Der Galaterbrief – eine Schrift des Friedens?

Zu guter Letzt

… wird Jesus in Bethlehem – im „Haus des Brotes“ – geboren, allerdings nicht im Herrenhaus, sondern draußen im Stall bei Tieren und Hirten, und die Engel singen (Lukas 2, 14): „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

2000 Jahre später wartet der Friede, der in diesem Kind zur Welt kam, immer noch darauf, als ein gern gesehener Gast empfangen und in die Tat umgesetzt zu werden. Das liegt leider nicht nur an den bösen Nachbarn, „mit denen der Frömmste nicht im Frieden leben kann“, sondern „Christen“ haben die Friedensbotschaft Christi oft genug verraten. Zum Beispiel begann schon früh die Verleumdung „der“ Juden als Gottesmörder und ihre oft blutige Verfolgung. Seit den griechischen Kirchenvätern bis in die heutige Zeit hat man das Neue Testament so ausgelegt, als ob das Alte Testament veraltet und der Bund Gottes mit dem Volk Israel durch den neuen Bund Gottes mit der Kirche der Christen überholt sei.

Paulusbüste als Skulptur

Der Apostel Paulus (Foto der Skulptur: pixabay.com)

Fängt das schon mit Paulus an? In seinem Brief an die Galater pocht er auf die Freiheit der von Christus Befreiten gegen diejenigen, die aus der Frohen Botschaft Gottes ein versklavendes Gesetz machen. Ist das gegen „die“ Juden geschrieben, gegen ihre Tora? Nein, die Tora (= Gesetz, Wegweisung) hat Mose von Gott selbst empfangen, und Paulus schafft sie nicht ab. Sie gilt seit Christus in neuer Weise als befreiende Botschaft auch für die Völker der Welt! Der Friede, der mit Christus zur Welt kommt, besteht für Paulus gerade darin, dass Trennungen zwischen den Menschen aufgehoben werden: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ (Galater 3, 28). Nicht Feindschaft und Hass, sondern „Friede und Barmherzigkeit” soll auch „über das Israel Gottes“ kommen (Galater 6, 16).

Ein spannendes Buch also, dieser Galaterbrief des Paulus mit seinen brisanten Fragen nach Freiheit, Frieden und der umstrittenen Wahrheit. Martin Luther nannte ihn sein „Keth von Bor“, weil er ihn liebte wie seine eigene Frau. Ab Dezember 2007 ist er Thema im Ökumenischen Bibelgespräch, bei dem auch Sie herzlich willkommen sind!

Friede auf Erden (= da, wo wir leben) kann es nur geben, wenn wir in den Fußstapfen Jesu dem Wort der Bibel folgen: für die Würde jedes Menschen eintreten, Böses nicht mit Bösem vergelten, Andersdenkende zu überzeugen versuchen, statt sie zu bedrohen. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr 2008!

Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ Dezember 2007 bis Februar 2008 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

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