Wie hilft uns Gott?

In der Trauerfeier für einen Mann, der es nicht einfach hatte in seinem Leben, denke ich über Worte aus dem Psalm 31 nach und frage nach der Art und Weise, wie Gott uns hilft.

Wie hilft uns Gott? Ein leerer Rollstuhl steht auf einer Wiese unter einem bewölkten Himmel, durch den man die Sonne erkennen kann

Wie hilft Gott, wenn wir krank, behindert, dem Tode nahe sind? (Bild: Engin_Akyurt – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um von Herrn Z. Abschied zu nehmen, der im Alter von [über 60] Jahren gestorben ist.

Wir erinnern uns gemeinsam an sein Leben und erweisen ihm die letzte Ehre. Wir lassen einander in der Stunde des Abschieds nicht allein. Wir besinnen uns auf Gott, von dem unser Leben herkommt und zu dem es im Tode zurückkehrt.

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 31:

2 HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!

3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

6 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.

8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not

9 und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.

10 HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst! Mein Auge ist trübe geworden vor Gram, matt meine Seele und mein Leib.

11 Denn mein Leben ist hingeschwunden in Kummer und meine Jahre in Seufzen.

15 Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!

16 Meine Zeit steht in deinen Händen.

17 Lass leuchten dein Antlitz über mir; hilf mir durch deine Güte!

18 HERR, lass mich nicht zuschanden werden; denn ich rufe dich an.

20 Wie groß ist deine Güte, HERR, die du bewahrt hast denen, die [auf dich trauen]!

22 Gelobt sei der HERR; denn er hat seine wunderbare Güte mir erwiesen in einer festen Stadt.

23 Ich sprach wohl in meinem Zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen. Doch du hörtest die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie.

25 Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des HERRN harret!

Liebe Frau Z., liebe Trauergemeinde!

Herr Z. ist gestorben, und wir blicken zurück auf die Zeit seines Lebens.

Erinnerungen an das Leben und die Krankheit des Verstorbenen

Als er noch sprechen konnte, fragte er manchmal verzweifelt: „Warum hilft mir denn keiner?“ Man konnte ihm nicht mehr helfen, noch einmal gesund zu werden oder wenigstens mit seiner Krankheit weiterzuleben. Menschliche Hilfe, auch die Hilfe von Ärzten, ist immer nur begrenzt.

In dem Psalm 31, den wir gebetet haben, schreit auch ein Mensch nach Hilfe.

3 Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

Da wünscht sich einer, dass Gott für ihn da sein soll, so stark wie ein Felsen, so sicher wie eine Burg, damit er beschützt und geborgen leben kann.

Dieser Mensch stellt sich vor, wie es wäre, wenn Gott ihn anschaut mit einem freundlichen Gesicht.

17 Lass leuchten dein Antlitz über mir; hilf mir durch deine Güte!

Gott meint es doch gut mit ihm, er ist doch ein Gott der Güte und Liebe, er muss ihm doch helfen! Allerdings kennt er auch Momente, in denen er zweifelt oder sogar fast verzweifelt.

23 Ich sprach wohl in meinem Zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen. Doch du hörtest die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie.

Könnte es sein, dass Gott ihn vergessen oder sogar verstoßen hat? Dass er keine Hilfe erwarten darf? Am Ende spürt der Psalmbeter, dass Gott auf sein Schreien doch gehört hat. Er spürt, dass Gott ihm geholfen hat.

Aber wie hilft ihm Gott? Wie hilft er uns? Wie hat er dem nun Verstorbenen in seinem Leben geholfen? Gibt es noch eine Hilfe in seinem Sterben, nach seinem Tod?

Auch auf diese Fragen können wir Antworten finden im Psalm 31. Da ist von der Freude die Rede, die uns von Gott geschenkt ist:

8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte.

So kannte Ihr Mann ja auch die Freude an der Natur und an der Musik und anderem mehr, und so haben Sie gemeinsam glückliche Zeiten mit Ihrem Mann erlebt. Die größte Freude besteht dabei sicher in der Liebe, die man einander schenkt, in den Erinnerungen an schöne Stunden, die man in sich aufbewahrt.

22 Gelobt sei der HERR; denn er hat seine wunderbare Güte mir erwiesen in einer festen Stadt.

Hier in der Stadt fand er eine sichere Arbeitsstelle, hier haben Sie einander gefunden, um zu heiraten und ihr Leben gemeinsam zu führen bis an sein Lebensende.

Freuen kann man sich auch, wenn es einem nicht gut geht, aber wenn einem in dieser Not geholfen wird:

Du sieht mein Elend an und nimmst dich meiner an in Not.

So hat Ihr Mann ärztliche Hilfe und pflegerische Betreuung in Krankenhäusern und Pflegeheimen bekommen, so sind Sie ihm beigestanden in der Zeit Ihrer Ehe.

9 Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

So konnte er dankbar sein für die Erlebnisse in der Natur von Kindheit an, und zuletzt für die Wohnung, die auch für ihn als Rollstuhlfahrer geeignet war.

Gott hilft uns auf vielfältige Weise, von ihm kommt ja überhaupt unser Leben her, ihm verdanken wir alles, was wir können und haben. Jeder Tag unseres Lebens ist uns von ihm geschenkt.

Darum dürfen wir beten:

15 Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!

16 Meine Zeit steht in deinen Händen.

Ohne Gott können wir nicht leben. Die Bibel malt uns in der Schöpfungsgeschichte ein schönes Bild vor Augen, dass Gott selber uns unseren Lebensatem einhaucht. Diesen Atem, dieses Leben, diesen Geist, diese Seele haben wir für eine bestimmte, kostbare Zeit, aber irgendwann hört diese Zeit dann auch auf. Dann kehrt unser Geist zu Gott zurück, bei ihm bleiben wir, bleibt unsere Seele aufbewahrt und geborgen für immer, in alle Ewigkeit:

6 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.

Indem wir so beten, dürfen wir auch Herrn Z. getrost loslassen und ihn den liebevollen Händen Gottes anvertrauen. Seine Hilfe hört auch dann nicht auf, wenn wir sterben, er nimmt ihn in Gnaden und mit Ehren im Himmel auf und bringt alles, was er in seinem irdischen Leben an Liebe empfangen und verschenken konnte, zu einer Vollkommenheit, die wir uns gar nicht herrlich genug vorstellen können.

So ist es zwar traurig, dass wir von ihm Abschied nehmen müssen, aber wir dürfen uns dessen gewiss sein, dass Herr Z. auch in seinem Tode in Gottes Händen bewahrt bleibt und nicht verloren geht.

Und auch uns selbst dürfen wir Gott und seiner Hilfe anvertrauen. Er liebt auch uns und schenkt uns Hoffnung für unser Leben hier auf Erden, bis er auch uns einmal in die Ewigkeit abberufen wird. Wir dürfen auf seine Hilfe vertrauen und darauf hoffen, dass er uns Wege zeigt, auf denen wir auch in unserer Zukunft gehen können.

25 Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des HERRN harret!

Amen.

Großer Gott, im Vertrauen auf dich nehmen wir heute Abschied von Herrn Z. In Trauer und Dankbarkeit beten wir für ihn: Nimm ihn gnädig auf in deinem Himmel und lass ihn Frieden finden, das Ende aller Schmerzen, die Erfüllung aller guten Wünsche und die Vollendung der Liebe, die er auf der Erde bereits erfahren und verschenken durfte.

Wir leben weiter, gehen weiter unsere Wege. Lass uns voller Trost und Hoffnung auf ihnen gehen. Hilf uns, unser Leben zu meistern. Lass uns verkraften, was uns belastet. Vergib uns, was wir einander schuldig geblieben sind.

Hilf uns klarzukommen mit den Gedanken an den Tod und schenke uns die Einsicht, wie kostbar das uns geschenkte Leben ist. Mach uns bewusst, dass wir von dir geschaffen sind, um auf dieser Erde Liebe zu empfangen und zu geben. Amen.

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