Verantwortlich durch Vergebung

Der Prophet Nathan und die Untaten des Königs David.

„Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den HERRN.“ Dieser Satz unterscheidet David von anderen Übeltätern. David war der größte König der Juden, weil er einen Kampf mit sich selber gewann. Wie Kain wird David zum Mörder. Und wie Kain wird David von Gott nicht zum Tode verurteilt.

Skulptur aus Holz: König David spielt auf seiner Harfe

König David lernt durch den Propheten Nathan, zu seiner Schuld zu stehen (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 10. Sonntag nach Trinitatis, den 11. August 1996, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey und am 11. Sonntag nach Trinitatis, den 18. August 1996, um 9.00 Uhr in Dintesheim und um 10.15 Uhr in Eppelsheim

Ich begrüße Sie herzlich im Gottesdienst mit einem Wort aus 1. Petrus 5, 5b:

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Um Hochmut und Demut geht es heute in dem, was wir singen und hören, beten und bedenken. Anders ausgedrückt, um die Frage, wo wir Menschen einem falschen Stolz anhängen und worin unsere wahre menschliche Würde besteht.

Lied 308, 4-7:

4) Du bist barmherzig insgemein dem, der dich herzlich fürcht‘ allein, und hilfst dem Armen immerdar, wenn er muss leiden groß Gefahr.

5) Der Menschen Hoffart muss vergehn, mag nicht vor deiner Hand bestehn; wer sich verlässt auf seine Pracht, dem hast du bald ein End gemacht.

7) Wer niedrig ist und klein geacht‘, an dem übst du dein göttlich Macht und machst ihn einem Fürsten gleich, die Reichen arm, die Armen reich.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus Psalm 113:

3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang / sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker; / seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, / im Himmel und auf Erden?

6 Der oben thront in der Höhe, / der herniederschaut in die Tiefe,

7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube / und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

8 dass er ihn setze neben die Fürsten, / neben die Fürsten seines Volkes.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, wenn wir gerne immer stark sein möchten, unangreifbar, unverwundbar, dann werden wir auch hart gegen uns selbst uns andere. Wenn wir uns ein dickes Fell wünschen, damit uns niemand weh tun kann, dann werden wir unempfindlich gegen alle Gefühle. Wenn wir stolz darauf sind, dass wir alles allein schaffen und auf keine Hilfe angewiesen sind, dann machen wir uns etwas vor. Gott, vergib uns unseren falschen Stolz.

Gott, als du Mensch warst in Jesus Christus, da warst auch du verletzbar. Du warst ganz Mensch, und du wolltest dich nicht schützen mit Zaubermacht oder Gewalt. Du vertrautest auf die Macht der Liebe. Du hast viele Menschen so verwandelt, dass sie für deine Liebe offen wurden!

Lass uns spüren, Gott, dass wir unendlich viel wert sind, denn du hast uns lieb! Und wenn wir auf etwas stolz sein möchten, dann mach uns bewusst, worin unsere menschliche Würde besteht: darin, dass wir zur Liebe fähig sind! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Lukas 18, 9-14:

9 [Jesus] sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:

10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.

13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Lied 428, 1+3+5: Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde!

Unser Predigttext beginnt heute mit einer Geschichte, die ein Mann einem anderen erzählt. Im 2. Buch Samuel steht, dass eines Tages der Prophet Nathan seinen König David aufsucht und sagt: „Ich muss dir etwas erzählen“. Warum er das tut, darüber erfahren wir später mehr. Aber hören wir zunächst einmal die Geschichte des Propheten Nathan (2. Samuel 12):

1 Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm.

2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder;

3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt’s wie eine Tochter.

4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er’s nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.

Was Nathan da erzählt, ist eine traurige Geschichte und eine grausame Geschichte. Was ist so traurig und so grausam an dem, was da geschehen ist?

Traurig ist es, dass ein Mann etwas verliert, was ihm sehr kostbar gewesen ist. Sein einziges Schäfchen, das er so lieb gehabt hat wie ein eigenes Kind, das ist tot. Aber es ist nicht nur einfach so gestorben, was für ihn schon schlimm genug wäre. Grausam an der Geschichte ist: ein Mann, der die Macht dazu hat, hat ihm das Schäfchen einfach gestohlen. Er schlachtet es und setzt es seinem Gast als Mahlzeit vor.

Warum tut das dieser reiche Mann? Er hat es doch gar nicht nötig. Er hat doch selber genug Schafe und sogar Rinder, um seinem Gast ein köstliches Festessen zu bereiten. Aber „er brachte es nicht über sich“, eins von seinen eigenen Tieren zu nehmen. Hat er seine Schafe und seine Kühe auch so lieb gehabt wie der arme Mann sein einziges Schäfchen? Oder ist er einfach ein geiziger Mann, der eine panische Angst davor hat, nicht genug zu besitzen, irgendetwas von seinem Eigentum zu verlieren? Oder ist er stolz darauf, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen und jedem zeigen zu können, wie groß und mächtig er ist? Aus der Geschichte des Nathan geht jedenfalls hervor: Es gibt schreiendes Unrecht in der Welt. Nicht allein, dass es Arme und Reiche gibt, nein, dieser Reiche nimmt dem armen Mann sogar noch das wenige weg, was er hat.

Warum erzählt Nathan diese Geschichte? Warum steht sie in der Bibel? Stimmt Nathan in den Chor der Menschen ein, die sagen: „Die Welt ist schlecht. Die Welt ist grausam. Die Welt ist kein guter Ort zum Leben“? Nein – er nennt vielmehr das Unrecht beim Namen – weil er es nicht einfach hinnehmen will!

Wenn man so eine Geschichte hört, dann kann man traurig werden, und man kann auch noch etwas anderes fühlen: eine große Wut auf den reichen Mann! Und genau die fühlt David, als er dem Nathan zu Ende zugehört hat:

5 Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt: der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!

6 Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan hat und sein eigenes geschont hat.

David ist der König. David ist ein mächtiger Mann. David ist auch reich. Und dennoch wird er zornig auf den reichen Mann in der Geschichte. So etwas darf man doch nicht machen! So ein Unrecht schreit doch zum Himmel!

Und im Zorn sagt David zwei Dinge, die eigentlich nicht zusammenpassen: Er würde den reichen Mann am liebsten sofort zum Tode verurteilen. Als Vergeltung. Als gerechte Strafe. Und zugleich soll der reiche Mann aber auch den Schaden wieder gutmachen – soweit das überhaupt geht. Die Liebe zu dem getöteten Schaf kann er nicht ersetzen, darum soll er wenigstens den Wert des Schafs vierfach bezahlen.

Was David da ausspricht, ist ein Rechtsempfinden, das sich in den Gesetzen aller Staaten immer wieder niedergeschlagen hat: Wer etwas Böses tut, muss Wiedergutmachung leisten, und er soll nun auch etwas erleiden, was ihm weh tut.

Die Frage ist nur – wenn ein reicher Mann und ein armer Mann vor dem Richter stehen – wird dann der Arme auch wirklich gegen den Reichen sein Recht bekommen? Mit Geld konnte schon mancher Richter bestochen werden, und auch der reiche Mann in der Geschichte des Nathan fühlt sich sehr sicher.

Wird sich also durch die Geschichte des Nathan in der Wirklichkeit etwas ändern? Nathan glaubt es, im Vertrauen auf seinen Gott.

Und bevor wir in der Predigt weitergehen, singen wir nun erst einmal das Lied 430, mit dem wir Gott um seinen Frieden bitten für eine Welt voller Unrecht:

Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf

Und nun, liebe Gemeinde, offenbart Nathan, warum er gerade dem König David diese ganze Sache erzählt:

7 Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls

8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazu tun.

Nathan holt weit aus und hält David als erstes vor: „Du bist der Mann! Du bist der reiche Mann! Du bist der, der von Gott reich beschenkt wurde!“ David, der Schafhirte, ist König geworden, hat sich vor der Verfolgung durch seinen Vorgänger Saul retten können, wohnt im Palast des Saul mit einem ganzen Harem voller Frauen, hat Macht über das ganze Land und Gott will ihm sogar noch mehr Wünsche erfüllen. Ja, Nathan hält dem David einen Spiegel vor. In dem reichen Mann soll er sich selbst erkennen. Er hat alles, was er sich wünschen kann, und doch wollte er noch mehr. Keine Grenze sollte es für sein Verlangen geben.

Und nun wird Nathan ganz konkret, und er sagt seinem König die Wahrheit mitten ins Gesicht:

9 Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durch Schwert der Ammoniter.

Was Nathan da tut, ist ungeheuerlich! Er wagt es, auszusprechen, was eigentlich niemand wissen dürfte. Denn David hatte den Skandal doch so gut zu vertuschen gesucht: Seine Liebschaft mit der schönen Bathseba, die er vom Dach des Palastes aus beim Baden beobachtet hatte, die er unbedingt besitzen wollte, obwohl sie mit einem treuen Soldaten des Königs, mit Uria, verheiratet war. Niemand sollte es doch erfahren, dass das Kind, das Bathseba erwartete, vom König war, und nicht von ihrem Ehemann. Und David hatte es so listig eingefädelt: Nur an eine besonders gefährliche Stelle an der Kriegsfront hatte er ihn geschickt, selber hatte er sich nicht die Hände schmutzig gemacht, um ihn zu töten. Und dann, nach Urias Tod, konnte er die trauernde Witwe ganz rechtmäßig zur Frau nehmen. Wer wollte dem König daraus einen Vorwurf machen?

Nathan ist ein Prophet Gottes, und obwohl David auch von Gott gesalbt ist und vielleicht gerade deswegen, muss er seinem König die Wahrheit sagen. Er deckt vor dem König den ganzen Schwindel auf. „Du warst es selbst! Uria hast du erschlagen mit dem Schwert. Benutzt hast du dazu die Kriegsfeinde. Aber schuld an seinem Tod bist allein du! Und alles nur, um den Ehebruch mit Bathseba zu vertuschen!“

Und Nathan gibt dem David recht. „Ja, du bist ein Kind des Todes, das hast du über den reichen Mann in meiner Erzählung gesagt. Ja, du verdienst eine harte Strafe. Du müsstest spüren, wie das ist, wenn Leid und Tod dich und deine Familie trifft, nur weil es einem Mächtigeren so gefällt!“ In der Bibel hören sich Nathas Worte so an:

10 Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei.

Es ist in der Geschichte selten vorgekommen, dass es jemand gewagt hätte, vor dem Thron der Mächtigen erst die Wahrheit und dann sogar noch eine solche Drohung auszusprechen. Leicht hätte dem Nathan passieren können, was im Dritten Reich vielen geschehen ist, die nur ein wenig den Mund gegen Adolf Hitler aufgemacht hatten. David hätte den Nathan auf der Stelle ins Gefängnis werfen oder sogar hinrichten lassen können.

Aber hier geschieht nun stattdessen etwas anderes, etwas völlig Ungewöhnliches. Ein König, ein Machtmensch, geht in sich. Er gibt zu, was er getan hat. Er versucht nicht mehr sich zu rechtfertigen, er gibt es auf zu lügen, er steht zu seinen Taten:

13 Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den HERRN.

Es ist dieser Satz, der den David unterscheidet von vielen Übeltätern dieser Welt. David war nicht deshalb der größte König der Juden, weil er das meiste Land für das Volk Israel eroberte, sondern weil er in diesem Augenblick einen Kampf mit sich selber gewann. Er erkannte sich selber in dem Spiegel, den Nathan ihm vorgehalten hatte. Er sah, wie sehr er getrieben war von der Gier, alles besitzen und an keine Grenze stoßen zu wollen, selbst eine Frau, die einem anderen angehörte. Und er erkannte, dass er mit seinem ganzen Stolz auf die eigene Macht sein Minderwertigkeitsgefühl trotzdem niemals würde loswerden können. Ja, er war wirklich der reiche Mann, der dem armen Mann das Liebste weggenommen hatte, was er besaß. Er, der König, dem ein ganzer Harem von Frauen zur Verfügung stand, hatte dem Uria seine einzige, seine geliebte Frau weggenommen, und er hatte nicht davor zurückgeschreckt, sogar seinen Mord zu planen. Und vielleicht erkannte er in diesem Augenblick noch etwas mehr: Der Prophet Nathan, der ihm die Wahrheit sagte und Gottes Strafe ankündigte, der tat das nicht, um ihn zu vernichten, sondern weil es ihm wehtat, wie der von Gott gesalbte König die Gebote Gottes schamlos übertrat. Und Gott würde ihn nicht strafen aus Hass, sondern aus Liebe. Es ist Gott nicht egal, was seine Menschenkinder tun, das war dem David mit einem Male klar. Er, David, würde daher wie Kain mit seiner Schuld leben müssen und auch die Folgen seines Verhaltens zu tragen haben. Ja, man kann den David durchaus mit Kain vergleichen. Genau wie Kain wird David zum Mörder. Und genau wie Kain wird David von Gott nun doch nicht zum Tode verurteilt:

Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.

Dennoch wird Davids Tat schlimme Folgen haben. David bleibt zwar am Leben, aber das Kind, das er mit Bathseba gezeugt hat, wird sterben, wie das Schäfchen des armen Mannes in Nathans Geschichte. Nathan kündigt es an:

14 Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.

Das Kind, das an allem unschuldig ist, das überhaupt nichts kann für den Ehebruch seiner Eltern, das wird in die Sünde seiner Eltern mit hineingezogen, und es stirbt. Nathan deutet dies als Strafe für die ehebrecherischen Eltern, die durch ihre Tat den heiligen Namen Gottes in den Dreck gezogen haben. Sie dürfen sich nicht an ihrem gemeinsamen Kind freuen, sondern müssen es betrauern.

Das sieht fast so aus, als ob man mit einem solchen Kind einfach machen könnte, was man will. Hat es vor Gott keine eigene Würde? Ist das denn recht, dass es einfach für die Sünde des Vaters und der Mutter leiden muss? Nein, recht ist das nicht. Aber es geschieht in unserer Welt, immer und immer wieder.

Auch heute müssen Kinder häufig unter dem leiden, was ihre Eltern tun. Häufig geben sie sich selber die Schuld dafür, weil sie in ihrer kindlichen Art denken: Die Großen können gar nicht böse sein, denn wenn sie das wären, dann wäre es nicht auszuhalten. Also müssen sie irgendeinen Grund haben, warum sie mir nichts geben oder weh tun – ich muss wohl böse sein. Aber die Bibel sagt auch hierüber deutlich die Wahrheit: Die Schuld der Eltern ist es, durch die das Kind sterben muss. Das Kind selbst bleibt ein Gotteskind mit seinem eigenen Wert, seiner eigenen Würde. Gott hat es lieb, es bleibt in Gottes Liebe aufgehoben, und Gott selber trägt Trauer um ein solches Kind, das sich nicht auf Gottes Erde so entfalten konnte, wie es hätte sein sollen.

So hat Davids Ehebruch mit Bathseba schlimme Folgen, obwohl ihm vergeben wird. Vergebung heißt nicht immer, dass alles in Ordnung kommt. Vergebung heißt aber, dass einer, der die Verantwortung für seine vergangenen Taten übernimmt, nun auch verantwortlich gemacht wird für das, was er in Zukunft tut. Er bekommt neue Chancen, er darf neu anfangen, er kann bei dem, was er tut, nach Gottes Geboten fragen. Und er darf sich dessen bewusst sein, dass Gott niemanden niedermachen möchte, selbst den nicht, der großes Unrecht auf sich geladen hat. Kein Mensch ist so böse, dass Gott ihm nicht vergeben könnte. Kein Mensch hat so viel Unrecht getan, dass Gott ihn nicht doch immer noch liebhaben würde. Wann immer wir uns einer Schuld bewusst sind, dürfen wir dem Vorbild des Königs David folgen und dazu stehen. Und es wäre ein falscher Stolz, wenn wir die Vergebung Gottes nicht annehmen würden. Stolz dürfen wir vielmehr darauf sein, dass wir durch Gottes Gnade trotz allem leben dürfen und anderen Menschen Gottes Liebe weitergeben können! Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen nach der Predigt ein Beichtlied, mit dem wir uns selber prüfen können, ob wir vor Gott auch um Vergebung für belastende Schuld bitten müssen und wollen. Es ist das Lied 235:

O Herr, nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten

Und nun feiern wir – ausnahmsweise am zweiten Sonntag des Monats – das heilige Abendmahl miteinander, wie immer mit Brot und Traubensaft – dem reinen Gewächs des Weinstocks. Wer daran teilnehmen will, kommt nach vorn, wenn es so weit ist, die anderen mögen auf ihrem Platz bleiben und gehören auch zu uns dazu. Nach den Einsetzungsworten singen wir das Lied 190.2.

Barmherziger Gott, du trägst unsere Schuld, du stehst uns auch bei in unserer Unschuld. Du siehst, wofür wir verantwortlich sind, und wofür wir nichts können. Du siehst nicht nur unsere Stärke und unser Tun und unser Tun-Wollen und Tun-Können, sondern auch unsere Schwachheit, unsere Selbstüberschätzung und unsere Machtlosigkeit in manchen Dingen. Bewahre uns davor, uns etwas vorzumachen. Hilf uns, dass wir die Verantwortung übernehmen für Dinge, die wir steuern können. Vergib uns, was nicht richtig war! Und hilf uns, unsere Machtlosigkeit einzusehen, wenn wir Dinge wirklich nicht ändern können.

Und wenn wir uns Gedanken darüber machen, ob du uns vergibst und ob wir für dich gut genug sind – dann reiß uns heraus aus unseren fruchtlosen Grübeleien! Denn du lädst uns einfach ein, damit wir mit dir feiern und essen und trinken! Feiern willst du mit uns ein Fest der Vergebung! Danke, Gott, dass du uns annimmst, so wie wir sind! Danke, Gott, dass du mit uns immer wieder einen neuen Anfang machst! Amen.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Gott, hab Dank für deine Gaben! Lass uns nun getrost unsere Wege gehen, begleitet von deiner Liebe, und tun, was du uns aufträgst! Lass uns erkennen, dass wir es gar nicht nötig haben, uns ein dickes Fell anzuschaffen und auf eine scheinbare Stärke stolz zu sein. Lass vielmehr deine Kraft in uns schwachen Menschen mächtig sein. Hilf uns, aus der Liebe zu leben, die du uns schenkst und die unsere menschliche Würde ausmacht. Amen.

Wir beten mit den Worten, die uns unser Herr Jesus Christus gelehrt hat:

Vater unser
Lied 414:

Lass mich, o Herr, in allen Dingen auf deinen Willen sehn und dir mich weihn; gib selbst das Wollen und Vollbringen und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein. Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin; dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Gib meinem Glauben Mut und Stärke und lass ihn in der Liebe tätig sein, dass man an seinen Früchten merke, er sei kein eitler Traum und falscher Schein. Er stärke mich in meiner Pilgerschaft und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft.

Lass mich, solang ich hier soll leben, in gut und bösen Tagen sein vergnügt, und deinem Willen mich ergeben, der mir zum Besten alles weislich fügt; gib Furcht und Demut, wann du mich beglückst, Geduld und Trost, wann du mir Trübsal schickst.

Ach, hilf mir beten, wachen, ringen, so will ich dir, wenn ich den Lauf vollbracht, stets Dank und Ruhm und Ehre bringen, dir, der du alles hast so wohl gemacht. Dann werd ich heilig, rein und dir geweiht, dein Lob verkündigen in Ewigkeit.

Abkündigungen

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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