Geburtstag

Anlässlich einer Dekanatskonferenz, die am Geburtstag des Dekans stattfindet, halte ich eine Andacht, in der ich über die Feier des Geburtstages meditiere. Kommt der Geburtstag in der Bibel eigentlich vor?

Eine selbst gestaltete Karte zum Geburtstag mit konstruierter Ersatzhand und Schriftzug "Happy Birthday"

Zum Geburtstag wünschen wir Glück und Segen! (Bild: ArtsyBee – pixabay.com)

Andacht auf der Dekanatskonferenz Gießen in der Paulusgemeinde am 7. Februar 2007

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste!

„Erinnerungsarbeit und Gedächtniskultur“ ist nachher unser Hauptthema. Eine individuelle Form von Erinnerungsarbeit und Gedächtniskultur praktizieren wir auch, indem wir Geburtstag feiern. Heute hat unser Dekan Geburtstag. Lieber Tilo, wenn du an diesem Tag schon die gesamte Pfarrerschaft von Gießen-Mitte ertragen musst, wollen wir dir wenigstens ein Geburtstagsständchen bringen:

Geburtstagsfanfare für Frank-Tilo Becher (Albert Joswig)

Und da Herr Joswig nun einmal hier ist, begleitet er uns auch weiter beim Gesang. Wir singen aus dem Lied 333 die Strophen 1 und 6:

1. Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich, sie währet ewiglich, sie währet ewiglich!

2. Lobet den Herrn! Ja, lobe den Herrn auch meine Seele; vergiss es nie, was er dir Guts getan, was er dir Guts getan, was er dir Guts getan!

Ich nutze den gegebenen Anlass, um heute ein wenig über die Feier des Geburtstages zu meditieren. In der Bibel kommt der Geburtstag auf den ersten Blick schlecht weg. Ausdrücklich erwähnt werden nur Geburtstage von Königen: und wenn der Pharao, die Seleukidenherrscher oder Herodes der Große ihre Geburtstagsgelage abhielten, konnten sie für einige der Beteiligten tödlich enden.

Möglicherweise lag das da­ran, dass der Geburtstag dieser Herrscher auch der Tag war, an dem sie in besonderer Weise verehrt zu werden beanspruchten, sozusagen an der Stelle Gottes. Und wenn Menschen sein wollen wie Gott, kann das nicht gut enden. Haben sie so viel Macht wie die genannten Herrscher, dann enden Menschen in Israel und anderswo dort, wo sie so verzweifelt oder vom Leben enttäuscht sind, dass sie den Tag ihrer Geburt verfluchen. Ein Beispiel dafür ist Hiob, wenn er ausruft (Hiob 3, 3):

Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt!

Und auch Kohelet meint (Prediger 7, 1):

Ein guter Ruf ist besser als gute Salbe und der Tag des Todes besser als der Tag der Geburt.

Aber die Bibel kennt auch Geburtstage, die mit Jubel verbunden sind. Zum Beispiel die Geburt des Mose (2. Buch Mose – Exodus 2, 2), der von seiner Mutter ein „feines“ oder „schönes Kind“ genannt wird, wie Luther und die Einheitsübersetzung sagen, während die „Bibel in gerechter Sprache“ das Kind „gesund und munter“ nennt. Keine dieser Übersetzungen macht deutlich, dass in dem Wort der Mutter des Mose das „ki-tob“ von Genesis 1 aufgerufen wird – sie erkennt in ihrem kleinen Sohn eine gute Schöpfung Gottes und will nicht zulassen, dass er unter der Schreckensherrschaft des Pharao zu Schaden kommt.

Im Neuen Testament ist die Geburt des Täufers Johannes (Lukas 1, 14) und des Messias Jesus (Lukas 2, 10) Anlass zur Freude, denn die Geburt dieser Kinder eröffnet Hoffnung für Israel und sogar für alle Welt.

Wo wir am Geburtstag nicht allein uns selber feiern, sondern Gott dafür danken, dass er uns das Leben gab, damit wir es leben zum Segen für andere, da ist dieser Tag ein Segenstag für uns, für unsere Lieben und viele andere Menschen. Dann ist ein solcher Tag auch nicht mit dem Druck befrachtet, er müsse absolut harmonisch und enttäuschungsfrei verlaufen.

Ich lese Psalm 139 in den Versen 13 bis 16 als Anleitung zur Freude über das Wunder des eigenen Lebens:

13 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Jesus mag an diese Verse denken, wenn er (Lukas 10, 20) den 72 von ihm ausgesandten Männern und Frauen sagt:

Darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Wir bekommen bei unserer Geburt unseren Namen. Unser Geburtstag ist ein Anlass, uns bewusst zu machen, dass wir auch in Gottes Augen keine Nummer sind, sondern dass er uns beim Namen kennt.

Er kannte uns, bevor wir überhaupt existierten, und er wird uns noch kennen, wenn unsere Tage hier auf Erden vorüber sind.

Jesus ruft uns zur getrosten Nachfolge in diesem Leben auf, denn um unsere Zukunft in jenem Leben müssen wir uns keine Sorgen machen.

In diesem Sinne auch dir heute herzliche Segenswünsche zu deinem Geburtstag, lieber Frank-Tilo!

Lied 269: Christus ist König, jubelt laut!

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