Wunderbare Geschöpfe eines liebenden Schöpfers

In einer Trauerfeier gehe ich auf die Frage ein, was es bedeutet, dass wir Menschen von Gott wunderbar geschaffen sind.

Wunderbare Geschöpfe eines liebenden Schöpfers: Schwarzweiß-Bild der Erschaffung Adams durch Gott von Michelangelo

Sind wir Menschen von Gott wunderbar geschaffen? (Bild: stux – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um von Herrn N. Abschied zu nehmen, der im Alter von [über 40] Jahren gestorben ist.

Wir trauern um ihn, wir wissen um das Schwere, das er in seinem Leben durchzustehen hatte, und wir sind dankbar, dass er unter uns gelebt hat.

Gedanken der Trauer und der Dankbarkeit, gemischte Gefühle, vieles, was uns auf der Seele liegt und wofür wir keine Worte oder keinen Ansprechpartner finden – manchmal hilft es, wenn wir es ausdrücken mit Worten der Bibel.

Wir beten mit Psalm 139:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -,

12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

13 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!

18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Liebe Frau N., liebe Trauerfamilie, liebe Gemeinde!

Wir blicken heute zurück auf das Leben von Herrn N., und ich möchte dabei zwei Worte aus dem Psalm beherzigen, den wir gehört haben. Da ist einmal Psalm 139, 17:

Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!

Diesem Satz können Sie wahrscheinlich gerade jetzt uneingeschränkt zustimmen. Schwer zu verstehen und zu ertragen ist es, was Gott Ihnen zumutet.

Aber dann ist da noch Psalm 139, 14:

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Auf diesen Gedanken komme ich noch ausführlicher zurück. Zunächst möchte ich nur auf die Dankbarkeit hinweisen, die hier ausgesprochen wird. Dankbarkeit, dass uns ein bestimmter unverwechselbarer Mensch geschenkt war. Denn die Dankbarkeit im Herzen, mit der wir uns an einen Verstorbenen erinnern, tröstet uns in der Trauer wohl am meisten.

Mit schweren Gedanken, jedoch nicht ohne Dankbarkeit im Herzen, betrachten wir das Leben, das in der letzten Woche zu Ende gegangen ist.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

War sein Leben erfüllt, war es glücklich? Es war sicher kein leichtes Leben. Der Unfall damals war ein tiefer Einschnitt; wir können nicht ermessen, wie sehr sich dieses Ereignis und seine Folgen in seine Seele eingegraben haben. Konnte er es dankbar annehmen, dass er wie durch ein Wunder überlebte, und das beste aus seinem Leben machen, oder fiel es ihm schwer, sich selbst so anzunehmen, wie er war?

Es gibt auf solche Fragen nie nur einfache Antworten, und jeder, der ihn kannte, hat seine eigene Geschichte mit ihm, seine eigenen Begegnungen und Prägungen. Da ist unendlich viel, was uns dankbar stimmt, vieles auch, was im Rückblick weh tut; in der Trauer muss viel durchgearbeitet werden.

Am wichtigsten sind die Erinnerungen an die schönen gemeinsamen Erfahrungen, auch an Herausforderungen, die bewältigt werden konnten. Es gab Zeiten, in denen er auf seine Selbständigkeit pochte und gerne allein war, aber in der Zeit, in der seine Kräfte nachließen und er sich nicht mehr allein versorgen konnte, war er dankbar für jede Hilfe. Zeitweise fühlte er sich wie im Schlaraffenland. Seine Mutter erfüllte ihm gern alle Wünsche, brachte ihm zum Beispiel sein Lieblingsessen ins Krankenhaus. Es war ihm wohl auch wichtig, noch einige Besuche bekommen zu haben in den letzten Monaten im Krankenhaus.

Zum Schluss war es eine Erlösung, dass er sterben konnte. Er war nicht allein, als es so weit war. Sie haben ihn begleitet, und er hat gespürt, dass Sie da waren. Am Ende musste er sein Leben loslassen, und Sie mussten ihn loslassen, das tut einfach weh, aber Sie hatten für ihn getan, was Sie tun konnten.

Ich komme zurück auf den einen Satz aus Psalm 139, 14:

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Sind wir so ein Wunderwerk Gottes? Können wir im Blick auf uns und auf den Verstorbenen so von einem Menschen reden? Manche Menschen melden ja Gott gegenüber Zweifel an, ob er denn nicht die Welt hätte vollkommener machen können. Warum gibt es Krankheiten, die gute und böse Menschen unterschiedslos treffen? Warum kann nicht jeder Mensch alt und im Frieden sterben?

Aber diese Fragen können wir nicht beantworten, und sie führen letzten Endes nur dazu, dass wir nicht nur an Gott, sondern auch an uns selber zweifeln, wenn nicht gar verzweifeln.

Ich will und kann Gott nicht verteidigen; ich weiß nur, dass wir Menschen auf Gottes Hilfe, auf seine Liebe angewiesen sind. Ohne Gott könnten wir keine Sekunde leben, ohne die Liebe Gottes wäre unser Leben ohne Sinn, ohne Gott könnten wir an diesem Ort nichts wirklich Tröstliches sagen. Aber wir dürfen auf Gott vertrauen, unser Leben aus seiner Hand nehmen.

Und darum können wir uns auch im Sterben und im Tod darauf verlassen, dass er uns nicht loslässt, wenn wir das Leben loslassen müssen. Er nimmt uns am Ende mit Ehren an, so heißt es in einem anderen Psalm der Bibel (73, 24). Wir bleiben bei Gott in der Ewigkeit gut aufgehoben und gehen nicht verloren.

Nicht alles erfahren wir als wunderbar auf dieser Erde. Es gibt Schicksalsschläge, mit denen wir nicht rechnen, die uns unvermittelt treffen, für die wir nicht dankbar sind. Es gibt Fehler, die wir machen, es gibt Enttäuschungen, die wir einander bereiten, manches bleibt man einander schuldig, ohne es wieder gut machen zu können.

Und trotzdem ist unser Leben auf dieser Erde ein Wunder. Jeder von uns ist wunderbar gemacht. Niemand hat sich selbst produziert, wir alle sind das Geschenk eines Schöpfers an uns selbst und an diejenigen, mit denen wir verbunden sind.

Wer dem Schöpfer danken kann, der hat es gut, denn dann erkennt unsere Seele etwas doppelt Wunderbares: nicht nur, dass unsere Welt in den Händen eines liebevollen Schöpfers ruht, sondern auch dass wir selbst wunderbare Geschöpfe dieses Schöpfers sind, der uns viel zutraut. Viel, aber nicht zu viel. Gott schenkt uns Liebe, und diese Liebe dürfen und sollen wir weitergeben. Nicht mehr und nicht weniger. In der Liebe, die wir empfangen und weitergeben, liegt das Geheimnis eines erfüllten Lebens.

Und wenn wir Liebe nicht oder nur wenig spüren? Was ist, wenn wir das nur unvollkommen leben, wozu wir auf dieser Erde bestimmt sind?

Ich glaube, es ist nie zu spät, sich der Liebe zu öffnen, es zu wagen, Schritte des Vertrauens zu gehen. Ich glaube sogar, dass manches, was hier auf Erden wie in Scherben liegt, von uns nur bruchstückhaft verwirklicht werden konnte, in der Ewigkeit bei Gott doch noch seine Vollendung findet. Dort bei Gott ist vollkommene Liebe, ewiges Glück, eine Erfüllung und ein Frieden, den wir uns hier gar nicht vorstellen können.

In diesem Vertrauen auf den Gott, der Wunder tut, dürfen wir heute Herrn N. getrost loslassen. Wir bestatten die Asche seines Leibes in der Erde, doch er selbst, seine unverwechselbare Person liegt nicht dort in der Erde, er bleibt aufgehoben in der Liebe Gottes, in einem Himmel, der für unsere Augen unsichtbar ist, der sich aber wie ein warmer Mantel um uns breitet, wo auch immer wir sind und sein werden. Amen.

Wir beten mit dem Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

Treuer Gott, du hast uns ewiges Leben verheißen. Ewiges Leben, das heißt: erfülltes Leben, erfüllt von Liebe, von Vertrauen, von Hoffnung, von Frieden.

Hilf uns, dass wir uns auf dein Wort verlassen und im Leben und Sterben auf deine Barmherzigkeit vertrauen. Wir denken an den Verstorbenen, den du aus unserer Mitte genommen hast. Wir danken dir für alles, was du an ihm getan hast, für Bewahrung und Liebe und für all das Gute, das du durch ihn auch uns gegeben hast.

Für das, was wir einander schuldig geblieben sind, bitten wir dich um Vergebung. Nimm von uns, was uns auf der Seele liegt. Tröste alle, die Herrm N. vermissen werden.

Barmherziger Gott, lass uns unser Leben im Vertrauen auf deine Liebe führen und lass uns nicht vergessen, was er uns Gutes getan hat und wie kostbar unser Leben ist. Amen.

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