Glaubensstärke in schwerem Leid

Trauerfeier für eine Frau, die aus dem Glauben heraus gelebt hat und für jeden da war, der sie brauchte, sowohl in ihrer Familie als auch unter den Flüchtlingen, die sie in ihrem Haus aufnahm. Auch schweres Leid konnte sie durch ihre Glaubensstärke bewältigen.

Glaubensstärke in schwerem Leid: Der Schriftzug "body" = "Körper" auf einem alten Grabstein

Nur der Körper liegt im Grab, nicht was einen Menschen wirklich ausmacht (Bild: aitoff – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. (Psalm 68, 20)

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, weil Frau T. im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist. Gott der Herr hat sie aus dieser Welt abberufen, um sie in die Ewigkeit aufzunehmen.

Wir sind traurig, weil wir sie geliebt haben und weil sie uns in unaussprechlicher Weise fehlt. Wir sind dankbar, weil sie so viele Jahre lang unser Leben mit uns geteilt hat. Mit allem, was wir empfinden, vertrauen wir uns Gott an.

Lasst uns beten mit Worten aus dem Psalm 23:

1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen.

Wir singen das Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

Liebe Familie T., liebe Trauergemeinde!

Von der führenden Hand Gottes haben wir gesungen, von dem Ziel, zu dem er uns führt, manchmal mitten durch die Nacht. Es gibt ein Ziel in unserem Leben, das wir alle nur durch die Nacht hindurch erreichen: das ewige Leben leuchtet uns in seiner Vollkommenheit erst dann und dort auf, wo wir unseren Tod durchschritten haben. Frau T. hat das Tor zur Ewigkeit durchschritten, ihr irdisches Leben hinter sich gelassen. Heute blicken wir zurück auf ihr Leben, das ein wahrhaft erfülltes Leben gewesen ist.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Als Sie geheiratet haben, bekamen Sie als Trauspruch eine Aufforderung des Paulus mit auf den Weg (Philipper 4, 4-6), die sich zum Teil wie eine Überschrift über Ihr Leben und vor allem das Leben von Frau T. liest:

Freuet euch in dem Herrn allewege…! Eure Güte lasst kundsein allen Menschen! … Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

Vieles in Ihrem Leben haben Sie im Nachhinein als ein Gottesgeschenk angesehen: mancherlei Glieder in einer langen Kette von Fügungen Gottes, die Ihr Leben geprägt haben.

Eins der größten Gottesgeschenke für Sie alle war jedoch Frau T. selbst mit ihrer ganzen Wesensart: Ihre Menschenfreundlichkeit war durch nichts zu beeinträchtigen. Für sie gab es keinen privaten Moment, wenn jemand sie brauchte; sie hatte immer Zeit, war immer für einen da. Das erlebten nicht nur ihr Mann und ihre eigenen Kinder und später die Enkelkinder, sondern auch Menschen, die aus ihrer Heimat nach Deutschland fliehen mussten und im Hause T. eine Zuflucht fanden. Man muss sich vorstellen, was es für diese Menschen in ihrer Entwurzelung bedeutete, hier nicht nur die deutsche Sprache erlernen zu können, sondern auch von Frau T. bekocht und mit freiem, weitem Herzen angenommen zu werden. Da entstanden, fern der Heimat, enge Bindungen, die niemals abgerissen sind.

Sie war neu-gierig, wissbegierig im guten Sinne; auch als sie älter wurde, machte es jungen Leuten Spaß, sich mit ihr zu unterhalten, denn sie konnte gut zuhören. Sie hat gern gegeben und gern etwas angenommen. Es waren echte Gespräche, manchmal lange Telefonate, in denen man sich einander mitteilte und die Meinung sagte, niemals nur Pflichtgespräche.

Intensiven Kontakt pflegte sie nicht nur zu ihren Lieben und ihr nahestehenden Menschen, sondern auch zu Gott; sie konnte beten, auf ganz natürliche, selbstverständliche Weise, aus einem tiefen vom Gefühl geprägten Glauben heraus.

Sie lebte aus der Zuversicht, die im Psalm 145, 18 so in Worte gefasst wird:

Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen.

Sie hat über ihren Glauben nicht diskutiert, nicht philosophiert, das war mehr die Stärke ihres Mannes, doch ihr war die Liebe Gottes stets gegenwärtig; sie wusste, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist und auch ihr beistehen würde, was auch immer geschieht.

Sie hat ihre Glaubensstärke sehr gebraucht, als sie von schwerem Leid geprüft wurde. Das Leben war für sie nicht immer ein Zuckerlecken.

Erinnerungen an schweres Leid im Leben der Verstorbenen

Sie war trotz allem ein fröhlicher Mensch und hat viel mit der Familie gelacht. Das hat sie sogar noch in den letzten Wochen getan, die sie im Krankenhaus verbringen musste. Als ihr etwas Lustiges vom kleinen Enkelkind erzählt wurde, haben Sie zum letzten Mal ihr schönes Lachen gehört.

Sie hat in Würde von dieser Welt Abschied nehmen können; sie war nicht allein, als sie starb. Sie haben mir gesagt: „Es war eine Ehre und ein Glück, dass wir so viel bei ihr sein durften.“ Auch andere haben sie noch einmal besuchen können; auch ich konnte drei Tage vor ihrem Tod an ihrem Krankenbett noch einmal mit ihr beten.

Es tut weh, von ihr Abschied zu nehmen und in diesem Leben ihre Stimme nicht mehr hören, ihr Gesicht nicht mehr sehen, ihre Hände nicht mehr spüren zu können. Tröstlich ist, dass sie in der Ewigkeit nicht verlorengeht. Denn wie Gott Geist ist, so ist der Mensch in seinem innersten Wesen ebenfalls Geist, der im Tode zu Gott zurückkehrt. Die Bibel erzählt, wie Gott den Menschen aus Erde formt und ihm etwas von seinem eigenen Atem einhaucht, damit er eine lebendige Seele wird. So spricht die Bibel von dem Geheimnis, dass wir Menschen als Geschöpfe Gottes mehr sind als Materie – und dass wir ohne Gott nichts als Staub sind.

Sie, lieber Herr T., haben mir von einem Grabstein erzählt, auf dem die Inschrift stand: „Nur der Körper!“ Wir legen die sterbliche Hülle ins Grab, aber das, was ein Mensch gewesen ist, mit Leib und Seele, mit seiner unverwechselbaren Geschichte, mit all dem, was er an Liebe erfahren und verschenkt hat, das geht im Tod nicht unter, sondern bleibt in Gottes Liebe ewig aufbewahrt und wird zur Vollendung geführt.

Im Vertrauen auf den lebendigen Gott und die Auferstehung von den Toten dürfen wir getrost heute den Weg zum Grab und dann den Weg der Trauer gehen und Frau T. in Liebe und Dankbarkeit loslassen. Die Worte aus dem Psalm 145, 18 sind auch an uns gerichtet, wenn wir in der Trauer Hilfe brauchen:

Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen.

Amen.

Wir singen aus dem Lied 331 die Strophen 1, 5 und 11:

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

5. Dich, Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine. Deinem eingebornen Sohn singt die heilige Gemeinde, und sie ehrt den Heilgen Geist, der uns seinen Trost erweist.

11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

Mit Psalm 145 beten wir zu Gott:

2 Ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.

3 Der HERR ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist unausforschlich.

4 Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen.

8 Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

13 Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für. Der HERR ist getreu in all seinen Worten und gnädig in allen seinen Werken.

14 Der HERR hält alle, die da fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

15 Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

16 Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.

17 Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.

18 Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen.

Gott, du bist Anfang und Ende. Du hast dieses Leben gegeben, jetzt kehrt es zurück in deine Hände.

Trauer bewegt uns und Dankbarkeit. Du hast das Leben von T. begleitet. Wir danken dir, dass wir Zeichen deines Segens in ihrem Leben erkennen können. Wir danken dir für die Liebe, die sie empfangen hat und anderen geschenkt hat.

Wir bringen vor dich auch, was sie belastet hat und was uns auf der Seele liegt. Schenke uns deinen Trost und die Gewissheit, dass wir uns wiedersehen, dass deine Liebe stärker ist als der Tod. Amen.

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