Ein stolzer Politiker muss Demut lernen

Vielleicht ist Elisa auf der Spur der geheimen Ursache für die Krankheit des bedeutenden Mannes. Auf dem Umweg über den Körper schreit seine Seele: Ich gehe kaputt, wenn ich immer alles meinem Willen unterwerfen muss. Wenn das stimmt, hat Elisa das richtige Heilmittel gewählt: Siebenmal im dreckigen Jordan baden. Das wäre für ihn schlimmer, als einen Krieg zu verlieren.

Schuppenflechte am Rücken

Worin der Aussatz des Naaman bestand, können wir nicht sagen (Bild einer Schuppenflechte: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 3. Sonntag nach Epiphanias, den 23. Januar 2000, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie alle und auch Euch Kinder und Konfirmanden herzlich im Gottesdienst mit dem Spruch für die kommende Woche. Er steht im Evangelium nach Lukas 13, 29 und lautet:

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

Vom Norden her kam Naaman nach Israel, ein General aus Syrien. Was wollte er hier im Volk Gottes, ein hochrangiger Politiker aus dem feindlichen Ausland? Er glaubte doch an ganz andere Götter. Wie erging es ihm, als er den Propheten Elisa traf? Davon hören wir heute in der Predigt.

Lied 322, 1-5:

1) Nun danket all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeld’t.

2) Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge tut;

3) der uns von Mutterleibe an frisch und gesund erhält und, wo kein Mensch nicht helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt;

4) der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet guten Muts, die Straf erlässt, die Schuld vergibt und tut uns alles Guts.

5) Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Wir kommen zu Dir, Gott, Du sorgst Dich um die Verwundungen unserer Seele. Du nimmst ernst, was wir empfinden. Du lässt aushalten, was unerträglich ist. Du weckst Vertrauen, indem Du uns annimmst mit unserer Angst.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Manchmal meinen wir, wir müssten immer stark sein, alles im Griff haben, nur freundlich, unerschütterlich. Aber dann zerbricht unsere Sicherheit, wir verlieren die Fassung, Depression überfällt uns, nur schlechte Gedanken und bittere Worte fallen uns ein. Wir beten:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gut, dass Du da bist, ein Gott, vor dem wir uns nicht verstecken müssen. Mit Worten aus dem Psalm 86 beten wir Dich an:

8 Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern, / und niemand kann tun, was du tust.

9 Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen / und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,

10 dass du so groß bist und Wunder tust / und du allein Gott bist.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, wie stehen wir da – oben oder unten, arm oder reich, einflussreich oder machtlos? Gott, wie kommen wir gut durchs Leben – mit Härte oder Sanftmut, mit Zähne-Zusammenbeißen oder Gelassenheit, mit Verbissenheit oder Vertrauen? Und, Gott, was bist Du für ein Gott? Tust Du wirklich Wunder? Machst Du uns wirklich heil? Was verlangst Du dafür von uns? Gott, lass uns nicht allein mit diesen Fragen. Gib uns bitte Orientierung durch das Wort der Bibel. Darum bitten wir Dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Die Kinder gehen nun mit ihrer Kindergottesdienst-Kerze nach unten. Viel Freude beim Kindergottesdienst!

Wir hören die Lesung aus 2. Könige 5. Es ist der Abschnitt, der vor unserem heutigen Predigttext steht:

1 Naaman, der Feldhauptmann des Königs von Aram, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wert gehalten; denn durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg. Und er war ein gewaltiger Mann, jedoch aussätzig.

2 Aber die Kriegsleute der Aramäer waren ausgezogen und hatten ein junges Mädchen weggeführt aus dem Lande Israels; die war im Dienst der Frau Naamans.

3 Die sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.

4 Da ging Naaman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm an und sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Lande Israel geredet.

5 Der König von Aram sprach: So zieh hin, ich will dem König von Israel einen Brief schreiben. Und er zog hin und nahm mit sich zehn Zentner Silber und sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleider

6 und brachte den Brief dem König von Israel; der lautete: Wenn dieser Brief zu dir kommt, siehe, so wisse, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist.

7 Und als der König von Israel den Brief las, zerriss er seine Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht!

8 Als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, sandte er zu ihm und ließ ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn zu mir kommen, damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 638: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Ein General aus Aram, aus dem heutigen Syrien, spielt die Hauptrolle im heutigen Predigttext. Er ist uns in der Lesung vorgestellt worden: Ein Siegertyp, als „trefflicher Mann“ hoch angesehen. „Gewaltig“ wird er genannt – durchsetzungsfähig, machtbewusst, ein Vollblutpolitiker. Nur ein Problem hat General Naaman: Er ist krank, aussätzig. Die Leute ekeln sich vor dem Anblick seiner Haut, empfinden ihn als von Gott gestraft. Wäre Naaman ein unbedeutenderer Mann gewesen, dann hätte man ihn nicht einmal in der Stadt geduldet. Bei dieser Krankheit versagt die Macht des Naaman. Kein Geld, kein Befehl, kein Arzt, kein Zauberpriester aus dem eigenen Land kann ihm helfen.

Die Ehefrau des großen Generals, die ihrem Mann den Rücken freihält für die Erfüllung seiner Aufgaben, hat eine Sklavin, die aus dem Volk Israel stammt. Ein junges Mädchen, vielleicht nicht älter als Ihr Konfirmandinnen. Man hatte sie geraubt und entführt, weggerissen aus ihrer Familie, in einem der letzten Kriege, den General Naaman gegen Israel gewonnen hatte.

Dieses Mädchen hätte Grund gehabt, Naaman zu hassen. Vielleicht hat sie wirklich manchmal gedacht: „Soll der, der mich entführen ließ, doch an seiner Krankheit krepieren! Soll der, für den ich schuften muss, doch bei lebendigem Leib verfaulen!“ Aber dann tut sie doch etwas ganz anderes. Sie erzählt ihrer Herrin von dem Propheten Elisa in der Hauptstadt ihres Landes, Samaria. Der hat schon viele gesund gemacht, sagt sie. Vielleicht kann er auch ihrem Herrn helfen.

Naaman beschließt, diese letzte Chance zu ergreifen. Wie später die Weisen aus dem Morgenland den neugeborenen König der Juden im Königspalast in der Landeshauptstadt Jerusalem suchen, so wendet sich Naaman an den Palast des Königs von Israel in Samaria, mit der Bitte um Hilfe.

Israels König zerreißt vor Zorn seine Kleider. Er denkt: Die Syrer suchen schon wieder Streit! Ich bin doch nicht Gott, ich kann diesen General doch nicht von seinem Aussatz heilen!

Da greift der Prophet Elisa selber ein. Er lässt dem König ausrichten: Lass doch den General aus Syrien zu mir kommen – dann wird er merken, es gibt noch Propheten in Israel!

Das ist eine Zumutung. Naaman ist in seinem Land der zweite Mann im Staat. Als Oberbefehlshaber vielleicht mächtiger als der König selbst. Und da kommt ein hergelaufener Prophet und zitiert den Machtpolitiker zu sich – nach dem Motto: „Wenn er was von mir will, soll er herkommen.“ Naaman hat schon so viele vergebliche Heilungsversuche hinter sich, dass er bereit ist, sogar diese bittere Pille zu schlucken. Er macht sich auf den Weg mit zehn Zentner Silber, sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleidern. So viel ist ihm seine Gesundheit wert. Dafür erwartet er natürlich, dass ihn Elisa gründlich untersucht und behandelt.

Aber Elisa reagiert sehr überraschend:

9 So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas.

10 Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden.

Ist das nicht eine furchtbare Beleidigung? Kein Empfang, keine Untersuchung, Abfertigung durch einen Boten nach Ferndiagnose, und dieser simple Ratschlag: Wasch dich siebenmal im Jordan. Der übrigens nicht gerade der sauberste Fluss war.

Kein Wunder, dass Naaman sofort umkehrt und verärgert die Rückreise antritt:

11 Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien.

12 Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, so dass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn.

Was war nur in Elisa gefahren, dass er so unklug handelte? Hatte ihn wirklich Gottes Geist dabei geleitet?

Ich habe eine Vermutung. Vielleicht weiß Elisa wirklich genug von Naaman. Vielleicht ist er auf der Spur der geheimen Ursache für die furchtbare Krankheit des bedeutenden Mannes. Der ist ja sozusagen dazu verurteilt, immer obenauf zu sein, ohne Selbstzweifel, immer führungsstark. Und sein Hautausschlag könnte eine Geheimbotschaft seiner Seele sein. Auf dem Umweg über den Körper schreit sie es heraus: Ich halte es nicht mehr aus! Ich kann nicht immer nur stark sein! Ich gehe kaputt, wenn ich immer nur siegen und über Leichen gehen und meinem Willen alles andere unterwerfen muss. Wenn das stimmt, dann hat Elisa genau das richtige Heilmittel gewählt:

Er lässt ihn spüren, dass sich nicht jeder beeindrucken lässt von seinem Titel und Beruf, von seinem hohen Rang im Militär, von seinem äußeren Auftreten, von seinen Geschenken. Elisa trifft ihn an seiner empfindlichsten Stelle – in seinem Stolz auf all das, was er erreicht hat, als trefflicher und gewaltiger Mann. Man muss sich einmal vorstellen, was für eine Demütigung es für ihn wäre, den Rat des Propheten zu befolgen: Siebenmal im dreckigen Jordan baden. Das wäre für ihn eine schlimmere Niederlage, als wenn er einen Krieg verlieren würde.

Aber Gott sei Dank hört der große Mann auf die kleinen Leute, die ihn umgeben:

13 Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan? Wieviel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein!

Die verständnisvollen Diener spüren, wie schwer es ihrem Dienstherrn fällt, dass er einmal nicht etwas Großes, sondern etwas Kleines tun soll. Doch sie bestärken ihn nicht in seinem Zorn und falschen Stolz. Sie appellieren an seine Einsicht: Hätte der Prophet viel von dir verlangt, mit Freuden hättest du alle Therapievorschläge befolgt. Aber vielleicht tut es dir gut, über deinen eigenen Schatten zu springen und etwas ganz einfaches zu tun.

Es ist ein Wunder: Naaman lässt sich überzeugen!

14 Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein.

Mit Naaman geht eine Verwandlung vor sich. Wie später bei Johannes dem Täufer taucht er unter im Jordan und wird rein. Da geht es nicht um Zauberkraft und Magie. Naamans Haut wird heil, weil seine Seele wieder ganz und heil ist. Heruntergestiegen ist er von seinem hohen Ross, seinen Stolz hat er überwunden. Er hat sich dem Ratschlag von Menschen anvertraut, die es gut mit ihm meinten, ohne dass er vorher wusste, was dabei herauskommt. Ein Mann ändert sich auf wunderbare Weise, und zugleich verschwindet sein Aussatz. Als Naaman den Elisa dankbar mit Geschenken überhäufen will, erteilt ihm der Prophet noch eine Lektion:

15 Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht.

16 Elisa aber sprach: so wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe: ich nehme es nicht. Und er nötigte ihn, dass er es nehme; aber er wollte nicht.

Elisa mutet dem Naaman zu, nicht einmal bezahlen zu dürfen für seine Heilung. Der gewaltige Feldherr soll nicht zurückfallen in altes Denken: Ich bin groß und mächtig, ich behalte die Dinge im Griff, ich kann für alles bezahlen. Naaman begreift. Es gibt Dinge, die sind nicht mit Geld zu bezahlen. Diesen Propheten kann er nicht kaufen. Und er erkennt: Das muss an dem Gott Elisas liegen. Der ist auch nicht käuflich. Der verschenkt alles.

17 Da sprach Naaman: Wenn nicht, so könnte doch deinem Knecht gegeben werden von dieser Erde eine Last, soviel zwei Maultiere tragen! Denn dein Knecht will nicht mehr andern Göttern opfern und Brandopfer darbringen, sondern allein dem HERRN.

18 Nur darin wolle der HERR deinem Knecht gnädig sein: wenn mein König in den Tempel Rimmons geht, um dort anzubeten, und er sich auf meinen Arm lehnt und ich auch anbete im Tempel Rimmons, dann möge der HERR deinem Knecht vergeben.

Naaman bittet. Er will ein wenig Erde aus dem Heiligen Land. Er will sich eine Gebetsecke einrichten und an den Gott Israels denken, wenn er sich wieder einmal elend fühlt und wieder in die Versuchung gerät, trotzdem den starken Mann zu spielen.

Und noch etwas wünscht sich Naaman: dass der Prophet Geduld mit ihm hat. Als hoher Staatsbeamter muss er an Opferfeiern für heidnische Götter teilnehmen, er muss seinen König im Tempel begleiten, stützen und führen. Kann Elisa ihm das verzeihen? Der Prophet antwortet in vertrauensvoller Toleranz.

19 Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden!

Der Prophet ist gewiss: Naamans neues Verhalten – ohne falschen Stolz, in neuer Demut, in einem Selbstbewusstsein, das sich auch der eigenen Grenzen bewusst ist – das wird ausstrahlen. Auch wenn er sich nicht ausdrücklich den einheimischen Göttern entgegenstellt, hier und da wird jemand fragen nach dem Gott, auf den er jetzt sein Vertrauen setzt. Und dann kann das Staunen beginnen über einen Gott, der solche Wunder tut: der kleine Menschen in Anspruch nimmt, um das Herz eines stolzen Menschen demütig zu machen. Mehr brauchen auch wir nicht: Wir dürfen getrost in dieser Welt leben – die trotz aller Bosheit und Korruption und menschlicher Schwachheit auch der scheinbar großen Menschen Gottes Welt bleibt. Ihm müssen wir keine Geschenke bringen, ihn können wir Gott sei Dank durch nichts in den Griff bekommen, ihm können wir uns einfach anvertrauen – mit allem. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 383 nach der Melodie von 402:

Herr, du hast mich angerührt. Lange lag ich krank danieder
Abkündigungen

Großer Gott, vor dir haben wir es nicht nötig, größer und stärker zu sein, als wir sind! Nimm uns an, einfach so, wie wir sind, und lass uns dich auch so annehmen, wie du bist: ein Gott mit freundlichem Angesicht, ein menschlicher Gott, der auf menschliche Weise nahe ist und tröstet, und der manchmal auch eine harte, schmerzliche Einsicht schenkt.

Großer Gott, gerade weil du groß bist, hast du es nicht nötig gehabt, immer hoch oben zu sein. Im Kind in der Krippe wurdest du ganz klein, ganz schwach, ganz Mensch, ganz einer von uns. Daher lass uns spüren, dass du uns nahe bist: in der Freude und im Leid, im Erfolg und im Scheitern, in der Rechtschaffenheit unserer Arbeit und auch in der Enttäuschung über menschliches Fehlverhalten. Lass uns nicht irre werden an Deiner Liebe trotz der Affären und aller Gewalt um uns herum.

Insbesondere beten wir heute für zwei Verstorbene aus unserer Gemeinde, für Frau …, … Jahre, und Frau …, … Jahre. Menschen, die wir im Tode loslassen müssen, legen wir in Deine liebevollen Hände, und auch uns selbst vertrauen wir uns Dir und Deinem Trost an mit allem, was wir empfinden. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir aus dem Lied 72 die Strophen

1) O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Herd, dass ihre Seel auch selig werd.

2) Erfülle mit dem Gnadenschein, die in Irrtum verführet sein, auch die, so heimlich ficht noch an in ihrem Sinn ein falscher Wahn;

3) und was sich sonst verlaufen hat von dir, das suche du mit Gnad und ihr verwundt Gewissen heil, lass sie am Himmel haben teil.

Zum Schluss noch ein Hinweis. Die Geschichte, die ich in der Predigt erzählt habe, geht eigentlich noch sehr spannend und aktuell weiter. Aber für heute war die Predigt schon lang genug. Darum folgt die Fortsetzung der heutigen Predigt am kommenden Sonntag. Dann geht es um den korrupten Diener des Propheten Elisa, um Gehasi – und um die spannende Frage: Wie geht Gott damit um, dass Menschen eine verantwortungsvolle Stellung zum eigenen Vorteil missbrauchen?

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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