Urlaub und Heimkehr

Für Jesus gilt, was jeder Mensch beherzigen muss, der anderen helfen will: Er braucht selber Hilfe, um stark zu sein. Er braucht Seelsorge, um ein guter Seelsorger zu sein. Er braucht den Kontakt mit Gottes Geist, das intensive Gebet, um als ein Mensch aus Fleisch und Blut auf Erden zugleich der Sohn Gottes sein zu können – mit unendlicher Liebe.

direkt-predigtGottesdienst um „halb 6 in Paulus“ am 14. Sonntag nach Trinitatis, den 28. August 2005, um 17.30 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Die Kirche ist mit Plakaten dekoriert, die Urlaubsstimmung signalisieren: Meer, Berge usw. Die Stühle sind vorne so weit wie nötig weggeräumt. Rechts steht ein mit Akten vollgestapelter Bürotisch, links ein Tischchen mit Sonnenschirm im Strandcafé.

Vorspiel: lebhaft
Während der lebhaften Musik sitzt jemand hektisch arbeitend am Bürotisch, schlürft seinen Kaffee in aller Eile, signalisiert Stress.

Frau Burk sitzt hektisch arbeitend am Bürotisch, schlürft ihren Kaffee in aller Eile, signalisiert Stress

Vorspiel: ruhig
Frau Burk verlässt er das Büro, geht an den Strand und erholt sich gemeinsam mit Frau Schau

Frau Burk verlässt er das Büro, geht an den Strand und erholt sich gemeinsam mit Frau Schau

Guten Abend, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie und euch alle herzlich Im Abendgottesdienst um „halb sechs in Paulus“. Die Szene während des Vorspiels hat schon angedeutet, um welches Thema es heute geht: Die Anforderungen des Alltags können so belastend werden, dass wir dringend Erholung brauchen und uns eine Auszeit wünschen: Wir sind urlaubsreif!

In diesem Gottesdienst denken wir nach über „Urlaub und Heimkehr“ und darüber, ob Jesus wohl so etwas wie Urlaub gemacht hat.

Wir singen aus dem Lied 503 die Strophen 1 bis 3 und 8:

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir haben in der kleinen Szene am Anfang an die Hektik und den Stress unseres Alltags nur kurz erinnert, ihn dann aber hinter uns gelassen. Wir tauchen in die Ruhe eines Gottesdienstes ein, eine Ruhe, in der es nicht die ganze Zeit leise sein muss, in der wir aber, ohne angespannt zu sein, aufatmen und uns auf Wesentliches konzentrieren können.

Wir lesen einen Text aus dem Buch des Predigers 3:

1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

2 Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;

4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Und ergänzen wollen wir heute: auch Arbeit hat seine Zeit und Urlaub hat seine Zeit, Stress hat seine Zeit und Erholung hat ihre Zeit.

Nun denken wir an das, was wir mit einem Urlaub verbinden und bringen es im Gebet vor Gott. Zwischen den einzelnen Teilen des Gebetes singen wir den kurzen Liedvers, den Markus Bernard erst vor kurzem gedichtet und komponiert hat: „Geh aus, mein Herz und such dein Glück!“ Er deutet das Lebensgefühl an, das viele mit einem Urlaub verbinden: unbeschwertes Glück finden, neue, unbekannte Welten erkunden, ohne die alltäglichen Zwänge und Notwendigkeiten einfach das tun können, was einem gefällt:

Text des Liedes von Markus Bernard: Geh aus, mein Herz und such dein Glück in einer neuen Welt. Geh aus, mein Herz und such dein Glück und tue das, was dir gefällt.Ein Mensch, mitten in der Hektik seines Alltags, betet:

Guter Gott, im Urlaub erhoffe ich mir, zur Ruhe zu kommen. Ich möchte ein wenig vergessen, was mich quält, möchte die Arbeit Arbeit sein lassen und den Lärm des Alltags verdrängen. Begleite mich auf diesem Weg in die Stille und lass mich dich in der Stille erfahren.

Geh aus, mein Herz und such dein Glück in einer neuen Welt.
Geh aus, mein Herz und such dein Glück und tue das, was dir gefällt.

Eine Büroangestellte betet:

Wenigstens einmal im Jahr möchte ich die Wohnungstür für ein paar Wochen abschließen, um in Urlaub zu fahren. Ich möchte aufstehen, wann es mir behagt; möchte in der Sonne liegen, den Sand durch die Finger rinnen lassen, Museen, Kirchen und Paläste bestaunen. Ich möchte Gott einen guten Mann sein lassen – nicht in dem Sinne, dass ich nichts von ihm wissen will, sondern in dem Sinne, dass ich ihm dankbar bin, dass ich auch einmal faulenzen und neue Kräfte tanken darf.

Geh aus, mein Herz und such dein Glück in einer neuen Welt.
Geh aus, mein Herz und such dein Glück und tue das, was dir gefällt.

Ein junger Familienvater, der im Beruf sehr eingespannt ist, betet:

Ich möchte einmal wieder richtig Vater sein, mit meinen Kindern spielen, mit meiner Frau spazieren gehen. Ich möchte ein Buch lesen, das keine Fachlektüre ist.

Geh aus, mein Herz und such dein Glück in einer neuen Welt.
Geh aus, mein Herz und such dein Glück und tue das, was dir gefällt.

Ein erfolgreicher Manager in der Computerbranche, der regelmäßig 80 Stunden die Woche arbeitet, betet:

Gott, hast du Zeit für mich? Ich habe keine Zeit für dich. Ich weiß nicht, wo ich dich in meinem vollen Terminkalender unterbringen sollte. In die Kirche gehen? Selbst wenn ich nicht auch sonntags am PC sitzen müsste – ich fände doch keine Ruhe für dich. In meinem Kopf rast es. Ich bin froh, Arbeit zu haben, auch wenn sie mich umbringt. Aber arbeitslos zu sein, das wäre die Hölle.

Geh aus, mein Herz und such dein Glück in einer neuen Welt.
Geh aus, mein Herz und such dein Glück und tue das, was dir gefällt.

Ein Arbeitsloser betet:

Ich kann es nicht ertragen, dass ich mir so nutzlos vorkomme. Ich brauche Mut dazu, mich immer und immer wieder zu bewerben und um eine Arbeitsstelle vorzusprechen. Je länger ich arbeitslos bin, um so wertloser komme ich mir vor. Wenn einer sagt: „Du hast doch immer Urlaub!“, dann fühle ich mich verspottet. Ich hätte gern Urlaub, denn dann hätte ich ja auch eine Arbeit, von der ich Urlaub haben könnte. Ich habe keine freie Zeit, ich habe leere Zeit, nutzlose Zeit. Gott, wirst du mir noch Chancen geben, die ich auch nutzen kann?

Geh aus, mein Herz und such dein Glück in einer neuen Welt.
Geh aus, mein Herz und such dein Glück und tue das, was dir gefällt.

Ein Mensch, der glauben möchte, aber an Gott zweifelt, versucht zu beten:

Fahr mit in meinen Urlaub, ans Meer oder in die Berge. Sei bei uns, ganz gleich, wo es hingeht. Ich will nicht nur heraus aus dem Trott. Ich will Ruhe, um deine Worte lauter zu hören. Vielleicht kann ich dann auch wieder besser beten.

Geh aus, mein Herz und such dein Glück in einer neuen Welt.
Geh aus, mein Herz und such dein Glück und tue das, was dir gefällt.

Ja, liebe Gemeinde – Urlaub machen – nicht jeder kann das so einfach. Aber manchmal gibt es ja auch kleine Auszeiten einfach zwischendurch. Ein schöner Feierabend, ein ruhiger Gottesdienst in der Kirche. Eine entspannte Stunde. Waren Sie in diesem Jahr schon im Urlaub? Sind Sie erst vor kurzem wieder heimgekommen? Oder haben Sie etwas erlebt, was für Sie wie ein Urlaub war? Wenn Sie möchten, dann dürfen Sie jetzt in der Kirche ein bisschen zusammenrücken und ihrer Nachbarin oder ihrem Nachbarn davon ein bisschen erzählen – was haben Sie erlebt im Urlaub oder in einer stillen Stunde. Und wenn Sie sich einfach nur urlaubsreif fühlen, dann können Sie auch davon erzählen. Wie gesagt, nur wenn Sie möchten; wir wollen niemandem Stress machen, der heute keine Lust zum Erzählen hat.

Zeit zum Erzählen

Jetzt stellen wir eine Frage an die Bibel: Brauchte Jesus eigentlich auch Urlaub? Konnte er Urlaub machen? Die Schriftlesung handelt davon, wie es war, als Jesus einmal von seiner Arbeit abschalten wollte.

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Matthäus 14, 13-21:

13 [Jesus] fuhr … von dort weg in einem Boot in eine einsame Gegend allein. Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den Städten.

14 Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, und er heilte ihre Kranken.

15 Am Abend aber traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Die Gegend ist öde, und die Nacht bricht herein; lass das Volk gehen, damit sie in die Dörfer gehen und sich zu essen kaufen.

16 Aber Jesus sprach zu ihnen: Es ist nicht nötig, dass sie fortgehen; gebt ihr ihnen zu essen.

17 Sie sprachen zu ihm: Wir haben hier nichts als fünf Brote und zwei Fische.

18 Und er sprach: Bringt sie mir her!

19 Und er ließ das Volk sich auf das Gras lagern und nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und brach’s und gab die Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk.

20 Und sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrigblieb, zwölf Körbe voll.

21 Die aber gegessen hatten, waren etwa fünftausend Mann, ohne Frauen und Kinder.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Wir singen aus dem Lied 324 die Strophen 1 bis 3, 8 und 13:

1. Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

2. Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.

3. Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?

8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.

13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wir haben eine Jesusgeschichte gehört, die mit der Speisung der 5000 endete. Aber heute geht es mir nicht um dieses Wunder, sondern um den Anfang der Geschichte; da will Jesus nämlich allein sein, Urlaub machen.

[Jesus] fuhr … von dort weg in einem Boot in eine einsame Gegend allein.

Er braucht Abstand von den Menschen, die ihn beanspruchen. Er zieht sich zurück, dreifach wird das betont: „von dort weg – in eine einsame Gegend – allein“.

Doch Jesu Kurzurlaub misslingt. Die Leute lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Sie spüren ihn auf, sie verfolgen ihn buchstäblich. Und Jesus vermag sich ihnen nicht zu entziehen: „sie jammerten ihn“, er fühlt ihre Not, er gibt ihnen, was sie brauchen: Seelsorge, Heilung, Nahrung für Leib und Seele. All das ist für Jesus harte, anstrengende Arbeit, darin ist er ganz Mensch, ein Mensch, der also auch Erholung braucht, der auch selber einmal auftanken muss. Für Jesus gilt, was jeder Mensch beherzigen muss, der anderen helfen will: Er braucht selber Hilfe, um stark zu sein. Er braucht Seelsorge, um ein guter Seelsorger zu sein. Er braucht den Kontakt mit Gottes Geist, das intensive Gebet, um als ein Mensch aus Fleisch und Blut auf Erden zugleich der Sohn Gottes sein zu können.

Heißt das, dass Jesu Macht begrenzt war? Seine Liebe kannte keine Grenzen, insofern er Anteil hatte an der Allmacht der Liebe des Vaters im Himmel. Doch er setzte diese Liebe um als Mensch unter Menschen und teilte so auch unsere Begrenzungen als Mensch.

Ich finde es schön, dass Jesus nicht nur ein Vorbild für uns ist in der Nächstenliebe und in der Arbeit für gute Ziele, sondern auch darin, dass man auftanken muss, Auszeiten und Erholung braucht. Aber ist es Jesus selbst denn gelungen, selber einmal Urlaub zu machen?

Wir hören noch einen Abschnitt aus Matthäus 14, 22-33, im Anschluss an den Text, den wir eben gehört haben:

22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe.

23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein.

Diesmal sorgt Jesus wirklich energisch auch einmal für sich selbst. Er vertreibt seine Jünger regelrecht aus seiner Nähe, dann lässt er auch das Volk weggehen, und um wirklich allein zu sein, steigt Jesus auf einen Berg, weg von den Niederungen des Alltags.

Es ist ein Alleinsein, das jedoch keine Einsamkeit ist. Denn Jesus nutzt diese Zeit, um zu beten. Also für eine ganz intensive Nähe zu dem, der ihn keine Kraft kostet, sondern der ihn mit neuer Kraft erfüllt. Ich denke, dass Jesus genau wie alle anderen Menschen alle Lasten und Sorgen, jedes zentnerschwere Gewicht von der eigenen Seele bei Gott abladen konnte.

Indem Jesus auf dem Berg sich neu vom Geist Gottes erfüllen lässt, macht er eine jener Gipfelerfahrungen, die Menschen im Urlaub erleben, wenn sie einen Berg erklommen haben oder eine besonders schöne Aussicht genießen dürfen.

Von solchen Gipfelerfahrungen schreibt Pater Anselm Grün:

„Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt.“ Joseph Freiherr von Eichendorff hat das gesagt…

Ich atme, ich lebe, ich schaue auf zum Himmel, weite Herz und Seele, lasse mich emporziehen, werde offen und staune. Ich danke dir.

Wir singen das Lied 620:

Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da

Wir haben vom Urlaub gesprochen als Erholung vom Stress, als Auszeit vom Alltag. Wir haben auch von Gipfelerfahrungen gehört, außergewöhnlichen Ausnahmeerlebnissen, die uns ein Hochgefühl vermitteln, von dem wir noch lange zehren.

Aber es gibt auch Menschen, die aus dem Urlaub nicht erholt zurückkommen.

Vielleicht haben sie sich nur geärgert über das Hotel oder über das Wetter, über andere Urlaubsgäste oder über Land und Leute.

Vielleicht haben sie es nicht geschafft, wirklich abzuschalten vom Alltag, haben die Sorgen mitgenommen und konnten noch nicht einmal, weg von zu Hause, irgendetwas ändern.

Oder haben sie vielleicht so sehr vom Alltag abgeschaltet, dass sie gar nicht mehr nach Hause zurückfinden und lieber ständig in einer Traumwelt des Ausnahmezustands und ewigen Urlaubs leben wollen, in der es keine Zwänge gibt?

Die Erwartungen an einen Urlaub können auch einfach zu hoch sein. Wer den Arbeitsalltag nur als Qual erlebt, aus dem er einmal im Jahr auftaucht, um sich im Urlaub alle Sehnsüchte zu erfüllen, der kann nur enttäuscht werden. Auch ein Urlaubsort ist nun mal nicht das absolut heile Paradies auf Erden, und um einen Urlaub wirklich genießen zu können, muss man sich auch einmal mit schlechtem Wetter abfinden und mit Mitmenschen auskommen, die genau so unvollkommen sind wie man selbst. Eine Legende vom Weg zweier Mönche weiß davon zu erzählen, wie die Suche nach dem Paradies auf Erden enden kann:

Zwei Mönche lasen in einem alten Buch, es gebe einen Ort auf dieser Welt, wo Himmel und Erde einander berühren. Sie lasen weiter: Wer diesen Ort finde, der habe das Glück seines Lebens gefunden. Da machten sie sich auf, diesen Ort zu suchen. Der Weg schien ungeheuer weit. Sie nahmen große Anstrengungen auf sich und konnten lange nicht finden, was sie suchten. Eine Tür sei dort, hatten sie gelesen, man brauche nur zu klopfen und einzutreten. Endlich fanden sie doch, was sie suchten. Sie standen vor der Tür und klopften an. Bebenden Herzens traten sie ein. Und als sie aufschauten, standen sie zu Hause in ihrer Klosterzelle.

Diese Legende weiß um die Wahrheit, dass der beste und erholsamste Urlaub der ist, der uns wieder nach Haus zurückführt. Auch die Heimkehr nach einem schönen Urlaub kann etwas sehr Schönes sein: die Freude, von lieben Menschen abgeholt zu werden und vermisst worden zu sein, die Freude einander erzählen zu können, was man erlebt hat, die Freude auf das, was einem vertraut ist, zum Beispiel endlich wieder das eigene Bett, die Vorfreude auch auf Herausforderungen, denen man sich nun mit neuen Kräften wieder stellen kann.

Auch wenn ein Urlaub ein „Urlaub vom eigenen Ich“ sein sollte, gelingt er nicht durch den Tapetenwechsel an sich; wir nehmen uns selber ja in den Urlaub mit. Wenn wir allerdings einen Urlaub nutzen, um abseits vom Alltagsstress innere Verhakungen zu überdenken und neue Entscheidungen zu treffen, dann ist ein „Urlaub vom eigenen Ich“ auch eine Chance, um neu zu uns selber zu finden – und uns dann auch in unseren Alltag wieder sozusagen „runderneuert“ mit nach Hause zu nehmen. Wenn ein Urlaub uns Herz und Seele geweitet hat, dann spüren wir mitten in unserem Alltag, dass der Himmel tatsächlich die Erde berührt.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

– betet ein Psalmdichter (Psalm 31, 9) und erfährt Gottes Nähe nicht als Einengung, sondern als Befreiung. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen den irischen Segenswunsch auf dem Liedblatt: „Möge die Straße uns zusammenführen“, ein Lied nicht ohne Humor:

Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein

Guter Gott, wann immer Menschen unterwegs waren, bist du bei ihnen gewesen. Du hast sie beschützt. Du warst mit den Kundschaftern in Kanaan, du hast ihnen die Schwierigkeiten nicht erspart und bist doch nicht von ihrer Seite gewichen. Wenn wir in den Urlaub fahren und uns sehnen nach Erholung und Ruhe, Begegnung und Gespräch, wenn wir die Natur suchen, das Meer oder die Berge, dann bitten wir dich: begleite du uns auf unserem Weg. Stärke unseren Mut und segne unsere Schritte. Segne die Menschen, denen wir begegnen. Beschütze uns auf unserem Weg, auf dass wir Gutes erleben und gut zurückkehren können.

Und wenn die Zeit unseres Urlaubes vorbei ist, wenn wir Menschen und Landschaft kennengelernt haben, wenn wir Zeit gehabt haben zum Ruhen, Schauen und für alles, was uns Freude macht, dann lass uns dankbar sein für gute Tage und auch für Tage, die mühsam waren. Begleite uns auf unserem Weg zurück, beschütze uns auf diesem Weg und hilf uns, die Erinnerung an diese Tage wach zu halten.

Insbesondere beten wir heute für zwei Verstorbene, deren irdischer Lebensweg durch Alltag und Sonntag hier auf Erden zu Ende gegangen ist. … Wir danken dir für all den Segen, den du ihnen und uns durch sie erwiesen hast, und wir bitten dich: Begleite die Angehörigen auf dem Weg ihrer Trauer und sei mit allen, die die Verstorbenen schmerzlich vermissen. Amen.

Was wir noch auf dem Herzen haben, bringen wir in der Stille vor Gott:

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen das Lied 407:

1. Stern, auf den ich schaue, Fels, auf den ich steh, Führer, dem ich traue, Stab, an dem ich geh, Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh, Ziel, das ich erstrebe, alles, Herr, bist du.

2. Ohne dich, wo käme Kraft und Mut mir her? Ohne dich, wer nähme meine Bürde, wer? Ohne dich, zerstieben würden mir im Nu Glauben, Hoffen, Lieben, alles, Herr, bist du.

3. Drum so will ich wallen meinen Pfad dahin, bis die Glocken schallen und daheim ich bin. Dann mit neuem Klingen jauchz ich froh dir zu: nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du!

Abkündigungen

Unser Herr Jesus Christus, geboren von der Jungfrau Maria, segne dich und behüte dich. Der Gott Abrahams und Saras lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Die heilige Geistkraft erfülle dich mit Gottvertrauen und Liebe und gebe dir Gottes Frieden. Amen.

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