Wie neugeboren!

Wer vom Geist neugeboren wird, überwindet die Angst vor der Liebe. Denn mit beiden ist es wie mit dem Wind. Der weht, wo er will. Mal bläst er dir kräftig ins Gesicht. Dann ist er der Rückenwind, der dir Kraft gibt, das leise Wehen, das dich tröstet, mit Gottes Nähe anhaucht, dich getragen sein lässt. Das alles ist nicht machbar.

Mädchen mit verwuschelten Haaren, dem der Wind ins Gesicht bläst: wie neugeboren!

Mit frischem Wind im Gesicht kann man sich wie neugeboren fühlen (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am Sonntag Trinitatis, den 15. Juni 2003, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen im Gottesdienst am Sonntag Trinitatis, das ist der lateinische Name für die Dreieinigkeit Gottes. Gott ist EINER, und doch begegnet er uns DREIFACH: als Vater, im Sohn, durch den Heiligen Geist.

Kompliziert hört sich das an, doch es geht um etwas Einfaches: Gott will, dass wir uns „wie neugeboren“ fühlen, dass wir Vertrauen lernen wie ein kleines Kind.

Im Namen des dreieinigen Gottes taufen wir heute zwei Kinder: … . Wir begrüßen sie besonders herzlich, gemeinsam mit ihren Familien und Paten.

Lied 317, 1-4:

1) Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

2) Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

3) Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!

4) Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

„Wie neugeboren“ – so lautet das Thema unseres Gottesdienstes. Wenn ein neugeborenes Kind in unseren Armen liegt, dann spüren wir etwas vom Wunder des Lebens, das wir nicht selber herstellen und kontrollieren können, sondern das uns geschenkt ist.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ich sehe alt aus, wenn die Zeit an mir vorübergeht, wenn ich nichts begreife, wenn ich versage. Wie neugeboren bin ich, wenn mir eine Last von der Seele genommen ist. Egal wie alt wir sind, für einen Neuanfang im Leben ist es nie zu spät. Wir rufen zu Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wie neugeboren fühlen wir uns an heißen Tagen nach einer kalten Dusche. „Er erquicket meine Seele“, sagt die Bibel von Gott, dem Guten Hirten. Das ist eine Erfrischung, die unter die Haut geht – wie neugeboren sind wir, ob alt oder jung, als von Gott geliebte Menschenkinder.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Ach du, gesellige Gottheit, Vater, Sohn, heiliger Geist, komm zu uns, mütterlicher Vater, menschenfreundlicher Sohn, bewegender Geist! Komm zu uns, Gott, im Geist Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören das Evangelium zur Taufe nach Matthäus 28, 16-20:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Liebe Tauffamilien, liebe Gemeinde!

An einem neugeborenen Kind wird uns am deutlichsten, wie schutzbedürftig und verletzbar unser Leben ist. Wir freuen uns, wenn es gesund und ohne Behinderung zur Welt kommt, doch wenn ein Kind bereits mit einer Krankheit geboren wird und als Frühchen um sein Überleben kämpfen muss, dann sind wir als Eltern nicht weniger dankbar für dieses uns anvertraute neugeborene Leben.

… hat schon viel durchgemacht in ihrem jungen Leben, da gab es schon eine Herzoperation, und sie wird für vieles, was sie lernen muss, länger brauchen als andere Kinder. Um so schöner ist es, dass Mama und Papa sich gemeinsam liebevoll um das kleine Mädchen kümmern; der Vater hat sich dafür sogar den Erziehungsurlaub genommen.

Sie haben für … bewusst diesen Taufspruch aus dem Buch Jesaja ausgewählt (Jesaja 40, 31):

Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.

Sie hat schon viel überstanden, sie wird immer wieder neue Kraft brauchen – und sie darf zuversichtlich leben, weil Gott seine geliebten Kinder nicht allein lässt. Gottvertrauen ist eine unerschöpfliche Quelle für neue Kraft. Selbst wenn wir denken, dass wir am Ende sind, brauchen wir im Vertrauen auf Gott den Mut nicht sinken zu lassen.

Adlerflügel kommen im Gesangbuch und in der Bibel häufig vor. In mehreren Liedern, die wir heute singen, heißt es von Gott, dass er uns „auf Adelers Fittichen sicher führet“ oder dass er uns vom Mutterleib an beschützt, so „wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt“.

Im Buch Jesaja heißt es außerdem, dass Gott denen, die auf ihn vertrauen, Adlerflügel verleiht. Der Prophet Jesaja hat es mit Menschen zu tun, die verzweifelt klagen: „Gott kümmert sich nicht um uns!“ Da sagt der Prophet (Jesaja 40, 28-31):

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.

30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;

31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Adlerflügel sind ein Bild für Stärke: unsere Kinder werden die Herausforderungen in ihrem Leben bestehen. Und Adlerflügel sind zum Beschützen da, sie stehen für das Umsorgen der Menschen, die uns anvertraut sind; ein Mensch mit Adlerflügeln ist zur Liebe fähig.

Der Taufspruch des anderen Kindes, das heute getauft wird, handelt ausdrücklich von dieser Liebe. Für … haben Sie als Eltern das Wort des Paulus aus 1. Korinther 13, 13 ausgewählt:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Es gibt einen Spruch, der nicht in der Bibel steht, aber etwa das Gleiche ausdrückt wie die Taufsprüche der beiden Kinder:

Wenn dein Kind klein ist, gib ihm Wurzeln, wenn es groß ist, gib ihm Flügel.

Der Glaube, das sind unsere Wurzeln in Gott, unser Halt, den wir nie verlieren. Im anderen Bibelvers stand zwar nicht das Wort „Glaube“, aber mit „Vertrauen“ ist das Gleiche gemeint. Die Wurzeln, die ein Kind braucht, sind das Urvertrauen, dass es geliebt ist, willkommen in dieser Welt, dass es zuverlässige Eltern hat und dass diese Welt ein guter Ort ist – von einem liebevollen Gott so geschaffen, dass wir die Chance haben, ein erfülltes Leben zu führen.

Die Hoffnung, das sind die Flügel, die uns nicht aufgeben und immer wieder neu anfangen lassen, die uns auch tragen durch schwere Zeiten hindurch. Adlerflügel sind auch ein Bild für Hoffnung und für Freiheit.

Wenn Kinder älter werden, brauchen sie Raum und Weite, um sich selbst zu entfalten, um ihren eigenen Weg zu gehen, um ihr Leben so gut wie möglich eigenständig zu meistern. Natürlich ist niemand vollkommen unabhängig, manche Menschen brauchen zeitlebens mehr Unterstützung als andere, und doch ist jeder Mensch auf seine Weise einmalig, und es ist gut, wenn man ihm hilft, zu entdecken, was in ihm steckt, also sozusagen seine eigenen Flügel zu entwickeln und auszubreiten.

Die Liebe ist die größte unter diesen dreien: Liebe trägt uns, indem wir geliebt sind, von Gott und Eltern und allen, die uns so nehmen, wie wir sind. Liebe tragen wir auch weiter, indem wir Liebe lernen und für andere Menschen etwas übrig haben.

Liebe ist das Wertvollste, was ein Kind von uns auf seinen Lebensweg mitbekommt. Aber was ist Liebe? Liebe heißt nicht, dass man dem Kind immer alles gibt, was es will. Dann kann es gar nicht lernen, zufrieden zu sein. Es hat ja nie erfahren, wann etwas genug ist. Das lernt ein Kind nur, wenn Eltern gute Grenzen setzen können. „Nein, die Welt stürzt nicht ein, wenn du dieses Spielzeug nicht bekommst!“ Eltern müssen oft Nein sagen und auch dann bei ihrem Nein bleiben, wenn das Kind lange genug quengelt.

Ältere Menschen sagen mir oft: Wir hatten früher weniger. Aber wir waren zufriedener. Das ist kein Zufall. Ich kenne Kinder, die immer alles kriegen, das neueste Handy, eine neue Musikanlage, wenn die alte kaputt ist. Sie können sich über nichts richtig freuen. Sie achten nicht auf ihre Sachen. Sie wollen nur immer mehr und mehr. Aber wie wunderbar ist es, wenn ein Kind sich auch über kleine Geschenke freuen kann, wenn es dem Bruder oder der Schwester etwas gönnt. Wenn ein Kind das Gefühl kennt: „Jetzt habe ich genug, ich bin zufrieden“, dann kann es viel leichter teilen. Es fühlt sich wohl und weiß, auch wenn die Eltern mir nicht immer alles kaufen, sie haben Zeit für mich, sie spielen mit mir, sie haben mich lieb.

Ein Kind, das vertrauen kann, hat gute Wurzeln. Sein Leben ist verankert in zuverlässiger Liebe. So ist es auch in der Lage, tragfähige Flügel zu entwickeln. Adlerflügel der Hoffnung tragen auch dann, wenn das Leben Nein sagt. Und sie werden zu Adlerflügeln der Liebe, wenn der heranwachsende Mensch spürt, dass sein Leben noch erfüllter ist, wenn er das eigene Glück mit anderen teilt.

Von dem, was unsere Kinder brauchen, von ihren Wurzeln und ihren Flügeln, von Glaube, Hoffnung und Liebe in ihrem jungen Leben, singen wir nun das Tauflied 574:

Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen

Dass unsere Kinder lieben lernen mit ihrem ganzen Herzen, ist das eigentliche Ziel christlicher Erziehung. Von dem Gott, der uns liebt als Schöpfer und Erlöser und der uns im Heiligen Geist mit Liebe erfüllt, handelt auch unser christliches Glaubensbekenntnis. Wir sprechen es gemeinsam, stellvertretend auch für unsere beiden Taufkinder:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 325, 1-2+5:

1) Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er’s mit mir mein‘. Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

2) Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, also hat auch hin und wieder mich den Höchsten Arm bedeckt, alsobald im Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

5) Meiner Seele Wohlergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Not entstehen, nimmt er’s gleichfalls wohl in acht. Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Wie neugeboren“ steht als Thema über diesem Gottesdienst. Wie geht das? Neu geboren werden, wenn man kein kleines Kind mehr ist. Neu anfangen, wenn man viel Dreck am Stecken hat. Neuen Mut gewinnen, wenn Lasten uns bis zum Boden niederdrücken.

Im Evangelium nach Johannes 3, 1-8, hören wir von einem nachdenklichen Menschen, der mitten in der Nacht zu Jesus kommt:

1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.

2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden.

8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Es ist Nacht, während der Ratsherr Nikodemus mit Jesus redet. Nachtgespräche sind oft anders als Gespräche am hellen Tag, sie mögen offener sein im Schutz der Dunkelheit, rühren tiefere Schichten der Seele an.

Dass ausgerechnet der Pharisäer Nikodemus in der Nacht zu Jesus kommt, mag auch damit zu tun haben, dass er in einer Zwickmühle steckt: er ist Vertreter der geistlichen Macht und muss loyal zur römischen Besatzung stehen. Zugleich ist er offen, liberal, alles andere als verbohrt, interessiert an dem, was andere denken. Später wird er Jesus gegen seine Kollegen verteidigen und einen fairen Prozess für ihn fordern. Nach Jesu Kreuzigung Jesu übernimmt Nikodemus großzügig die Kosten der Einbalsamierung des Leichnams (Johannes 19, 39). Einer der oberen Zehntausend ist Nikodemus, aber: durchaus wohlwollend, der Sache Jesu gegenüber aufgeschlossen.

Dieser Nikodemus macht Jesus ein Kompliment. Einen Lehrer, der von Gott kommt, nennt er ihn. Jesus geht auf das Kompliment überhaupt nicht ein und antwortet ziemlich barsch: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Jesus nimmt ihn beim Wort: „Nennst du mich einen Lehrer, der von Gott kommt, dann höre meine Botschaft! Wenn du das Reich Gottes sehen willst, heute würden wir sagen, wenn dein Leben erfüllt sein soll, dann musst du neu geboren werden. Du verfügst nicht darüber. Du musst es dir schenken lassen. Denn über deine Geburt entscheidest nicht du, du wirst geboren.“

Das versteht er nicht, unser Nikodemus. Aber wer versteht das schon! Es läuft allem entgegen, was wir tagein tagaus denken und tun: Haste was, dann biste was! Soll dein Leben gelingen, dann leiste erstmal was! Willst du in den Himmel kommen, dann musst du fromm sein!

Aber jetzt, in der Nacht, ist Nikodemus bereit, über das Merkwürdige nachzudenken, was Jesus gesagt hat. Er ist Realist und nimmt Jesus auf die Schippe. Was? Soll ich alter Mann wieder zum Baby werden, ein zweites Mal in den Mutterschoß zurückkehren?

Nein, sagt Jesus, du musst das nicht wortwörtlich missverstehen. Aus Wasser und Geist wirst du neugeboren. Du weißt doch, wie Johannes die Menschen im Jordan getauft hat – alles, was alt war an ihnen, kaputt und sündig, sollte untergehen, abgewaschen werden. Doch Wasser allein reicht dazu nicht. Dazu ist Gottes Geist selber nötig – er muss dich erfüllen und dann bist du ein neuer Mensch, barmherzig und liebevoll.

Heutige Menschen würden Jesus auch missverstehen. Wiedergeburt – da denken wir nicht an die Rückkehr in den Mutterleib. Sean Connery z. B. ist überzeugt: „Ich war“ in einem früheren Leben „Stammeshäuptling im afrikanischen Dschungel.“ Gotthilf Fischer, der Leiter der Fischer-Chöre, meint, zu Beethovens Zeiten Komponist gewesen zu sein. Viele Menschen heute wünschen sich, in immer neuen Leben wiedergeboren zu werden, um immer vollkommener zu werden. Diese Art von Wiedergeburt ist in unserer heutigen Geschichte nicht gemeint.

Nebenbei bemerkt, ist auch im Buddhismus nicht das gemeint, wenn dort von Wiedergeburt die Rede ist. Der Buddhist sehnt sich nach absoluter Leere und Ausgeglichenheit, dem Ver-löschen von Verlangen und Leidenschaft. Wer dieses Ziel verfehlt, wird zur Strafe wieder in ein neues Leben geschickt. Nein, das will Jesus nicht, nicht eine Neugeburt als Strafe, kein ewiges Rad immer wiederkehrender Geburten in immer neuen quälenden Erdenleben.

Jesus spricht von Menschen, die vom Geist neugeboren werden. Sie trauen sich, Liebe anzunehmen und weiterzugeben. So einfach ist das – wenn man es schafft, die Angst vor der Liebe zu überwinden.

Denn da hast du nichts in der Hand. Mit dem Geist Gottes und mit der Liebe ist es wie mit dem Wind. Der weht, wo er will, du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. Manchmal bläst er dir sogar kräftig ins Gesicht und lässt dich unangenehme Wahrheiten über dich ahnen. Und manchmal ist er der Rückenwind, der dir Kraft gibt und Energie, das leise Wehen, das dich tröstet, mit Gottes Nähe anhaucht, dich getragen sein lässt. Das alles ist nicht machbar. Es gibt keine meditative Technik, die den heiligen Geist herbei zwingen könnte. Er weht, wo er will.

Was also tun? Nicht nichts. Jesus sagt: „Sucht, so werdet ihr finden.“ Franz Kafka hat den Satz einmal umgedreht: „Wer nicht sucht, wird gefunden.“ Ob du suchst, ob du betest, ob du scheinbar nichts tust und nur offen bist, den heiligen Geist kümmert das nicht. Der Geist weht und findet dich. Tu einfach, als ob das stimmt: Gott hat dich lieb und lässt dich neu anfangen. Nicht du schaffst deinen Glauben. Er lässt dich neu geboren werden. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 625: Wir strecken uns nach dir

Wir bitten dich, Gott, für die Nacht. Für die Nacht der Angst und für die Nacht des Glücks, für die Nacht der Welt und für die Nacht unseres Lebens. Wir bitten dich, Gott, für den Tag. Für das, was wir tun und für das, was wir unterlassen, für die hellen und für die dunklen Tage.

Wir bitten dich, Gott, für den Morgen. Für den Morgen, der alles frisch und neu macht, und für den Morgen voller Sorgen. Wir bitten dich, Gott, für den Abend. Für den Abend, der zur Ruhe kommen lässt, und für den Abend, an dem kein Schlaf möglich ist.

Wir bitten dich, Gott, für den Anfang. Für den Neubeginn, wenn du uns Vergebung schenkst. Für das Neugeborenwerden im Glauben, wenn wir voll Vertrauen deine Liebe annehmen. Für den Anfang des Lebens, wenn ein neugeborenes Kind unserer Fürsorge anvertraut wird. Wir bitten dich, Gott, für das Ende. Für den guten Ausgang von Unternehmungen, die zu scheitern drohen. Für das Ende von Krieg und Terror. Für die getöteten deutschen Soldaten und ihre Familien. Für die, die versuchen, Frieden zu schaffen. Für ein seliges Sterben am Ende unseres Lebens. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 321:

1) Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

2) Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

3) Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne dich und er behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er wende sein Angesicht dir zu und gebe dir Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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