Ökumene im Gespräch

Ökumene ist nicht einfach. Zwar begegnen wir uns heute freundlich. Aber die Trennung bleibt. Die einen sagen: Wozu denn noch Unterschiede machen? Wir glauben doch alle an den einen Herrgott! Die anderen sagen: Wir können unsere Unterschiede nicht einfach übergehen. Sonst stünde am Schluss vielleicht nicht ein gemeinsames Christentum, sondern ein entleerter Glaube oder gar die Auflösung der Kirche.

Zwei Strichmännchen mit Sprechblasen im Gespräch

Im Gespräch zu bleiben ist wichtig für die Ökumene (Grafik: pixabay.com)

Ökumenischer Abendgottesdienst in der Festwoche anlässlich der 500-Jahr-Feier der Reichelsheimer Kirche am Mittwoch, 26. Juni 1985, um 19.00 Uhr
Orgelvorspiel
Lied des Gesangvereins: Kühle weht vom Moor, Herr, kehr bei uns ein

Zur zweiten gottesdienstlichen Veranstaltung in dieser Festwoche begrüße ich Sie alle herzlich in unserer 500 Jahre alten Kirche! Ich freue mich besonders über die Mitwirkung des Gesangvereins „Liederkranz“, der uns einleitend schon ein Lied dargeboten hat. Weitere werden folgen.

Besonders herzlich heiße ich die Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde willkommen. Herr Pfarrer Petschull und ich haben diesen Gottesdienst gemeinsam vorbereitet. Grüße soll ich noch ausrichten vom früheren katholischen Pfarrer Ihrer Gemeinde, Herrn Pfarrer Grimm, der leider in dieser Woche nicht kommen kann.

Beiheft 729, 1-6 (EG 334): Danke für diese Abendstunde

P: Vater unser im Himmel, du hast auf mancherlei Weise zu den Menschen geredet, du hast dir in der Geschichte deines Sohnes Jesus von Nazareth selbst einen Namen gemacht, Menschen haben deine Stimme vernommen und haben uns überliefert, was sie mit dir erfahren haben. Ihre Überlieferung liegt aufgeschlagen vor uns. Gib du, dass auch uns widerfährt, was sie erfahren haben. Sei du mitten unter uns. Du hast gesagt, wo zwei oder drei in deinem Namen versammelt seien, da seist du mitten unter ihnen. Wir nehmen dich beim Wort. Wir trauen dir zu, dass du das kannst. Amen.

S: Eine heilige Kirche – was heißt das? Wir kennen: gotische Kirchen und moderne Gemeindezentren, Bischöfe, Pfarrer und Kirchenpräsidenten, Sonntagsgeläut und „Wort zum Sonntag“, Trauung und Beerdigung, Konfirmation und Weißer Sonntag, Kirchensteuer, Kirchturmspolitik. Eine heilige Kirche – was heißt das?

K: Wir glauben: Der Heilige Gott beruft seine Zeugen, wo, wann und wie er will. Ihr Leben werden sie ändern. Die Gemeinschaft der Christen werden sie suchen. Niemand und nichts wird sie aus Gottes Hand reißen. Wir glauben an diesen einen Herrn.

P: Katholisch – ökumenisch – allgemein – was heißt das! Wir kennen: 237 Konfessionen und Sekten, Mischehen und getrennten Religionsunterricht. Ökumenisch – was heißt das?

R: Wir glauben: Nicht Spaltung und Zerstreuung, sondern Einheit und Versöhnung sind das Ziel Gottes. Die Schuld am Streit liegt auf beiden Seiten. Jede Kirche bedarf daher der ständigen Erneuerung. Wir glauben an einen Weg aufeinander zu.

S: Christlich – was heißt das? Wir kennen: christliches Gedankengut und christliche Kultur, christliches Abendland und christliches Elternhaus. Christlich – was heißt das?

K: Christen sind allen Menschen die Botschaft Jesu Christi schuldig, in Wort und Tat, aufrichtig und stichhaltig, geduldig und phantasievoll, anders, in einer anders gewordenen Welt. Wir glauben an diesen gemeinsamen Auftrag.

R: Jesus Christus spricht: „Gleich wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“

Lied GL 644, 1-3 (EG 262): Sonne der Gerechtigkeit

S: Dieser Gottesdienst ist ökumenisch. Ö-ku-me-nisch. Manche sagen dazu „ö-ko-no-misch“. Das Wort meint etwas anderes, meint wirtschaftlich oder sparsam. Wenn Katholische und Evangelische etwas gemeinsam machen, heißt es richtig: „ö-ku-me-nisch“. Da ist ein „u“ drin, und das „m“ kommt vor dem „n“.

K: Aber was bedeutet Ökumene? Ursprünglich war damit nichts anderes gemeint als alles bewohnte Land im bekannten Umkreis; für uns ist das die ganze Erde mit allen Menschen in allen Ländern.

R: Ökumene hat darum auch mehrere Bedeutungen. Gemeinschaft von evangelischen und katholischen Christen. Oder: weltweite Gemeinschaft von Christen. Wir können darüber hinaus sogar an unser Verhältnis zu Menschen anderer Religionen denken, z. B. des Islam, der uns seit Jahren in unserer unmittelbaren Nachbarschaft begegnet.

P: Auf jeden Fall bekommen wir es in der Ökumene mit Menschen zu tun, die anders sind, anders glauben oder anders leben als wir. Dafür sind unsere Beziehungen zur anderen Konfession am Ort – evangelisch oder katholisch – noch immer ein Beispiel.

S: Ökumene ist nicht einfach. Zwar sind wir uns näher gekommen, nach so vielen Jahrhunderten des Gegensatzes. Zwar begegnen wir uns heute freundlich. Aber die Trennung bleibt.

K: Die einen sagen: Wozu denn noch Unterschiede machen? Wir glauben doch alle an den einen Herrgott! Die Kirchen sollten sich doch möglichst schnell zusammenschließen.

R: Die anderen sagen: Sicher glauben wir an den gleichen Gott, doch wir können unsere Unterschiede nicht einfach übergehen. Sonst würden wir viel von unserer Tradition verlieren. Und am Schluss stünde vielleicht nicht ein gemeinsames Christentum, sondern ein entleerter Glaube oder gar die Auflösung der Kirche.

P: Wer hat recht? – Wir sollten sowohl das Gemeinsame ernst nehmen, das zwischen uns besteht, als auch die Ängste, die wir voreinander haben. Gemeinsam beten und fragen und Erfahrungen austauschen bringt dabei vielleicht mehr, als gemeinsam nur zu diskutieren und Streitgespräche zu führen.

S: Es ist natürlich, dass ich mich nur mit gewissen Vorbehalten auf etwas einlasse, das mir fremd ist. Ich kann es nicht so ohne Weiteres an mich heranlassen, dass die anderen vielleicht auch Recht haben könnten.

K: Ökumenische Öffnung füreinander bedeutet auch: Ich lasse dem anderen seine Vorsicht, ich respektiere seine Vorbehalte, ich versuche nicht zu drängen, sondern zu verstehen, was hinter einem Zögern stecken könnte. Wenn wir so aufeinanderzugehen, wird es für uns leichter, uns wirklich zu begegnen.

P: Nun lasst uns gemeinsam unsere Schuld bekennen. Herr, unser gemeinsamer Gott! Wir sprechen von Dir als unserem Herrgott, den wir gemeinsam haben. Aber meinen wir wirklich dich, den lebendigen Gott, von dessen Liebe wir leben und der uns ganz in Anspruch nimmt?

R: Wir sagen: die Unterschiede der Konfessionen sind ja nicht mehr so wichtig. Aber wie oft verbirgt sich dahinter eine große Unwissenheit über den Glauben – nicht nur den der anderen Konfession, sondern auch der eigenen.

S: Oder wir haben Angst vor zu viel Ökumene. Bestimmte Änderungen würden wir in unseren Gemeinden nicht zulassen. Wir können doch nicht jeden Sonntag das Abendmahl feiern, wir sind doch nicht katholisch, könnte bei uns Evangelischen gesagt werden. Und umgekehrt gibt es sicher ähnliche Sätze.

K: Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben bekennen wir vor dir als unsere Schuld. Und wir bekennen unsere übertriebene Angst vor dem, was fremd für uns ist. Vergib uns und öffne uns neue Wege.

R: Lass uns im eigenen Glauben wachsen und ihn als unser Zuhause erleben. Und lass uns im Glauben der anderen Anstöße für unser eigenes Glaubensleben erkennen. Amen.

Lied des Gesangvereins: In dir ist Freude
Lesung aus der Apostelgeschichte 11, 1-18

(Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart)

1 Die Apostel und die Brüder in Judäa erfuhren, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten.

2 Als nun Petrus nach Jerusalem hinaufkam, hielten ihm die gläubig gewordenen Juden vor:

3 Du hast das Haus von Unbeschnittenen betreten und hast mit ihnen gegessen.

4 Da begann Petrus, ihnen der Reihe nach zu berichten:

5 Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Eine Schale, die aussah wie ein großes Leinentuch, das an den vier Ecken gehalten wurde, senkte sich aus dem Himmel bis zu mir herab.

6 Als ich genauer hinschaute, sah ich darin die Vierfüßler der Erde, die wilden Tiere, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels.

7 Ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte, und iss!

8 Ich antwortete: Niemals, Herr! Noch nie ist etwas Unheiliges oder Unreines in meinen Mund gekommen.

9 Doch zum zweitenmal kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!

10 Das geschah dreimal, dann wurde alles wieder in den Himmel hinaufgezogen.

11 Da standen auf einmal drei Männer vor dem Haus, in dem ich wohnte; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden.

12 Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir, und wir kamen in das Haus jenes Mannes.

13 Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemand nach Joppe, und lass Simon, der Petrus genannt wird, holen.

14 Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst.

15 Während ich redete, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns.

16 Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.

17 Wenn nun Gott ihnen, nachdem sie zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind, die gleiche Gabe verliehen hat wie uns: wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?

18 Als sie das hörten, beruhigten sie sich, priesen Gott und sagten: Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt.

Lied GL 614, 1-3: Wohl denen, die da wandeln
Auslegung im Gespräch (Stichworte)

Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit – was bedeutet „in Heiligkeit wandeln“?

Auf der einen Seite sagen wir: Wir sind keine Heiligen (so etwas kann man doch von uns nicht verlangen).

Auf der anderen Seite sagen wir: ich habe mir nichts vorzuwerfen (so schlecht sind wir auch wieder nicht).

Gott will uns sagen: Wir sind zugleich Sünder und auch begnadigt.

Und weil wir begnadigte Sünder sind, können wir auch heilig sein, durch den heiligen Geist.

Petrus und Kornelius wären ohne den heiligen Geist nicht zusammengekommen.

Reinheitsgebot: Kraft und Last der Tradition.

Stille (Aufschreiben von Fürbitten)
Lied GL 638, 1-5 (EG 265): Nun singe Lob, du Christenheit
Fürbitten und Vater unser und Segen
Lied des Gesangvereins: Der Mond ist aufgegangen
Weitere Lieder des Gesangvereins

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