Zwei verschiedene Kindertaufen

In der katholischen und evangelischen Kirche ist es üblich geworden, schon die kleinen Kinder zu taufen. Aber bei dir, du bist acht Jahre alt, ist es anders: Du hast schon viel von Gott und von Jesus gehört. Und irgendwann hast Du gesagt: „Jetzt will ich auch getauft werden; denn ich glaube an Jesus; ich will zu seiner Gemeinde gehören.“

Taufbecken mit eingravierten Fischen und einer Leiter

Ein Taufbecken mit eingravierten Kinderzeichnungen (Foto: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst als Kindergottesdienst am 5. Sonntag nach Trinitatis, den 3. Juli 1988, um 10.30 Uhr in der Reichelsheimer Kirche

Herzlich willkommen im Gottesdienst in der Reichelsheimer Kirche – guten Morgen! Besonders begrüße ich die Familie …, die mit ihrer kleinen Tochter … und ihren Paten hierher gekommen ist, um sie taufen zu lassen. Und ich habe noch einen besonderen Gruß – an …, der acht Jahre alt ist und ebenfalls heute getauft wird – hallo, …! Bei Dir ist es umgekehrt, nicht Du bist gebracht worden, sondern Du hast Deine Paten selber ausgesucht und auch Deine Eltern mitgebracht. Damit haben wir heute zwei Formen der Taufe in einem Gottesdienst – die Kindertaufe, bei der die Eltern entscheiden: Dieses Kind soll zur Gemeinde gehören, zu der auch wir uns gehörig fühlen – und die Taufe eines älteren Jungen, der sich selbst entschieden hat: Ich will getauft werden, will zur Gemeinde Jesu dazugehören. Vor allem freue ich mich, dass Du, …, wieder so gesund bist, dass wir Dich hier taufen können; denn vorgestern sah es noch so aus, als ob Du dazu heute gar nicht fit genug sein würdest.

Den Gottesdienst heute wollen wir als gemeinschaftlichen Gottesdienst mit Erwachsenen und Kindern feiern. Wir haben ihn zwar nicht als Familiengottesdienst angekündigt, aber es wäre schade, wenn auch in seinem Taufgottesdienst der … dann nachher die Kirche verlassen würde. Und uns Erwachsenen tut es auch immer wieder gut, uns bewusst zu machen, dass jung und alt, die Kleinen und die Großen gemeinsam zur Gemeinde gehören.

Lied 322, 1+5-7
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Als Jesus auferstanden war und seinen Freunden erschien – unerklärlich, in seiner neuen Gestalt – da sagte er zu ihnen (Markus 16, 16 – GNB):

Wer zum Glauben kommt und sich taufen lässt, der wird gerettet. Wer nicht glaubt, den wird Gott verurteilen.

Vielleicht merken wir: es ist eine ernste Sache mit dem Glauben. Unser Leben hat nur dann einen Sinn, wenn wir das Vertrauen zu Gott finden und auch daran festhalten.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Lasst uns beten:

Gott im Himmel, wir können Dich nicht sehen, wir können uns kein festes Bild von Dir machen, uns fällt es schwer, an Dich zu glauben.

Aber trotzdem hast Du uns Menschen gezeigt, wie Du für uns da bist. Du hast die Welt so eingerichtet, dass wir auf der Erde leben können, dass Kinder von ihren Eltern geboren werden, versorgt, beschützt und geliebt werden.

Du bist in Jesus Christus selbst auf die Welt gekommen, auch als ein kleines Baby. Du hast in Jesus auf der Erde gelebt wie wir, nur ohne Sünde, denn Jesus hat sich immer nach Deinem Willen gerichtet und sogar sein Leben für die Liebe eingesetzt.

Hilf uns, Gott, dass wir Dir vertrauen können. Hilf uns, dass wir uns auch nach Deinem Willen richten. Hilf uns, dass wir nicht nur an uns selber denken, sondern unsere Mitmenschen lieben wie uns selbst.

Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus der Apostelgeschichte 16, 9-10.12-15. Diese Geschichte erzählt davon, wie die Botschaft von Jesus Christus zum erstenmal in Europa, nämlich in Mazedonien, das ist im Norden von Griechenland, verkündet wurde (GNB):

9 [In Troas, im Norden der heutigen Türkei,] hatte Paulus in der Nacht [einen Traum]: Er sah einen Mann aus Mazedonien vor sich, der ihn bat: „Komm zu uns herüber und hilf uns!“

10 Daraufhin suchten wir sofort nach einem Schiff, das uns nach Mazedonien mitnehmen konnte. Denn wir waren sicher, dass Gott uns gerufen hatte, den Menschen dort die Gute Nachricht zu bringen.

12 [In Mazedonien angekommen, gelangten wir] nach Philippi, einer Stadt … von römischen Bürgern. Wir hielten uns einige Tage dort auf

13 und warteten auf den Sabbat. Dann gingen wir vor das Tor an den Fluss. Wir vermuteten, dass sich dort Juden zum Gebet versammeln würden. Wir setzten uns und sprachen mit den Frauen, die gekommen waren.

14 Eine von ihnen war Lydia; sie stammte aus Thyatira und handelte mit Purpurstoffen. Sie hielt sich zur jüdischen Gemeinde. [Gott] weckte ihre Aufmerksamkeit, und sie hörte genau zu, als Paulus sprach.

15 Sie ließ sich mit allen ihren Leuten taufen. Darauf lud sie uns in ihr Haus ein und sagte: „Wenn ihr überzeugt seid, dass ich Jesus als meinen Herrn angenommen habe, dann müsst ihr meine Gäste sein!“ Sie drängte uns, mit ihr zu kommen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Liederheft 69, 1-5: Du, Vater, schenkst uns Leben

Liebe Leute hier in der Kirche, liebe große Leute und liebe kleine Leute!

In der Geschichte eben haben wir etwas von einer Taufe gehört, von der ersten Taufe auf europäischem Boden. Es ist interessant: das erste Mitglied der christlichen Kirche in Europa war eine Frau! Das war zwar selten damals, aber es gab sie doch: Frauen, die ihren eigenen Beruf ausübten, selbstbewusste Frauen, die ihre eigenen Entscheidungen trafen und sich mit ihrer Überzeugungskraft durchsetzen konnten. Das erwähne ich, weil Paulus sonst ja nicht gerade eine hohe Meinung von Frauen hatte; aber Lydia muss auch ihn sehr beeindruckt haben.

Wie war das nun bei ihr mit der Taufe? Wie kam sie dazu, sich taufen zu lassen? „Gott weckte ihre Aufmerksamkeit“, heißt es da, „und sie hörte genau zu, als Paulus sprach.“ Das ist schon alles. Das genügte, um sie zu einer überzeugten Christin zu machen. Sie spürte, dass Paulus etwas zu sagen hatte, sie wurde irgendwie angerührt von Gott selbst, als Paulus sprach, sie hörte zu, und sie kam von diesem Jesus nicht mehr los, von dem Paulus so begeistert erzählte. Vielleicht war es das, was sie schon immer ersehnt hatte: die Botschaft von einem, der die Frauen nicht verachtete, die Botschaft von Gott, der alle Menschen lieb hat, die Großen und die Kleinen, die Starken und die Schwachen, die Buben und die Mädchen, die Männer und die Frauen, die Juden und die Griechen, die Einheimischen und die Ausländer. Lydia brauchte keinen langen Unterricht in Religion mehr: „Sie ließ sich mit allen ihren Leuten taufen.“ Uns sie hatte einen so großen Einfluss auf ihre Leute, dass sie es ihr einfach nachmachten, sie zogen mit.

Lydia war also die erste Christin in ganz Europa. Paulus wird sie im Fluss, dort, wo wohl auch Wäsche gewaschen wurde, getauft haben, ganz untergetaucht haben, gleich nachdem sie den Wunsch äußerte, zu Christus zu gehören. Was war nun mit den anderen, die mit ihr zusammen getauft wurden? Von ihnen wird nicht ausdrücklich berichtet, dass sie genauso zum Glauben gekommen wären. Sie machten eben einfach mit.

Heute ist es in den großen Kirchen, z. B. der katholischen und evangelischen Kirche, üblich, schon die kleinen Kinder zu taufen. In kleineren Kirchen, in den evangelischen Freikirchen z. B., tauft man dagegen erst dann, wenn der heranwachsende Mensch sich selber dafür entscheiden kann. Beides hat seine guten Gründe. Der Glaube gehört zur Taufe untrennbar hinzu; deshalb ist es verständlich, wenn die Freikirchen sagen: Also warten wir mit der Taufe, bis ein junger Mensch sagen kann: „Ich glaube an Jesus Christus!“ – und dann wird er getauft. Aber andererseits ist die Taufe auch ein Zeichen dafür, dass Gott schon seit unserer Geburt Ja zu uns gesagt hat, dass Gott uns liebt, bevor wir ihn lieben können. Und deshalb kann man auch sagen: Wir taufen ein Kind, um zu zeigen: „Auch dieses Kind gehört zu Gott!“ – und wir wollen dazu beitragen, dass es in die Gemeinschaft der Christen hineinwächst, zu der wir schon gehören.

Bei Dir …, ist es so gewesen: Du hast schon viel von Gott und von Jesus gehört, zu Hause, im Kindergottesdienst, in der Schule. Und irgendwann hast Du gesagt: „Jetzt will ich auch getauft werden; denn ich glaube an Jesus; ich will zu seiner Gemeinde gehören.“ Deine Eltern haben das sehr ernst genommen, als Du das gesagt hast, und wir spüren, wie wichtig Dir dein Wunsch ist, getauft zu werden. Es ist bei Dir also so ähnlich wie bei der Lydia; erst von Gott gehört, an Gott geglaubt, und dann getauft.

Bei … wird die Reihenfolge vertauscht sein: erst die Taufe, dann der Glaube. Bei ihr wird es so ähnlich sein wie bei den Gefährtinnen und Gefährten der Lydia: sie werden einfach mitgenommen in die christliche Gemeinde hinein und machen erst dann ihre eigenen Erfahrungen mit Gott. Es ist also nicht bei allen gleich, wie sie Christen werden: Einige erleben eine plötzliche Bekehrung, andere fühlen sich mehr und mehr von Christus angesprochen, viele wachsen langsam in die Gemeinde hinein, manche bekommen erst im Konfirmandenunterricht etwas davon mit, was der Glaube wirklich bedeutet, und es gibt auch welche, die fangen durch eine Krankheit oder einen Todesfall an, über Gott nachzudenken.

Die Kindertaufe ist ein besonderer Fall. Schade ist es, wenn Eltern nur denken: „Wir taufen ein Kind, weil es alle tun. Es soll später keine Nachteile haben. Schaden kann es ja nichts.“ Nein, liebe Eltern und liebe Paten, Sie laden eine große Verantwortung auf sich, wenn Sie Ihr Kind taufen lassen: Sie sind nämlich die ersten Vorbilder für …, und was Sie ihr vorleben, auch in Sachen des Glaubens, das wird sie Ihnen abkucken. Wenn Sie z. B. die religiöse Erziehung der Schule und dem Konfirmandenunterricht überlassen wollten, dann würde … lernen, dass Religion wohl nicht so wichtig ist, nicht mitten ins Leben gehört. Wenn Sie allerdings selber nach Gott fragen und Ihr Kind mit in die Gemeinde hineinnehmen, mit Zweifeln und Glaubensproblemen ruhig auf andere Christen zugehen, dann wird … es leichter haben, ihren eigenen Glauben zu finden. Daher habe ich als Taufspruch für … einen Vers aus dem Buch Jeremia ausgesucht (29, 13-14):

Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.

Es käme also darauf an, dass … lernt – und Du, …, hast davon, glaube ich, schon allerhand mitgekriegt: Gott gehört mitten ins Leben, er ist nicht nur der, zu dem wir beten, wenn’s uns schlecht geht, er ist auch der, dem wir danken, wenn wir es schön haben. Wir leben davon, dass Gott uns geschaffen hat, dass Gott uns lieb hat. In dem Lied eben haben wir davon gesungen: „…weil wir dir wichtig sind.“ Und dann ist Gott natürlich auch dann für uns da, wenn wir in Not sind. „Du, Vater, willst uns heilen…“ Immer und überall können wir zu Gott beten. „Wir können mit dir reden…“ Und wenn wir etwas getan haben, was wir nicht tun sollten, dann schickt Gott uns nicht weg; er schimpft uns nicht aus, und lacht auch nicht über uns. „Du… nimmst uns wieder an.“

Ein Kind christlich erziehen heißt, dass wir selber als Erwachsene mit diesem Gott leben, dass wir offen für die Art sind, in der Jesus mit den Menschen umgegangen ist, und dass wir immer wieder neu dazulernen. Dann lernen auch Kinder gern von uns.

Auch Du, …, wirst noch viel von Gott lernen. Du bist schon acht Jahre weiter als die …, aber Dein Weg mit Gott geht weiter. Dieser Weg geht bestimmt mal rauf und mal runter, aber nie wird Dich Gott dabei allein lassen. Darum habe ich Dir einen Taufspruch ausgesucht, der im Buch Josua 1, 9 steht (GNB):

Sei tapfer und entschlossen! Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.

Auch Du hast Dir außerdem Deine Eltern mitgebracht und Deine Paten ausgesucht, weil Du weißt, dass Du auch noch Menschen auf Deinem Weg brauchst, die Dir weiterhelfen.

Den anderen, den Größeren und den Großen sei gesagt: Auch wir hören nie auf, im Glauben dazuzulernen. Wer meint, er wäre schon ein fertiger Christ, der ist innerlich erstarrt, dem spürt man nicht mehr ab, dass er nach Gott fragt oder aus dem Glauben lebt.

Immer wieder haben wir es nötig, darum zu bitten, dass Gott uns Glauben schenkt. Das tun wir nun mit den Worten des alten Glaubensbekenntnisses. Wenn wir vielleicht auch nicht alle Einzelheiten verstehen und bejahen, so können wir uns doch von diesem Bekenntnis im Ganzen getragen fühlen, denn es verbindet uns mit den Christen aller Jahrhunderte und aller Völker der Erde:

Glaubensbekenntnis

Aber wir können den Glauben auch anders bekennen, nicht in so alten Formen, die vor allem den Kindern vielleicht viel zu ernst vorkommen. Wir können auch fröhliche Glaubenslieder singen. Eins singen wir jetzt, bevor wir dann wirklich zu den Taufen kommen:

Liederheft 68, 1-3: Ein kleiner Spatz zur Erde fällt
Taufen
Lied 200, 1+2
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Anstelle einer Predigt nun noch eine Geschichte von einer Taufe – in der Bibel steht sie gleich im Anschluss an die Geschichte von der Lydia – Frau Kleespieß erzählt sie uns…

Eine Taufe im Gefängnis

Manchmal meinen wir, der Glaube müsste etwas Großartiges sein. Manchmal meinen wir, es dürfte uns nichts mehr schiefgehen, wenn wir Christen sind. Manche Christen denken auch, dass Christen sich sicherer fühlen und nicht so sehr von Ängsten geplagt sind wie andere Menschen.

Aber der Glaube ist oft auch ganz klein. Wir sind nicht immer nur die Starken. Wir sind oft auch die ganz Schwachen. Auch wir fragen manchmal: Warum muss das ausgerechnet mir passieren? Wie kann Gott das zulassen! Warum ist vieles im Leben so kompliziert, so verrückt, so schwierig, so böse? Dann, liebe Leute, klein und groß, vergesst nicht: schon Jesus ging es so. Er war nicht der strahlende Held, sondern der unscheinbare Mensch, der gelebt hat wie wir, der auch schwere Tage kannte und langweilige, der Angst gekannt hat und Tränen. Aber er hat immer wieder auch das Gebet gesucht. Alles hat er geteilt mit seinem Vater im Himmel, er hat es ihm mitgeteilt, und daher bekam er neue Kraft. Und so kann auch in uns seine Kraft wirken, auch wenn wir nur einen kleinen Glauben haben und immer wieder schwach und mutlos sind. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Liederheft 92, 1-4: Alles muss klein beginnen
Schlussgebet und Vater unser
Lied 170, 1-4
Abkündigungen
Segen

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