum, ob ihr grundsätzlich Ja sagt zu Gott, zu Jesus, zur christlichen Gemeinde. So sprecht als Konfirmandengruppe das Glaubensbekenntnis, die Gemeinde betet es still mit. Wir schließen alle gemeinsam mit „Amen.“

Glaubensbekenntnis und Einsegnung von 5 Konfirmandinnen und 14 Konfirmanden

Gott segne und behüte dich.
Er wecke in dir deine Talente,
er führe dich auf guten Wegen,
er schenke dir sinnvolles Leben.
Amen.

Gott, begleite die Neukonfirmierten auf ihrem Weg durchs Leben. Lass sie spüren, dass sie wertvolle Menschen sind. Hilf ihnen, verantwortungsvoll ihren eigenen Weg zu gehen, und schenke ihnen Aufmerksamkeit für das, was andere brauchen. Amen.

Jetzt möchte ich unseren Konfi-Teamern herzlich danken, die zwar nicht die ganze Zeit dabei sein konnten, aber immer wieder unterstützend tätig waren, u. a. durch die Bereitstellung moderner Technik in Form eines Laptops: Lisa Haßler, Florian Keßler und Michelle Steinbrecher. Manche Unterrichtseinheiten und die Konfi-Freizeit haben wir in Kooperation mit der Thomasgemeinde und ihrer Pfarrerin Barbara Görich-Reinel durchgeführt, bestimmte Projekte liefen gemeinsam mit dem Lehrer Rolf Weinreich von der Ricarda-Huch-Schule oder mit Mitarbeitern des Friedhofs und des Krematoriums oder der Jugendwerkstatt Gießen. Allen, die ehrenamtlich eine Menge Zeit investiert haben, sage ich herzlichen Dank, auch im Namen des Kirchenvorstandes!

Worte an die Neukonfirmierten vom Kirchenvorstand (Ingrid Walpert)

Wir singen das Lied: „Konfirmiert!“

1. Es ist geschafft, die Pflicht getan. Viel haben wir gelernt nach Plan, auch diskutiert, so dies und das,
und mit den Freunden gemeinsam gab es auch immer Spaß, immer so weiter, weiter bis zum Schluss! Heute ist Konfirmation, ein Fest in der Kirche und zu Haus.
Unsere Konfis, Mädchen und Jungen, sind nicht mehr Kinder, ein Stück schon erwachsen – konfirmiert!

2. Wer weiß, was uns die Zukunft bringt, was uns im Leben voll gelingt.
Gott ist bei uns, bei Tag und Nacht, auch wenn man erst einmal mit Kirche ein wenig Pause macht,
Gott hat Geduld und bleibt uns immer treu. Gott ist für immer bei uns, er steht zu uns für alle Zeit.
Gott lässt uns niemals, niemals alleine, er macht zu Gewinnern die Menschen, die lieben – garantiert!

Hört nun die Worte zur Einsetzung des Heiligen Abendmahls durch Jesus in gesungener Form. Die Stellen, wo über dem Text Noten stehen, werden von allen mitgesungen. Direkt im Anschluss singen wir das Vater unser, und zwar so, dass ich jede Bitte vorsinge und die Gemeinde die Bitte wiederholt.

Er nahm am Abend, bevor er zum Leiden ging… (Einsetzungsworte nach Peter Janssens)
Vater unser (gesungene Version von Peter Janssens)

Wir feiern miteinander das heilige Abendmahl. Die Konfirmierten empfangen es zuerst gemeinsam hier vorn. Danach teilen sie es der Gemeinde aus. Sie kommen in die Bank- und Stuhlreihen und bringen Brot in Körben und Saft in Bechern. Bitte reichen Sie Brot und Saft Ihrem Nachbarn weiter. Auch wenn Sie nicht am Abendmahl teilnehmen, bleiben bitte alle während der Feier mit uns zusammen.

Gott, du machst uns frei vom Bösen und von der Gleichgültigkeit, frei zum Guten und zur Liebe. In Jesus warst du auf der Erde – die Liebe in Person. Wie man Brot bricht und wie man Weintrauben presst, so setzt er sein Leben für uns ein.

Nehmt hin und esst. So spricht Jesus: Ich gebe euch, was ihr braucht, damit ihr euch bewährt im Leben.

Austeilung Brot

Nehmt hin und trinkt. So spricht Jesus: Wer vertrauen und lieben kann, dessen Durst nach Leben wird gestillt. Wer helfen und Hilfe annehmen kann, der wird ein erfülltes Leben haben.

Austeilen Einzelkelche

Jesus Christus macht euch frei. Lasst euch nicht gefangen nehmen durch die Macht des Bösen. Geht hin im Frieden Gottes. Amen.

Austeilung des Abendmahls durch die Konfis

Und nun singen wir das Lied, auf das die Konfis keinesfalls heute verzichten wollten:

Wir wollen aufstehn, aufeinander zugehn

Lasst uns beten.

Gott, ich danke dir für dieses Konfirmandenjahr, in dem wir viel Gutes miteinander erlebt haben. Ich danke dir, diese wunderbaren jungen Menschen kennengelernt zu haben, und ich freue mich darauf, sie in der Zukunft wiederzusehen. Ich danke dir für alle Begegnungen zwischen dir und den Konfis, die möglich waren, und vor allem dafür, dass du sie auf ihrem eigenen Weg im Leben niemals allein lassen wirst.

In der Fürbitte bringen wir Wünsche vor Gott, die in unserer Konfi-Gruppe einmal formuliert worden sind. Aber zuerst sagen sie, wofür sie Gott am meisten dankbar sind:

Danke, Gott, dass ich ein Leben habe mit Personen, die ich mag und sogar liebe.

Danke, dass meine ganze Familie gesund ist.

Danke, dass es mir und meiner Familie gut geht.

Danke für meine Freunde.

Danke, Gott, dass ich überhaupt am Leben bin und dass du mit uns allen zusammenhältst.

Danke, dass du immer bei mir bist.

Danke, dass du mich auf meinem Weg begleitest.

Danke, Gott, für das Entstehen der Erde.

Danke, dass die Menschen mit all dem Wissen leben.

Danke für die Erfindung des Computers!

Gott, ich danke dir dafür, dass ich in der Kirche so, wie ich bin, angenommen werde. Ich werde mich nicht für irgendwas verändern.

Danke, dass ich Konfi machen durfte und dir so nah sein kann.

Und jetzt sagen die Konfirmierten, was sie sich am meisten von Gott wünschen.

Bitte, Gott, sei immer für mich da, wenn ich oder meine Familie Hilfe brauchen!

Bitte begleite mich weiterhin auf meinem Weg!

Bitte bleib immer bei mir!

Ich wünsche mir, dass ich so bleibe, wie ich bin.

Ich wünsche mir, dass alles so gut bleibt.

Ich wünsche mir Geld!

Bitte, Gott, schenke mir Glück und Freude.

Ich wünsche mir viel Glück und Gesundheit und ein langes Leben für meine Familie und meine Freunde.

Bitte, Gott, gib mir einen Teil von deiner Weisheit ab.

Ich bitte dich, dass du der Welt mehr hilfst.

Ich wünsche mir, dass es in der Welt mehr Frieden und Verständnis gibt.

Ich wünsche mir, dass es weniger Kriege, Elend und Not gibt.

Ich wünsche mir, dass die Menschen noch viele Jahre ohne Krieg und Hungersnot leben.

Es gibt erfüllbare und unerfüllbare Wünsche, aber Gott nimmt sie alle ernst.

Wir kommen zum Schluss unseres Gebetes und bitten dich auch, dass dieser Tag der Konfirmation insgesamt ein schöner Tag wird und dass wir uns später gern daran erinnern. Amen.

Lied 209: Ich möcht‘, dass einer mit mir geht
Ein Kreuz zum Umhängen als kleines Geschenk von der Paulusgemeinde
Segen und Auszug beim Orgelnachspiel

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