Als Kinder des Tages leben

Paulus beschreibt sehr schön, was Kinder des Tages sind. Wer Glaube und Liebe als Panzer trägt, der braucht nicht mehr das dicke Fell, das uns unempfindlich macht gegen Angriffe von außen, aber auch gegen jedes menschliche Leid. Wer die Hoffnung auf Gottes Schalom als Helm auf dem Kopf trägt, wird nicht so leicht vor angeblichen Sachzwängen resignieren.

Sonnenaufgang im Weinberg

Sonnenaufgang im Weinberg (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtOstergottesdienst mit Abendmahl am Ostersonntag, 8. April 2012, 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen und am Ostermontag, 9. April 2012, um 10.00 Uhr in der Thomasgemeinde Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am Ostersonntag begrüße ich alle herzlich im Gottesdienst in der Pauluskirche mit dem Ostergruß: „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Vom Sieg Jesu Christi über alles, was dem Leben feindlich entgegensteht, Sünde und Tod, Angst und Leid, singen wir das Lied 106:

1. Erschienen ist der herrlich Tag, dran niemand g’nug sich freuen mag: Christ, unser Herr, heut triumphiert, sein Feind er all gefangen führt. Halleluja.

2. Die alte Schlange, Sünd und Tod, die Höll, all Jammer, Angst und Not hat überwunden Jesus Christ, der heut vom Tod erstanden ist. Halleluja.

3. Sein‘ Raub der Tod musst geben her, das Leben siegt und ward ihm Herr, zerstöret ist nun all sein Macht. Christ hat das Leben wiederbracht. Halleluja.

4. Die Sonn, die Erd, all Kreatur, alls, was betrübet war zuvor, das freut sich heut an diesem Tag, da der Welt Fürst darniederlag. Halleluja.

5. Drum wollen wir auch fröhlich sein, das Halleluja singen fein und loben dich, Herr Jesu Christ; zu Trost du uns erstanden bist. Halleluja.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 118:

15 Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir hören die Osterbotschaft von der Auferstehung: Verwandelt sie unser Leben? Bringt sie Klarheit in unsere Gedanken? Erfreut sie unser Herz? Schenkt sie uns Gelassenheit angesichts des Todes? Setzt sie uns in Bewegung, so dass wir uns aktiv für das Leben einsetzen und den Todesmächten widerstehen? Wir rufen:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, spricht (Offenbarung 1, 17-18):

17 Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte

18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Lebendiger Gott, der du deinen Sohn Jesus aus dem Tod erweckt hast, wir bitten dich: erwecke auch uns aus den Todesmächten, die uns gefangen halten. Mach uns frei vom Kreisen um uns selbst, von Angewohnheiten und Abhängigkeiten, von Gleichgültigkeit und Vorurteilen. Schenke uns Freiheit zum wahren Leben: mach uns frei zum Vertrauen auf dich, zu einer hoffnungsvollen Gelassenheit, zum liebevollen Einsatz füreinander. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus 28, 1-10:

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.

4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.

10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 108:

1. Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen, beid, groß und klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen. Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist, welchs er lässt reichlich verkünden.

2. Er ist der Erst, der stark und fest all unsre Feind hat bezwungen und durch den Tod als wahrer Gott zum neuen Leben gedrungen, auch seiner Schar verheißen klar durch sein rein Wort, zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.

3. Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten: so wird er uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not, zur ewgen Freude geleiten.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, in den Liedern, die wir heute gesungen haben, wird der Sieg besungen, den Jesus durch seine Auferstehung über „all unsere Feind“ errungen hat. Ich habe in den Gebeten schon erwähnt, welche Feinde das sind: alles, was unser Leben zerstört, nicht nur andere Menschen, die uns zu nahe treten, uns weh tun, uns ausbeuten, nein, auch Mächte, die uns selbst in der Gewalt haben, wenn wir uns ihnen ausliefern, und die in der Bibel Sünde genannt werden. Einer unter vielen Feinden ist auch der Tod; auch ihn überwindet Jesus als der wahre Gottessohn.

Viele Anfragen haben moderne Menschen an die Auferstehung. Oft beruhen sie auf Missverständnissen, als sei Auferstehung so etwas wie eine Wiederbelebung oder als sei das neue Leben Jesu als Auferstandener einfach nur eine Verlängerung des diesseitigen Lebens.

Worum es in der Auferstehung geht, können wir vielleicht aus dem allerersten Brief des Paulus lernen, den er gemeinsam mit seinen Gefährten Timotheus und Silvanus an die Gemeinde in Thessaloniki schrieb. In dieser Gemeinde erwartete man die baldige Wiederkehr Jesu Christi; das hatte er doch versprochen: er werde wiederkommen und das Reich Gottes errichten. Endlich würde es Frieden und Gerechtigkeit geben! Aber nun machte man sich Sorgen in Thessaloniki, denn einige Gemeindemitglieder waren gestorben. Würden die jetzt nichts vom Reich Gottes haben? Wären sie benachteiligt gegenüber denen, die noch am Leben geblieben waren? Paulus schreibt in seinem 1. Brief an diese Gemeinde (1. Thessalonicher 4):

13 Wir wollen euch aber, liebe Brüder [und Schwestern], nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben.

14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen.

Eine Ungewissheit will Paulus beseitigen, um der Traurigkeit der Thessalonicher zu begegnen. Es ist eine Traurigkeit, die zur Trauer um liebe Angehörige noch verstärkend hinzukommt: Denn wer keine Hoffnung für Verstorbene hat, der ist doppelt traurig. Paulus hat Hoffnung anzubieten. Die Leser seines Briefes glauben bereits an Jesu Sterben und Auferstehen, daraus folgt für ihn: Gott wird durch Jesus auch die Entschlafenen „mit ihm führen“.

Das ist eine merkwürdige Formulierung. Eigentlich würde man erwarten, dass Paulus sagt: „So wie Jesus auferstanden ist, so werden auch die anderen Verstorbenen auferstehen.“ Das sagt er nicht. Dem Paulus kommt es darauf an, dass die, die gestorben sind, genau so in der Gemeinschaft mit Jesus bleiben wie die, die jetzt noch leben. Die noch Lebenden haben keinen Vorteil vor den Toten.

15 Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind.

Nun hat Paulus sich mit der Annahme, Jesus werde noch zu seinen Lebzeiten wiederkehren, offenbar geirrt. Um so tröstlicher ist es, dass er als damals noch Lebender keine besonderen Ansprüche geltend machte: Er wusste sich nicht näher bei Jesus als die, die schon gestorben waren.

Interessant finde ich nun, wie Paulus sich die Wiederkunft Jesu vorstellt:

16 Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen.

17 Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.

18 So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

Paulus gibt hier eine Anleitung zum gegenseitigen Trösten. Dazu nutzt er Vorstellungen von der Endzeit, die damals im Umlauf waren und baut sie auf seine Weise zusammen. Wenn Gott die Entscheidung fällt, dass es nun genug ist mit dieser Erde, erteilt er einen Befehl, lässt einen Erzengel rufen und eine Posaune ertönen, und dann macht sich Jesus vom Himmel her auf den Weg herab zur Erde. Bevor er aber noch auf der Erde angekommen ist, stehen die Toten auf; so stellt sich Paulus die Gleichberechtigung der Toten mit den noch Lebenden vor. Gemeinsam werden dann beide von der Erde weggenommen, um dem Herrn zu begegnen und für immer bei ihm zu sein. Eine geheimnisvolle Sache ist das, sie wird mit Bildern von Wolken und Luft umschrieben; ähnlich wie Lukas in der Apostelgeschichte Jesu Himmelfahrt schildert, stellt Paulus hier unseren Aufstieg zum Himmel dar.

In den Worten des Paulus bildhafte Schilderungen zu sehen, tut der Wahrheit des Glaubens an die Auferstehung Jesu und seine Wiederkunft keinen Abbruch. Der Himmel Gottes ist sowieso kein benennbarer Ort in diesem Weltall; was Paulus mit Augen des Glaubens sieht, findet nicht buchstäblich auf Wetterwolken und in der frischen Luft statt, die uns umgibt. Die Gemeinschaft mit Jesus hat vielmehr mit dem Himmelreich Gottes zu tun, das hier auf unserer Erde bereits mitten unter uns anbricht. In heute zeitgemäßer Sprache würde Paulus vielleicht sagen, dass unsere Verstorbenen keineswegs ausgeschlossen sind von der Liebe und dem Frieden im Reich Gottes; vielmehr erleben sie sogar in Vollendung, was wir hier auf Erden nur immer bruchstückhaft erfahren.

Wenn wir weiter im Text des 1. Thessalonicherbriefes auf Paulus hören, stellen wir fest, dass er durchaus auch wusste: Niemand kann genau wissen, wann Jesus wiederkommt und wie sich diese Wiederkunft wirklich vollzieht.

5:1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Geschwister, ist es nicht nötig, euch zu schreiben;

2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht.

Das hat Jesus alles selbst gesagt. Zeit und Stunde für das Ende dieser Welt weiß niemand, nicht einmal der Sohn Gottes. Auch vom Dieb in der Nacht hat Jesus selber Gleichnisse erzählt.

3 Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen.

So zitiert Paulus weiter aus den Endzeitreden Jesu, um vor einer Haltung zu warnen, die sich gemütlich einrichtet in einer unheilen Welt, in ungerechten Zuständen, in einem bequemen Leben auf Kosten anderer Menschen. Paulus ist sich aber bewusst, dass er an eine Gemeinde schreibt, die durchaus wachsam im Vertrauen auf Jesus lebt:

4 Ihr aber, liebe Geschwister, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme.

5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.

Ob Paulus auch uns so ansprechen kann? Schön wäre das! Es ist gut, wenn wir als Kinder des Lichtes und des Tages leben. Paulus meint damit, dass wir nach Gottes Geboten handeln, uns von Jesu Liebe leiten lassen, auf Wegen des Friedens gehen, statt auf dunkle Abwege zu geraten.

6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Hier nutzt Paulus das Bild des Schlafes nicht mehr, um tröstlich von den Verstorbenen zu reden, sondern um davor zu warnen, mitten im Leben das Leben zu verschlafen. Wohlgemerkt: er redet nicht von gesundem Ausschlafen, wenn man in der Nacht müde ins Bett sinkt, vielmehr davon, nicht mehr zu merken, worauf es wirklich ankommt: Lebenslügen zu leben, sich in Sünde zu verstricken, träge sein Leben zu vergeuden oder hochmütig ohne Gott und auf Kosten anderer Menschen zu leben. Solche Kinder der Finsternis oder der Nacht vergleicht Paulus auch mit Menschen, die in einer Sucht gefangen sind:

7 Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken.

Wie gesagt, hier ist nicht der gesunde Nachtschlaf gemeint, sondern eine Selbstbetäubung, mit der man sich um das Leben im Licht des hellen Tages betrügt.

8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.

Hier beschreibt Paulus sehr schön, was Kinder des Tages sind. Wir könnten auch sagen: wie Menschen aussehen, die nüchtern an die Auferstehung Jesu Christi und an die Auferstehung der Toten glauben. Sie sind davon überzeugt, dass das Reich Gottes mitten unter uns anbricht und beteiligen sich am Aufbau dieses Reiches mit den geistlichen Waffen, die Paulus auch an anderer Stelle in den Mittelpunkt stellt: Glaube, Liebe und Hoffnung. Wer Glaube und Liebe als Panzer trägt, der braucht nicht mehr das dicke Fell, das uns unempfindlich macht gegen Angriffe von außen, aber auch gegen jedes menschliche Leid. Wer die Hoffnung auf Gottes Heil, Rettung, Schalom als Helm auf dem Kopf trägt, der muss sich nicht vor jedem ungerechtfertigten Vorwurf ducken und wird nicht so leicht vor angeblichen Sachzwängen resignieren.

9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus,

10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.

Hier kommen endlich die tröstenden Worte des Paulus für Entschlafene und noch Lebende zu ihrem Abschluss. Es geht ihm nicht allein darum, dass am Tag der Wiederkunft des Herrn Jesus beide gleichberechtigt sind. Es geht ihm darum, dass wir hier auf der Erde nüchtern und wachsam leben, als Kinder des Tages, als Kinder des Lichts. Dann haben wir nicht Gottes Zorn zu fürchten, sondern leben in seinem Schalom, in einer von Gerechtigkeit und Frieden erfüllten Gemeinschaft. Und dann können wir sagen: Ganz gleich, ob wir leben oder sterben, wir gehören zum Herrn und bleiben bei ihm, denn er ist am Kreuz für uns gestorben, und wir werden auch mit ihm leben.

11 Darum ermahnt euch untereinander, und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

Hier übersetzt Luther das Wort, das er vorhin mit „trösten“ wiedergegeben hat, mit „ermahnen“. In jedem gegenseitigen Ermahnen soll auch ein Trösten, ein Ermutigen stecken. An die Auferstehung der Toten zu glauben, heißt auch, dass wir einander etwas Gutes zutrauen. Ein frohes Osterfest wünsche ich uns allen, auch in diesem Sinne, dass wir uns gegenseitig aufbauen, ermutigen, trösten und ermahnen, je nachdem, was wir nötig haben. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 115:

1. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht.

3. Jesus lebt! Wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, dass der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christus nicht; dies ist meine Zuversicht.

4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein, sein sei auch mein ganzes Leben; reines Herzens will ich sein, bösen Lüsten widerstreben. Er verlässt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht.

5. Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Seine Treue wanket nicht; dies ist meine Zuversicht.

6. Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: »Herr, Herr, meine Zuversicht!«

Lasst uns nun am Osterfest das Heilige Abendmahl miteinander feiern!

Ob wir voller Gottvertrauen den Osterjubel anstimmen oder ob wir uns zweifelnd oder verzweifelt an das Wunder der Auferstehung herantasten, im Brechen des Brotes lässt der Auferstandene sich von uns erkennen, indem er zu uns sagt: „Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“

Herr Jesus Christus, du willst, dass wir aufstehen aus eingefahrenen Gewohnheiten und handfesten Sünden. Du willst, dass wir auferstehen vom Tod und nicht ewig verloren gehen. Wir bekennen vor dir, wo wir versagt haben, und bringen in der Stille vor dich, was uns belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr, dass Gott euch verwandelt zum neuen Leben durch die Kraft der Auferstehung Jesu Christi, dann sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Herr Jesus Christus, dass wir das Geheimnis deiner Auferstehung mit vertrauendem Herzen annehmen – es ist für uns geschehen, ohne unser Zutun, ohne unser Verdienst und Würdigkeit, einfach durch deine Liebe, durch dein Sterben und Auferstehen. Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst, o Herr, in Ewigkeit. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. So nehmt hin und teilt aus und esst: den Leib unseres Herrn Jesus Christus, Brot der Auferstehung, Brot des Lebens.

Herumreichen des Korbs

Jesus Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. So nehmt hin und trinkt, was euch gegeben ist – Gewächs des Weinstocks, Kelch des Heils, der euren Durst nach Vergebung stillt.

Austeilen der Kelche

Der Apostel Paulus spricht: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Gehet hin im Frieden!

Lasst uns beten!

Gott, lass uns die Kraft der Auferstehung deines Sohnes erfahren: da, wo Menschen Gewalt und Erniedrigung erfahren haben und sie jedes behutsame Wort und jede Geste der Liebe brauchen, um zu spüren, dass du sie liebst.

Gott, lass uns die Kraft der Auferstehung deines Sohnes erfahren: da, wo wir in scheinbar unveränderbaren Gewohnheiten und Sachzwängen festgefahren sind und nicht wissen, wie wir aufstehen und einen neuen Anfang wagen können.

Gott, lass uns die Kraft der Auferstehung deines Sohnes erfahren: da, wo wir trauern, an den Gräbern unserer Lieben, in den Augenblicken, in denen wir verzweifeln über das, was wir verloren haben und loslassen müssen.

Gott, lass uns die Kraft der Auferstehung deines Sohnes erfahren: besonders in der Trauer um ein verstorbenes Gemeindemitglied… Nimm ihn gnädig auf in dein himmlisches Reich und hilf seinen Angehörigen, ihren Weg der Trauer zu gehen und ihr eigenes Leben als Kinder des Lichtes zu meistern.

Gott, lass uns aufstehen hier und jetzt, weil du uns liebst und aufrichtest aus unserer Gefangenschaft in der Sünde. Und wenn wir selber einmal sterben müssen, dann lass uns auferstehen zum ewigen Leben. Amen.

Wir singen das Lied 99:

1. Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

2. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

3. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.